31.07.2018

Adexa: Fehlbeträge

von Christiane Eymers, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Adexa-Rechtsabteilung

© alvarez / Getty Images / iStock

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Wenn ich die Kasse abrechne, habe ich manchmal Fehlbeträge. Mein Arbeitgeber zieht mir diese Beträge vom Lohn ab. Darf er das?

Das ist unzulässig. Für Sie als Angestellte gilt der Grundsatz der eingeschränkten Arbeitnehmerhaftung, der ein einseitiges zwingendes Arbeitnehmerschutzrecht ist. Eine volle Haftung kann danach nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit eines Mitarbeiters überhaupt verlangt werden, eine möglicherweise anteilige Haftung bei mittlerer und gar keine bei leichtester Fahrlässigkeit. Auch wenn danach eine Haftung in Betracht kommt, ist zusätzlich eine Abwägung der Gesamtumstände daraufhin vorzunehmen, ob die Haftung für den Arbeitnehmer zumutbar ist. Dabei sind etwa das Risiko seiner Tätigkeit zu berücksichtigen, die Schadenshöhe und sein Einkommen. In der Regel wird die Haftung für einen Kassenfehlbetrag nicht zulässig sein, wenn man den Schaden nicht absichtlich herbeigeführt hat.

Ich bekomme monatlich 20 Euro zusätzlich zu meinem Gehalt. Davon soll ich Fehlbeträge bezahlen. Ist das in Ordnung?

Es ist grundsätzlich zulässig, eine „Mankoabrede“ abzuschließen. Solche Vereinbarungen sind problematisch, weil sie das Haftungsrisiko auf den Mitarbeiter verschieben. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass auch bei Abschluss einer wirksamen Mankoabrede die Summe der Haftung das zusätzlich bezahlte Geld nicht übersteigen darf.

Wir arbeiten mit mehreren Kollegen an einer Kasse und können gar nicht nachvollziehen, wer Fehler verursacht hat. Darf uns ein Schaden zu gleichen Teilen abgezogen werden?

Einige Mankoabreden sehen vor, dass mehrere für einen Schaden möglicherweise verantwortliche Mitarbeiter zu gleichen Teilen oder im Verhältnis der Höhe ihrer Gehälter anteilig haften. Das ist nur zulässig, wenn auch für dieses erhöhte Risiko der Mithaftung für Kollegen ein zusätzlicher Ausgleich bezahlt wird. Außerdem muss nach der Rechtsprechung des BAG sichergestellt sein, dass die Mitarbeiter Kontrollbefugnisse haben, die sie auch ausüben können. Sie müssen also die Kollegen, für die Sie mithaften könnten, wirksam überwachen und dazu anhalten können, sorgfältig zu arbeiten. Das ist für den Apothekenalltag kaum denkbar und beim Arbeiten in mehreren Schichten ohne eigenen Kassenabschluss ohnehin ausgeschlossen.

Kontakt:

Adexa – Die Apothekengewerkschaft

Hudtwalckerstraße 10
22299 Hamburg
Tel.: 040.36 38 29
Fax: 040.36 30 58

info@adexa-online.de


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