31.12.2020

Akute Bronchitis: Sitzt tief

von Dr. Ute Koch

Zumeist ist sie die Folge einer banalen Erkältung und ihr Leitsymptom ein bellender, tiefsitzender Husten. Für dessen Behandlung gibt es eine breite Palette rezeptfreier Hustentherapeutika.

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  • Die akute Bronchitis ist zumeist viral bedingt und die Folge einer banalen Erkältung.
  • Leitsymptom der akuten Bronchitis ist ein tiefsitzender, bellender und teilweise sehr schmerzhafter Husten.
  • Liegt ein trockener Reizhusten vor, kann dieser mit einem Antitussivum (Hustenstiller) gelindert oder unterdrückt werden.
  • Bei einem produktiven Schleimhusten sollte das Abhusten des Schleims und darin befindlicher Erreger (Viren, Bakterien) mit einem Expektorans (Hustenlöser) gefördert werden.
  • Da eine akute Bronchitis zu Komplikationen führen kann, sind die Grenzen der Selbstmedikation streng zu beachten.

Die Luftröhre teilt sich in zwei Hauptbronchien, die jeweils in einen der beiden Lungenflügel münden. Dort verzweigen sie sich in immer kleiner werdende Bronchialäste bis hin zu den Endbronchien, an denen Millionen Lungenbläschen (Alveolen) traubenförmig angesiedelt sind. Zu einer Fläche ausgebreitet ergeben sie rund 100 Quadratmeter, an denen der Gasaustausch zwischen der Atemluft und dem Blut stattfindet: So gelangt eingeatmeter Sauerstoff in das Blut und das Stoffwechsel-Abbauprodukt Kohlendioxid in die Ausatmungsluft. Unter normaler körperlicher Belastung werden täglich etwa 8000 Liter Luft eingeatmet und mit dieser unzählig viele Krankheitserreger, Staubpartikel, Allergene und andere Schadstoffe.

Die Atemwege reinigen sich selbst

Damit eingeatmete Fremdstoffe nicht unweigerlich zu Krankheiten führen, verfügt die Lunge über zwei mechanische Reinigungsmechanismen: Einer davon ist die mukoziliäre Clearance, wofür die unteren (auch die oberen) Atemwege mit Schleim ausgekleidet und mit winzigen Flimmerhärchen besetzt sind. Diese bewegen sich ständig hin und her. Durch ihre Schlagbewegungen schieben sie den Schleim sowie eingeatmete Keime und Schadstoffe in Richtung Rachenraum. Dort wird alles verschluckt und im sauren Milieu des Magens unschädlich gemacht. Unter physiologischen Bedingungen beträgt die Transportgeschwindigkeit des Schleimes etwa vier bis 20 Millimeter pro Minute. Er wird von Becherzellen der Atemwegsschleimhaut ständig neu gebildet: pro Tag 150 bis 200 Milliliter.

Ist die mukoziliäre Clearance überfordert, tritt der zweite Reinigungsmechanismus in Kraft: Der Husten, durch den unerwünschte Partikel aus der Lunge herausgeschleudert werden. Beispiele für seine Auslöser sind erhöhte Schleimansammlungen bei einer akuten Bronchitis, größere Staubpartikel oder ein verschluckter Fremdkörper.

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Akute Bronchitis

Eine akute Bronchitis ist eine Entzündung der unteren Atemwege, zumeist durch Viren bedingt, seltener durch Bakterien. In aller Regel ist sie die Folge einer banalen Erkältung, weil das Entzündungsgeschehen leicht von den oberen auf die unteren Atemwege übergeht („Etagenwechsel“). Leitsymptom ist ein quälender Husten, anfangs in Form eines trockenen Hustens (Reizhusten), der nach etwa zwei bis drei Tagen in einen produktiven Husten (Schleimhusten) übergeht. Weitere typische Beschwerden sind Schmerzen im Brustkorb, Atemnot, Rasselgeräusche in der Lunge, ein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden und teilweise auch Fieber.

Im Gegensatz zu den oberen Atemwegen besitzen die Wände des Bronchialbaums (auch die Luftröhre) eine glatte Muskulatur, die Bronchialmuskulatur. Da sich diese bei einer Bronchitis verkrampft, kann der Reiz- oder Schleimhusten sehr hart und schmerzhaft verlaufen. Unabhängig davon, wie der Husten verläuft, ermöglicht es die Vielzahl der Hustentherapeutika, auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse von Patienten aller Altersklassen einzugehen. Hierfür sorgen pflanzliche und synthetische Wirkstoffe sowie deren Vielfalt an Darreichungsformen. Nennenswert sind auch Rezepturen, die ohne kritische Hilfsstoffe auskommen – etwa ohne Alkohol, Zucker, Konservierungsmittel und/oder Farbstoffe. Und nicht zuletzt unterstützen verschiedene Geschmacksrichtungen die Compliance, insbesondere die von Kindern.

Den Reizhusten stillen

Der trockene Reizhusten reicht von ständigem Hüsteln bis hin zu heftigen Hustenattacken. Beides kann sehr quälend sein und die Entzündung der Atemwegsschleimhaut weiter ankurbeln. Daher sollte ein Reizhusten mit einem Antitussivum (Hustenstiller) unterdrückt werden. Unter den rezeptfreien Wirkstoffen am stärksten wirksam sind die synthetischen Vertreter Dextromethorphan, Dropropizin und Pentoxyverin. Auch als Hustenblocker bezeichnet, hemmen sie das Hustenzentrum im Stammhirn und/oder blockieren die Hustenrezeptoren in den Atemwegen. Hingegen wirken Schleimdrogen (z. B. Isländisch Moos, Eibischwurzel, Spitzwegerichkraut, Malvenblüten) auf der Schleimhaut von Rachen und Kehlkopf oberflächlich reizlindernd. Nennenswert ist zudem Sonnentaukraut, das neben antitussiven zugleich bronchospasmolytische Eigenschaften hat.

Vorsicht gilt bei der Anwendung von synthetischen Antitussiva bei einem Schleimhusten, weil sie das Abhusten des Schleims behindern. Aus diesem Grund sollten auch Schleimlöser und Hustenblocker nicht gleichzeitig angewendet werden. Sinnvoll kann es jedoch sein, einen Hustenlöser am Tag einzunehmen und zur Nacht einen Hustenstiller, um ein ungestörtes Ein- und Durchschlafen zu ermöglichen.

Den Schleimhusten fördern

Schleimansammlungen belasten die Hustenrezeptoren, behindern die Atmung und sind außerdem ein idealer Nährboden für Bakterien. Diese können aus einer unkomplizierten, akuten Bronchitis eine ernste Krankheit (z. B. Lungenentzündung, eitrige Bronchitis) machen. Daher sollte bei einem Schleimhusten das Abhusten gefördert werden, wofür eine große Palette an Expektoranzien (Hustenlöser, Schleimlöser) verfügbar ist. Hierzu gehören die synthetischen Substanzen N-Acetylcystein, Bromhexin und Ambroxol sowie zahlreiche Drogen und deren Zubereitungen. Letztere lassen sich anhand ihrer wirksamen Bestandteile in zwei große Gruppen unterteilen: in Saponindrogen (z. B. Efeublätter, Primelwurzel-/blüten) und Ätherisch-Öl-Drogen (z. B. Thymiankraut, Eukalyptusöl und Koniferenöle). Anders als bei den Antitussiva sind die hustenlösenden Effekte vieler pflanzlicher Expektoranzien den synthetischen ebenbürtig. Zudem haben einige der pflanzlichen Vertreter neben ihrer hustenlösenden Wirkung noch weitere therapeutisch relevante Eigenschaften. So zeichnen sich zum Beispiel Efeublät- ter und Thymiankraut durch eine ausgeprägt bronchospasmolytische Wirksamkeit aus.

Wann zum Arzt

Unzureichend auskuriert kann die akute Bronchitis chronisch werden. Eine solche liegt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) dann vor, wenn Husten und Auswurf in zwei aufeinander folgenden Jahren mindestens drei Monate pro Jahr auftreten. Eine chronische Bronchitis gehört immer in ärztliche Behandlung. Ebenso eine akute Bronchitis, die sich trotz Behandlung binnen drei bis vier Tagen nicht bessert oder sogar verschlechtert. Vor allem dann, wenn Fieber und/oder ein starkes Krankheitsgefühl hinzukommen. Senioren und chronisch Kranke sollten besonders achtsam sein, weil sie ein geschwächtes Abwehrsystem und/oder eine eingeschränkte Lungenfunktion haben und daher zu Komplikationen neigen (z. B. zu einer eitrigen Bronchitis oder Lungenentzündung). Beispiele hierfür sind Diabetiker und Patienten mit COPD oder Asthma. Ebenso sind Säuglinge und Kleinkinder keine Fälle für die Selbstmedikation. Da eine akute Bronchitis zumeist eine virale Ursache hat, ist die Einnahme eines Antibiotikums in aller Regel nicht indiziert.


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