01.05.2021

Serie PTA + Marketing: Selbstmarketing – der Weg zur eigenen Marke

Um wahrgenommen zu werden, spannende Aufgaben übernehmen zu dürfen oder Karriere zu machen, zählt in der heutigen Arbeitswelt mehr denn je die Persönlichkeit. Doch fällt es nicht jedem gleich leicht, sich selbst als Marke zu definieren und zu etablieren. Die Tipps in dieser Folge von PTA + Marketing sollen Ihnen dabei helfen, den Weg zum perfekten Selbstmarketing zu beschreiten.

Selbstmarketing

© Mone Beeck

Originalartikel als PDF

Der Weg zur eigenen Marke

Sie als PTA sind eine Marke, und Ihre Leistung hat Markenqualität. Dieser Satz ist Ihr Leitsatz und gleichzeitig auch Ihr Ziel auf dem Weg zur eigenen Marke. Was unter dem „ICH als Marke“ zu verstehen ist, konnten Sie bereits in DAS PTA MAGAZIN 03/2021 lesen. Nun geht es darum, welche Schritte im Detail notwendig sind, damit Sie selbst eine Markenpersönlichkeit werden. Die Selbsterkenntnis ist dabei der erste Schritt. Beantworten Sie ehrlich die Frage „Was sind meine Stärken und was meine Schwächen?“. Ganz wichtig: Nehmen Sie sich für die Analyse ausreichend

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Reflexion und Selbstreflexion

Den meisten Menschen sind ihre (vermeintlichen) Schwächen gut bekannt und sie stecken viel Zeit und Energie in das Abstellen. Anders ist das mit den Stärken. Diese werden häufig als „normal“ und „nicht erwähnenswert“ angesehen. Dabei sollten gerade die Stärken herausgearbeitet und als Alleinstellungsmerkmal ausgespielt werden – allerdings ohne den Eindruck von Überlegenheit, Arroganz oder Größenwahn zu erzeugen. Hierin liegt das größte Potenzial für ein erfolgreiches Berufsleben. Denn passen Ihre Kompetenzen, Ihre Persönlichkeitsmerkmale und Werte zu Ihren täglichen Aufgaben, sogt dies für Zufriedenheit, Motivation und Engagement. Das wiederum sind wichtige Voraussetzungen für den beruflichen Erfolg.

Über die eigene Leistung sprechen

Überlegen Sie sich eine Kernbotschaft für das, wofür Sie im Job stehen. Bleiben Sie dabei bei den Fakten, und bleiben Sie glaubwürdig. Möglich ist auch, dass Sie mehrere Kernbotschaften je nach Aufgaben und Zielperson formulieren. Aber fangen Sie noch heute an, über Ihre eigenen Leistungen zu sprechen.

SWOT-Analyse-- Daher lohnt sich das Erstellen einer Stärken-und-Schwächen-Liste. Bedienen Sie sich hierzu einer Methode aus der Betriebswirtschaftslehre, der SWOT-Analyse. Das S steht für strengths (Stärken), das W für weaknesses (Schwächen), das O für opportunities (Chancen) und das T für threats (Risiken). Das Instrument zur strategischen Planung wurde in den 1950er-Jahren an der Harvard Business School für Unternehmen entwickelt. Klassisch wird dabei ein Blatt Papier in vier Teile aufgeteilt, die einzelnen Quadranten entsprechend mit Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken beschriftet und mit Ihren persönlichen Notizen gefüllt.

Sie können jedoch auch einfach für jeden Punkt ein eigenes Blatt verwenden. Wichtig ist, dass die Aufstellung für Sie übersichtlich und einprägsam ist. Bei der Auflistung der Stärken gilt es, sowohl Fach-und Methodenwissen als auch Fähigkeiten und Eigenschaften, die Ihren Charakter prägen, aufzuführen. Gleiches gilt für den Punkt Schwächen. Chancen ergeben sich meist aus den ermittelten Stärken. Schreiben Sie hier sowohl berufliche als auch persönliche Entwicklungsmöglichkeiten auf. Unter dem Punkt Risiken notieren Sie mögliche negative Entwicklungen, die sich mit Blick auf Ihre persönlichen Eigenschaften und Schwächen, Ihren bisherigen Entwicklungsweg und sich verändernde Rahmenbedingungen aus Ihrer Sicht ergeben könnten.

Da das eigene Selbstbild oft von dem abweicht, wie einen andere sehen (Fremdbild), empfiehlt es sich, dass eine andere, Ihnen bekannte Person ebenfalls eine SWOT-Analyse für Sie durchführt. So erhalten Sie ein objektiveres Bild von sich selbst. Die Praxis zeigt, dass die hier genannten Chancen häufig stark motivieren, unter anderem deswegen, weil ein Freund oder Bekannter Ihnen etwas zutraut, was Sie nie in Erwägung gezogen hätten.

Im persönlichen Bereich ist die SWOT-Analyse also eine wichtige Methode, das eigene Selbstbewusstsein zu fördern. Denn sie trägt dazu bei, die Selbstkenntnis zu steigern, was wiederum Voraussetzung für ein authentisches und selbstbewusstes Auftreten ist. Nur wer weiß, was er mag und was er gut kann, kann das anderen gegenüber auch glaubwürdig kommunizieren.

TIPP!

Legen Sie Ihre fertige Übersicht nicht in eine Schublade, sondern befestigen Sie diese beispielsweise an einer gut sichtbaren Stelle an der Wand. So können Sie regelmäßig einen Blick darauf werfen und einzelne Punkte immer mal wieder überdenken.

Stärke zeigen

Sind Sie sich Ihrer Stärken und Schwächen bewusst, kommt der schwierigere Teil. Sie müssen aus den gewonnenen Erkenntnissen heraus an Ihrem Verhalten und Auftreten arbeiten und sich und Ihre Stärken als Marke positionieren. Das funktioniert jedoch nur, wenn Sie dies auch wirklich wollen. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Handeln: Sie sind es, die Ihren Erfolg selbst bestimmen. Ihre Schwächen können Sie in diesem Zusammenhang in den Hintergrund schieben. Die Fertigpizza wird ja schließlich auch nicht damit beworben, dass sie viele Kalorien liefert, sondern damit, dass sie einen ganz besonderen Genussmoment hervorruft.

Erreichbare Ziele setzen

Wenn Sie ein neues Image präsentieren möchten und nicht genau wissen, wie sie vorgehen sollen, können Sie auf Ausprobieren setzen und schauen, was passiert. Empfehlenswerter ist es jedoch, zunächst realistische und erreichbare Ziele zu formulieren. So kann ein Ziel zum Beispiel lauten: „Ich möchte nicht mehr Mädchen für alles sein, sondern mit meinen Leistungen in zwei Wochen für die anderen klar erkennbar!“. Oder aber Sie nehmen sich vor, dass Ihre Funktion als Teamleitung im nächsten halben Jahr deutlicher wird, indem Sie sichtbar zu mehr Teamgeist in der Apotheke beitragen. Haben Sie hiermit Erfolg, können Sie an dieser Stelle anknüpfen oder auch kleine Kurskorrekturen vornehmen. Wichtig: Das gewählte Ziel muss für Sie attraktiv sein. Andernfalls sind Sie im Falle kleiner Rückschläge nicht motiviert genug, für die Zielerreichung zu kämpfen. Darüber hinaus müssen Sie für das Erreichen Ihres Ziels selbst aktiv werden. Und ganz wichtig: Haben Sie ein Ziel erreicht, rücken Sie Ihren Erfolg ins rechte Licht.

Autorin: Kirsten Bechtold

Praxisbeispiel: Nicht gesucht, aber nun ein ‚Must have‘!

PTA Bente Krause und ihre Freundin Lena Berger treffen sich, um Bentes Selbstmarketing zu gestalten. Die PTA hat, wie von Lena empfohlen, aufgeschrieben, wofür sie bei ihrer Arbeit steht und was sie an ihrer Arbeit am meisten begeistert. Darauf aufbauend will die Marketingexpertin Bente Krause nun helfen, eine eigene Marke zu erstellen.

„Das hört sich doch gut an!“, lobt Lena Berger ihre Freundin, als diese ihr die Ergebnisse der ersten Aufgabe präsentiert. „Es hat mich auch ganz schön gefordert, das so präzise herauszuarbeiten“, gibt die PTA zu. „Aber was machen wir denn nun weiter?“. „Nun möchte ich, dass du dir Gedanken zu deinen Stärken machst. Welche sind das im Beruf?“. „Naja, also ich kann gut beraten und bin in der Rezeptur fit. Und ich lasse mich nicht stressen, wenn es hektisch wird. Aber …“. „Kein aber!“, unterbricht Lena Berger. „Es geht um deine Stärken. Da gehört kein „aber“ dazu. Zu deinen Schwächen kommen wir gleich. Die musst du kennen, du musst damit aber nicht werben. Oder hast du schon mal gehört, dass ein E-Auto mit seiner kurzen Reichweite beworben wird?“. Bente Krause grinst: „Wohl kaum. Es ist nur ungewohnt, sich so positiv zu betrachten.“ „Daran musst du dich ein bisschen gewöhnen. Und nun konkretisieren wir deine Stärken noch.“

Nutzen sichtbar machen

Überlegen Sie, welchen Benefit Ihr Chef oder Ihr Kunde aus Ihrem USP hat. Es bringt Ihrem Chef nichts zu wissen, welche Fortbildung Sie gemacht haben. Er muss wissen, welchen Nutzen er daraus für seine Apotheke ziehen kann. Das gilt auch für die Kundschaft. Präsentieren Sie sich und Ihr Angebot so, dass es ein Bedürfnis oder Verlangen erzeugt.

Nachdem Bente Krause ein Stärken-Schwächen-Profil mit klaren Stichworten erstellt hat (Plusseite: Fach-PTA für Ernährungsberatung, sehr gute Beratungsqualität, gewissenhafte, kompetente Rezepturherstellung, hohe Stressresistenz; Minusseite: wenig Kreativität bei der Dekoration, Hang zu Zettelwirtschaft), fragt Marketingprofi Lena Berger sie nach ihrem konkreten Ziel. Verblüfft schaut die PTA sie an: „Wie meinst du das?“. „Ich möchte wissen, welche konkreten Ziele du erreichen möchtest. Wie möchtest du deine Stärken in der Apotheke einbringen, und wie kannst du das erreichen?“. „Ich möchte, dass ich als Fach-PTA für Ernährungsberatung entsprechend eingesetzt werde. Ich möchte Einzelberatungen für Kunden anbieten und auf unserer Homepage einen indikationsbezogenen Ernährungsblog etablieren. Darum werde ich ein entsprechendes Konzept ausarbeiten und meiner Chefin im Mitarbeitergespräch in sechs Wochen präsentieren. Um die Beratungsqualität im Team auf dem Gebiet der Ernährung anzugleichen, kann ich regelmäßig eine der apothekeninternen Schulungen zu diesem Thema leiten“, formuliert die PTA nach einigen Anläufen ihr konkretes Ziel.

TIPP!

Wenn Ihre Stärken auf sehr unterschiedlichen Gebieten liegen, entscheiden Sie sich bei der Formulierung eines Ziels für das Gebiet, das Ihnen am Herzen liegt. Die Umsetzung des Selbstmarketings fällt leichter, wenn Sie für Ihr Produkt – Ihre eigene Leistung – brennen.

„Prima. Jetzt musst du nur noch deine Chefin dazu bekommen auch anzubeißen. Wir gestalten deinen USP!“. „Was ist denn das nun wieder?“. „Das ist dein Unique Selling Point, quasi dein Alleinstellungsmerkmal, das dafür sorgt, dass man sich für dein Angebot entscheidet.“ „Ganz klar, meine Weiterbildung!“, ist sich Bente Krause sicher. „Ja, das ist richtig. Nur ist es nicht das allein, sondern das Gesamtpaket deiner Stärken. Entscheidend für den Erfolg ist, dass es dir gelingt, deine USPs so zu formulieren, dass sowohl deine Chefin als auch der Kunde einen Nutzen für sich darin sehen und beide überzeugt sind, dein „Produkt“ unbedingt zu brauchen“, erklärt Lena Berger.

TIPP!

Stärken Sie Ihre Stärken! Wenn Ihnen die Rezeptur besonders liegt, bilden Sie sich in diesem Bereich fort. Schwächen dürfen schwach bleiben, wenn sie keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben. Wenn doch, sollte Abhilfe geschaffen werden.

„Ich glaube, ich weiß, was du meinst: Ich war vor einiger Zeit auf einem Vorführabend für eine kochende Küchenmaschine. Eigentlich kann ich das alles mit einem Messer, Pürierstab und Kochtopf auch. Ich war aber durch die gekonnte Darstellung der Beraterin fest davon überzeugt, dass ich dieses Gerät unbedingt brauche, auch wenn sie fast ein Monatsgehalt kostet …“, erinnert sich PTA Bente Krause. Lena Berger grinst: „Na, da hast du ja gleich bei den Profis abgeschaut! Also, auf geht´s lass uns zunächst überlegen, was deine Chefin unbedingt haben möchte, wie du ihr das durch deine Stärken und dein Fachwissen geben kannst und dabei deine eigenen Ziele erreichst.“ Nach einiger Zeit schafft BenteKrause es, mehr und mehr aus der Sicht ihrer Chefin zu denken und sich und ihr Angebot entsprechend darzustellen. Sie ist sichtlich stolz. „Nun könnte meine Chefin doch wirklich sagen: „Danach habe ich nicht gesucht, aber ich will es unbedingt haben! Du bist mein ‚Must have!‘“, lacht sie.

Autorin: Britta Fröhling, PTA und Heilpraktikerin


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