28.06.2018

Adexa: Arbeitszeugnisse

von Christiane Eymers, Fachanwältin für ArbeitsrechtADEXA-Rechtsabteilung

© PeopleImages / Getty Images / iStock

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Ich möchte mich in einer anderen Apotheke bewerben und brauche mein Zeugnis dafür jetzt schon. Kann ich auch vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein Zeugnis verlangen?

Einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis gibt es grundsätzlich nur bei konkretem Anlass, wie einem Arbeitgeberwechsel durch den Verkauf der Apotheke. Tariflich vorgesehen ist außerdem ein vorläufiges Zeugnis für Bewerbungen nach Ausspruch der Kündigung oder Abschluss eines Aufhebungsvertrages. Ein Beendigungszeugnis darf ohne konkreten Anlass von den Beurteilungen des Zwischenzeugnisses nicht abweichen.

Ich bin schon seit einem halben Jahr in einer neuen Apotheke tätig und habe noch immer kein Arbeitszeugnis von meiner alten Chefin erhalten. Wann muss sie es mir schicken?

Es gibt keine gesetzliche Frist dazu, wie schnell ein Arbeitszeugnis erstellt werden muss. Die Gerichte sehen aber eine Bearbeitungszeit zwischen drei Tagen und drei Wochen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses als angemessen an. Sie hätten Ihr Arbeitszeugnis also längst erhalten müssen und können dies unter Fristsetzung verlangen und auch gerichtlich geltend machen. Bei Geltung des Bundesrahmentarifvertrages (BRTV) bzw. Rahmentarifvertrages Nordrhein (RTV) sind allerdings die Ausschlussfristen zu beachten: Auch der Zeugnisanspruch muss innerhalb von drei Monaten nach Ende des Arbeitsverhältnisses schriftlich geltend gemacht werden, sonst verfällt er. Solche Fristen können außerhalb der Geltung des BRTV/RTV auch im Arbeitsvertrag enthalten sein.

Nach zehnjähriger Beschäftigung in der Apotheke habe ich nur ein sehr knappes Zeugnis erhalten. Muss ein Zeugnis nicht bestimmte Bestandteile enthalten?

Ein qualifiziertes Zeugnis muss die Art und Dauer der Beschäftigung aufführen und außerdem eine Beurteilung von Leistung und Verhalten beinhalten. Es hat sich dabei eine bestimmte Zeugnissprache entwickelt, die manchmal etwas holprig klingen kann. Wenn Sie „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ gearbeitet haben, ist das grammatikalisch zwar zweifelhaft, in der Benotung aber „sehr gut“. Es sollte auch ein Hinweis auf Fortbildungen enthalten sein. Üblich ist eine Schlussformel, die das Bedauern über das Ende des Arbeitsverhältnisses enthält, den Dank für die Mitarbeit und gute Wünsche für die Zukunft. Hierauf besteht allerdings kein Anspruch. Wenn die Schlussformel nicht zu den vorherigen Beurteilungen passt, muss sie auf Wunsch des Mitarbeiters aber ganz entfernt werden. Das ganze Zeugnis muss wohlwollend formuliert sein.

Kontakt:

ADEXA – Die Apothekengewerkschaft
Hudtwalckerstraße 10
22299 Hamburg
Tel.: 040.36 38 29
Fax: 040.36 30 58
info@adexa-online.de


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