30.10.2021

Serie Beratungsfall Ernährung: Blutzucker im Griff

von Beate Ebbers

Diabetes mellitus Typ 2-- Ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigen die Volkskrankheit Nr. 1. Unterstützen Sie Patienten daher mit Tipps zur Ernährungs- und Lebensstilumstellung, und motivieren Sie zum Durchhalten.

© Getty Images (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Die Gewichtsreduktion ist die Basis der Behandlung übergewichtiger Typ-2-Diabetiker. Im Mittelpunkt der Kost stehen Gemüse und Hülsenfrüchte, dazu Vollkornprodukte. Fastfood, fett- und kohlenhydratreiche Snacks sollen selten gegessen werden.
  • Gute Durstlöscher sind Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Auf alkoholische Getränke sollte verzichtet werden.
  • Neuere Studie zeigen, dass auch Low-Carb-Diäten zur Gewichtsreduktion und Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage beitragen können.

Ein beleibter Mann kommt mit einem Rezept für ein orales Antidiabetikum in die Apotheke. Als PTA Frau Wiese sich freundlich nach seinem Befinden erkundigt, erzählt er, dass sein Arzt ihm erklärt habe, dass Zucker und Stärke den Blutzucker erhöhen und er auf seine Ernährung achten soll. „Ich habe gelesen, dass weniger Kohlenhydrate besser für Diabetiker sind und habe das mal ausprobiert. Aber so recht komme ich nicht weiter – und auf Brot, Kartoffeln und Nudeln möchte ich eigentlich auch nicht verzichten“, gibt der Mann ehrlich zu. „Da unterstützen wir Sie gerne!“, antwortet Frau Wiese und bittet ihn in die Beratungsecke.

Beratungsgespräch

Die PTA erläutert, dass eine gesunde Ernährung den Stoffwechsel bei Diabetikern verbessert und das Risiko für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Herzinfarkt) senkt. Oftmals könnten auch Medikamente eingespart werden. „Es lohnt sich also, die eigenen Ernährungsgewohnheiten zu überdenken und gegebenenfalls zu ändern“, ermutigt sie den Kunden. „Die „neuen“ müssen aber zu Ihnen passen. Es gibt tatsächlich Studien, die zeigen, dass Diabetiker mit einer Low-Carb-Diät, also mit einer Kost mit wenig Kohlenhydraten, gute Erfolge haben, was zum Beispiel die Gewichtsreduktion angeht. Sie können aber auch mit einer Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und eher weniger Milch und Milchprodukten sowie Fleisch erfolgreich sein.“

Nachfragen

Um individuelle Tipps geben zu können, stellt Frau Wiese Fragen: Wie häufig kommen Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst auf den Tisch? Welches Brot essen Sie? Wie häufig essen Sie Süßes und Snacks? Welche Getränke bevorzugen Sie? Die PTA erfährt, dass der Mann alleine lebt und meist auf Dosen- und Mikrowellengerichte, Wurstbrot, Pudding oder Joghurt zurückgreift. Kartoffeln und Nudeln mag er gern. Ab und zu isst er beim Imbiss, dann gerne Deftiges wie Leberkäse mit Sauerkraut. Frisches Obst und Gemüse kommen als Rohkost auf den Tisch, zum Beispiel Tomate oder Apfel, das aber nicht jeden Tag. Bei Brot wechselt er gerne zwischen Schwarz- und Körnerbrot. Er trinkt überwiegend Kaffee, Wasser, Cola und Limonaden, abends auch gerne mal ein Bier. Dazu knabbert er etwas. „Ich weiß, dass das alles nicht gut ist, man sieht es ja auch an meinem Gewicht“, gibt der Kunde zu.

Übergewicht abbauen

Frau Wiese erklärt, dass eine Gewichtsreduktion Insulinempfindlichkeit und Glukosetoleranz verbessern. „Versuchen Sie es mit einer kalorienreduzierten vollwertigen Kost zusammen mit viel Bewegung“, empfiehlt Frau Wiese. „Verzehren Sie weniger kalorienreiches Fastfood und Fertiggerichte, und kochen dafür so häufig wie möglich mit frischen Zutaten.“

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Gemüse im Mittelpunkt

Da der Mann wenig Gemüse isst, rät die PTA, Gemüse in den Mittelpunkt der Ernährung zu stellen. Denn diese sind in der Regel zucker- und kalorienarm, dafür reich an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen und beeinflussen den Blutzuckerspiegel kaum oder gar nicht. „Füllen Sie zu jeder Hauptmahlzeit den Teller zur Hälfte mit Gemüse.“ Frische Kräuter, etwas Salz und Pflanzenöl geben Würze und ersetzen fett- und stärkehaltige Soßen. Fehlen Zeit und Lust zum Kochen, sind Tiefkühlgemüse ohne weitere Zutaten und Rohkost, zum Beispiel Cocktailtomaten oder Snackgurken, schnell zur Hand. „Kann ich nicht auch einfach mehr Obst essen?“, fragt der Kunde. „Obst enthält mehr Zucker als Gemüse und beeinflusst deshalb den Blutzuckerspiegel“, antwortet Frau Wiese. „Verzichten Sie auf zuckerreiche Arten, wie Ananas, Bananen, Weintrauben, Trockenobst und gezuckerte Obstkonserven und greifen Sie zu zuckerarmen Früchten, zum Beispiel Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Kiwis, Beerenobst und Orangen.“ Mehr als zwei Portionen pro Tag sollen es aber nicht sein.

Mehr Ballast

Frau Wiese erklärt, dass Ballaststoffe aus Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten den Anstieg des Blutzuckers bremsen und gut sättigen. Diabetiker sollen mindestens 40 Gramm täglich zu sich nehmen. „Greifen Sie zu, wenn Ihr Imbiss Erbsen- oder Linsensuppe anbietet, oder kochen Sie sich selbst eine Suppe. Bei Hülsenfrüchten können Sie ohne Probleme Dosenware nehmen, die Sie mit frischem Gemüse aufpeppen“, rät sie.

Auf Pommes, Bratkartoffeln, Pizza, Burger, Chips und Ähnliches soll er möglichst verzichten, da sie reichlich Kalorien, aber wenig Ballast- und Nährstoffe liefern. „Mit dem Schwarzbrot sind Sie schon auf einem guten Weg“, lobt sie. „Es enthält ballaststoffreiches Roggenschrot. Schauen Sie auch bei anderen Broten und Backwaren, Nudeln, Reis auf das Etikett und wählen Sie solche mit hohem Vollkornanteil.“

Qualität beim Fett

Da der Kunde gerne deftige Fleischgerichte isst, geht Frau Wiese darauf ein. „Fleisch und Wurst beeinflussen den Blutzucker zwar nicht, liefern mitunter jedoch reichlich Kalorien und ungünstige Fette, die für das Herz-Kreislauf-System schädlich sein können. Essen Sie statt Leberkäse lieber ein kleines Stück mageres Filet“, rät sie. Auch bei Milch und Käse soll der Kunde die fettärmeren Varianten wählen, zum Beispiel Hüttenkäse statt Doppelrahmfrischkäse. Bei Fisch kann der Kunde dagegen einmal pro Woche zu Fettfisch (z. B. Hering) greifen. Seine Omega-3-Fettsäuren wirken positiv auf das kardiovaskuläre Risiko.

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Vorsicht Zucker

Frau Wiese weiß, dass 40 bis 50 Gramm Zucker am Tag bei gut eingestellten Diabetikern vertretbar sind. Sinnvoll ist, Süßwaren und Gebäck im Rahmen einer ballaststoffreichen Mahlzeit zu sich zu nehmen. Deshalb sagt sie: „Verzichten Sie auf die Knabbereien am Abend und genießen Sie ein kleines Stück Schokolade als Nachtisch oder einen Klacks Honig oder Marmelade auf einem Vollkornbrot.“ Bei Pudding, Joghurt und süßen Fertigspeisen soll der Kunde den Zuckergehalt im Auge behalten. „Am besten machen Sie diese selbst, zum Beispiel mit Naturjoghurt oder Magerquark und frischem Obst und süßen bei Bedarf mit wenig Zucker“, ist ihr Tipp. Auf Softdrinks und Säfte soll der Kunde verzichten, da sie für einen schnellen Blutzuckeranstieg sorgen. Auch Bier ist für Diabetiker nicht geeignet. „Alkohol liefert viel Energie und fördert die Unterzuckerung“, sagt die PTA. Sie weist darauf hin, dass alkoholfreies Bier keine Alternative ist, da es Malzzucker enthält. „Kann ich denn nicht Getränke mit Süßstoff nehmen?“, fragt der Kunde. „Das können Sie anfangs und in Maßen tun“, antwortet die PTA. „Besser ist es jedoch, sich an weniger Süßes zu gewöhnen.“ Sie empfiehlt, Säfte und gezuckerte Getränke stark mit Wasser zu verdünnen, Wasser mit einigen Spritzern Zitronensaft aufzupeppen und die große Vielfalt ungesüßter Kräuter- und Früchtetees zu nutzen.

„Vielen Dank für die vielen Tipps“, sagt der Mann. „Kommen Sie gerne wieder, wenn Sie noch weitere Fragen haben“, antwortet Frau Wiese.

Beate Ebbers ist Diplom Oecotrophologin. Im „Beratungsfall Ernährung“ gibt sie Tipps, mit denen Sie Ihre Beratung ergänzen können.


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