30.01.2020

Schlafstörungen: Keine Ruhe

von Nina Bürger

Viele Menschen wälzen sich nachts im Bett hin und her. Sie können nicht einschlafen oder werden häufig wach. Was hinter Schlafproblemen stecken kann und wie sich die Beschwerden lindern lassen.

© Getty Images/iStockphoto (Symbolbild mit Fotomodell)

Originalartikel als PDF


  • Es gibt über 80 verschiedene Schlafstörungen, von denen Ein- und Durchschlafstörungen am häufigsten vorkommen.
  • Psychischer Stress ist einer der wichtigsten Auslöser von Schlafstörungen.
  • Ein gesunder Schlaf hat verschiedene Phasen, die einen Zyklus bilden, welcher sich mehrfach wiederholt, während man schläft.
  • In der Selbstmedikation werden häufig Phytopharmaka eingesetzt, besonders Baldrianwurzelextrakt gilt als schlaffördernd und beruhigend.

Ausreichend Schlaf ist für das Wohlbefinden essenziell. Doch während der Mensch ein Drittel seines Lebens verschläft, gibt es über 80 verschiedene Schlafstörungen, die dies erschweren können. Eine Ein- und Durchschlafstörung (Insomnie) ist die häufigste unter ihnen. Sie liegt nach ärztlicher Definition vor, wenn Betroffene mindestens drei Mal pro Woche über einen Monat lang nicht richtig schlafen können. Die Folge sind Müdigkeit, Erschöpfung und Schläfrigkeit am Tag. Häufig entstehen zudem Stimmungsschwankungen und eine geminderte Leistungsfähigkeit. Hält die Insomnie über einen längeren Zeitraum an und wird sie nicht behandelt, drohen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Diabetes und psychische Krankheiten wie Depressionen.

Schlafstadien-- Ein gesunder Schlaf besteht drei Stadien: Wachzustand, Non-REM-Schlaf und REM-Schlaf. Nach dem Zubettgehen ist der Mensch zunächst noch wach, um dann langsam einzuschlafen. Dann folgen Leicht- und Tiefschlafphase. In dieser Zeit gibt es nur langsame bis keine Augenbewegungen, daher die Bezeichnung Non-REM(rapid-eye-movement)-Schlaf. Nun folgt das Traumstadium; die Augen bewegen sich hinter den geschlossenen Liedern rasch hin und her (REM-Schlaf). Die beschriebenen Phasen kennzeichnen einen Schlafzyklus, von dem es im Laufe der Nacht mehrere gibt. Je nach Art der Schlafstörung sind verschiedene Stadien betroffen.

Ursachen

Die Ursachen für Ein- und Durchschlafstörungen sind vielschichtig. Um eine Einschlafstörung handelt es sich, wenn bis zum abendlichen Einschlafen mehr als eine halbe Stunde vergeht. Bei Durchschlafstörungen liegt der Betroffene nach dem nächtlichen Aufwachen mindestens eine halbe Stunde wach.

Besonders oft sorgt psychischer Stress für schlaflose Nächte. Eine Trennung, ein neuer Job, Prüfungen oder ein Umzug sind nur einige der Situationen, die das Abschalten verhindern können. Doch auch äußere Reize wie Kälte, Lärm oder Licht haben Einfluss auf den Wach- und Schlafzustand.

Gestörter Rhythmus-- Für guten Schlaf ist neben seelischer Ausgeglichenheit ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus wichtig. Wird er durch Schichtarbeit, häufige Zeitzonen-Wechsel oder Schläfchen am Tag geändert, stört dies die innere Uhr. Dann weicht die Stimulation des Aktivierungssystems im Gehirn von der unter Normalbedingungen ab. Die Schlafphasen verschieben sich oder werden frühzeitig abgebrochen.

Hormone-- Bei Frauen sind es zudem physische und hormonelle Veränderungen während Zyklus, Schwangerschaft und Stillzeit sowie der Wechseljahre, die die Schlafqualität verändern. Auch können das Restless-Legs-Syndrom, Krankheiten der Schilddrüse und der Niere sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen Schlafstörungen begünstigen.

Medikamente-- Verantwortlich für eine Insomnie können zudem psychische Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen oder Angststörungen sein. Umgekehrt kann auch die medikamentöse Behandlung dieser und anderer Krankheiten zu Schlafstörungen führen. Einige Arzneimittelgruppen beeinflussen die Konzentration schlafregulierender Neurotransmitter oder die Wirkung von Hormonen. Dazu gehören Antibiotika wie Chinolone sowie Betablocker, Antihypertensiva, Schilddrüsenhormone, Antidepressiva sowie der häufig bei ADHS verordnete Wirkstoff Methylphenidat. Auch Anticholinergika und Dopamin können sich negativ auf den Schlaf auswirken.

Wann zum Arzt?

Spätestens, wenn die Schlafprobleme über einen Monat andauern und die Grenze der Selbstmedikation erreicht ist, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Er stellt gezielt Fragen, nimmt eine körperliche Untersuchung vor und lässt den Patienten evtl. ein Schlaftagebuch führen. Zusätzlich können Messungen im Schlaflabor Aufschluss geben. Ein tragbarer Aktimeter kann die Schlaf-Wach-Struktur zuhause erfassen.

Schlafapnoe-- Wichtig ist es außerdem, eine obstruktive Schlafapnoe auszuschließen. Sie kann genetisch begünstigt oder Folge von anatomischen Besonderheiten im Rachenraum sein. Auch Veränderungen im Schlaf-Wach-System, Alter sowie Geschlecht und Gewicht sind Faktoren, die diese Schlafstörung begünstigen. Bei der obstruktiven Schlafapnoe kommt es in Verbindung mit starkem Schnarchen wiederholt zu einem Kollaps im Rachenraum, währenddessen die Muskulatur der oberen Atemwege erschlafft und die Zunge zurückfällt.

Die Atemwege im Rachen verengen sich oder sind ganz blockiert. Dadurch kommt es zu gefährlichen, nächtlichen Atemaussetzern, die länger als zehn Sekunden andauern können. Durch die gestörte Atmung wird der Körper unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Der Puls sinkt, und der Blutdruck steigt. Das Gehirn wird alarmiert und löst einen Weckreiz aus. Die Betroffenen wachen in der Folge kurz auf, meist ohne dies zu bemerken. Dennoch ist ihr Schlafrhythmus gestört. Mit der obstruktiven Schlafapnoe steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

grafik_schlaf_dpm_022020

Ärztliche Therapie

Schlafmediziner empfehlen bei dauerhaften Ein- und Durchschlafstörungen eine kognitive Verhaltenstherapie. Bei dieser Form der Psychotherapie werden Maßnahmen für eine bessere Schlafhygiene vermittelt. Zudem lernen Patienten, sich zu entspannen und so die negative nächtliche Denkschleife zu stoppen. Auch regelmäßiger Sport, Entspannungstechniken wie Muskelentspannung nach Jacobsen, Hypnose, Meditation und Biofeedback können beim abendlichen Loslassen hilfreich sein.

Hypnotika-- Benzodiazepine und Z-Substanzen gehören zu den verschreibungspflichtigen Hypnotika. Sie verstärken die Wirkung von Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Zentralnervensystem.

Antidepressiva-- Einige Antidepressiva wie Doxepin sind bei Schlafstörungen im Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen zugelassen. Doxepin beeinflusst die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin im synaptischen Spalt und wirkt dadurch unter anderem sedierend und psychomotorisch dämpfend.

Selbstmedikation

Bei Ein- und Durchschlafstörungen werden häufig Phytopharmaka eingesetzt. Besonders Baldrianwurzelextrakt gilt als schlaffördernd und beruhigend. Es gibt ihn als Monopräparat oder in Kombination mit Passionsblumenkraut, Melissenblättern oder Hopfenzapfen.

Antihistaminika-- Eingesetzt werden die H1-Antihistaminika der ersten Generation Doxylamin oder Diphenhydramin. Sie sind ZNS-gängig und wirken schlaffördernd. Beide Wirkstoffe sollten zurückhaltend und nur über einen kurzen Zeitraum von maximal zwei Wochen eingesetzt werden. Zu beachten ist auch ein möglicher Hang-over-Effekt, der am nächsten Tag das Reaktionsvermögen und damit die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen kann. Bei älteren Patienten kann sich das Risiko zu stürzen erhöhen. Die H1-Antihistaminika Hydroxyzin und Promethazin sind verschreibungspflichtig.

Was PTA noch raten können

Eine Grundregel der Schlafhygiene ist es, feste Schlafzeiten zu etablieren. Um abends in den Schlaf zu finden, ist es zudem förderlich, vier Stunden vorher auf coffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzer Tee und Cola zu verzichten. Das gilt auch für psychotrope Substanzen wie Alkohol und Nikotin. Auch sollten abends schwere Mahlzeiten vermieden werden. Sie belasten den Körper ebenfalls. Wichtig ist es zudem, den Tag ruhig ausklingen zu lassen und möglichst mit einer entspannten Tätigkeit abzuschalten.

Ein eigenes, regelmäßig zelebriertes Ritual kann beim Einschlafen helfen. Dies kann im Lesen eines Buches, im Schauen von Fotos oder dem Trinken eines Kräutertees oder warmer Milch bestehen. Keine gute Idee ist es jedoch, die letzten Minuten des Tages mit dem Handy zu verbringen. Neben der permanenten Aufgeregtheit durch eingehende und ausgehende Nachrichten geht vom Display hoch energetisches, sichtbares Licht (HEV-Licht, Blue Light) aus, welches negativ auf die Ausschüttung des Schlafhormones Melatonin wirkt. Das gilt für sämtliche Displays und Bildschirme von Tablets und Laptops, aber auch für LED-Lampen.

Nicht zuletzt ist die richtige Schlafumgebung wichtig. Im Schlafzimmer sollten sich weder Fernseher noch Schreibtisch oder Computer befinden. Zudem sollte es ruhig und komplett abgedunkelt sein, mit einer optimalen Temperatur von 16 bis 18 Grad Celsius. Eine gemütliche Einrichtung mit einer ergonomisch passenden Matratze und angenehmen Stoffen trägt ihr übriges zu einer erholsamen Nachtruhe bei.


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Apotheke und Marketing

APOTHEKE + MARKETING wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei die Website insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis des Apothekers eingeht.

www.apotheke-und-marketing.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.