29.06.2020

Adexa: 3 Fragen zu Arbeitszeugnissen

von Christiane Eymers, Fachanwältin für Arbeitsrecht, ADEXA-Rechtsabteilung

© JenkoAtaman / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)

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Meine Chefin hat mir ein Arbeitszeugnis geschickt, das völlig verknickt bei mir ankam. Außerdem ist es nicht auf dem Briefpapier der Apotheke ausgefertigt, und es hat Flecken. Habe ich nicht Anspruch auf ein auch in der äußeren Form einwandfreies Zeugnis?

Ein Zeugnis soll auf dem Firmenpapier verfasst werden, wenn die Apotheke über ein solches verfügt und es üblicherweise verwendet. Es besteht kein Anspruch darauf, dass das Zeugnis ungeknickt übermittelt wird. So darf es gefaltet werden, um in einen geschäftsüblichen Briefumschlag zu passen. Es muss aber in einer solchen Form sein, dass es kopierfähig ist. Auf den Kopien sollen sich keine Knicke abzeichnen und natürlich auch keine Flecken. Wenn das bei Ihrem Zeugnis nicht gegeben ist, können Sie eine neue Ausfertigung anfordern.

Mein Chef hat es aufgrund der besonderen Umstände während der Pandemie erst jetzt geschafft, mir ein Zeugnis auszustellen. Das Arbeitsverhältnis endete aber schon am 31.03.2020. Ist es für mich nachteilig, dass ich nun ein Zeugnis mit dem Ausstellungsdatum 19.06.2020 habe?

Das Zeugnis muss ein Ausstellungsdatum tragen. Dies muss mit dem Beendigungsdatum übereinstimmen. Wenn das Zeugnis ein sehr viel späteres Datum trägt, entsteht der Eindruck, dass es über den Inhalt zu Streitigkeiten kam. Selbst wenn dies der Fall ist, muss ein neu ausgestelltes Arbeitszeugnis auf den Tag der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückdatiert werden. Für Dritte darf nicht erkennbar sein, ob das Zeugnis Gegenstand von Auseinandersetzungen war. Da bei Ihnen ja noch nicht einmal eine Streitigkeit der Grund ist, sollten Sie um eine erneute Ausfertigung mit dem Ausstellungsdatum 31.03.2020 bitten.

In meinem Zeugnis ist aufgenommen, dass ich zwei Jahre in Elternzeit war. Ich finde, dass dieser Umstand nichts mit meiner Leistung zu tun hat, und möchte nicht, dass die Elternzeit erwähnt wird. Habe ich Anspruch auf eine Änderung?

Ob eine Elternzeit im Arbeitszeugnis erwähnt werden darf oder sogar sollte, hängt von der Lage und Dauer der Elternzeit im Verhältnis zum gesamten Arbeitsverhältnis ab. Das Arbeitszeugnis muss der Wahrheit entsprechen, und es darf kein falscher Eindruck entstehen, beispielsweise im Hinblick auf die während des Arbeitsverhältnisses erworbene Berufserfahrung. Wenn Sie also drei Jahre lang in der Apotheke waren und davon zwei Jahre in Elternzeit, darf dieser Umstand auch erwähnt werden. Waren Sie zehn Jahre beschäftigt und im zweiten und dritten Jahr der Beschäftigung in Elternzeit, kann sicherlich auf die Erwähnung verzichtet werden, ohne dass ein falscher Eindruck entsteht. Es gibt diesbezüglich keine festen schematischen Grenzen.

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