30.04.2018

Akne: Alternatives für die Praxis

von Marcus Hanisch

Ob beim Teenager oder Erwachsenen, Akne fordert PTA heraus. Einfühlsame Beratung bezüglich Hautpflege, orthomolekulare Mikronährstoffe und Phytopharmaka verbessern Erscheinungsbild und Lebensqualität.

© South_agency / Getty Images /

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  • Unter Androgeneinfluss nehmen Talgdrüsenvolumen und -produktion zu, es kommt zu Verhornungsstörungen im Talgdrüsenausführgang, die Entzündungsneigung steigt.
  • Dies begünstigt die Vermehrung von Propionibacterium acnes auf der Haut.
  • Daneben fördern Stress und eine Ernährung, die reich an Omega-6-Fettsäuren ist, das entzündliche Geschehen bei Akne.
  • Hautpflege, Stressabbau, Darmsanierung und antientzündliche Begleitmaßnahmen gehören zu den Therapiebausteinen.

Klinische Beobachtungen zeigen, dass primär männliche Sexualhormone (Androgene) eine Rolle bei der Entstehung der Akne spielen. Diese werden in geringem Maß, vor allem während der Pubertät, auch bei Frauen gebildet. Durch vermehrte Androgenausschüttung nehmen sowohl Talgdrüsenvolumen als auch Talgproduktion zu (Seborrhoe). Ebenfalls unter Androgeneinfluss kommt es zu einer Verhornungsstörung im Talgdrüsenausführungsgang (follikuläre Hyperkeratose).

Entzündliches Geschehen

Neuen Erkenntnissen zufolge wird eine immer größere Rolle in der Pathogenese der Akne dem Entzündungsprozess und der Interaktion zwischen Talgdrüse und angeborenem Immunsystem zugeschrieben – demnach bestätigt sich die Annahme, dass Akne von Anfang an eine entzündliche Erkrankung ist.

Mikrobielle Besiedlung

Im späteren Aknestadium beeinflusst zunehmend die Mikrobiota der Haut das Krankheitsgeschehen. Seborrhoe und follikuläre Hyperkeratose begünstigen die exzessive Vermehrung des eigentlich harmlosen Propionibacterium acnes (P. acnes). Gemeinsam mit Staphylococcus aureus und Malassezia spp. verteilt es sich auf der Haut, abhängig von Faktoren wie Lipidzusammensetzung, dem Ausmaß der Talgproduktion sowie dem pH-Wert. Die spezifische Verteilung wiederum entscheidet über die Entzündungsneigung und damit, welche Therapie empfohlen wird.

Sekundäre Faktoren

Als erwiesen gilt, dass Ernährung, aber auch Stress als Kofaktoren wirken und die entzündlichen Prozesse verstärken. Wissenschaftler führen die aknemodulierende Wirkung der Ernährung auf eine zu hohe Aufnahme proinflammatorischer Omega-6-Fettsäuren zurück; bei gleichzeitig eingeschränkter Zufuhr von mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren und antioxidativen Vitaminen.

Ebenfalls als belegt gilt, dass Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index sowie insulinotrop wirkende Milch/ Milchprodukte Akne verstärken können. Kuhmilch enthält bioaktive Wachstumsfaktoren wie Insulin-like growth factor-1 und Molkeproteine, die als aknefördernde Komponenten identifiziert wurden. In diesem Zusammenhang wurde in Studien eine Korrelation von Akne mit erhöhtem Body-Mass- Index sowie Insulinresistenz bestätigt..

Insbesondere Stress führt zu einer vermehrten Produktion von Corticotropin-releasing Hormone (CRH) im Hypothalamus, das wiederum in der Hypophyse Adrenocorticotropin (ACTH) freisetzt. Wie kürzlich in einer Veröffentlichung gezeigt wurde, konnten für CRH in den Talgdrüsen spezifische Rezeptoren nachgewiesen werden. Über diese wird die Produktion von Talgdrüsenlipiden und Entzündungsfaktoren stimuliert, was den klinisch relevanten Zusammenhang mit einer follikulären Entzündung bestätigt (autokrine Hormonwirkung).

TIPP!

Raten Sie Kunden mit Akne, eine Fach-Kosmetikerin aufzusuchen. Diese kann Betroffenen beibringen, Ko- medonen eigenständig, aber korrekt zu entfernen. So lassen sich die Ausbreitung von Entzündungsherden und die Entstehung unschöner Narben verhindern.

Therapie

Eines sei schon mal vorausgeschickt: Die Therapie von Akne erfordert viel Geduld. Klären Sie Betroffene darüber im Beratungsgespräch unbedingt auf. Basis ist konsequente Hautpflege in Verbindung mit Stressabbau, Ernährungsumstellung, Darmsanierung und antientzündlichen Maßnahmen.

Topische Selbstbehandlung

Das dermokosmetische Sortiment in der Apotheke bietet für jedes Erscheinungsbild der Akne die passende Reinigung und Pflege. Gegen hartnäckige Entzündungen und auffällige Rötungen hilft etwa eine fixe Kombination aus Benzoylperoxid und Miconazol. Abends vor dem Schlafengehen angewendet, hemmt sie sowohl die follikuläre Hyperkeratose wie auch das Bakterienwachstum und die Entzündungsprozesse. Eine Alternative bietet eine regenerierende Creme aus patentiertem Junghaferpflanzenextrakt, der zusammen mit Zink- und Kupfer-Verbindungen Rötungen und Irritationen lindert.

Ernährung bei Akne

Es gibt keine spezielle Aknediät, jedoch kann sich eine Ernährungsumstellung günstig auf die Talgdrüsenproduktion und die Entzündungsneigung auswirken. Aknepatienten sollten wenig schnell resorbierbare Kohlenhydrate (z. B. aus Weißmehlprodukten, Weizennudeln, Süßigkeiten, gezuckerten Softdrinks) und insulinotrope Milchprodukte essen. Empfehlenswert ist außerdem, bei der Ernährung auf ein ausgewogenes Verhältnis von entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren (Linol-, Arachidonsäure) und entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren (z. B. alpha-Linolensäure) zu achten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt aktuell für Gesunde maximal ein Verhältnis von 5:1 (moderne Zivilisationsernährung: 20:1!). Omega-3-Fettsäuren wirken sich zudem günstig auf die Talgdrüsenproduktion aus. Sie sind etwa in Lein- und Rapsöl, fettreichem Kaltwasserfisch, grünem Blattgemüse, Linsen oder Nüssen enthalten.

Wichtig-- Omega-3-Fettsäuren können auch als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden, um der Entzündungsneigung bei Akne entgegenzuwirken. Bei der Auswahl adäquater Präparate sollte auf Nachhaltigkeit, Rückstandszertifizierung und Aufreinigung geachtet werden – das aufwändige, aber schonende Verfahren der CO 2 -Kaltextraktion garantiert höchste Qualität und Reinheit.

Gegen stressassoziierte Faktoren

Wie oben bereits erwähnt, spielt bei Stress die Produktion und Freisetzung von CRH eine zentrale Rolle. Die stressprotektiven Inhaltsstoffe der Rosenwurz (Rhodiola rosea) werden mit einer modulierenden Wirkung auf das Stressregulationssystem des Organismus und damit auf die autokrine Hormonwirkung in Zusammenhang gebracht.

Für in Olivenblattextrakten enthaltenem Oleuropein und dessen Abbauprodukt Hydroxytyrosol werden ähnliche Effekte diskutiert. Beide zählen zu den wirksamsten natürlichen Antioxidanzien, hemmen die Freisetzung entzündlicher Botenstoffe und damit die Lipidproduktion in den Talgdrüsen.

Intestinales Mikrobiom

Eine Dysbiose des Darmmikrobioms ist, wie Studien belegen, mit einer Vielzahl von chronisch-entzündlichen Erkrankungen assoziiert. Verschiebt sich durch Fehlernährung oder Antibiotikabehandlung die Menge und Vielfalt der protektiven Bakterienstämme zugunsten pathogener Keime, kann eine krankhaft erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (leaky-gut) ausgelöst werden. Ohne die schützende Barrierefunktion der intakten Darmmukosa können körperfremde Stoffe ungehindert in die Darmwand eindringen. Das körpereigene Immunsystem erkennt die Schadstoffe, reagiert mit einer überschießenden Immunreaktion und in der Konsequenz mit einer chronischen, subklinischen Entzündung.

Durch die Gabe ideal kombinierter Präparate in geeigneter Matrix (Präbiotikum und vermehrungsfähiges Probiotikum in einem Produkt, idealerweise in Pulverform), können die Barrierefunktion wiederhergestellt, pathogene Fremdkeime reduziert und die Anzahl immunologisch stark wirksamer Anaerobier wieder gesteigert werden.

Eine intakte Darmmukosa ist ein guter Schutz vor körperfremden Stoffen.

Wichtig-- Weisen Sie in der Beratung immer darauf hin, dass der Aufbau der mikrobiellen Vielfalt nicht innerhalb weniger Wochen erfolgen kann, sondern mehrere Monate oder sogar dauerhaft durchgeführt werden muss. Prä- und Probiotika können durch Gabe von schadstoffbindenden Huminsäuren ergänzt werden. Diese üben eine schützende Wirkung auf das Schleimhautepithel aus.

Antientzündliches

Als Ergänzungsempfehlung für die Aknebehandlung eignen sich Präparate mit Grünteeextrakt (standardisiert auf Epigallocatechingallat, EGCG), Oligomere Procyanidine (OPC)/ Resveratrol, Curcumin und Lactoferrin.

Grüner Tee

Das in Camellia sinensis (L.) O. Kuntze enthaltene EGCG zeigt nicht nur antioxidative, sondern auch antientzündliche Effekte bei Akne und wirkt Effloreszenzen entgegen, wie eine Studie an der National Yang-Ming University/Taiwan bestätigt. Darüber hinaus verbessert EGCG die Insulinsensitivität und wirkt sich günstig auf den Blutzuckerspiegel aus.

OPC/Resveratrol/Curcumin

Oligomere Procyanidine bestehen aus zwei, drei, vier oder mehr Catechinmolekülen und zählen wie das Resveratrol zu den Polyphenolen. Für beide Verbindungen werden antiinflammatorische sowie antioxidative Wirkungen beschrieben. Resveratrol hemmt wie Curcumin die 5-Lipoxygenase sowie die Cycloxygenase-2 und senkt dadurch den Spiegel proinflammatorischer Talgdrüsenfettsäuren. In einer micellaren Darreichungsform besitzt Curcumin eine um ein Vielfaches gesteigerte Bioverfügbarkeit.

Aus dem OTC-Sortiment*

Produktname

Zusammensetzung

Dosierung

Hinweise

Activomin® Kapseln

400 mg Huminsäuren

3 x 2 Kps./d über 10 d, danach 3 x 1 Kps./d**

Cave: Schwangerschaft/Stillzeit, 2 h Abstand zu Chemotherapeutika, Hormonpräparaten

A-Derma Dermalibour+ Creme

Haferblätter/-stängel-Extrakt, Kupfer-II-sulfat

1 – 2 x /d

nicht für Kinder unter 3 Mo. geeignet

Olivenblatt-Extrakt 500 mg Mono-Kapseln

500 mg Olivenblatt-Extrakt (davon 100 mg Oleuropein)

2 x 1 Kps./d

Cave: Schwangerschaft/Stillzeit, Diabetes mellitus, Antikoagulanzien

Catechin-Loges® Kapseln

300 mg Grüntee-Extrakt (davon mind. 150 mg EGCG)

60 mg Acerolafrucht-Pulver (davon mind. 15 mg Vitamin C)

2 x 1 Kps./d

mind. 1 h vor bzw. 2 h n. d. Essen Cave: Diabetes mellitus, Schwangerschaft, Stillzeit WW mit Antikoagulanzien, Chinolonen, COMT- u. MAO-Hemmern

Curcusol® Kapseln

40 mg Curcumin in Micellen eingeschlossen

2 x 1 Kps./d**

Cave: Gallenverschluss, -steine, Schwangerschaft/Stillzeit WW mit Antikoagulanzien

Morepa Platinum***

1100 mg DHA/EPA

1000 I.E. Vitamin D3

2 x 1 Kps./d

nachhaltig hergestellt, kein fischiges Aufstoßen Cave: Gallenblasenerkrankungen, Störung der Fettverdauung, Leberzirrhose, Pankreatitis, WW mit Antikoagulanzien

Omni Biotic® Stress Beutel

9 Bakterienstämme mit mind. 7,5 Milliarden Keimen**

1 – 2 Sachet/d**

vor dem Frühstück und/oder dem Zubettgehen,

zeitversetzt zu Begleitmedikamenten einnehmen

Pure Encapsulations Zink 30 Zinkpicolinat Kapseln

30 mg Zink (aus 150 mg Zinkpicolinat)

1 Kps. jeden 2. d**

Cave: eingeschränkte Nierenfunktion, Magengeschwüre, zeitversetzt zu Chinolonen, Tetracyclinen

Naturafit Resveratrol 125 Kapseln

125 mg Resveratrol

2 x 1 Kps./d**

Cave: Schwangerschaft/Stillzeit, WW mit Antikoagulanzien, CYP3A4-Substraten

Rhodiologes® 200 mg Filmtabletten

200 mg Trockenextrakt aus Rosenwurz-Wurzeln und Wurzelstock

2 x 1 Tbl./d

Einnahme morgens und mittags

Cave: Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder, Jugendliche < 18 J.

WW mit Antidepressiva

Sanferin® Tabletten

100 mg Grüner Tee-Extrakt

50 mg Lactoferrin

20 mg Lysozym

150 mg D-Mannose

2 mg Zinksulfat

2 x 2 Tbl./d**

Cave: Hühnerei-Allergie, Diabetes mellitus, Schwangerschaft/Stillzeit WW mit Chinolonen, COMT- und MAO-Hemmern

Widmer Acne plus Creme

50 mg Benzoylperoxid

20 mg Miconazolnitrat

1 – 2 x /d, am besten abends

Cave: UV-Exposition, Schwangerschaft/Stillzeit

Augen, Nasenlöcher, Mund bzw. Wunden aussparen, bleicht Textilien/Haare

*beispielhafte Nennungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer Taxe: 09.04.18), **laut Herstellerangaben, ***nicht in der Lauer-Taxe, nur Direktbezug

Lactoferrin

Die Einnahme von Lactoferrin in Kombination mit Vitamin E und Zink zeigte in einer Studie eine signifikante Verbesserung der Entzündung sowie eine Reduktion der Komedonen.

Lactoferrin ist ein Glykoprotein, das im menschlichen Körper von neutrophilen Granulozyten und im Schleimhautepithel synthetisiert wird. Es entzieht durch reversible Bindung den Mikroorganismen das für ihr Wachstum obligate Eisen und entfaltet dadurch seine bakteriostatische Wirkung. Bei Entzündungsvorgängen senkt Lactoferrin übermäßig hohe Konzentrationen an inflammatorischen Signalgebern.

Zink-- Das essenzielle Spurenelement Zink blockiert nachgewiesen das Enzym 5-alpha-Reduktase und in Folge eine übermäßige Talgdrüsenaktivität. Zusätzlich wirkt Zink entzündungshemmend und immunmodulierend. Die Bioverfügbarkeit des Mineralstoffs bleibt jedoch eine Herausforderung. Wissenschaftlich belegt ist, dass organische Verbindungen wie Zinkpicolinat besser vom Körper resorbiert werden als anorganische Salze. Auch sollte es abends eingenommen werden.


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