29.03.2017

Sportverletzungen: Tennisarm und Hinkebein

© Jan-Otto / Getty Images / iSto

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von Petra Schicketanz

Freizeitsport ist sicher etwas Gutes. Doch vor Verletzungen und Überlastungsschäden ist niemand gefeit. Die Apotheke ist eine viel genutzte Anlaufstelle, um Sportverletzungen kompetent zu versorgen.

  • Bei einer Prellung führen Druck- und Scherkräfte zum Zerreißen von Bindegewebsfasern. Begleitend treten Hämatome und Ödeme auf.
  • Bei einer Verstauchung werden die Gelenkflächen gegeneinander verschoben, was zur Verletzung des Bandapparates führt.
  • Bei einer Verrenkung zerreißen Gelenkkapsel und Bänder. Dadurch kann das Gelenk nicht mehr in seine Ursprungsposition zurückgleiten.
  • Ein Knochenbruch kann unvollständig sein sowie eine oder mehrere Frakturlinien aufweisen. Zusätzlich können große Blutverluste entstehen.

Nicht immer lassen sich Verletzungen im Freizeitsport durch Schutzkleidung und einen zur Sportart passenden Helm verhindern. Stürze beim Skilaufen, vom Pferd, Mountainbike oder Longboard, Zusammenstöße bei Fußball oder Karate – Gelegenheiten für Unfälle gibt es zuhauf. Hinzu kommen Überlastungserscheinungen, die durch unzureichendes Aufwärmen und ein ungünstiges Trainingsprogramm angebahnt werden.

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Bewegungsapparat

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie ausgefeilt der Stütz- und Bewegungsapparat des Menschen aufgebaut ist. Er verleiht dem Menschen die äußere Gestalt, ermöglicht bestimmte Bewegungsabläufe und schützt die inneren Organe. Dies ist nur durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Knochen, Knorpeln, Muskeln, Sehnen und Bändern möglich und auch nur, solange dies seitens der Versorgung durch Nervengewebe und Herz-Kreislauf-System funktioniert.

Skelett

Knochen und Knorpel bilden zusammen das Skelettsystem. Die Knochenentwicklung (Ossifikation) erfolgt bereits in einem frühen Entwicklungsstadium aus embryonalem Bindegewebe, wobei es zwei Möglichkeiten zur Verknöcherung gibt: direkt durch Bildung einer Knochenmatrix (Schädeldach, Gesichtsknochen, Schlüsselbein) oder indirekt über Verknöcherung von Knorpelgewebe (Chondrale Ossifikation). Der überwiegende Teil der Knochen wird über diesen zweiten Weg gebildet. Hierzu wird embryonales Bindegewebe in hyalinen Knorpel umgewandelt und dieser schrittweise durch Knochengewebe ersetzt. Die Knorpelenden werden Epiphysen genannt. Sie werden durch Blutgefäße versorgt und enthalten einen sekundären Knochenkern. Dieser wächst so lange, bis er die Epiphyse vollständig ausfüllt. Dann sind die Knorpelzellen (Chondrozyten) so weit reduziert, dass sie gerade noch die nach außen liegenden Gelenkflächen überziehen und vor Abnutzung schützen.

Wachstumsfugen-- Zwischen Epiphysen- und Knorpelschaft (Diaphyse) verbleibt ebenfalls ein Knorpelrest. Dieser wird als Wachstums- oder Epiphysenfuge bezeichnet und versorgt den Knochen mit Baumaterial für das Längenwachstum. Gefördert wird dieser Prozess durch das Wachstumshormon (Somatotropes Hormon, Human-growth-Hormone = HGH) und die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3). Mit Beginn der Pubertät üben die Geschlechtshormone einen hemmenden Einfluss auf das Längenwachstum aus, das mit der Verknöcherung der Epiphysenfuge sein Ende findet. Bei Mädchen tritt dies früher ein als bei Jungen. Erleiden Kinder in der Wachstumsphase einen Knochenbruch, bei dem die Epiphysenfuge verletzt wird, kann dies zum Abbruch des Längenwachstums im betroffenen Knochen führen.

Menisken-- Nicht immer sind Gelenkflächen komplett durch einen Knorpelüberzug voneinander getrennt. Halbmondförmige Knorpelscheiben (Menisken) trennen beispielsweise im Knie die Flächen zwischen Oberschenkel und Schienbein. Nach innen (medial) liegt im Kniegelenk der Innere Meniskus (Meniscus medialis), seitlich (lateral) der Außenmeniskus (Meniscus lateralis). Kleinere Menisken schützen die Zehen- und Fingergelenke. Die Menisken vergrößern die Auflagefläche an den Gelenken und verringern die Reibung zwischen den Knochenenden, was eine gleitende, schmerzlose Bewegung ermöglicht.

Bänder

Verbindungen zwischen zwei Knochen heißen Bänder (Ligamente, Einzahl: Ligamentum). Sie bestehen aus faserartigem Bindegewebe (Kollagen) und sorgen dafür, dass die Gelenke nicht über ein bestimmtes Maß hinaus bewegt werden. Bänder sind Bestandteil der Gelenkkapsel, die stark bewegliche Gelenke vor dem Ausrenken bewahrt. Bei kleineren Gelenken sehen sie aus wie ein Schlauch, der die beiden aufeinanderzuführenden Knochenenden miteinander verbindet.

Kreuzbänder-- Gerade die Kniegelenke sind einer enormen Belastung ausgesetzt und daher durch einen speziellen Bandapparat geschützt, zu dem auch die Kreuzbänder gehören. Sie bestehen aus dem vorderen Kreuzband (Ligamentum cruciatum anterius) und dem hinteren Kreuzband (Ligamentum cruciatum posterius), die sich im Zentrum des Kniegelenks kreuzen. Als passive Führungselemente erzwingen sie einen bestimmten Bewegungsablauf (Rollgleitbewegung) beim Beugen und Strecken des Kniegelenks.

Sehnen

Die Verbindungen zwischen Muskeln und Knochen (seltener zwischen zwei Muskelbäuchen) heißen Sehnen (Tendines, Einzahl: Tendo). Sie bestehen überwiegend aus Kollagen und stellen nicht immer die kürzeste Verbindung dar, denn aus Platzgründen sind die Muskeln gelegentlich ein Stück vom Erfolgsorgan entfernt lokalisiert. So liegen die Fingermuskeln beispielsweise erst im Unterarm, was durch entsprechend lange Sehnen ermöglicht wird.

Sehnenscheiden-- Dort, wo die Sehnen mit erhöhter Reibung an den Gelenken vorbeilaufen, sind sie in eine doppelwandige Hülle (Sehnenscheide, Vagina synovialis tendinis) gehüllt, die mit Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) gefüllt ist.

Muskeln

Skelettmuskeln ermöglichen Bewegungen aller Art und werden meist willkürlich gesteuert. Sie bestehen aus Muskelfasern. Je mehr davon nebeneinander liegen, desto größer ist die Muskelkraft. Jede Muskelfaser wird in Längsrichtung von Myofibrillen durchzogen. Diese wiederum besteht aus Myofilamenten. Unter dem Mikroskop ist eine deutliche Querstreifung des Skelettmuskels erkennbar, weshalb dieser Muskeltyp als quergestreifte Muskulatur bezeichnet wird. Jeder einzelne dieser aus hellen und dunklen Bereichen bestehende Funktionsabschnitt bildet ein Sarkomer, das wiederum aus einem Aktin- und einem Myosinfilament aufgebaut ist.

Muskelarbeit-- Den Befehl zur Muskelkontraktion schicken Motoneuronen mithilfe des Botenstoffs Acetylcholin. Er bewirkt, dass die schmalen Aktinfilamente zwischen die dicken Myosinfilamente gezogen werden. Wenn dies in allen Sarkomeren gleichzeitig geschieht, wird der Muskel maximal verkürzt. Dies ist allerdings nur bei einem Krampf der Fall, denn üblicherweise werden nicht alle motorischen Einheiten des Muskels innerhalb derselben Zehntelsekunde gereizt. Zudem benötigt eine motorische Einheit eine Erholungszeit von einer Millisekunde, bis sie sich wieder gestreckt hat und neurologisch ansprechbar wird.

Detail

Enzymtherapie: Bei einem Sporttrauma werden gesunde Zellen zerstört und Eiweißtrümmer freigesetzt. Diese binden Wasser und lassen das Gewebe anschwellen. Das posttraumatische Ödem drückt nicht nur spürbar auf Schmerzrezeptoren, sondern blockiert obendrein den Blut- und Flüssigkeitstransport. Das behindert die Aufräumarbeit des Immunsystems und verlängert den Heilungsprozess. Eine frühzeitige Enzymtherapie kann dem entgegenwirken, indem die eingesetzten Enzyme den Stoffwechsel im verletzten Gewebe ankurbeln, Eiweißtrümmer aufspalten und ihren Abtransport fördern.

Traumatisch

Abgesehen von Hautverletzungen, die hier aus Platzgründen nicht thematisiert werden, erleidet der Bewegungsapparat im Sport meist stumpfe Verletzungen, die von Stürzen, Schlägen oder Stößen herrühren. Hinzu kommen Überlastungsreaktionen durch Trainingsfehler.

Prellung

Die Einwirkung von stumpfer Gewalt kann überall im Körper zu einer Prellung (Kontusion) führen, bei der in tiefer gelegenen Gewebeschichten Druck und Scherkräfte Kollagenfasern des Bindegewebes zerreißen. Begleitend treten Blutergüsse (Hämatome) und Schwellungen (Ödeme) auf. Die Haut über der Prellung wird nicht zwangsläufig geschädigt.

Hämatome-- Bei Schädigung kleinerer Blutgefäße tritt Blut ins Gewebe aus, was landläufig als Bluterguss oder „blauer Fleck“ bezeichnet wird. Allerdings verändert sich der Farbton im Rahmen der körpereigenen Aufräumarbeiten und kann die ganze Palette von schwarzviolett, blau, rot, grün und gelb annehmen. Sichtbar sind Blutergüsse übrigens nur, wenn sie im Bereich des Unterhautgewebes (Subkutis) auftreten. In tiefer gelegenen Geweben machen sie sich durch begleitende Schwellungen und die damit verbundenen Funktionsstörungen bemerkbar.

Traumatisches Ödem-- Der Körper reagiert je nach Ausmaß der Krafteinwirkung mit einer mehr oder weniger großen Schwellung (Ödem), die praktisch unmittelbar nach dem Trauma eintritt und auf Schädigung kleinerer Lymphgefäße zurückgeht. Hinzu kommen die Zerstörungen von Zellmembranen und Gefäßwänden sowie die erhöhte Gefäßpermeabilität, durch die vermehrt Flüssigkeit ins Gewebe gelangt. Das traumatische Ödem bildet sich innerhalb weniger Tage oder Wochen von selbst zurück. Hält die Flüssigkeitsansammlung im Gewebe dagegen länger als sechs Monate an, spricht man von einem posttraumatischen Lymphödem. Dies entsteht durch die Zerstörung großer Lymphgefäße und kann sich nicht zurückbilden.

Unabhängig von der Ursache des Ödems führt eine solche Flüssigkeitsansammlung immer zu Einschränkungen der Beweglichkeit, Schmerzen und, sofern Organe betroffen sind, zu Funktionsstörungen, die weitere Komplikationen nachsichziehen können. Aus diesem Grund sollte die betroffene Stelle so früh wie möglich gekühlt und ruhiggestellt werden.

Verstauchung

Sich eine Zerrung oder Verstauchung zuzuziehen, geht oft schneller, als man sich vorstellen kann: Das Umknicken nach einem Sprung, Hängenbleiben an einem Hindernis oder ein Sturz vom Skateboard, und schon ist es passiert. Die Folgen einer solchen Krafteinwirkung sind schmerzhaft, denn die Gelenkflächen werden dabei kurzfristig gegeneinander verschoben und verletzen von innen Gelenkkapsel und Bänder. Oft bleibt es nicht bei einer Überdehnung der Bänder, sie können ein- oder sogar abreißen (Bandruptur).

Das verstauchte Gelenk ist berührungsempfindlich und schmerzt auch bei passiver Bewegung. Es schwillt an und zeigt innerhalb kurzer Zeit weitere Entzündungszeichen wie Wärme oder Rötung, die sich in der Umgebung des Verletzungsherdes ausbreiten. Nach einer Verstauchung besteht hohe Rezidivgefahr, denn der überdehnte Bandapparat am vorge- schädigten Gelenk ist für längere Zeit nicht mehr so stabil wie zuvor.

Ausrenkung

Der Vorgang ist derselbe, der zur Verstauchung führt, jedoch ist die Krafteinwirkung deutlich größer, um ein Gelenk teilweise (Subluxation) oder vollständig (Luxation) auszurenken. Die Gelenkflächen verschieben sich dabei so heftig gegeneinander, dass sie Gelenkkapsel und Bänder zerreißen. Damit fehlt ihnen die Möglichkeit, wieder in ihre Ursprungsposition zurückzugleiten.

Eine Verrenkung ist äußerst schmerzhaft und wird von Schwellungen und Blutergüssen begleitet. Das absolut funktionslos gewordene Gelenk wird dabei in einer unnatürlichen Stellung gehalten und erzwingt eine auffällige Schonhaltung. Das Einrenken sollte so schnell wie möglich erfolgen. Ausführen sollte diesen Akt jedoch nur ein Fachmann, da bei unsachgemäßem Vorgehen zusätzlich das Gelenk, weitere Blutgefäße oder Nerven verletzt werden können. Eine anschließende Ruhigstellung ist unabdingbar.

TIPP!

Nicht nur die Erste Hilfe nach einem Unfall ist von Bedeutung. Raten Sie Ihren Kunden, auf eine optimale Ausheilung des Traumas zu achten. Ansonsten droht Chronifizierung mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, die langfristig zu bleibenden Gelenkschäden führen können.

Knochenbruch

Selbst der härteste Knochen gibt irgendwann auf, wenn die auf ihn einwirkende Kraft seine Festigkeit überschreitet. Heftige Schmerzen, Schwellung, Hämatome und die Aussage des Betroffenen können auf einen Knochenbruch (Fraktur) hinweisen. Als sicherer Beweis am Unfallort gelten Fehlstellungen durch eine Verschiebung der Knochenbruchstücke, eine abnorme Beweglichkeit sowie ein hörbares Knochenreiben (Krepitation) sowie nicht zuletzt eine offene Wunde mit sichtbaren Bruchenden. Je nach Art der Gewalteinwirkung gibt es Biegungsfrakturen, Spiralfrakturen, Kompressionsfrakturen und Ermüdungsfrakturen. Letztere tritt zum Beispiel nach langen Gewaltmärschen auf, ist aber nicht zu verwechseln mit der pathologischen Knochenfraktur, die auf eine krankhaft veränderte Knochensubstanz zurückzuführen ist, was zum Beispiel bei einer Osteoporose oder vorhandenen Knochenmethastasen der Fall ist. Der Verdacht auf eine pathologische Knochenfraktur entsteht, wenn dem Knochenbruch eine verhältnismäßig geringe Krafteinwirkung vorausging.

Einteilung-- Bruch ist nicht gleich Bruch. Die Einteilung beschränkt sich nicht auf die Merkmale angebrochen oder durchgebrochen: Selbst bei unvollständigen Frakturen gibt es Unterschiede, je nachdem, ob ein Riss im Knochen (Fissur) oder ein Spalt (Infraktion) vorliegt, oder ob Teile des Knochens eingedrückt sind (Impressionsfraktur). Ist der Knochen komplett durchgebrochen, legt der Verlauf der Frakturlinie fest, ob es sich um eine Quer- oder Schrägfraktur handelt. Möglich sind auch Defektfrakturen mit mehreren Bruchstücken, bei denen wiederum unterteilt wird in Stückfraktur (Doppelbruch mit einem größeren Zwischenstück), Mehrfragmentfraktur (3 – 6 Bruchstücke) und Trümmerfraktur (> 6 Bruchstücke).

Komplikationen-- Sobald die Kontinuität des Knochens vollständig unterbrochen ist, kommt Bewegung ins Spiel, und die Bruchstücke verschieben sich gegeneinander. Infolgedessen muss der Bruch so bald wie möglich eingerichtet werden, um späteren Deformationen und Behinderungen vorzubeugen.

Offen oder geschlossen-- Eine weitere Gefahr liegt in Haut- und Weichteilverletzungen. Diese können von innen heraus geschehen, wenn die spitzen Bruchstücke sich durch das Gewebe spießen, oder von außen aufgrund der ursprünglichen Gewalteinwirkung entstanden sein. Solange die Haut über dem Knochenbruch intakt ist, liegt eine geschlossene Fraktur vor. Bei einer offenen Fraktur besteht hingegen eine Verbindung zwischen Fraktur und Außenwelt, was je nach Größe der Verletzung ein entsprechendes Infektionsrisiko mit sich bringt. Zudem steigt mit dem Weichteilschaden auch der Anteil geschädigter Nerven und Blutgefäße. Selbst bei geschlossenen Frakturen ist mit erheblichen Blutverlusten zu rechnen .

Verletzung der Epiphysenfuge-- Je nach Verlauf der Frakturlinie und einer eventuellen Stauchung der Wachstumszone kann bei Kindern und Jugendlichen die Epiphysenfuge so verletzt werden, dass später mit Wachstums- störungen zu rechnen ist.

Indirekt-- Bei bettlägerigen Patienten können infolge der Immobilisation systemische Frakturfolgen auftreten wie Lungenentzündung, Wundliegen (Dekubitus), Thrombose in den Beckenbeinvenen sowie eine Lungenembolie. Da meist ein Blasenkatheter gelegt wird, steigt das Risiko für Harnwegsinfekte.

Typische Sportverletzungen

Manche Verletzungen muten umgangssprachlich sportlicher an, als sie es in Wirklichkeit sind. So ist beispielsweise der Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialis) aufgrund verbesserter Ausrüstung und optimierter Schlagtechniken nicht länger ein typisches Übel von Tennisspielern. Vielmehr trifft das Leiden bewegungsarme Büromenschen, die plötzlich ungewohnte, einseitige Tätigkeiten verrichten. Da führt dann der Tapeziermarathon am Wochenende zu kleinsten Rissen am Sehnenansatz der Unterarmstreckmuskulatur. Im Gegensatz dazu trifft der Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris) neben besagten Sportlern tendenziell Handwerker und all diejenigen, die den Beugemuskel von Handgelenk und Finger überstrapazieren. Beide Erkrankungen sind Entzündungsprozesse, die sich durch eine Druckschmerzhaftigkeit und leichte Schwellung im betroffenen Sehnenansatz bemerkbar machen, wobei die Bewegungsart, die zur Überlastung geführt hat, mit erneuten Schmerzen verbunden ist. Die Beschwerden verschwinden meist von selbst, spätestens während einer zwei- bis dreiwöchigen Schonung.

Meniskusläsion-- Die häufigsten Knieverletzungen betreffen die Menisken. Neben Dreh- und Sturzverletzungen, wie sie meist beim Skifahren oder im Fußball vorkommen, führen altersbedingter Verschleiß und chronische Überlastungen zu Rissen in der Knorpelscheibe. So sind Meniskusschäden ein häufiges Leiden von Fliesenlegern, die jeden Tag stundenlang in hockender Haltung verharren und Drehbewegungen des Knies ausführen, während sie zusätzlich schwere Fliesen heben.

Typische Zeichen einer akuten Meniskusläsion sind plötzliche Schmerzen am Gelenkspalt, die vor allem beim Gehen auftreten. Bei eingeklemmtem Meniskus kann das Gelenk weder gebeugt noch gestreckt werden. Treten Schmerzen bei der Außenrotation auf, spricht dies für eine Läsion des Innenmeniskus, bei Innenrotationsschmerzen ist dagegen der Außenmeniskus betroffen.

Kann ein Riss nicht genäht werden, wird der verletzte Bereich des Meniskus abgetragen (Meniskektomie). Die Operation sollte so schonend wie möglich erfolgen, denn je größer die Gelenkfläche, die nicht mehr durch den Meniskus geschützt wird, desto größer ist das Risiko, eine Gonarthrose (Degeneration des Kniegelenks) zu erleiden.

Kreuzbandriss-- Besonders das vordere Kreuzband ist ein Verletzungskandidat und betroffen, wenn beim Fußball, Kampfsport oder Inlineskaten das Gelenk nach außen rotiert und gleichzeitig gebeugt wird. Dabei kann das Band ein- oder abreißen (Ruptur), was eventuell auch den Knochen in Mitleidenschaft zieht. Die akuten Schmerzen müssen nicht dramatisch sein, ebenso die auftretende Schwellung, weshalb viele Betroffene das Problem bagatellisieren. Eine Ansammlung der Synovialflüssigkeit im Gelenkbereich (Kniegelenkerguss) führt zur Bewegungs- einschränkung. Sind die ersten Akutsymptome abgeheilt, bleibt das Kniegelenk instabil (Giving-way-Phänomen), was zum Teil durch die Muskulatur kompensiert werden kann. Langfristig ist jedoch mit Fehlbelastungen und degenerativen Prozessen zu rechnen.

Unhappy-Triad-- Dies ist eine bei Skifahrern häufige Verletzungskombination am Knie. Sie besteht aus der Ruptur des vorderen Kreuzbandes, einem Riss im Innenmeniskus und darüber hinaus einer Ruptur des medialen Kollateralbandes (Ligamentum collaterale tibiale).

TIPP!

Nicht jeder möchte eine Erste-Hilfe-Tasche mitschleppen. Aber ein paar Wundtücher zur Erstversorgung und Reinigung sowie eine Packung Arnikakügelchen für Traumen aller Art passen in jede Jackentasche und sollten immer dabei sein.

Selbst behandelt

Aufwärmen und ausreichende Ruhepausen sind wichtige Voraussetzungen, um Sportverletzungen zu vermeiden. Im Akutfall ist schnelles Handeln gefragt. Oft reichen das Einhalten des PECH-Schemas und ein schmerz- und entzündungshemmendes Mittel aus, um das Problem in den Griff zu bekommen. Dringende Gründe, einen Arzt aufzusuchen, sind Unsicherheit bezüglich der Diagnose, heftige Schmerzen, größere Wunden, ein zu starkes Anschwellen des verletzten Bereichs, Sensibilitätsstörungen, Bewegungseinschränkungen oder eine unphysiologische Beweglichkeit.

PECH-Schema

Egal ob geprellt oder verrenkt, eine Verletzung des Bewegungsapparates sollte stets nach folgendem Schema behandelt werden: Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Alle Maßnahmen zusammen verringern Blutungen und die Ausbildung eines posttraumatischen Ödems.

Pause-- Die sportliche Aktivität muss sofort unterbrochen werden, da nach dem Unfall jede weitere Belastung die Folgeschäden vergrößert. Zudem ist es notwendig, die Symptome abzuklären.

Eis-- Eine rasche Kühlung mit Eis, kaltem Wasser oder Eisspray lindert nicht nur akute Schmerzen, sondern zieht auch Blutgefäße zusammen. Der Stoffwechsel im verletzten Bereich wird verlangsamt.

Compression-- Ein Druckverband sollte gleichmäßigen, moderaten Druck ausüben. Dadurch wird der verletzte Bereich stabilisiert.

Hochlagern-- Eine Lagerung der verletzten Extremität über Herzhöhe senkt den statischen Druck des Blutes auf die Verletzung. Gleichzeitig wird der Blutrückfluss zum Herz gefördert.

FAKTUM

  1. Auch bei einem geschlossenen Bruch können erhebliche Blutmengen austreten, was zum Teil über längere Zeit geschieht.
  2. Selbst lebensbedrohliche Blutverluste sind nicht zwangsläufig von außen sichtbar.
  3. Mit einem Volumenmangelschock muss gerechnet werden.
  4. Beim Erwachsenen sind folgende Verluste möglich: Unterarm bis zu 300 ml, Oberarm bis zu 700 ml, Unterschenkel bis zu 1 Liter, Oberschenkel bis zu 2 Litern und Becken bis zu 5 Litern.

Medikamentös

Für die Selbstmedikation stumpfer Sportverletzungen steht ein breites OTC-Angebot zur Verfügung. Entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkstoffe wie Ibuprofen und Diclofenac können systemisch verwendet oder lokal als Creme, Salbe oder Gel aufgetragen werden. Heparin-Zubereitungen helfen, Blutergüsse und Schwellungen schneller abzubauen. Für die Wirkung von Enzymen siehe Detail auf Seite 26.

Natürlich-- Als pflanzliche Wirkstoffe sind meist Arnikablüten, Beinwellkraut oder -wurzeln lokal im Einsatz. In der Homöopathie ist Arnika das Verletzungsmittel schlechthin, aber es gibt auch andere wie Bellis perennis bei Verletzungen nach Überanstrengung, Calendula, wenn die Wundheilung verzögert ist, Hypericum bei verletztem Nervengewebe oder Symphytum zur Anregung der Knochenheilung.


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