Schwerhörigkeit fördert Depressionsrisiko

(kib) Eine südkoreanische Studie bestätigt: Schwerhörigkeit im Alter lässt das Depressionsrisiko steigen. Warum das so ist, ist noch unklar. Empfehlenswert ist es jedoch, Hörverluste effizient zu behandeln.

15.06.2023

Symbolbild Schwerhörigkeit
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Die Longitudinalstudie basiert auf Daten eines nationalen Versicherungsträgers (National Health Insurance Service, NHIS). Von den 254.466 Teilnehmenden über 60 Jahren hatten im Lauf der 16-jährigen Nachbeobachtung 26.085 eine Depression entwickelt (Personen mit vorbestehender Depression waren ausgeschlossen). Insgesamt umfasste die Analyse gut 3,4 Millionen Personenjahre.

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Depressionsrisiko um den Faktor 1,5 erhöht

Wie die Forschenden der Seoul National University College of Medicine berichten, war die Wahrscheinlichkeit einer im Studienverlauf neu aufgetretenen Depression 1,5-mal größer, wenn zu Beginn eine Schwerhörigkeit bestanden hatte. Berücksichtigten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Einfluss von Alter, Geschlecht, Einkommen, Body Mass Index, Rauchstatus und Begleiterkrankungen, betrug die Wahrscheinlichkeit noch 1,11.

Kriterien für die Schwerhörigkeit

Bei der Messung der Schwerhörigkeit galten drei Kriterien:

  • Hörverlust von mindestens 60 dB auf beiden Ohren oder
  • Hörverlust von mindestens 80 dB auf einem und mindestens 40 dB auf dem anderen Ohr oder
  • Beeinträchtigung der Erkennung in normalem Tempo gesprochener Worte um mindestens 50 Prozent auf beiden Ohren.

Einsamkeit, kognitive Belastung, Inaktivität

Welche genauen Mechanismen dem gefundenen Zusammenhang zugrunde lägen, sei noch unklar, so das Forscherteam. Am häufigsten angeführt werde die These von der sozialen Isolation und Einsamkeit, woran Schwerhörige oft litten und welche die Entstehung von Depressionen nachweislich begünstigten.

Laut den Autorinnen und Autoren beteiligen sich Hörgeschädigte außerdem weniger an Aktivitäten, die Freude machen. Dies und das immer häufigere Angewiesensein auf fremde Hilfe stünden im Verdacht, Depressionen zu begünstigen. Ein weiterer Grund könne die kognitive Belastung sein, die es für Schwerhörige bedeute, wenn sie versuchten, Gesprächen zu folgen. Alles zusammen trage dazu bei, dass sich die Betroffenen einem zunehmend inaktiven Lebensstil hingäben.

Das Forscherteam benennt auch potenzielle biologische Zusammenhänge: Sowohl bei Schwerhörigen als auch bei Patienten mit Depressionen seien neurologische Abbauvorgänge nachgewiesen worden, was für eine mögliche gemeinsame Ätiologie spreche. Ferner habe man zeigen können, dass bei Erwachsenen mit Schwerhörigkeit Bereiche des frontalen Kortex weniger aktiv seien und dass bei ihnen im Alter eine beschleunigte Hirnschrumpfung, vor allem im rechten Schläfenlappen stattfinde.

Hörstörungen im Alter behandeln

Zwar müssten die Ergebnisse der Studie noch bestätigt werden. Dennoch ziehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine klare Konsequenz aus ihren Ergebnissen: „Schwerhörigkeit im Alter muss behandelt werden, um das Risiko, eine Depression zu entwickeln, zu senken und ein gesundes Altwerden zu ermöglichen.“

Quelle: Ärzte Zeitung

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