29.03.2017

Rückwärtssprechen: Ollah!

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Rückwärtsreden ist mehr als nur „Ollah“ statt „Hallo“: Manche Menschen können auch sehr lange Sätze fließend in umgekehrter Reihenfolge sprechen. Was steckt hinter diesem Phänomen? Der Neurolinguist Mathias Scharinger hat dafür einleuchtende Erklärungen.

Neurolinguistik ist ein Teilgebiet der Linguistik, in dem der Zusammenhang von alltäglicher, natürlicher Sprachverarbeitung und Gehirn erforscht wird. Den Wissenschaftler Mathias Scharinger, der kürzlich einen Ruf auf eine Phonetik-Professur der Universität Marburg bekam, interessiert in diesem Zusammenhang schon seit Jahren die Fähigkeit des fließenden Rückwärtssprechens. Im Interview mit der Deutschen-Presse Agentur erklärte der Forscher verschiedene Arten des Rückwärtssprechens. Darin machte er deutlich, dass Menschen, die fließend rückwärts sprechen können, ein sehr hohes Bewusstsein für Sprache besitzen, Worte gut abstrahieren können und zudem ein ausgezeichnetes bildliches Gedächtnis haben. Sie können sich also Wörter besonders gut vor dem inneren Auge vorstellen und sie dann rückwärts lesen und aussprechen.

Bei dieser Fähigkeit spielt laut Scharinger die Qualität des Arbeitsgedächtnisses eine große Rolle. Es ist vergleichbar mit dem Kurzzeitgedächtnis. Aber anders als dieses erlaube es, sequenzielle Informationen so zu manipulieren, dass man damit arbeiten könne. Das sei die Grundlage dafür, Lautfolgen umkehren zu können. Und: Mit ihrem guten Arbeitsgedächtnis können Rückwärtssprecher oft auch gut Kopfrechnen.

Drei Arten

Es gibt drei Arten des Rückwärtssprechens: orthografisch, phonetisch und akustisch. Beim orthografischen werden die einzelnen Buchstaben in umgekehrter Reihenfolge ausgesprochen, man liest also quasi rückwärts. Der phonetische Sprecher artikuliert jeden Laut rückwärts. Beim akustischen Rückwärtssprechen hingegen werden die Schritte der Artikulation umgekehrt. Das funktioniert allerdings allein im technischen Bereich, mit Computern also, so Scharinger.

Er vermutet, dass es in Deutschland zwischen fünf und zehn Sprecher gibt, die völlig fließend rückwärts sprechen können. Und, berichtet Scharinger weiter, das Rückwärtssprechen einzelner Worte lasse sich gut erlernen. Die Schwierigkeit bestünde allerdings darin, ganze Sätze verkehrt herum auszusprechen. KIB


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