30.04.2018

Wissenswert: Paracetamol hat ausgedient

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Eine große Metaanalyse zu arthrosebedingten Knie- und Hüftgelenksschmerzen weist Diclofenac und Etoricoxib als beste Therapeutika aus. Von Paracetamol sollte man hingegen die Finger lassen.

Studie

Im Rahmen einer Netzwerk-Metaanalyse wurden 76 randomisierte Studien analysiert, in denen eines von sieben nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Paracetamol in der Behandlung von arthrosebedingten Knie- und Hüftgelenksschmerzen mit Placebo verglichen wurden. Die Studien mit insgesamt 58451 Patienten stammten aus dem Zeitraum 1980 bis Februar 2015. Die klinischen Endpunkte waren Schmerzintensität und Funktion.

Ergebnis

Alle untersuchten Analgetika waren für den Endpunkt Schmerzintensität einer Placebobehandlung überlegen. Statistisch signifikant war die Wahrscheinlichkeit für einen klinisch bedeutsamen Effekt aber nur für Diclofenac 150 mg/d, Etoricoxib 30, 60 und 90 mg/d und Rofecoxib 25 und 50 mg/d. Die Wirksamkeit der untersuchten NSAR nahm mit der Dosis zu, wobei sich eine lineare Beziehung nur für Naproxen fand. Eine Untersuchung über längere Zeiträume ergab keinen Hinweis darauf, dass NSAR an Wirksamkeit verlieren. Paracetamol war in der Metaanalyse nur in sehr hohen Tagesdosen von 4000 Milligramm einer Behandlung mit Placebo überlegen.

Quelle: da Costa BR, Reichenbach S, Keller N et al. Effectiveness of non-steroidal antiinflammatory drugs for the treatment of pain in knee and hip osteoarthritis: a network meta-analysis. Lancet. 2017;390:e21–33

 

Kommentar zur Studie

Für arthrosebedingte Gelenkschmerzen gilt also das Gleiche wie für chronische Rückenschmerzen: Paracetamol ist entweder nicht wirksam oder muss in so hohen Dosen gegeben werden, dass langfristig eine Beeinträchtigung der Leberfunktion zu befürchten ist. Unter den NSAR waren Etoricoxib und Diclofenac am besten wirksam. Der Vertrieb von Rofecoxib wurde in Deutschland 2004 eingestellt, da kardiovaskuläre Ereignisse unter der Therapie häufiger geworden waren. Allerdings hat sich die Diskussion über dieses Risikopotenzial in letzter Zeit relativiert. Die große randomisierte Presicion-Studie hat für Celecoxib keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko kardiovaskulärer Ereignisse gezeigt. Außerdem erhöhen offenbar auch NSAR das kardiovaskuläre Risiko. Auch muss man bei alledem berücksichtigen, dass unbehandelte Patienten durch Schmerz von präventiv wirkender Bewegung und Sport abgehalten werden.

Prof. Dr. med. H.-C. Diener, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen


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