29.09.2019

kurz & bündig: Beratung zu Heiserkeit

von Stefanie Fastnacht

© Getty Images/iStockphoto (Symbolbild mit Fotomodell)

Originalartikel als PDF

Hintergrund 


©jordanrutherford / Getty Images / iStock

Die Stimmlippen, zwei mit Schleimhaut überzogene Bänder im Kehlkopf, erzeugen Töne, indem sie schwingen. Im Zusammenspiel mit Kehlkopfmuskulatur, Kehlkopfdeckel, Atemluft, Zunge und Lippen entstehen daraus letztlich Töne und Wörter. Durch innere und äußere Reize kann dieses Zusammenspiel aus dem Lot geraten und zu Stimmveränderungen (Dysphonien) führen. Dabei fällt nicht nur das Sprechen schwer, auch der Klang der Stimme verändert sich und sie hört sich heiser an. Mit dem Symptom Heiserkeit verbunden ist zum Beispiel eine Überbelastung der Stimmbänder bei Menschen, die viel sprechen müssen. Diese Art der Dysphonie wird als funktionelle Stimmstörung bezeichnet. Auch verschiedene organische Ursachen gehen mit Heiserkeit einher. Zum Beispiel akute und chronische Kehlkopfentzündungen (Laryngitiden), gut- und bösartige Tumore der Stimmlippen sowie Stimmlippenlähmungen. Genauso, wie internistische Erkrankungen, etwa ein gastroösophagaler Reflux, Tuberkulose oder Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.

Wann zum Arzt? 


©sabelskaya / Getty Images / iStock

Steht Ihnen in der Apotheke ein Kunde mit heiserer Stimme gegenüber, müssen Sie entscheiden, ob eine Behandlung in Eigenregie möglich ist oder Sie ihn zur Abklärung der Symptomatik besser an einen Arzt verweisen. Leidet Ihr Gegenüber unter einem akuten grippalen Infekt, verbunden mit Heiserkeit, können Sie ihm Präparate zur Linderung empfehlen. Unbedingt zur weiteren diagnostischen Abklärung zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt geschickt gehören dagegen Menschen unter Immunsuppression und Betroffene, die rauchen oder regelmäßig Alkohol konsumieren. Stark vergrößerte Halslymphknoten oder Heiserkeit nach Verletzungen und operativen Eingriffen gehören ebenfalls ärztlich kontrolliert. Das Gleiche gilt, wenn der Kunde blutiges Sekret aushustet oder unerklärlich an Gewicht verliert. Dahinter kann sich eine Bronchitis aber auch ein Bronchialkarzinom beziehungsweise ein anderer maligner Tumor verbergen. Auch bei lang andauernder Heiserkeit (> 3 Wo.) sollten Sie Kunden einen Arztbesuch empfehlen. Genauso, wie Menschen mit funktionellen Stimmstörungen, die im Alltag viel sprechen müssen.

Kehlkopfentzündung 


©Gary Kavanagh / Getty Images / iStock

Akute Laryngitiden im Rahmen einer viralen Infektion der oberen Atemwege gehören mit zu den häufigsten Ursachen von Heiserkeit. Sie heilen in der Regel nach etwa ein bis zwei Wochen von selbst wieder aus; und damit auch die Heiserkeit. Als Basismaßnahme sollten Sie Betroffenen raten, ihre Stimme zu schonen. Absolute Stimmruhe ist dagegen nicht notwendig. Im Gegenteil, sie kann Fehlkompensationen bis hin zu bleibenden Stimmstörungen den Weg bereiten. Davon abzugrenzen sind chronische Laryngitiden. Sie treten häufig bei Menschen auf, die rauchen, Schadstoffen aus der Umwelt ausgesetzt sind, Glukokortikoide inhalieren müssen oder unter einem gastroösophagalen Reflux leiden, der Kehlkopf und Stimmbänder in Mitleidenschaft zieht. Hier sollten Sie Betroffenen raten, wenn möglich, auf das Rauchen zu verzichten. Der Arzt kann zudem eine Antirefluxtherapie mit Protonenpumpeninhibitoren verordnen.

Selbstmedikation 


©teawind / Getty Images / iStock

Bei grippalen Infekten mit Heiserkeit beruhigen und befeuchten Halspastillen, Bonbons und Tees die gereizte Schleimhaut des Stimmapparates. Die Schleimstoffe in Isländisch Moos (z. B. Isla ® Moos Pastillen) oder Eibischwurzel (z. B. Phytohustil ® Hustenreizstiller Pastillen) legen sich dabei balsamartig auf die Schleimhaut. Hyaluronsäure (z. B. Gelorevoice ®, Isla ® med voice) befeuchtet, ebenso Lutschpastillen mit Emser Salz ® oder Inhalationen mit salzhaltigen Lösungen (z. B. Emser ® Inhalationslösung). Auch Gurgeln mit Salbeiblätter- oder Kamillenblütentee ist sinnvoll. Oder die Einnahme von Ferrum phosphoricum als Einzelmittel (z. B. Ferrum phos. D12 DHU) oder in Kombinationspräparaten (z. B. Infludoron ® Streukügelchen). Helfen können ferner die Schüßler Salze Kalium chloratum (Nr. 4), Kalium sulfuricum (Nr. 6) im halbstündigen Wechsel.

Was sonst noch hilft


©yusak_p / Getty Images / iStock

Menschen, die unter Heiserkeit leiden, sollten die Raumluft immer ausreichend befeuchten. Raten Sie Betroffenen mit akuten Kehlkopfentzündungen, viel zu trinken, um so die Regeneration der Schleimhaut des Stimmapparates zu unterstützen. Und zwar mindestens eineinhalb Liter am Tag, etwa Wasser, Saftschorlen und Früchte- oder Kräutertees. Funktionelle Stimmstörungen lassen sich mithilfe einer Stimmtherapie beseitigen. Hierbei wird versucht, die stimmliche Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit durch gezielte Übungen zur Körperwahrnehmung und -haltung, Atmung sowie der Artikulation wieder herzustellen. Unterstützend wirken Stressabbau und körperliche Bewegung. Wer viel redet, sollte regelmäßig Ruhepausen einschieben, in denen sich die Stimmbänder erholen können. Die Regeneration fördern zudem die im Abschnitt Selbstmedikation vorgestellten Halspastillen, Bonbons, Tees und Inhalate. Stimmbandknötchen oder Tumore werden operativ entfernt.


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Apotheke und Marketing

APOTHEKE + MARKETING wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei das Magazin und die Webseite insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis des Apothekers eingeht.

www.apotheke-und-marketing.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.