31.10.2016 - Zum Beratungsthema: Schmerzen

Kopfschmerz: Pulsiert, pocht, peinigt

© Eric Michaud / Getty Images / iS

Anzeige

von Dr. Claudia Bruhn

Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Beratungsthemen. Leicht ausgeprägt dürfen sie in Eigenregie behandelt werden. Sie können jedoch auch ein Warnsignal für eine schwerwiegende Erkrankung sein.

  • Migräne mit und ohne Aura, Spannungs- und Clusterkopfschmerz sind die wichtigsten primären Kopfschmerzarten; sie sind eine eigenständige Krankheit.
  • Bei Migräne und Spannungskopfschmerz sollten Analgetika nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat und nicht länger als vier Tage hintereinander eingesetzt werden, da sich sonst ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz entwickeln kann.
  • Bei der Empfehlung eines Wirkstoffes in der Selbstmedikation sollten individuelle Faktoren, wie Vorerkrankungen oder das Interaktionspotenzial mit Dauermedikamenten, berücksichtigt werden.

Für die Selbstmedikation von Kopfschmerzen steht eine Vielzahl bewährter Wirkstoffe zur Verfügung. Dies hat den Vorteil, dass die PTA für Betroffene je nach Kopfschmerzart, Alter, Begleiterkrankungen oder Dauermedikamenten mit Interaktionsrisiko die verträglichste Substanz auswählen kann. Wichtig ist dabei, rechtzeitig zu erkennen, wann die Grenzen der Selbstmedikation erreicht sind.

Kopfschmerzarten

Für eine gute Beratung von Kopfschmerzpatienten ist es zunächst wichtig, Hinweise auf die Schmerzart zu erhalten, denn danach richtet sich in der Selbstmedikation die Auswahl des Wirkstoffes. Zwar dürfen weder PTA noch Apotheker eine Diagnose stellen. Jedoch ist es mit einigen gezielten Fragen zu den Hauptbeschwerden und eventuellen Begleitsymptomen möglich zu entscheiden, ob überhaupt eine Behandlung im Rahmen der Selbstmedikation sinnvoll ist. Grundsätzlich lassen sich primäre und sekundäre Kopfschmerzen unterscheiden. Primäre Kopfschmerzen werden als eigenständige Krankheit angesehen, denn es lässt sich meist keine konkrete Ursache finden. Migräne und Spannungskopfschmerz sind in den entwickelten Ländern die häufigsten primären Kopfschmerzarten. Sekundäre Kopfschmerzen dagegen treten als Folge einer anderen Erkrankung (z. B. Schlaganfall) oder einer Veränderung (z. B. Kopfschmerzen nach Absetzen eines Kontrazeptivums) auf.

Migränekopfschmerz

Am häufigsten tritt diese chronische Kopfschmerzart zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf, wobei Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Man unterscheidet Migräne mit und ohne Aura, wobei die Migräne ohne Aura einen Anteil von 90 Prozent hat. Die Hauptsymptome sind pulsierende oder pochende Schmerzen im Bereich von Stirn und Schläfe, wobei Betroffene meist über halbseitige Beschwerden (Migräne bedeutet auf altgriechisch „halber Schädel“) berichten. Bei körperlicher Aktivität nimmt der Schmerz zu. Als Begleitsymptome können Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit auftreten.

Aurasymptome-- Das sind Beschwerden verschiedenster Art, die bei der „klassischen“ Migräne mit Aura der eigentlichen Attacke vorangehen oder sie begleiten. Am häufigsten kommt es zu visuellen Störungen. So sehen Betroffene beispielsweise Lichtblitze, Flimmern und Flackern, oder es verändert sich die Wahrnehmung von Farben oder Größen von Objekten bis hin zu optischen Halluzinationen. Ebenfalls häufig sind Sensibilitätsstörungen, also Missempfindungen in verschiedenen Körperregionen. Seltener werden bei einer Aura Sprachstörungen beobachtet. Manchmal treten Auren auf, ohne dass Kopfschmerzen folgen.

Prodromalphase-- Nicht zu verwechseln mit der Aura sind ganz unterschiedliche Beschwerden wie Unruhe, Konzentrations- und Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, häufiges Gähnen, Heißhunger auf bestimmte Speisen oder übermäßiger Durst, die bei beiden Migränearten einige Stunden bis zu zwei Tage vor dem eigentlichen Anfall auftreten können.

Ursachen-- Die Ursachen der Migräne sind nicht ausreichend erforscht. Daher gibt es bisher lediglich Hypothesen. Wahrscheinlich spielen genetische Faktoren, Durchblutungsstörungen mit einer reaktiven Gefäßerweiterung sowie eine Übererregbarkeit von Gehirnarealen eine Rolle.

Spannungskopfschmerz

Wenn Patienten ihre Kopfschmerzen als dumpf, drückend und beidseitig oder im gesamten Kopf auftretend beschreiben, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Spannungskopfschmerz. Er kann nur hin und wieder (episodisch) oder dauerhaft (chronisch) auftreten. Die Ursachen für Spannungskopfschmerzen sind noch immer nicht eindeutig geklärt. Man vermutet, dass viele Faktoren an der Entstehung beteiligt sind. Dazu zählen beispielsweise Verspannungen der Nackenmuskulatur, Durchblutungsstörungen im Gehirn oder auch nächtliches Zähneknirschen.

Episodischer Spannungskopfschmerz-- Laut Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) ist dieser Typ durch höchstens 14-mal im Monat auftretende Kopfschmerzen gekennzeichnet. Ihre Dauer liegt zwischen 30 Minuten und sieben Tagen. Im Unterschied zur Migräne pulsiert der Schmerz nicht, sondern fühlt sich eher an wie ein „zu enger Hut“. Auch Übelkeit und Erbrechen treten nicht auf. Manche Patienten berichten über Licht- und Geräuschempfindlichkeit, jedoch tritt beides nicht gleichzeitig auf.

Chronischer Spannungskopfschmerz-- Bei der chronischen Form des Spannungskopfschmerzes kann dagegen leichte Übelkeit vorkommen, aber kein Erbrechen. Die Kopfschmerzen halten pausenlos an oder dauern an mindestens 15 Tagen im Monat (über drei Monate) mehrere Stunden.

Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Migräne und Spannungskopfschmerz betreffen auch Kinder und Jugendliche. Auch für diese Altersgruppe gibt es wirksame medikamentöse Optionen. Eine Behandlung ohne vorherige ärztliche Konsultation ist nicht empfehlenswert, insbesondere dann nicht, wenn die Kopfschmerzen außergewöhnlich stark sind oder plötzlich auftreten.

Clusterkopfschmerz

Die Bezeichnung dieser primären Kopfschmerzart leitet sich vom englischen Wort cluster (= Haufen) ab. Der Grund ist die hohe Frequenz, mit der Clusterkopfschmerzen auftreten können, nämlich bis zu achtmal pro Tag. Manchmal kommt es aber auch nur alle zwei Tage zu einer Attacke. Wie bei der Migräne sind meist Personen mittleren Alters betroffen, hier jedoch überwiegend Männer. Die immer einseitig auftretenden Schmerzen werden von den Betroffenen als äußerst heftig, als reißend oder stechend beschrieben. Sie sind in Augennähe oder an der Schläfe lokalisiert. Zusätzlich können die Beschwerden von Symptomen wie verstopfter oder laufender Nase, geröteten Augen, Rötungen und Schwitzen im Gesicht begleitet werden. Clusterkopfschmerz ist in keinem Fall zur Selbstmedikation geeignet.

Ursachen-- Wahrscheinlich ist eine Fehlregulation im Gehirn die Ursache. Typisch ist auch, dass die Beschwerden häufig nachts und zu bestimmten Jahreszeiten, nämlich im Frühjahr und Herbst, vermehrt auftreten.

Triggerfaktoren-- Als Triggerfaktoren gelten unter anderem Alkoholkonsum und Rauchen. Auch einige Medikamente (z. B. Glyceroltrinitrat) können Clusterkopfschmerz auslösen.

Sekundäre Kopfschmerzen

Kopfschmerzen können auch als Folge oder Begleitsymptom einer schwerwiegenden Erkrankung auftreten. Eine ganze Reihe von Krankheiten kommt dafür infrage. Die wichtigsten sind:

  • Gefäßerkrankungen, z.B. Fehlbildungen, Schädigungen (z. B. Aneurysma-Ruptur) oder Verschlüsse (bei Schlaganfall)
  • Hirntumoren
  • Infektionen (z. B. Meningitis)
  • Bluthochdruck
  • Erkrankungen von Sinnesorganen (z. B. Glaukom, Trommelfellruptur)
  • Zahn- oder Kiefergelenkprobleme
  • psychiatrische Erkrankungen (z. B. Angststörung) und Substanzmissbrauch (z. B. Alkohol, Cocain)

.

Gegen Kopfschmerzen

Es existieren eine Vielzahl von Leitlinien mit Empfehlungen zur medikamentösen und nicht medikamentösen Therapie der verschiedenen Kopfschmerzarten. Die darin enthaltenen Empfehlungen weichen nur geringfügig voneinander ab.

Häufigkeit-- Für wichtiger als die Zusammensetzung der Präparate wird die Häufigkeit ihrer Einnahme angesehen. Daher gilt die allgemeine Empfehlung, Schmerzmittel in der Selbstmedikation möglichst nicht länger als vier Tage in Folge und nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat anzuwenden.

Schwangerschaft-- NSAR wie Ibuprofen sollten bei Schwangeren nur ausnahmsweise und dann nur im 2. Trimenon eingesetzt werden. Paracetamol ist für die gesamte Dauer der Schwangerschaft geeignet.

Stillzeit-- In der Stillzeit sind Paracetamol und Ibuprofen Mittel der Wahl, da sie nur in sehr geringer Menge in die Muttermilch übergehen.

 

TIPP!

Raten Sie Ihren Kunden, ein Migränetagebuch zu führen. Damit lassen sich persönliche Triggerfaktoren wie Nahrungsmittel, Stress oder Veränderungen im Schlafrhythmus leichter identifizieren und vermeiden. Vorlagen zum Download finden sich etwa unter www.dmkg.de.

Synthetische Einzelstoffe

Deutschsprachige Fachgesellschaften empfehlen als Monotherapie bei Migräne mit und ohne Aura Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol, Phenazon sowie Almotriptan und Naratriptan, da deren Wirksamkeit durch valide klinische Studien wissenschaftlich belegt ist. Zur Selbstmedikation bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind Monotherapien mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol oder Naproxen empfehlenswert. Prinzipiell ist auch Diclofenac ab 16 Jahren zur Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerz geeignet. Der Wirkstoff ist jedoch in den Dosierungen, die Fachgesellschaften für diese Indikationen empfehlen (50 bis maximal 200 mg pro Tag) verschreibungspflichtig.

Acetylsalicylsäure-- Bei Spannungskopfschmerzen empfehlen Fachgesellschaften ASS in Einzeldosen von 500 bis 1000 mg, bei Migräneattacken mit und ohne Aura von 1000 mg (jeweils ein- bis dreimal täglich) als Mittel der ersten Wahl für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren. Im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren darf die Anwendung nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da das Risiko einer lebensbedrohlichen Reaktion (Reye-Syndrom) besteht. Eingeschränkt einsetzbar ist ASS bei Asthmatikern, Patienten mit Magengeschwüren oder Leber- bzw. Niereninsuffizienz. Bei Migränesymptomen, die länger als drei Tage andauern, sollte nach einer Alternative gesucht werden. Die im Vergleich mit anderen Mitteln schlechtere Magenverträglichkeit ist ungünstig bei Migräne mit starker Übelkeit. ASS darf während einer Therapie mit oralen Antikoagulanzien nicht eingenommen werden.

Ibuprofen-- Ibuprofen wird sowohl bei Spannungskopfschmerz als auch bei Migräne mit und ohne Aura als Mittel der ersten Wahl empfohlen. Für eine effektive Wirksamkeit sollten als Einzeldosis 400 mg eingenommen werden. Die Tageshöchst- dosis liegt in der Selbstmedikation bei 1200 mg. Es gibt Hinweise darauf, dass Ibuprofen bei gleichzeitiger Anwendung mit ASS deren Hemmwirkung auf die Blutplättchenaggregation mindern kann. Bei gelegentlicher Anwendung, wie im Falle von Kopfschmerzen, ist diese Wechselwirkung zwar nicht ausreichend belegt. Vorsichtshalber sollte jedoch bei Patienten, die ASS zur Thrombozytenaggregationshemmung einnehmen, ein anderer Wirkstoff gewählt werden.

Jetzt herunterladen!

Finden Sie hier den Fragebogen zu dieser Fortbildung zum Einlesen.

Naproxen-- Naproxen wird in einigen Leitlinien bei Kopfschmerzen nicht als Mittel der ersten Wahl empfohlen. Als effektive Einzeldosis gelten 500 mg, die Tagesmaximaldosis für die Selbstmedikation liegt bei 750 mg. Die Altersgrenze für den Einsatz liegt bei zwölf Jahren. Nicht geeignet ist Naproxen für Patienten mit schweren Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen. Im Vergleich mit anderen NSAR liegt das Herz-Kreislauf-Risiko von Naproxen etwas niedriger, das Risiko für Magen-Darm-Störungen etwas höher.

Paracetamol-- Paracetamol wirkt etwas schwächer als andere Analgetika und ist in der Monotherapie nicht in allen Leitlinien Mittel der ersten Wahl. Der Vorteil dieses Wirkstoffs liegt darin, dass er auch bei Schwangeren und jüngeren Kindern eingesetzt werden kann. Als empfehlenswerte Einzeldosis bei Spannungskopfschmerz und Migräne gelten 1000 mg. Bei Einnahme nach den Mahlzeiten kann sich der Wirkungseintritt verzögern. Bei Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen muss die Dosis vermindert bzw. das Dosisintervall verlängert werden. Die Maximaldosis von 4000 mg innerhalb von 24 Stunden darf nicht überschritten werden, da es ansonsten zu tödlich verlaufenden Lebererkrankungen kommen kann. Als potenziell gesundheitsgefährdend gilt eine Dosierung ab 150 mg Paracetamol pro kg Körpergewicht (entspricht ca. 6 g/d). Seit März 2009 ist in Deutschland die Abgabe von Paracetamol ohne Rezept auf 10 g begrenzt.

Phenazon-- Fachgesellschaften empfehlen Phenazon als Monotherapie bei Migräne als Mittel der ersten Wahl, bei Spannungskopfschmerzen jedoch nur in Einzelfällen. Bei Jugendlichen kann die Substanz ab 15 Jahren eingesetzt werden, in Schwangerschaft und Stillzeit ist sie ungeeignet. Als wirksame Einzeldosis gelten 1000 mg, die Tagesmaximaldosis liegt bei 4000 mg. Bei älteren Menschen sowie bei Patienten mit Lebererkrankungen ist die Verstoffwechslung verlangsamt, daher sollte eine niedrigere Dosis gewählt werden.

Triptane-- Naratriptan steht seit 2006, Almotriptan seit 2011 für die Selbstmedikation akuter Migräneattacken zur Verfügung. Die Subs-tanzen wirken agonistisch an Serotoninrezeptoren im Gehirn, was eine Verengung der beim Migräneanfall erweiterten Blutgefäße zur Folge hat. Damit besitzen die Triptane einen komplett anderen Wirkmechanismus als die übrigen bei Migräne einsetzbaren Substanzen, die ihre Wirkung über eine Hemmung der Bildung schmerzfördernder Prostaglandine entfalten.

Der Vorteil der Triptane besteht darin, dass sie nicht nur die Kopfschmerzen, sondern auch Begleitsymptome wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Übelkeit lindern. Grundlage des Einsatzes ist eine ärztlich gesicherte Migränediagnose. Für Patienten unter 18 und über 65 Jahre eignen sich die Subs-tanzen nicht, auch bei einer Reihe von Erkrankungen bestehen Anwendungsbeschränkungen. Die erste Triptandosis sollten möglichst frühzeitig bei aufkommender Migräne eingesetzt werden.

Nachdosieren-- Für alle Wirkstoffe gegen Migräne gilt: Konnten die Beschwerden mit der ersten Dosis nicht vollständig beseitigt werden oder treten sie nach einiger Zeit erneut auf, darf unter Berücksichtigung der Tagesmaximaldosen und bestimmter Zeitabstände nachdosiert werden. Bei Almotriptan dürfen frühestens nach zwei Stunden weitere 12,5 mg, bei Naratriptan frühestens nach vier Stunden weitere 2,5 mg eingenommen werden. Bei ASS gilt ein Zeitintervall von vier, bei Ibuprofen und Paracetamol von sechs Stunden. Naproxen besitzt eine vergleichsweise lange Halbwertszeit. Daher darf frühestens nach acht Stunden eine zweite Dosis eingenommen werden.

Wirkstoffkombinationen

Bei Migräne sowie Spannungskopfschmerz können fixe Kombinationen aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein bzw. (nur bei Spannungskopfschmerz) aus Paracetamol und Coffein unter Umständen wirksamer sein als Kombinationen ohne Coffein oder auch als die Monotherapie.

Coffein-- Ein möglicher Übergebrauch von Schmerzmitteln durch den Kombinationspartner Coffein gilt als nicht belegt. Daher werden entsprechende Kombinationen, etwa mit 250 mg ASS, 250 mg Paracetamol und 50 mg Coffein, von Fachgesellschaften als Mittel der ersten Wahl bei Migräne und Spannungskopfschmerz empfohlen.

Pflanzliche Alternativen

Nicht selten äußern Kunden in der Apotheke den Wunsch nach einer „sanften“, möglichst pflanzlichen, Alternative gegen Kopfschmerzen. Dazu zählen insbesondere:

  • Schwangere, die ihrem ungeborenen Kind zuliebe auf „Chemie“ in der Schwangerschaft verzichten wollen
  • Kopfschmerzpatienten, die mit synthetischen Wirkstoffen keine ausreichende Linderung ihrer Beschwerden erfahren haben
  • Eltern, die für jüngere Kinder mit Kopfschmerzen ein mildes pflanzliches Mittel probieren möchten
  • Patienten, die Dauermedikamente einnehmen, bei denen Wechselwirkungen mit Schmerzmitteln zu befürchten sind.

TIPP!

Empfehlen Sie Ihren Kunden zur Vorbeugung von Migräneattacken und Spannungskopfschmerz nicht medikamentöse Maßnahmen mit nachgewiesener Wirksamkeit wie Ausdauersport – dreimal wöchentlich für mindestens 30 Minuten – oder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.

Pfefferminzöl-- Pfefferminzöl hat sich in Studien gegenüber Placebo bei Spannungskopfschmerz als signifikant wirksam und darüber hinaus als vergleichbar wirksam wie Acetylsalicylsäure und Paracetamol erwiesen. Ein Arzneimittel mit 10-prozentigem Pfefferminzöl in ethanolischer Lösung ist für Erwachsene und Kindern ab dem 6. Lebensjahr zugelassen. Es wird äußerlich angewendet, indem man es auf Stirn und Schläfen aufträgt. Pfefferminzöl wurde auch in Leitlinien wie beispielsweise in die Praxisleitlinie „Primäre Kopfschmerzen“ der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin als ein Mittel der ersten Wahl zur Akuttherapie bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp aufgenommen.

Pestwurz-- Ein Präparat mit Pestwurz-Spezialextrakt wurde als Migräneprophylaktikum in deutschsprachige Leitlinien aufgenommen. Mitte Juli 2009 ist jedoch die Zulassung für dieses Arzneimittel erloschen. Eine Neuzulassung ist in Deutschland bisher nicht erfolgt.

Antiemetika

Für die im Rahmen eines Migräneanfalls auftretende Übelkeit stehen rezeptfreie Antiemetika zur Verfügung (z. B. Dimenhydrinat). Häufig ist es jedoch sinnvoller, den Patienten an den Arzt zu verweisen, damit er ein wirksameres Mittel wie beispielsweise Metoclopramid verordnet. Dies lindert nicht nur die Übelkeit, sondern beschleunigt auch die bei Migränepatienten häufig verminderte Magenperistaltik, die die Resorption von Schmerzmitteln verzögern kann.

Wann zum Arzt?

Kommt ein Kunde mit der Eigendiagnose Kopfschmerzen oder einem konkreten Arzneimittelwunsch in die Apotheke, muss die PTA innerhalb weniger Minuten entscheiden, ob eine Selbstmedikation ratsam ist oder nicht. Eine gute Unterstützung in Form eines Flussdiagramms bietet hierfür beispielsweise die Arbeitshilfe der Bundesapothekerkammer zur „Information und Beratung im Rahmen der Selbstmedikation am Beispiel der Eigendiagnose Kopfschmerzen“. Mithilfe gezielter Fragen können die Grenzen der Selbstmedikation recht schnell ausgelotet werden. Zum Arztbesuch geraten werden sollte vor allem bei

  • starken (Clusterkopfschmerz) oder anhaltenden (Kopfschmerz an mehr als 15 Tagen pro Monat) Beschwerden
  • anfallsartigen, das heißt schlagartig auftretenden Kopfschmerzen
  • Begleitsymptomen wie Nackensteifigkeit, Fieber oder anhaltende Übelkeit bzw. Erbrechen
  • Kopfschmerz infolge eines Sturzes oder eines Schädeltraumas anderer Ursache
  • Verdacht auf sekundäre Kopfschmerzart, z. B. infolge eines Glaukomanfalls oder einer Bluthochdruckkrise
  • Verdacht auf arzneimittelbedingte Kopfschmerzen (z. B. Blutdruckmittel oder Estrogenentzug in der Pillenpause), Analgetika-Abusus
  • eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion sowie
  • Kindern und Jugendlichen.

Faktum

  1. Zur Erhöhung der Arzneimittelsicherheit plant das Bundesgesundheitsministerium eine Analgetika-Warnhinweis-Verordnung.
  2. Rezeptfreie Arzneimittel mit Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol, Phenazon und Propyphenazon sollen künftig einen Warnhinweis auf der Packung tragen.
  3. Dieser soll davor warnen, die Arzneimittel bei Fieber ohne ärztlichen Rat länger als drei, bei Schmerzen länger als vier Tage anzuwenden.

Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Apotheke und Marketing

APOTHEKE + MARKETING wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei das Magazin und die Webseite insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis des Apothekers eingeht.

www.apotheke-und-marketing.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.