27.02.2017

Bluthochdruck: Tut nicht weh

© Alamy / fabioberti.it / maurit

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von Dr. Claudia Bruhn

Bluthochdruck bleibt häufig lange unbemerkt, denn leicht bis moderat ausgeprägt verursacht er kaum Symptome. Eine rechtzeitige Diagnose kann helfen, kardiovaskuläre Folgeschäden zu vermeiden.

  • Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, die kaum Beschwerden verursacht, aber lebensbedrohliche Folgeschäden wie Schlaganfall verursachen kann.
  • Wird in der Apotheke ein Blutdruck über 140 zu 90 mmHg gemessen, ist dem Kunden ein Arztbesuch zu empfehlen.
  • Die verfügbaren Wirkstoffe werden häufig auch in Zweier- oder Dreierkombinationen eingesetzt.
  • Bluthochdruck muss meist lebenslang behandelt werden. Da die Therapietreue der Patienten oft unzureichend ist, sollte die PTA zur regelmäßigen Einnahme der verordneten Medikamente motivieren.

Der Bluthochdruck gehört zu den großen Volkskrankheiten. Erhebungen zufolge sind gegenwärtig zwischen 30 und 45 Prozent der Erwachsenen in Europa davon betroffen. Da die Bevölkerung immer älter wird, ist in den nächsten Jahren mit einer Zunahme der Erkrankungszahlen zu rechnen. Trotz einer Vielzahl verfügbarer Medikamente erreichen nur zwischen fünf und 20 Prozent der Behandelten ihren Blutdruck-Zielwert.

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An der Regulation des Blutdrucks sind mehrere Organe beteiligt. Die größte Rolle spielen das Herz, das Gefäßsystem und die Nieren. Mit einer Vielzahl von Stellschrauben sorgt der Organismus für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks. Blutdruckerhöhend wirkt beispielsweise das Hormon Adrenalin, indem es die Herzfrequenz erhöht und die Blutgefäße verengt. Die Niere greift in die Blutdruckregulation über die Steuerung des Wasser- und Salzhaushaltes ein. So führt beispielsweise ein zu niedriger Blutdruck in der Niere zur Ausschüttung des Hormons Renin, das Teil des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) ist. Über mehrere Stufen kommt es schließlich zur verstärkten Bildung des gefäßverengend wirkenden Hormons Angiotensin II, und der Blutdruck steigt wieder auf Normalniveau.

Ursachen von Bluthochdruck

Die Ursachen von Bluthochdruck (Hypertonie) sind vielfältig und häufig nicht herauszufinden. Dann handelt es sich um eine eigenständige Krankheit; man bezeichnet sie als essenzielle oder primäre Hypertonie. Etwa jeder zehnte Betroffene leidet an einer sekundären Hypertonie, bei der eine Grundkrankheit die Ursache des Bluthochdrucks ist. Dies können Nierenerkrankungen (z. B. diabetische Nephropathie), Hormonstörungen wie erhöhte Aldosteronspiegel (Hyperaldosteronismus), erhöhte Schilddrüsenhormonwerte (Hyperthyreose) oder auch nervale Störungen sein.

Wechseljahre

Bei etwa jeder zweiten Frau entwickelt sich zu Beginn der Wechseljahre ein Bluthochdruck. Ursache sind die Hormonumstellungen in dieser Zeit. Der Blutspiegel des Östrogens, das blutdrucksenkend wirkt, sinkt ab. Manche Frauen nehmen aus verschiedenen Gründen an Gewicht zu. Fettgewebe setzt aber zusätzlich blutdrucksteigernde Hormone frei. Psychische Probleme, unter denen manche Frauen in den Wechseljahren leiden, können sich ebenfalls negativ auf den Blutdruck auswirken.

Vorsorge-- Da die Blutdruckerhöhung in den Wechseljahren häufig unerkannt bleibt, sollte der Blutdruck nach der Menopause regelmäßig gemessen werden.

Lebensweise-- Eine gesunde Lebensweise mit körperlicher Aktivität, ausgewogener Ernährung mit Verzicht auf zu viel Fett und Zucker tragen dazu bei, den Blutdruck im Normbereich zu halten. Nach den Empfehlungen der Fachgesellschaften sind nicht medikamentöse Maßnahmen wie diese auch der erste therapeutische Schritt nach der Diagnose einer Hypertonie, wenn sie mild ausgeprägt ist und nur wenige Risikofaktoren vorliegen. Erst nach einigen Wochen werden Medikamente verordnet. Lebensstiländerungen sind auch bei schweren Hypertonieformen fester Bestandteil der Therapie.

Grenzwerte

„Ist er zu hoch?“ Diese Frage hört die PTA oft, nachdem sie bei einem Patienten den Blutdruck gemessen hat. Daher sollte sie die Grenzwerte für eine Hypertonie, aber auch für zu niedrigen Blutdruck (Hypotonie) kennen. Für diese Erkrankung gilt ein Messwert unter 100 zu 60 mmHg als Grenze. Auch bei zu niedrigem Blutdruck sollte die PTA Betroffenen raten, zur weiteren Abklärung einen Arzt aufzusuchen.

Optimal-- Die idealen Blutdruckwerte liegen bei Erwachsenen unter 120 zu 80 mmHg. Werte bis 129 zu 85 mmHg gelten als normal, solche bis 139 zu 89 mmHg als hochnormal.

Zielblutdruck-- Darunter versteht man den Wert, den ein Patient mit hohem Blutdruck unter der Behandlung erreichen sollte, also das Therapieziel. Noch vor einigen Jahren galt bei Ärzten das Motto „Je niedriger, desto besser!“. Später hat man erkannt, dass eine allzu strikte medikamentöse Blutdrucksenkung auch die Nebenwirkungsrate erhöht und es besser ist, die Therapie individuell auf die Situation des Patienten abzustimmen. Weiterhin gilt: Solange der Zielblutdruck nicht erreicht ist, soll die medikamentöse Therapie intensiviert werden.

Leitlinien-- Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Hochdruckliga, die auf einer europäischen Empfehlung basiert, empfiehlt fast allen Patienten einen Zielblutdruck von < 140/90 mmHg.

Dabei gelten folgende Ausnahmen:

  • Bei Patienten mit Diabetes mellitus sollte ein Blutdruck von 140 zu 80-85 mmHg angestrebt werden.
  • Bei gebrechlichen, älteren Patienten und bei einem Alter über 80 Jahre wird ein Blutdruck von 140-150 zu 90 mmHg empfohlen.
  • Bei Patienten mit Nierenschädigung und Eiweißausscheidung im Urin ab einem bestimmten Grenzwert sollte ein Zielblutdruck von < 130 zu 90 mmHg erwogen werden.

Diskussionen-- Diese Zielwerte werden regelmäßig aktualisiert. Das ist beispielsweise notwendig, wenn Studienergebnisse vorliegen, die eine Überarbeitung der Empfehlungen sinnvoll erscheinen lassen. Ende 2015 wurden die Ergebnisse der SPRINT (Systolic Blood Pressure Intervention Trial-Studie) veröffentlicht, die gezeigt hatte, dass für eine bestimmte Gruppe von Patienten, nämlich solche mit hohem kardiovaskulärem Risiko (aber ohne Diabetes mellitus oder früherem Schlaganfall), der systolische Blutdruck auf Werte um 120 mmHg und weniger gesenkt werden sollte, um das Risiko tödlicher und nichttödlicher kardiovaskulärer Ereignisse und die Gesamtsterblichkeit zu senken. Diese Ergebnisse könnten in Kürze dazu führen, dass die Leitlinienempfehlungen angepasst werden.

TIPP!

Auch negativer Stress treibt den Blutdruck in die Höhe. Raten Sie Ihren Kunden, Entspannungstechniken wie autogenes Training, Qi Gong oder progressive Muskelentspannung zu erlernen, um damit die Stressbewältigung zu verbessern.

Folgen von Bluthochdruck

Bluthochdruck tut nicht weh, und gerade das macht ihn so gefährlich. Denn ein über Jahre unerkannter und unbehandelter Bluthochdruck kann lebensgefährliche Folgen haben.

Herzinfarkt-- Schon bei mildem Hypertonie-Grad ist das Risiko für die koronare Herzkrankheit erhöht; über 160 mmHg systolisch ist das Risiko gegenüber Gesunden verdoppelt.

Herzinsuffizienz-- Bluthochdruck ist eine wichtige Ursache der Herzschwäche. Dass das Herz permanent gegen den erhöhten Druck in den Arterien arbeiten muss, hat negative Folgen. Der Energieverbrauch ist erhöht, und im linken Herzen kommt es zu Umbauvorgängen, bei denen beispielsweise für die Herzkontraktion wichtige Muskelzellen in funktionslose Zellen umgewandelt werden (Remodeling).

Schlaganfall-- Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für Schlaganfall.

Nierenschäden-- Die Beziehung zwischen Nierenfunktion und Blutdruck ist ein Wechselspiel: Eine unbehandelte Hypertonie schädigt auf Dauer die Nieren, andererseits kann eine geschädigte Niere zur Entwicklung eines Bluthochdrucks beitragen, da sie eine wichtige Rolle bei der Druckregulation im Körper spielt.

Gefäßschäden-- Der krankhaft erhöhte Druck in den Arterien führt zu Gefäßveränderungen wie Verdickungen, Wucherungen und Verengungen.

Blutdruck richtig messen

Ein Blutdruckwert besteht aus einem oberen (systolischen) und einem unteren (diastolischen) Wert. Bei der Systole kontrahiert der Herzmuskel und pumpt Blut aus der linken Herzkammer in die Aorta. Während der Diastole saugt das Herz Blut aus den Vorhöfen in die Herzkammern, bevor dieser Zyklus wieder aufs Neue beginnt.

Schwankungsbreite-- Der Blutdruck eines Menschen ist Schwankungen unterworfen. Vielleicht hat ein Kunde gerade einen starken Kaffee getrunken, bevor er die Apotheke aufgesucht hat? Oder er musste sich beeilen, um vor Ladenschluss rechtzeitig dazu sein? In beiden Fällen ist sein Blutdruck wahrscheinlich höher als normalerweise.

Weißkittelhochdruck-- Bei manchen Menschen verursacht das Blutdruckmessen in der Arztpraxis so viel Stress, dass deutlich überhöhte Werte (systolisch 10 bis 15 mmHg, diastolisch 5 bis 10 mmHg über dem üblichen Wert) bestimmt werden.

Vielfalt-- Ein in der Arztpraxis einmal pro Quartal bestimmter Wert ist nicht besonders repräsentativ. Fachgesellschaften empfehlen daher, auch außerhalb der Arztpraxis Blutdruckmessungen vorzunehmen. Dazu gehört auch die Messung in der Apotheke. Außerdem werden vom Arzt Langzeitblutdruckmessungen (24-Stunden-Messung) veranlasst. Sie bieten den Vorteil, den Blutdruckverlauf während des Schlafes aufzeichnen zu können. Darüber hinaus hilft die häusliche Blutdruckmessung, bei der der Patient seine Werte idealerweise in einem Tagebuch festhält oder im Gerät abspeichert, dem Arzt bei seiner Therapieentscheidung.

Faktum

  1. Lungenhochdruck (pulmonale arterielle Hypertonie, PAH) ist eine seltene Erkrankung, die durch eine Katheteruntersuchung im rechten Herzen und in den Lungenarterien diagnostiziert wird.
  2. Typische erste Anzeichen sind Erschöpfung, Müdigkeit und Ohnmacht.
  3. Eingesetzt werden anfangs Calciumantagonisten (Nifedipin oder Diltiazem hoch dosiert). Zugelassen sind auch Wirkstoffe wie Sildenafil, bekannt aus der Therapie der erektilen Dysfunktion.

Messung in der Apotheke

Auf der Homepage der ABDA (www.abda.de/leitlinien) findet die PTA eine Standardarbeitsanweisung (SOP) zur Blutdruckmessung in der Apotheke. Darin sind die notwendige technische Ausstattung, die vorbereitenden Arbeiten und schließlich Durchführung und Dokumentation ausführlich beschrieben. An gleicher Stelle hat die ABDA darüberhinaus Arbeitshilfen für die Patientenberatung zur häuslichen Blutdruckselbstmessung bereitgestellt.

Messprinzipien-- Die handelsüblichen Blutdruckmessgeräte arbeiten entweder nach dem auskultatorischen oder dem oszillometrischen Messprinzip. Bei der auskultatorischen Messung mithilfe eines Stethoskops spielt das nach einem russischen Arzt benannte Korotkow-Geräusch eine wichtige Rolle. Nach dem Aufpumpen der Manschette ist die Arterie zunächst abgedrückt. Beim beginnenden Ablassen des Drucks ist das Korotkow-Geräusch genau dann zu hören, wenn der systolische Druck den Manschettendruck übersteigt (= oberer Wert). Im weiteren Verlauf nimmt der Druck solange ab, bis das Blut wieder ohne Verwirbelungen durch das Gefäß strömen kann; der kurz vor diesem Zeitpunkt gemessene Wert ist der diastolische Wert (= unterer Wert). Bei der oszillometrischen Messung wertet das Gerät die Schwingung aus, die von der Blutgefäßwand auf die Manschette übertragen wird.

Ausstattung-- Der Messplatz sollte vom sonstigen Apothekenbetrieb abgeschirmt sein, eine Sitzgelegenheit ist notwendig. Optimal ist es, wenn zwei validierte Messgeräte vorhanden sind, die alle zwei Jahre einer messtechnischen Kontrolle unterzogen werden. Zwei Blutdruckmanschetten in verschiedenen Größen sowie ein Maßband zur Bestimmung des Oberarm- bzw. Handgelenkumfangs gehören ebenfalls zur Ausstattung des Messplatzes.

Vorbereitung-- Vor der Messung sollte sich der Kunde circa drei bis fünf Minuten lang ausruhen können und in dieser Zeit auch keine längeren Gespräche mit der PTA führen. Uhren, Schmuck oder einengende Kleidung am Messarm muss er ablegen. Die PTA sollte fragen, ob Herzrhythmusstörungen vorliegen oder der Patient einen Herzschrittmacher trägt. Denn dann sind Geräte mit oszillometrischem Messprinzip nicht geeignet. Für ältere Patienten und Diabetiker im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium ist dagegen eine Handgelenkmessung ungeeignet.

Blutdruckmanschette-- Wird die Blutdruckmanschette, bezogen auf den Oberarmumfang, zu klein gewählt, werden höhere als die tatsächlichen Werte gemessen. Umgekehrt misst man mit einer zu großen Manschette niedrigere als die realen Werte. Die Differenz kann zehn bis 30 mmHg betragen. Am Messplatz sollte daher immer ein Maßband vorhanden sein, um im Zweifelsfall den Oberarmumfang des Patienten bestimmen zu können. In den Unterlagen der Gerätehersteller sind darüberhinaus konkrete Hinweise für die Auswahl der passenden Manschette enthalten.

Messung-- Man wählt zum Anlegen der Manschette den Arm, der die weniger ausgeprägte Muskelmasse aufweist, das heißt, bei Rechtshändern den linken Oberarm. Er soll ruhig auf einer Unterlage aufliegen. Die Manschette muss sich in Herzhöhe befinden. Auch bei einer Handgelenkmessung ist der Arm entsprechend zu positionieren. Während der Blutdruckmessung sollte sich die PTA nicht mit dem Patienten unterhalten. Sind Wiederholungsmessungen geplant, muss dazwischen eine Wartezeit von mindestens einer Minute eingehalten werden. Denn bei der Messung werden die Blutgefäße zusammengedrückt und es dauert einen Moment, bis sich die Blutzirkulation wieder normalisiert hat. Ohne Wartezeit würde die PTA falsche Werte messen.

Die Blutdruckmanschette ist vor der nächsten Messung vollständig zu entlüften, nach der Messung muss sie unverzüglich abgenommen werden.

Dokumentation-- Eine vollständige Dokumentation beinhaltet folgende Angaben: Systolischer und diastolischer Blutdruckwert (in mmHg), Puls (in min -1 , Schläge/min), Datum und Uhrzeit der Messung, ggf. Kurzkommentar zu Besonderheiten wie akute gesundheitliche Beschwerden.

Antihypertonika

Zur Behandlung des Bluthochdrucks steht eine breite Palette von Wirkstoffen (Antihypertensiva) zur Verfügung. Zu den Substanzen der ersten Wahl gehören die Wirkstoffgruppen der ACE-Hemmer, der AT-1-Antagonisten (Sartane), der Betablocker, der Calcium-Kanal-Blocker und Diuretika an. Die Auswahl des Blutdrucksenkers hängt von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel den Begleiterkrankungen des Patienten ab.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Substanzen (Reserve-Anti- hypertensiva), die weniger häufig eingesetzt werden. Gründe dafür sind, dass sie schlechter verträglich oder bestimmten Indikationen (z. B. einem hypertensiven Notfall, „Blutdruckkrise“) vorbehalten sind. Dazu zählen Alpha-1-Antagonisten wie Doxazosin oder Prazosin, Alpha-2-Agonisten wie Clonidin oder Moxonidin, der Kalium-Kanal-Öffner Minoxidil, Dihydralazin und Reserpin. Große Hoffnungen hatte man in Aliskiren, den Vertreter eines neuen Wirkprinzips, gesetzt. Der Renin-Inhibitor brachte jedoch trotz guter Wirksamkeit keinen Vorteil gegenüber den etablierten Substanzen und besitzt außerdem ein ungünstigeres Nebenwirkungsprofil.

ACE-Hemmer

Eine der am stärksten gefäßverengenden körpereigenen Subs- tanzen ist Angiotensin II. Das Hormon wird mithilfe des Enzyms Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) aus seiner Vorläufersubstanz Angiotensin I gebildet. ACE-Hemmer blockieren dieses Enzym und verringern damit die Bildung von Angiotensin II. Dadurch erweitern sich die Gefäße, und der Blutdruck sinkt. Häufig verordnete Vertreter sind Captopril, Enalapril, Fosinopril, Lisinopril, Perindopril oder Quinapril.

AT-1-Antagonisten

Um seine gefäßverengende Wirkung entfalten zu können, muss Angiotensin II an einem Rezeptor angreifen. Zwei Subtypen, AT 1 und AT 2, sind bisher bekannt. Die Wechselwirkung mit dem Subtyp AT 1 wird durch AT-1-Antagonisten blockiert, dadurch sinkt der Blutdruck. Wegen der gemeinsamen Endsilbe ihres Namens werden Vertreter wie Candesartan, Irbesartan, Losartan, Olmesartan, Telmisartan und Valsartan häufig kurz als Sartane bezeichnet.

Betablocker

Beta-Rezeptoren-Blocker, kurz Betablocker, wirken an verschiedenen Organen. Für die Blutdrucksenkung interessant ist die Blockade von Beta-1-Rezeptoren am Herzen, wodurch die Wirkungen von Adrenalin und Noradrenalin abgeschwächt werden. Dies führt zu einer Senkung der Herzfrequenz, der Kontraktionskraft und der Erregbarkeit. Neben selektiven Beta-1-Blockern wie Bisoprolol, Nebivolol, Atenolol und Metoprolol gibt es auch nicht selektive Substanzen wie Propranolol, die gleichermaßen an Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren angreifen.

Calciumantagonisten

Calciumkanäle sind unverzichtbar für die Kontraktion von Muskelzellen, etwa in Gefäßwänden. Öffnet sich ein Calciumkanal, strömen Calciumionen in die Zelle, und über verschiedene Zwischenstufen erhöht sich der Tonus der Gefäßmuskulatur. Wirkstoffe wie Amlodipin, Diltiazem, Lercanidipin, Nifedipin, Nitrendipin und Verapamil blockieren diesen Prozess, wodurch der Gefäßtonus sinkt, die Gefäße weiter gestellt werden und damit der Blutdruck sinkt.

Diuretika

Gemeinsames Wirkprinzip aller Diuretika ist die Förderung der Harnausscheidung infolge der Stimulation der Ausscheidung von Natrium und Chloridionen. Dadurch verringert sich das zirkulierende Plasmavolumen und damit die Vorlast; der Blutdruck sinkt. Die verfügbaren Wirkstoffe greifen an verschiedenen Teilen der Niere an. Thiaziddiuretika wie Hydrochlorothiazid, Chlortalidon, Xipamid oder Indapamid blockieren in der Niere einen Na-Cl-Transporter. Sie eignen sich gut als Kombinationspartner, ebenso wie die kaliumsparenden Diuretika Triamteren und Amilorid. Aldosteron-Antagonisten wie Spironolacton sind ebenfalls kaliumsparend, das strukturverwandte Eplerenon ist derzeit jedoch nur für die Herzinsuffizienz zugelassen. Schleifendiuretika wie Furosemid, Piretanid oder Torasemid sind die am stärksten wirksamen Diuretika.

Häufige Nebenwirkungen

Die Wirkstoffe der ersten Wahl sind allgemein gut verträglich. Treten dennoch unerwünschte Wirkungen auf, können sie meist durch eine Dosisverringerung oder den Wechsel auf einen anderen Wirkstoff gemildert werden.

Reizhusten-- Eine typische Nebenwirkung der ACE-Hemmer ist ein trockener, hartnäckiger Husten. Ursache ist die Hemmung des Abbaus des bronchokonstriktorischen Bradykinins und der Substanz P.

Kaliumspiegel-- Bei einigen Blutdrucksenkern muss unter der Therapie die Kaliumkonzentration im Blut überwacht werden. Dazu zählt beispielsweise die Kombination von ACE-Hemmern mit kaliumsparenden Diuretika, die zu überhöhten Kaliumspiegeln führen kann.

Elektrolyte-- Dagegen können Schleifendiuretika wie Furosemid zu einem Kaliumverlust führen. Darüber hinaus werden auch Calcium und Magnesium verstärkt ausgeschieden. Letzteres kann zu Muskelverspannungen und Wadenkrämpfen führen.

Asthmaanfälle-- Betablocker können Asthmaanfälle auslösen, da sie auch an Beta-2-Rezeptoren in den Bronchien angreifen und zu deren Verengung führen.

Kombinationspräparate

In den meisten Fällen setzt der Arzt zur Behandlung des hohen Blutdrucks zunächst einen Wirkstoff ein (Monotherapie). Wird der Zielblutdruck nicht erreicht, hat er drei Möglichkeiten: Entweder erhöht er die Dosis, wählt einen anderen Wirkstoff oder fügt einen zweiten Wirkstoff dazu (Kombinationstherapie). Der Vorteil einer Kombinationstherapie besteht darin, dass für einen oder beide Partner eine niedrigere Dosis gewählt werden kann, als das bei der Monotherapie der Fall wäre. Dies ermöglicht eine Reduktion unerwünschter Wirkungen.

2-Fach-Kombination-- Nicht alle Kombinationen sind vorteilhaft. So hat beispielsweise eine Studie gezeigt, dass die Kombination von Sartanen mit ACE-Hemmern nicht sinnvoll ist. Positiv bewertet sind dagegen Kombinationen aus Calcium-Kanal-Blocker plus ACE-Hemmer oder AT-1-Rezeptorantagonist, Diuretikum plus Betablocker, plus Calcium-Kanal-Blocker oder plus ACE-Hemmer bzw. AT-1-Rezeptorantagonist sowie Betablocker plus Calcium-Kanal-Blocker vom Dihydropyridintyp (z. B. Nifedipin).

3-Fach-Kombination-- Reichen zwei Medikamente zur Blutdrucksenkung nicht aus, kann ein dritter Wirkstoff zugefügt werden. Eine sinnvolle Dreierkombination besteht beispielsweise aus einem Calcium-Kanal-Blocker, einem Thiazid-Diuretikum und einem ACE-Hemmer oder alternativ einem Sartan. Auch Reserve-Antihypertensiva können in Dreierkombinationen zum Einsatz kommen.

Fixkombinationen-- Hat sich die Zweier- oder Dreierkombination als wirksam und verträglich erwiesen, wird der Arzt, falls verfügbar, auf eine Fixkombination umstellen, um die Tablettenzahl zu reduzieren und damit die Adhärenz des Patienten zu erhöhen.

Therapietreue steigern

Ein Großteil der Patienten nimmt die Blutdrucktabletten nicht wie verordnet ein. Verschiedene Studien haben Faktoren analysiert, die zu einer guten oder weniger guten Adhärenz beitragen. So wird beispielsweise ein gut informierter Patient, der sich über die Notwendigkeit einer unter Umständen lebenslangen Behandlung im Klaren ist, eher bereit sein, regelmäßig seine Medikamente einzunehmen. Hilfreich für die Adhärenz ist auch, wenn pro Tag so wenige Tabletten wie möglich eingenommen werden müssen (Kombis) und das Einnahmeschema unkompliziert ist. Motivierend für den Patienten ist auch, wenn er das Gefühl hat, dass seine Tabletten wirken, das heißt, der Blutdruck in den Zielbereich gelangt ist. Positiv auf die Therapietreue wirkt sich ebenfalls aus, wenn die Substanzen so kombiniert werden, dass kaum unerwünschte Wirkungen auftreten. Durch Aufklärung des Patienten kann die Apotheke dazu beitragen, dass der die Behandlung durchhält.


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