30.08.2017

Wundheilung: Zusammenwachsen

© LiudmylaSupynska / Getty Images

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von Jana Marent

Kleinere Wunden der Haut schließen sich innerhalb weniger Tage von selbst. Eine korrekte Wundbehandlung ist dennoch wichtig. Denn sie fördert den Heilungsverlauf und kann Infektionen verhindern.

  • Gehen Verletzungen tiefer als bis zur Epidermis, entstehen Narben. Narbengewebe hat keine Haare, keine Talg- und Schweißdrüsen und keine Pigmentzellen.
  • Zur Behandlung von Narben sind Narbenpflaster, Silikongelfolien sowie Narbengels und -cremes auf dem Markt.
  • Zudem ist es wichtig, Narben mit einem starken Sonnenschutz vor UV-Strahlung zu schützen. Im Winter sollte ein Auskühlen des Narbengewebes verhindert werden.

Die Haut muss einiges an Verletzungen wegstecken. Es reicht aus, mit dem Gemüsemesser abzurutschen oder auf dem Asphalt zu stolpern, und schon fließt Blut. Doch der Körper ist gut gegen Zerreißproben dieser Art gewappnet. Wird die Körperoberfläche verletzt, sorgt ein ausgeklügeltes System dafür, dass der Schaden repariert wird.

Aus dem OTC-Sortiment*

Hauptwirkstoff(e) / Wirkprinzip

Produkte

Dexpanthenol, wundheilungsfördernd

Bepanthen® Wund- und Heilsalbe / Panthenol Wund- und Heilcreme Jenapharm

Octenidin, antiseptisch

Octenisept® Lösung

Polihexanid, antiseptisch

Hansaplast Wundspray / Hemo Sept Wundspray

Povidon-Jod, antiseptisch

Betaisodona® Lösung / Sepso® J Lösung

Tyrothricin, bakteriostatisch bis bakterizid

Tyrosur® Wundheilgel

Spurenelementlösung, antiseptisch, wundheilungsfördernd

Medigel® Schnelle Wundheilung

Pflaster, feuchte Wundheilung

Dermaplast® Medical Brandwunde / Gotac Hydrogel-Pflaster / Hansaplast Schnelle Heilung Strips

* ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe 11.08.2017)

Phasen der Wundheilung

Die Wundheilung ist ein biologischer Prozess, mit dessen Hilfe Wunden geschlossen werden. Der Heilungsprozess verläuft nach einem komplizierten Mechanismus, an dem eine Vielzahl von körpereigenen Zellen und Botenstoffen beteiligt sind. Es werden drei Phasen unterschieden, die auch überlappen können.

Exsudationsphase-- Um die Blutung zu stillen, kommt es zu einer Gefäßverengung und einer Aggregation von Thrombozyten: Die Blutgerinnung setzt ein, sodass die Wunde nach außen abgeschlossen wird. Körpereigene Botenstoffe wie Histamin lösen eine lokale Entzündungsreaktion aus. Dadurch tritt vermehrt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen im Wundbereich aus. Es bildet sich Wundsekret (Exsudat), mit dem Keime, Fremdkörper und Zelltrümmer aus der Wunde gespült werden. Zellen des Immunsystems (Makrophagen, Granulozyten) tragen, etwa durch Phagozytose, zur Wundsäuberung bei.

Granulationsphase-- In der zweiten Phase der Wundheilung wachsen kleinste Blutgefäße (Kapillaren) und Bindegewebszellen in das Wundgebiet hinein. Die Bindegewebszellen bilden stabilisierende Eiweißfasern (Kollagen). Dadurch entsteht ein gefäßreiches Granulationsgewebe, das an der Oberfläche tief-rot und feucht glänzend ist.

Regenerationsphase-- Etwa ab dem achten Tag beginnt die Haut damit, die Wunde endgültig zu verschließen. Die Kollagenfasern vernetzen und stabilisieren sich. Es bildet sich eine neue Hautschicht aus Epithelzellen.

Unterschieden wird außerdem zwischen primärer und sekundärer Wundheilung. Erstere besteht in der Regel bei aseptischen Wunden oder frischen Verletzungen mit glatten Wundrändern. Sie schließen sich innerhalb von sechs bis acht Tagen. Von sekundärer Wundheilung spricht man bei Wunden mit größerem oder großflächigem Gewebeverlust (z. B. Hundebiss, chronische Wunden). Sie sind nicht zu einem primären Wundverschluss in der Lage; beim Abheilen entstehen meist kosmetisch störende Narben.

TIPP!

Klären Sie Kunden darüber auf, eine Kruste auf der Wunde nicht zu entfernen. Denn dadurch wird der Heilungsprozess gestört. Auch Vollbäder und Aktivitäten im Wasser sollten vermieden werden, damit die Kruste nicht aufweicht.

Wundversorgung

Kleinere Wunden lassen sich meist einfach im Rahmen der Selbstmedikation behandeln. Welche Maßnahmen zur Wundversorgung nötig sind, hängt von der Art der Wunde ab. Im Folgenden sind die wichtigsten Wundarten, die sich in Eigenregie behandeln lassen, zusammengestellt.

Schnittwunden-- Sie haben glatte, nahe beieinander liegende Wundränder und bluten meist stark. Tiefe Schnittwunden, die nicht aufhören zu bluten, müssen von einem Arzt genäht oder geklebt werden.

Schürfwunden-- Sie entstehen, wenn die Epidermis (Oberhaut) durch Reibung abgetragen wird, etwa wenn die Haut über eine raue Oberfläche schrammt. Schürfwunden haben unregelmäßige Wundränder. Oft ist nur die obere Hautschicht verletzt, sodass die Wunde kaum blutet. Je nach Unfallhergang kann eine Schürfwunde verschmutzt sein.

Verbrennungen-- Hier wird das Gewebe durch Hitze geschädigt. Es dürfen nur leichte Verbrennungen (Grad 1 und 2a) mit begrenzter Ausbreitung im Rahmen der Selbstmedikation versorgt werden. Bei ihnen ist die Haut gerötet, geschwollen, und es kommt eventuell zu Brandblasen. Im Unterschied zu schweren Verbrennungen schmerzen leichte Verbrennungen. Schwere Verbrennungen verursachen keine Schmerzen, da bei ihnen Nervenendigungen zerstört wurden.

Stichwunden-- Hier ist ein spitzer Gegenstand durch eine kleine Eintrittsstelle tief in die Haut eingedrungen. Unter Umständen können tiefsitzende Keime zu Infektionen führen.

Bisswunden-- Sie sollten einem Arzt vorgestellt werden, besonders, wenn es nicht nur zu Quetschungen, sondern auch zu kleinen Stichwunden durch die Zähne kommt. Denn im Speichel und an den Zähnen befinden sich zahlreiche Keime. In jedem Fall muss der Tetanusschutz überprüft werden. Besonders Katzenbisse an Händen und Handgelenken neigen dazu, sich zu infizieren.

Praxis Tipp vom PTA Beirat

Freizeitunfälle / Wundheilung

Feuchte Wundheilung: Schürfwunden heilen, nachdem sie gut gereinigt wurden, besonders gut unter Kolloidpflastern, da diese ein feuchtes Wundklima entstehen lassen. So wird eine Narbenbildung verhindert, und die Wunde ist optimal geschützt.

Homöopathische Hilfe

In die Haus- und Reiseapotheke gehört für Anhänger der Homöopathie auf jeden Fall Calendula D6 bei Schürf- und Risswunden sowie Arnica D6 für alle stumpfen Verletzungen, wie Verstauchungen, Stöße, Quetschungen. Ledum D6 hat sich nicht nur bei juckenden Insektenstichen, sondern auch bei punktförmigen Verletzungen durch Dornen oder Nadeln bewährt. Ganz wichtig: Fragen Sie Kunden bei akuten Wunden nach ausreichendem Tetanusschutz!

Britta Fröhling, PTA Beirat

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Offene Wunden sollten unverzüglich gereinigt werden, um Infektionen zu verhindern. Geeignet zum Spülen sind Leitungswasser (unterwegs auch der Inhalt einer Wasserflasche), physiologische Kochsalzlösung, Ringerlösung und sterilisiertes beziehungsweise destilliertes Wasser. Grober Schmutz kann mit weichen Bürsten oder Pinzetten entfernt werden. Bei kleineren Verbrennungen ist Kühlung mit Wasser wichtig, um zu verhindern, dass tiefere Hautschichten in Mitleidenschaft gezogen werden. Das Kühlen mit handwarmem Wasser sollte unverzüglich beginnen und mindestens zwei Minuten andauern. Größere Verbrennungen, solche am Körperstamm und im Gesicht und bei Kindern dürfen wegen der Gefahr der Unterkühlung nicht gekühlt werden. Das Deutsche Rote Kreuz rät von Kühlung bei Verbrennungen ab, die größer sind als die Fläche eines Fingers.

Antiseptika sollten nur eingesetzt werden, wenn der Verdacht besteht, dass Keime in die Wunde eingedrungen sind. Und auch dann sollten sie nur einmalig aufgetragen werden, um Störungen im Wundheilungsprozess zu verhindern. Für den Einsatz in der Selbstmedikation haben sich Octenidin und Polyhexanid bewährt. Bei diesen Breitband-Antiseptika handelt es sich um kationenaktive Substanzen. Octenidin reagiert mit Zellwand- und Membranbestandteilen von Mikroorganismen. Polihexanid bindet an saure Lipide bakterieller Zellmembranen. Auch Povidon-Jod eignet sich zur Desinfektion oberflächlicher Wunden. Vorsicht bei der Abgabe ist geboten bei Schilddrüsenpatienten, Säuglingen bis zum Alter von sechs Monaten sowie Schwangeren und Stillenden.

Für kleinflächige, wenig nässende Wunden steht in der Selbstmedikation Tyrothricin zur Verfügung. Das antimikrobielle Peptid greift an der bakteriellen Zellmembran an. Der Einsatz antibiotischer Salben bleibt dem Arzt vorbehalten.

Hygiene beachten-- Es empfiehlt sich, bei der Wundversorgung Einmalhandschuhe zu tragen. So wird verhindert, dass Keime in die Wunde verschleppt werden. Wird der Verletzte von einer anderen Person verarztet, schützen die Handschuhe diese zusätzlich vor übertragbaren Infektionskrankheiten.

Feuchte Wundbehandlung

Hydroaktive Wundauflagen haben gegenüber der klassischen trockenen Wundversorgung einige Vorteile. Sie schaffen ein ideal feuchtes Wundklima und können nicht mit der Wunde verkleben. Ihr Wirkprinzip basiert auf einer quellfähigen, hydrophilen Substanz (wie Carboxymethylcellulose, Alginate, Pektin), die in eine Trägermasse eingebettet ist. In der Exsudationsphase quellen die hydrophilen Partikel durch den Kontakt mit Wundsekret auf und bilden über der Wunde ein zähflüssiges Gel. Dieses durchfeuchtet das Wundgewebe in der Granulations- und Regenerationsphase, wodurch der Heilungsprozess gefördert und das Narbenrisiko reduziert wird. Hydrokolloidpflaster für die Selbstmedikation gibt es von verschiedenen Firmen. Sie eignen sich sowohl für trockene als auch für nässende Wunden und sollten mehrere Tage auf der Wunde verbleiben.

Während sich die feuchte Wundbehandlung in der Versorgung von chronischen Wunden durchgesetzt hat, werden die meisten Alltagswunden nach wie vor trocken versorgt. Dabei ist die feuchte Wundversorgung auch hier – außer in der Akutversorgung von kleinen, unkomplizierten Wunden – wahrscheinlich überlegen.

Auch Topika wie Hydrogele und hydrophile Salben fördern das feuchte Milieu und unterstützen so den Heilungsprozess. Ein häufig eingesetzter, topischer Wirkstoff in der Wundheilung ist Dexpanthenol. Ebenfalls verwendet werden Präparate mit Auszügen aus Hamamelisblättern und -zweigen und Kamillenblüten. An Stellen, wo Topika leicht abgewischt werden können oder die Wunde wieder aufreißen kann, sollte zusätzlich ein Verband oder ein Pflaster aufgebracht werden.

Komplikationen

Besteht der Verdacht auf eine Wundinfektion, wird auf jeden Fall ein Arztbesuch nötig. Typisch für diese im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Komplikation ist, dass Rötung und Schwellung zunehmen und sich in den Hautarealen um die Wunde ausbreiten. Weitere Warnsymptome sind eine Erwärmung der Wunde, Fieber und zunehmende Schmerzen. Ein deutlicher Hinweis auf eine Blutvergiftung ist ein rötlicher Streifen, der von der Wunde aus Richtung Herz läuft. Der Streifen tritt aber längst nicht bei allen Blutvergiftungen auf. Ebenso gehören größere, offene, entzündete oder stark eiternde Wunden in die Hand des Arztes. Und selbstverständlich verwundete Patienten, die stark bluten oder bei denen der Verdacht auf innere Verletzungen besteht.


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