30.09.2017 - Zum Beratungsthema: Frauengesundheit

PMS: Die Tage vor den Tagen

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von Hannelore Gießen

Kopfschmerzen, Brustspannen, Stimmungsschwankungen: An solchen Symptomen leiden vierzig Prozent aller Frauen jeden Monat vor Eintritt der Regel. Welche Massnahmen können die Beschwerden lindern?

Bisher sei bei der Behandlung des prämenstruellen Syndroms (PMS) weder das Alter der Frau berücksichtigt noch der Übergang in die Menopause genügend beachtet worden, berichtete Frau Prof. Dr. med. Petra Stute vom Universitätsklinikum in Bern. Erst in den letzten Jahren habe sich eine differenziertere Sicht auf das PMS entwickelt, führte die gynäkologische Endokrinologin bei einer von der Zeller Medical AG unterstützten Veranstaltung in München weiter aus. Die Fachärztin stellte dazu ein kürzlich veröffentlichtes Konsensuspapier von Schweizer gynäkologischen Endokrinologen, Psychologen, Psychiatern und Vertretern der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie vor.

PMS richtig erkennen

Beim prämenstruellen Syndrom treten in der zweiten Zyklushälfte Beschwerden auf, die in der ersten nicht vorhanden sind. Das sei ein entscheidendes Kriterium, betonte Stute. Ein PMS könne nur während der fruchtbaren Jahre auftreten, und eine gründliche Zyklusanamnese sei wichtig für die Einschätzung der Symptome, stellte die Ärztin fest.

Die Diagnostik stützt sich in erster Linie auf die Selbsteinschätzung der betroffenen Frauen, die zwei Monate lang ihre Beschwerden anhand eines Fragebogens dokumentieren. Dabei komme es für die Diagnose PMS nicht darauf an, wie stark die Beschwerden sind, sondern wichtig sei deren Bezug zum Menstruationszyklus, betonte Stute. Ein PMS liegt vor, wenn die charakteristischen Beschwerden, wie leichte psychische Verstimmungen, Aufgedunsenheit, Wassereinlagerungen und Gewichtsprobleme, Brustspannen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafunregelmäßigkeiten oder Heißhunger, in der zweiten Zyklushälfte auftreten und mit Einsetzen der Blutung wieder verschwinden.

Im Blut werden die Sexualhormone Estrogen, Progesteron sowie das von der Hypophyse produzierte follikelstimulierende Hormon (FSH) bestimmt. „Das PMS ist nicht mit typischen hormonellen Veränderungen im Blut assoziiert. Doch wir wollen so andere Erkrankungen ausschließen“, erläuterte Stute.

Noch sei die Ursache des PMS nicht wirklich geklärt, führte die Fachärztin weiter aus. Vermutlich würden die Regelkreise verschiedener Neurotransmitter, wie Dopamin, Serotonin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA), sensibel auf Hormonschwankungen reagieren.

TIPP!

Empfehlen Sie Kundinnen mit PMS, die einzelnen Beschwerden mit dem Gynäkologen abzusprechen. Er kann verschiedene Therapieversuche einleiten. Machen Sie Ihren Kundinnen klar, dass es nicht notwendig ist, sich mit PMS einfach abzufinden.

Phytos plus Mikronährstoffe

Stute empfahl für die Behandlung des PMS ein gestaffeltes Vorgehen: Im ersten Schritt setze sie als pflanzliches Heilmittel einen Mönchspfefferextrakt ein, kombiniert mit den Mikronährstoffen Calcium, Magnesium sowie Vitamin B 6. Einen ersten Eindruck bespricht die Endokrinologin mit der Patientin zunächst nach zwei bis vier Wochen. Nach drei Monaten wird gemeinsam das weitere Vorgehen entschieden. Diese Kombination aus Mönchspfefferextrakt und Mikronährstoffen helfe sehr vielen Frauen, berichtete die Ärztin aus der Praxis.

Auch einige andere Phytopharmaka werden in der Therapie des prämenstruellen Syndroms eingesetzt. So haben zumeist kleine Studien mit Nachtkerzenöl Verbesserungen einzelner Symptome beschrieben. Auch Extrakte von Johanniskraut und Ginkgo biloba werden verwandt, wobei zu diesen Heilpflanzen nur wenige Daten vorliegen.

Hormone, Antidepressiva, Diuretikum

Reicht die Gabe von Phytopharmaka und Mikronährstoffen nicht aus, können weitere Medikamente eingesetzt werden. Bei jüngeren Frauen ist oft ein Kontrazeptionsschutz erwünscht, sodass eine geschickte Auswahl des Kontrazeptivums auch die Symptome des PMS eindämmt. In erster Linie wird dabei ein Kombinationspräparat gewählt. Stute empfiehlt ihren Patientinnen zudem, die übliche Einnahmepause bei oralen Kontrazeptiva von sieben Tagen auf nur vier zu verkürzen. Auch ein kompletter Verzicht auf ein pillenfreies Intervall ist laut Stute möglich.

Bei älteren Frauen müsse jedoch das erhöhte Thromboserisiko von kombinierten hormonalen Kontrazeptiva berücksichtigt werden, warnte die Endokrinologin. Sie betonte die Notwendigkeit eines altersangepassten Vorgehens beim PMS. Für Frauen Anfang 40 setzt die Berner Fachärztin in der zweiten Zyklushälfte gezielt orales Progesteron ein. Später seien oft Estrogenpflaster, kombiniert mit einem Gestagen, gut wirksam. Bei älteren Frauen müssten bereits vorliegende Erkrankungen sowie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beachtet werden, gab Stute zu bedenken.

Antidepressiva-- Mitunter werden für die Behandlung des PMS auch Antidepressiva eingesetzt, obwohl sie dafür nicht zugelassen sind. In erster Linie werden selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), wie Paroxetin, Fluoxetin, Citalopram, Escitalopram und Sertralin, verordnet. Ihre Wirksamkeit liegt bei etwa 70 Prozent. Überraschenderweise helfen sie beim PMS auch schnell, während sie bei einer Depression erst nach rund zwei Wochen wirken. Niedrige Dosierungen und eine intermittierende Gabe nur in der zweiten Zyklushälfte seien genauso wirksam wie eine kontinuierliche und würden viel besser akzeptiert, so Stute.

Spironolacton-- Das Schweizer Konsensuspapier zum prämenstruellen Syndrom führt noch eine weitere Therapiemöglichkeit auf: Eine intermittierende Gabe von Spironolacton wirkte sich günstig auf Brustspannen und Flüssigkeitseinlagerungen aus, aber auch auf psychische Beschwerden. Dabei werden täglich 100 Milligramm Spironolacton vom Zeitpunkt des Eisprungs bis zum Zyklusende eingenommen. Spironolacton wirke beim PMS wahrscheinlich über die Androgenrezeptoren im Gehirn. Bei dieser Therapie müsse allerdings auf eine zuverlässige Verhütung und eine Kontrolle des Kaliumspiegels geachtet werden, betonte Petra Stute.

Nicht leiden, selbst handeln

Ein prämenstruelles Syndrom müsse meist langfristig behandelt werden, hob die Ärztin hervor. Nach einem bis drei Jahren könne jedoch versucht werden, die Therapie abzusetzen. Bei etwa der Hälfte der Frauen komme es dann zu einem Rückfall, der meist rasch in den Griff zu bekommen sei. Keine Frau solle sich mit Beschwerden vor und während der Regel abfinden, empfahl die Hormonexpertin. Jede Frau solle auch mitentscheiden, welche Therapie zu ihr passe. Zu den vielen medikamentösen Ansatzpunkten kommen auch Entspannungstechniken, Sport und Psychotherapie.


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