31.08.2019

kurz & bündig: Beratung zu TTS

von Stefanie Fastnacht

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Hintergrund


©Pflaster gelb: © [M] Sunflower / stock.adobe.com | Pflaster: © Coprid / stock.adobe.com

Transdermale Therapeutische Systeme, TTS, werden auf die Haut geklebt. Der Wirkstoff gelangt dabei über die Haut in den Blutkreislauf und wird im Körper verteilt. So lassen sich der Magen-Darm-Trakt und damit auch ein möglicher First-Pass-Effekt in der Leber umgehen, bei dem es zu einem vorzeitigen Abbau von Arzneistoffen kommt. Werden Arzneistoffe als TTS appliziert, müssen sie bestimmte Eigenschaften mitbringen: Da die Pflaster aufgrund ihrer Größe nur eine bestimmte Menge fassen können, müssen hoch potente Wirkstoffe zum Einsatz kommen, deren wirksame Plasmaspiegel im Bereich von Nanogramm pro Milliliter liegen. Ferner dürfen die Moleküle nur eine bestimmte Größe aufweisen und müssen lipophile Eigenschaften besitzen, um überhaupt die Haut zu durchdringen. Diese Eigenschaften erfüllen zum Beispiel Estradiol (z. B. Estramon ®), die Opioide Buprenorphin (z. B. Norspan ®) und Fentanyl (z. B. Durogesic ®), Oxybutynin (Kentera ®) oder Rotigotin (z. B. Neupro ®) und Scopolamin (Scopoderm ® TTS) oder Nikotin (z. B. Nicotinell ®).

Zwei Pflastertypen


©Medical Art Inc. / Alamy / mauritius images

Transdermale Therapeutische Systeme lassen sich grundsätzlich einteilen in Membranpflaster und Matrixpflaster. Membranpflaster werden auch als Reservoirpflaster bezeichnet. Bei dieser Variante liegt der Wirkstoff gelöst in einer geeigneten Flüssigkeit beziehungsweise in einem alkoholhaltigen Hydrogel vor und diffundiert aus diesem Reservoir über eine Kontrollmembran in die Haut. Matrixpflaster sind in der Regel dünner als Membranpflaster. Eine wasserundurchlässige Folie ist auf ihrer Innenseite mit einer Polymer-Klebematrix beschichtet, in die der Wirkstoff direkt eingebettet ist. Über die Eigenschaften dieser Klebematrix lässt sich die Wirkstofffreisetzung steuern. Wichtig zu wissen ist, dass die Pflaster nach dem Aufkleben nicht sofort wirken. Auch ist ihre Wirkung nicht automatisch beendet, wenn sie von der Haut entfernt werden. Das liegt zum einen an den Freisetzungseigenschaften der Pflaster selbst. Zum anderen reichert sich der freigesetzte Wirkstoff zunächst in der Haut an und bildet ein Depot, aus dem er dann nach und nach über die Hautkapillaren in den Blutkreislauf gelangt.

Richtig kleben 


© Pflaster gelb: [M] © Sunflower / stock.adobe.com | Mensch: © Aaltazar / Getty Images / iStock

Zum Aufbringen der Pflaster eignen sich Bauch, oberer Rücken, die Außenseite der Oberarme sowie die Oberschenkel oft am besten (Packungsbeilage beachten). Für Hormonpflaster gilt: nicht auf die Brust kleben. Damit das Pflaster richtig hält und die Resorption nicht beeinträchtigt oder verstärkt wird, sollte die ausgewählte Hautstelle sauber, trocken, unbehaart sowie unverletzt sein. Eventuell vorhandene Haare werden mit einer Schere abgeschnitten, aber nicht abrasiert. Denn jede kleine Verletzung, aber auch Tätowierungen, Narben und Sonnenbrand können die Wirkstoffaufnahme und damit Wirksamkeit und Verträglichkeit verändern. Zum Reinigen der Haut genügt Wasser pur. Seife oder andere Pflegeprodukte sollten nicht verwendet werden, da auch sie die Haut und damit die Resorptionsrate des Wirkstoffs ungünstig beeinflussen können. Beim Aufbringen immer die gesamte Klebefläche inklusive der Ränder und Ecken circa 30 Sekunden mit der flachen Hand auf die Haut drücken.

Pflaster wechseln und entsorgen 


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Auch wenn Ihnen das selbstverständlich erscheint: Raten Sie Kunden, die TTS verwenden, immer erst das alte Pflaster zu entfernen, bevor ein Neues aufgeklebt wird. Denn viele der Produkte sind hautfarben oder durchsichtig und können so schnell übersehen werden. Beim Pflasterwechsel ist es wichtig, auch die Klebestelle zu wechseln. Die alte Stelle sollte frühestens nach sieben Tagen erneut beklebt werden, um Hautreizungen und damit einhergehend eine höhere Wirkstoffaufnahme zu vermeiden. Sobald das Pflaster von der Haut gelöst wurde, gehören die Klebeseiten nach innen gefaltet und das Ganze in einem geschlossenen Behälter entsorgt. Da selbst nach mehrtägiger Applikation noch erhebliche Wirkstoffmengen in den Pflastern vorhanden sind, dürfen auch die benutzten nicht in falsche Hände, etwa von Kindern, geraten.

Sonstiges 


© igorshi / Getty Images / iStock

Es kommt immer wieder vor, dass TTS zerschnitten werden. Was nicht sein soll. Insbesondere bei Membranpflastern ohne formstabiles Wirkstoffdepot tritt beim Zerschneiden Wirkstoff aus, der dann unkontrolliert über die Haut in den Körper eindringen und schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann. Bei Matrixpflastern besteht das Problem des Auslaufens zwar nicht. Werden sie zerschnitten, kann aber die Dosiergenauigkeit verloren gehen. Weisen Sie Kunden auch immer darauf hin, dass sie die mit TTS beklebten Hautstellen nicht zu starker Wärme aussetzen sollten, etwa in der Sauna und im Solarium oder unter Wärmflaschen und Heizkissen. Denn steigt die Hauttemperatur, können ebenfalls zu hohe Wirkstoffdosen in den Blutkreislauf gelangen. Damit steigt wiederum die Gefahr unerwünschter Wirkungen. Schwimmen, Baden, Duschen ist dagegen problemlos möglich, sofern die Wassertemperatur nicht zu heiß ist.


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