29.09.2018

Rhinologika: Eine Nasenlänge voraus

von Stefanie Fastnacht

Rhinologika gehören zu den Arzneimitteln, die in der kalten Jahreszeit oft über den HV-Tisch wandern. Trotz der vermeintlich unkomplizierten Anwendung dürfen bei der Abgabe Beratungshinweise nicht fehlen.

© bluecinema / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

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Kappe ab, anwenden, fertig: Ganz so einfach funktioniert der Umgang mit Nasensprays und Nasentropfen zur Lokaltherapie bei Schnupfen eben doch nicht. Zum einen sollte das pharmazeutische Personal die Kunden auf hygienische Aspekte bei der Anwendung hinweisen. Auch Tipps zur richtigen Applikation dürfen nicht fehlen.

Hintergrund

Zu den von der Natur vorgesehenen Aufgaben der menschlichen Nase gehören unter anderem das Anwärmen und grobe Reinigen der Atemluft. Was das Einbringen von Medikamenten anbelangt, sind Volumen, Resorptionsfläche und Verweilzeit auf der Nasenschleimhaut begrenzt. Damit der „Riechkolben“ die ihm zugedachten Reinigungsaufgaben bewältigen kann, ist die Nasenschleimhaut mit einem mehrschichtigen Flimmerepithel ausgestattet. Dieses transportiert von Becherzellen produzierte Muzine inklusive aller anhaftenden Ablagerungen innerhalb von 15 bis 20 Minuten Richtung Rachen; einschließlich der auf die Nasenschleimhaut aufgebrachten Arzneistoffe.

Anforderungen an Nasalia

Egal, ob wie bei einer Rhinitis lokale Wirkungen im Vordergrund stehen oder systemische Wirkungen erwünscht sind; Rhinologika dürfen die Nasenschleimhaut nicht reizen beziehungsweise die Zilien des Flimmerepithels nicht schädigen. In der Regel handelt es sich bei den zur Lokaltherapie verabreichten Tropfen und Sprays gegen Schnupfen um wässrige Lösungen oder Suspensionen. Diese sollten möglichst isotonisch und auf einen pH-Wert zwischen 6,5 bis 7,6 eingestellt sein.

Systemische Wirkung-- Unter anderem zur Therapie von Migräne stehen Nasendosiersprays mit Sumatriptan (Imigran® nasal 20 mg Nasenspray) und Zolmitriptan (Ascotop® nasal 5 mg/Dosis Einzeldosis-Nasenspray) zur Verfügung. Ein weiteres Beispiel sind Formulierungen mit Fentanyl gegen Durchbruchschmerzen bei Tumorerkrankungen (z. B. Pecfent 100 µg 8 Sprühstöße Nasenspray). Zugesetzte polymere Hilfsstoffe können die Viskosität dieser wässrigen, gepufferten Lösungen erhöhen. Das trägt zu einer besseren Haftung auf der Schleimhaut und damit zu einer längeren Verweildauer der Präparate bei. Neben speziellen Anforderungen an die Wirkstoffe selbst, spielt bei systemisch wirkenden Nasensprays zudem die Tröpfchengröße des erzeugten Aerosols eine wichtige Rolle. Zu große Partikel werden vom Flimmerepithel schnell Richtung Rachen abtransportiert, zu kleine passieren mit der Atemluft die Nasenhaupthöhle in Richtung der Lungen.

Ich empfehle

Was empfehlen Sie als homöopathische Alternative bei Schnupfen?

Bei akutem Schnupfen eignen sich Nasensprays mit Euphorbium, Pulsatilla und Hepar sulfuris, da diese besonders mild und gut verträglich sind. Bei chronischem Schnupfen mit Borkenbildung und Stockschnupfen eignet sich ein Nasenspray mit Luffa operculata. Zusätzlich sollte gerade bei Borkenbildung auf regelmäßige Pflege der Nasenschleimhaut mit milden Nasensalben geachtet werden.

Welche Tipps geben Sie zusätzlich?

Ich werde nicht müde, Nasenduschen zu empfehlen. Zweimal täglich angewendet, bringen sie besonders Kunden mit Neigung zu Sinusitis deutliche Linderung und mildern den Verlauf. Außerdem sind Inhalationen sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr anzuraten.

Britta Fröhling, PTA Beirat

Beratung

Vor der Abgabe von Nasalia gegen verstopfte und/ oder laufende „Schnupfennasen“ müssen wie bei jedem anderen guten Beratungsgespräch auch die Grenzen der Selbstmedikation ausgelotet werden.

Kein Fall für eine Therapie in Eigenregie sind chronische oder allergische Rhinitiden, blutiges oder eitriges Nasensekret, Gesichtsschmerzen, Neben- und/oder Stirnhöhlenentzündung sowie Schnupfen, der mit länger anhaltendem Fieber (> 2 – 3 Tage) über 39 Grad Celsius verbunden ist.

Wirk- und Zusatzstoffe

Als Lokaltherapeutika zum Abschwellen der Nasenschleimhaut werden die alpha-Sympathomimetika Oxymetazolin, Tramazolin und Xylometazolin eingesetzt. Durch ihre vasokonstriktorischen Effekte verbessern sie die Passage der Nasenluft, öffnen die Nasennebenhöhlen und halten den Belüftungsmechanismus des Mittelohrs aufrecht. Dies unterstützt bei Schnupfen im Rahmen eines grippalen Infekts den natürlichen Selbstreinigungsmechanismus der Nasennebenhöhlen und beugt Druck auf die Ohren vor.

Zu beachten sind allerdings Rebound-Phänomene mit verstärkter Schleimhautschwellung, die bei nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch von lokalen Vasokonstriktoren entstehen können. Weshalb diese nicht länger als etwa sieben Tage hintereinander verwendet werden sollten. Ferner wird bei Dauergebrauch der Substanzen die Nasenschleimhaut nicht mehr richtig durchblutet. In Folge sinkt die Produktion von Nasensekret, die Nase trocknet aus, und es entstehen Borken.

Sonstige-- Lösungen mit Emser-, Koch- oder Meersalz befeuchten und reinigen die Schleimhaut und verflüssigen das Nasen- sekret. Neben isotonen stehen hypertone Lösungen zur Verfügung, die über osmotische Effekte leicht schleimhautabschwellend wirken und so die Nasenatmung verbessern. Neben Campher, Menthol und ätherischen Ölen wie Eukalyptusöl wird zur Vorbeugung und Behandlung von Schnupfen auch Ectoin eingesetzt. Es soll auf der Nasenschleimhaut eine schützende Hydrathülle bilden und so Austrocknung und Irritationen lindern. Zusatzstoffe wie Dexpanthenol fördern die Schleimhautregeneration.

Aus dem OTC-Sortiment*

Wirkstoffgruppe

Hauptwirkstoffe

Präparat

Besonderheit

Ätherische Öle

Eucalyptusöl, Campher, Levomenthol, Meersalzlösung, Dexpanthenol u. a.

Aspecton® Nasenspray entspricht 1,5%iger Kochsalzlsg.

hyperton, konservierungsmittelfrei, Kinder > 8 J.**

Eucalyptusöl, Ackerminzkraut-Extrakt, Meerwasser

Otriven® Meerwasser mit Eucalyptus Nasenspray

hyperton, konservierungsmittelfrei, Kinder > 6 J.**

Eucalyptusöl, Aloe-vera-Extakt, Meersalz-Lösung,

Rinupret® Pflege Nasenspray

hyperton, konservierungsmittelfrei, Kinder > 2 J.**

alpha- Sympathomimetika

Oxymetazolin

Wick Sinex® Avera Dosierspray

konserviert mit Benzalkoniumchlorid, Kinder > 6 J.

Tramazolin

Rhinospray® Nasenspray

konserviert mit Benzalkoniumchlorid, Kinder > 6 J.

Xylometazolin

Xylo-Comod® 1 mg/ml Nasenspray

konservierungsmittelfrei, Kinder > 6 J., COMOD®-System

Hysan® Schnupfenspray Kinder

konservierungsmittelfrei, Kinder von 2 – 6 J., 3K®-System

Salzlösungen

Meerwasser, + Dexpanthenol

Bepanthen® Meerwasser Nasenspray

konservierungsmittelfrei, isoton, ab 0 J.**

Meerwasser + Ectoin

Olynth® Ectomed Nasenspray

konservierungsmittelfrei, hyperton, ab 0 J.

Meerwasser

Rhinomer® plus Schnupfenspray

hyperton, konservierungsmittelfrei, Kinder > 3 J.**

Homöopathika

Euphorbium D4, Pulsatilla D2, Hepar sulfuris D10 u. a.

Euphorbium compositum Nasentr. SN Nasendosierspray

konservierungsmittelfrei, Kinder > 2 J.

Luffa operculata

Luffa Nasenspray DHU Dosierspray

konserviert mit Benzalkoniumchlorid, ab 0 J.

*ohne Anspruch auf Vollständigkeit, (Stand Lauer-Taxe 05.09.2018), **Herstellerangaben

Hygiene

Egal, ob verschnupfte Kunden Sprays oder Tropfen verlangen, wichtig ist der hygienische Umgang mit den Präparaten. Da die Nasenschleimhaut, insbesondere bei grippalen Infekten, ein Tummelplatz für Keime ist, sollten die Zubereitungen immer nur von einer Person benutzt werden. Nicht immer eine Selbstverständlichkeit, wie Gespräche mit Kunden zeigen.

Zubereitungen zur nasalen Anwendung müssen laut den Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs keimarm sein. Wässrige Nasensprays und -tropfen in „normalen“ Mehrdosenbehältnissen enthalten in der Regel ein geeignetes Konservierungsmittel. Meistens wird Benzalkoniumchlorid verwendet, das aber, wie Studien gezeigt haben, die Zilien des Flimmerepithels und die Nasenschleimhaut selbst schädigen kann. Empfindliche Kunden sollten darauf hingewiesen beziehungsweise ihnen sollte ein konservierungsmittelfreies Produkt angeboten werden. Ohne Konservierungsmittel kommen zum Beispiel Behältnisse mit Continuous Monodose System (COMOD®-System) oder 3K®-System aus, die über einen ausgeklügelten Kontaminationsschutz verfügen.

Richtig tropfen

Um systemische Nebenwirkungen von vasokonstriktorischen Nasentropfen wie Blutdruckanstieg, Herzklopfen oder Zittern (Tremor) zu vermeiden, sollten diese nicht in den Rachen abfließen und verschluckt werden, sondern sich möglichst gut auf der Nasenschleimhaut verteilen. Dazu ist es nötig, vor der Applikation zunächst Sekret durch Naseputzen zu entfernen. Dann wird der Applikator, ohne die Schleimhaut zu berühren, etwa einen halben Zentimeter tief in das Nasenloch eingeführt. Beim Eintropfen den Kopf kurz zurückgelegen und durch die Nase einatmen. Sofort danach den Oberkörper und den Kopf nach unten beugen und durch Kopfdrehen die Lösung im Nasenraum verteilen. Um eine Kontamination des Pipetteninneren und der Restlösung in der Flasche zu vermeiden, müssen die Hütchen von Tropfpipetten – ebenso wie Quetschfläschchen zum Sprühen – nach der Anwendung zusammengedrückt aus dem Nasenloch gezogen werden. Anschließend die Pipette/Applikatorspitze unter heißem Wasser reinigen beziehungsweise mit einem Taschentuch abwischen und erst dann wieder in das Behältnis zurückführen.

Richtig sprühen

Beim Anwenden von auf dem Markt befindlichen Sprühsystemen sind im Gegensatz zum Einbringen von Tropfen keine „gymnastischen“ Übungen erforderlich, da die Sprays für eine feine und gleichmäßige Wirkstoffverteilung in der Nase sorgen. Nasensprays werden in der Regel aufrecht und während des Einatmens appliziert. Dosiersprays schützen zudem vor Überdosierung und damit verbundenen systemischen Nebenwirkungen. Vor der ersten Anwendung müssen Dosiersprays in der Regel einige Male außerhalb der Nase betätigt werden, damit das Dosiersystem sich vollständig mit Wirkstofflösung füllt.


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