30.04.2019

Antimykotika: Gegen Hautpilze

von Julia Pflegel

Auf der menschlichen Haut siedeln viele Pilze und tragen zu einer ausgewogenen Hautflora bei. Jedoch können sie infektiös werden. Topische Antimykotika sind dann die Mittel der Wahl.

© Bill Oxford / Getty Images / iStock

Fortbildung

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  • Dermatomykosen werden meist von Dermatophyten und Hefepilzen hervorgerufen.
  • Viele von ihnen gehören zur natürlichen Hautflora und werden erst bei einer schwachen Immunlage infektiös.
  • Mittel der Wahl sind dann topische Antimykotika, die fast alle an der Ergosterolbiosynthese angreifen.
  • Rezeptfreie Antimykotika sind nur noch in Ausnahmefällen erstattungsfähig.
  • Ein topisches Antimykotikum kann sowohl in einer rezeptfreien als auch in einer verschreibungspflichtigen Variante erhältlich sein.

Die menschliche Haut verfügt über ein sehr wirksames Schutzsystem: Es besteht aus der mechanischen, schwer durchdringbaren, Barriere der Hornschicht (Stratum corneum). Diese wird auf ihrer Oberfläche zusätzlich von einem Hydrolipidfilm überzogen. Mit einem pH-Wert von 5 bis 5,5 und antimikrobiellen Peptiden, Lipiden, freien Fettsäuren, Lysozym und Immunglobulinen hilft er, ein gesundes Hautmilieu zu erhalten. Nicht zu vergessen die permanent auf der Haut siedelnden, „domestizierten“ Keime (residente Keimflora), die Eindringlinge abwehren. Oder, wie es Peter Frisch und Thomas Schwarz in ihrem Buch „Dermatologie und Venerologie“ 1 bildhaft beschreiben: „Die residente Keimflora spielt auf der Haut eine ähnliche Rolle wie die Stammgäste in einem Wiener Kaffeehaus: Sie besetzen dauernd in einer strengen Hierarchie die besten Plätze, nähren sich von den Produkten des Hauses und lassen Fremde, wenn überhaupt, nur kurzfristig herein.“ Vervollständigt wird das Geschehen von der transienten Flora, die aus Umgebungskeimen besteht (Anflugkeime), die nur kurzfristig verweilen.

Gemeinsam schützen diese Faktoren die Haut vor pathogenen Keimen wie Viren, Bakterien oder Pilzen. Diese können nur dann eine Infektion auslösen, wenn Barriere/Hydrolipidfilm nicht intakt sind. Dann kann es im Fall von Pilzen zu Mykosen (Pilzkrankheiten) kommen. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Mykosen der Haut (Dermatomykosen), die der PTA häufig in der Apotheke begegnen und nur zum Teil und/oder nach der Erstdiagnose durch den Arzt der Selbstmedikation zugänglich sind.

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Myzeten

Noch im späten 20. Jahrhundert wurden Pilze (Myzeten) den Pflanzen zugeordnet. Heute werden sie als Gemeinschaft definiert, die gleichberechtigt neben Pflanzen und Tieren existiert; den Tieren näher verwandt als den Pflanzen.

Aufbau und Arten

Die Pilzzelle grenzt sich mit der Zellwand gegenüber der Außenwelt ab. Hauptbestandteil der Zellwand ist das Polysaccharid Chitin, welches im Pflanzenreich nicht gefunden wird, dafür aber bei Gliederfüßlern vorkommt. Ein weiterer Unterschied zur pflanzlichen Zellwand ist das Fehlen von Cellulose. Die Zellwand umschließt die Pilzzellmembran (Zytoplasmamembran), in der die Ergosterolbiosynthese stattfindet – der Angriffspunkt der meisten Antimykotika.

Die Wissenschaft kennt etwa 100 000 verschiedene Pilze, von denen einige hundert Mykosen hervorrufen können. Befallen die Pilze die oberste Schicht der Haut oder Schleimhaut, die Haare oder die Nägel, kommt es mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Infektion, einer Dermatomykose. Hauptverursacher sind Dermatophyten, gefolgt von Hefen und Schimmelpilzen. Letztere besiedeln die Haut- und Hautanhanggebilde meist sekundär – wenn sie bereits krankhaft verändert sind – und werden daher nicht weiter beschrieben.

Häufig sind die krankmachenden Pilzarten Opportunisten. Sie leben auf und mit dem Wirt und schädigen ihn nur dann, wenn seine Immunabwehr geschwächt ist. Das trifft zum Beispiel zu auf Diabetiker und Menschen, die dauerhaft Glukokortikoide oder andere Immunsuppressiva einnehmen.

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Lesen Sie ergänzend und thematisch passend zu unserer zertifizierten Fortbildung unseren englischen Beitrag „Antifungals“.

Dermatophyten

Sie verfügen über die Eigenschaft, Keratin abzubauen. Frisch und Schwarz bezeichnen diese in der Natur seltene Fähigkeit in ihrem Buch als „ökologische Funktion von Abraumorganismen für Keratin (Schuppen, Haare) tierischer und menschlicher Herkunft“. Die Dermatophyten (Fadenpilze) sind also keratophil, ohne Keratin überleben sie nicht. Da der Schleimhaut diese Substanz fehlt, besiedeln sie sie nicht.

Infektionen mit Dermatophyten tragen immer die Bezeichnung Tinea, die durch den Infektionsort ergänzt wird, zum Beispiel Tinea capitis – eine Dermatomykose oder Dermatophytose im Bereich der behaarten Kopfhaut (lat.: caput = Kopf).

Für den Menschen sind die drei Gattungen Microsporum, Trichophyton und Epidermophyton von Bedeutung. Sie lösen mehr als 80 Prozent aller Infektionen von Haut, Haaren und Nägeln aus.

Vermehrung-- Fadenpilze wachsen in Form von sich verzweigenden Pilzfäden (Hyphen), deren Gesamtheit als Pilzgeflecht (Myzel) bezeichnet wird. Sie vermehren sich durch Sporen, die an den Pilzfäden gebildet werden.

Hefepilze

Hefepilze oder Hefen gelten als Verursacher zahlreicher Infektionskrankheiten der Haut. Im Gegensatz zu Dermatophyten befallen sie auch innere Organe und führen hier zu systemischen Pilzkrankheiten (Systemmykosen), die tödlich enden können.

Medizinisch bedeutsam sind Hefen der Gattung Candida. Sie kommen überall vor und besiedeln als harmlose Kommensale (lat.: commensalis = Tischgenosse) Haut und Schleimhäute. Die überwiegend opportunistischen Keime werden bei geschwächter Immunabwehr für den Menschen pathogen, zum Beispiel Candida albicans, C. glabrata oder C. krusei, die unter anderem vaginale Infektionen hervorrufen können. Diese eher harmlosen Haut- und Schleimhautmykosen stehen den bedrohlichen Systemcandidosen gegenüber.

Ein weiterer wichtiger Hefepilz ist Malassezia furfur (früher Pityrosporum orbiculare bzw. ovale). Er ist zum Leben zwingend auf Lipide angewiesen und findet sich deshalb vor allem in talgdrüsenreichen Hautarealen. Er lebt – wie die Candidaspecies auch – in zwei Formen (Dimorphismus): Als nicht infektiöse Hefe ist er Bestandteil der residenten Hautflora. Als infektiöses Myzel gilt er als Erreger der Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor). Fördernd für den Ausbruch dieser Infektion gelten ein die Talgproduktion anregendes, feucht-heißes Klima und Schwitzen.

Vermehrung-- Hefen sind einzellige Spross- oder Spaltpilze. Die Bezeichnungen gehen auf ihre Art der Vermehrung zurück, die durch Sprossung, Knospung oder Spaltung gesichert wird. Häufig trennen sich die neu entstandenen Zellen nicht von der Mutterzelle und bilden Pseudopilzfäden (Pseudohyphen), die als Pseudopilzgeflecht (Pseudomyzel) bezeichnet werden.

Antimykotika

Antimykotika werden in der Dermatologie hauptsächlich als Topika eingesetzt. Von ihnen sind zahlreiche Wirkstoffe als OTC-Präparate erhältlich. Dieselben Substanzen, in Abhängigkeit von der Indikation, können auch in verschreibungspflichtigen Varianten existieren. Rezeptfreie (apothekenpflichtige) Antimykotika sind nur noch in Ausnahmefällen erstattungsfähig. Zu diesen Ausnahmen zählen Verordnungen für Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr sowie für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Alle oralen Antimykotika hingegen unterliegen der Rezeptpflicht.

Zum Aufbau der Zellmembran benötigen Pilze essenziell Ergosterol. Wird die Ergosterolbiosynthese gestört, stellen sie Wachstum und Vermehrung ein (fungistatische Wirkung) und/oder sterben ab (fungizide Wirkung). Beinahe alle topisch verwendeten und viele der systemischen Antimykotika sind Inhibitoren von Enzymen der Ergosterolbiosynthese. Im Folgenden werden die einzelnen Substanzgruppen in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt.

Allylamine

Allylamine hemmen das Enzym Sqalen- epoxidase (Squalenepoxidasehemmer), was eine Blockade der Umwandlung von Squalen in Lanosterol und infolgedessen einen Ergosterolmangel bewirkt (fungistatisch). Das sich in der Zelle ansammelnde Squalen führt häufig zum Zelltod (fungizid). Auf Dermatophyten und Schimmelpilze wirken Allylamine fungizid, auf Candida albicans fungistatisch.

Wirkstoffe

Terbinafin und Naftifin sind Allylamine. Besonders Terbinafin wird als Topikum in der Selbstmedikation oft eingesetzt; das Breitbandantimykotikum wirkt gegen verschiedenste Hautmykosen. Beispiele sind Fuß- und Hautpilz oder Kleienpilzflechte, wobei nur Fußpilz unter bestimmten Umständen ein Fall für die Selbstmedikation ist. Terbinafin ist lipophil und keratinophil und reichert sich daher im Stratum corneum, in Haaren und Nägeln an.

Wichtig-- Kinder unter fünf Jahren sollten nicht mit Terbinafin behandelt werden; das gilt ebenso für Schwangere und Stillende, da die Substanz in die Muttermilch übergeht.

Azole

Azole hemmen ebenfalls die Ergosterolbiosynthese, allerdings an anderer Stelle als die Allylamine. Sie greifen an der Lanosterol-Demethylase an, die Lanosterol in Desmethyl-Lanosterol umwandelt. Anfallendes Lanosterol wird als falsches Sterol in die Zellmembran ein- gelagert, stört dort die Funktionalität bestimmter Enzyme sowie der Membran selbst. Aus diesem Wirkmechanismus resultieren fungistatische und bei einigen Wirkstoffen auch fungizide Effekte. Azole werden chemisch noch einmal in Imidazole und Triazole unterteilt, wobei Triazole (z. B. Fluconazol, Voriconazol) ausschließlich verschreibungspflichtig sind.

Wirkstoffe

Eine der sicher bekanntesten Substanzen im OTC-Bereich gehört zu den Azolen: das Imidazol Clotrimazol. Außerdem finden sich in der Selbstmedikation etwa Bifonazol, Ketoconazol, Miconazol, Sertaconazol und Econazol. Alle genannten Substanzen sind Breitbandantimykotika, drei von ihnen werden beispielhaft vorgestellt.

Clotrimazol-- Das Antimykotikum wird ausschließlich topisch eingesetzt, wirkt fungistatisch und in höheren Konzentrationen unter anderem fungizid auf Dermatophyten und Hefepilze (z. B. Candida albicans). Clotrimazol zeigt auch bakteriostatische Eigenschaften, etwa gegen Corynebacterium minutissimum, den Erreger der Bärensprungschen Krankheit (Erythrasma), einer meist harmlosen Hautinfektion. Dagegen wird es auch – ebenso wie Bifonazol – eingesetzt, lokale Antibiotika gelten hier als obsolet. Der Wirkstoff kommt als Klassiker bei der Therapie von Vaginalmykosen zum Einsatz.

Bifonazol-- Die Substanz wirkt primär fungizid auf Dermatophyten (z. B. Trichophyton rubrum, Nagelpilzerreger), fungistatisch und in höheren Konzentrationen fungizid unter anderem auf Hefepilze. Bekannt ist Bifonazol sicherlich aus der Kombination mit Harnstoff (Urea) in einer Salbe, die zum Ablösen eines verpilzten Nagelteils (und der späteren Nachbehandlung mit Bifonazol) dient.

Ketoconazol-- Dieses Azol (fungistatisch/fungizid) hat offenbar eine ausgeprägte Wirksamkeit gegen Malassezia species. Daher wird es häufig angewendet bei Kopfschuppen, Kleienpilzflechte und seborrhoischem sowie atopischem Ekzem, bei dem insbesondere Malassezia furfur eine wichtige Rolle spielt. Wird es topisch auf der Kopfhaut angewendet, kann es auch Stillenden empfohlen werden. Säuglinge sollten allerdings nicht damit in Berührung kommen.

dpm_052019_tt_grafikHydroxypyridone

Die Hydroxypyridone sind unter den Antimykotika aus pharmakologischer Sicht Außenseiter. Denn sie setzen als einzige topische Wirkstoffe nicht an der Ergosterolbiosynthese an. Sie verhindern die Aufnahme und Abgabe essenzieller Zellbestandteile, stören also den Pilzzellstoffwechsel erheblich. Es besteht außerdem eine große Affinität zu Metallionen: Hydroxypyridone inhibieren metallabhängige Enzyme, die für den Abbau von Peroxiden (z. B. Wasserstoffperoxid) notwendig sind. Peroxide sammeln sich in der Pilzzelle an, was letztlich tödlich für den Organismus ist (fungizid, u. a. Dermatophyten, Hefen). Außerdem wirken Hydroxypyridone sporozid und antibakteriell gegen verschiedene grampositive und gramnegative Bakterien.

Wirkstoffe

Mit Ciclopirox und Pirocton Olamin (Octopirox ®) sind zwei Hydroxypyridone als Topika im Handel. Systemisch werden sie nicht angewandt, da sie sehr rasch inaktiviert werden. Da es kein Fertigarzneimittel mit Pirocton Olamin auf dem deutschen Markt gibt, soll an dieser Stelle nur Ciclopirox beschrieben werden. Dieses wird in Form von rezeptfreien Nagellacken in der topischen Therapie der Onychomykose eingesetzt. Außerdem ist es Bestandteil von Schuppenshampoos. Diese sind in der Regel apothekenexklusive Kosmetika. Cremes und Lösungen mit Ciclopirox sind verschreibungspflichtig.

Wichtig-- Shampoos mit Ciclopirox (1 – 1,5 %) rufen sehr häufig (> 1/10) unerwünschte Nebenwirkungen wie Haut- irritationen und Juckreiz (Pruritus) hervor. Bei der Anwendung auf den Nägeln wird das nicht beobachtet, hier ist Ciclopirox sehr gut verträglich.

Morpholine

Morpholine greifen an zwei Stellen in die Ergosterolbiosynthese ein: Sie inhibieren eine Reduktase und eine Isomerase. Es entstehen wie bei den Azolen falsche Sterole, die durch die Einlagerung in die Zellwand zu fungistatischen und fungiziden Effekten führen.

Wirkstoffe

Als einziger Vertreter dieser Antimykotikaklasse wird Amorolfin medizinisch genutzt. Nach Angaben der Lauer-Taxe ist es „hoch wirksam gegen gängige oder gelegentlich vorkommende Auslöser von Onychomykosen“ wie Dermatophyten (Trichophyton rubrum, T. interdigitale, T. mentagrophytes) oder Epidermophyton floccosum und Microsporum.

Amorolfin ist als Creme gegen Hautmykosen durch Dermatophyten (z. B. Fußpilz, Hautpilz) in einer Konzentration von 0,25 Prozent und als Nagellack gegen Nagelpilz in einer Konzentration von fünf Prozent in der Selbstmedikation erhältlich. Der Wirkstoff wird immer topisch angewendet.

Polyene

Ein großer Lactonring mit einem lipophilen (Polyen) und einem hydrophilen Molekülteil (OH-Gruppen) – diese Molekülstruktur verleiht den Polyenen die Eigenschaft, Ergosterol zu binden. Die entstehenden Komplexe lagern sich in die Pilzzellmembran ein und bilden Poren, die durchlässig für lebenswichtige Nährstoffe der Zelle sind, wie Zucker oder Proteine. Dadurch stirbt die Zelle ab.

Wirkstoffe

Das einzige Polyen in der Selbstmedikation ist Nystatin, gegenüber dem besonders Candidaspecies empfindlich sind. Gegen Dermatophyten hingegen ist es wirkungslos.

Der Wirkstoff wird als Mundgel oder Suspension angewendet bei Mundsoor sowie zur Behandlung von Darmpilzen; hier stehen Tabletten und ebenfalls Suspensionen zur Verfügung. In Kombination mit Zinkoxid können Windeldermatitiden behandelt werden. Auch gegen Vaginalpilz wird Nystatin in Form von Vaginaltabletten und Salben eingesetzt. Nystatin wird bei oraler Gabe faktisch nicht resorbiert und mit dem Stuhl ausgeschieden. Daher kann es auch in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie von Kindern ab zwei Jahren eingenommen werden.

Wichtig-- Menschen, die auf Perubalsam überempfindlich reagieren, dürfen Nystatin nicht anwenden, da die Gefahr einer Kreuzallergie besteht.

Dermatomykosen

Die Infektionskrankheiten der oberen Schichten der Haut oder Schleimhaut, der Haare und Nägel – die Dermatomykosen – sind meist von mildem Verlauf und in der Regel nicht entzündlich. Dennoch muss eine bestehende Mykose immer behandelt werden. Die meisten gehören, mit wenigen Ausnahmen, in die Hand des Arztes. Wir stellen einige für die Apotheke wichtige Krankheitsbilder vor und geben Hinweise, wann sich die Selbstmedikation eignet und wann nicht.

Wussten Sie, dass ...

  • viele Puder, mit denen Kunden feuchte Hautbereiche an Füßen oder unter der Brust pflegen, Maisstärke enthalten, die als Kohlenhydrat das Pilzwachstum fördert?
  • Suspensionen mit Nystatin vor der Anwendung geschüttelt werden müssen?
  • Nagelpilz in über 80 Prozent der Fälle von Fußpilz ausgeht?
  • die Erreger der Bartpilzflechte (Tinea barbae) von Nagetieren und Rindern stammen?
  • kortikoidhaltige Antimykotikakombinationen doppelt so häufig wie Monopräparate verordnet werden, obwohl sie in den Leitlinien keine Erwähnung finden?

Fußpilz

Experten unterscheiden drei Formen, von denen nur eine in die Selbstmedikation gehört: Tinea interdigitalis – also eine Pilzinfektion der Zehenzwischenräume. Auffällige Symptome sind gerötete, weißlich aufgequollene Haut an den betroffenen Stellen, die schnell einreißt, sowie Juckreiz. Fußpilz, der sich von den Fußsohlen über die Fußkanten ausbreitet (squamös-hyperkeratotisch) oder bei dem am Fußgewölbe und an den Ballen von Klein- und Großzehen Bläschen auftreten (vesikulös-dishydrotisch), ist dem Arzt vorbehalten. Bessern sich bei einem Therapieversuch mit topischen Antimykotika die Symptome nicht innerhalb einer Woche, ist ebenfalls zum Arztbesuch zu raten.

Hautpilz

Sind Rumpf, Gesicht und Extremitäten von Dermatophyten befallen, spricht der Mediziner von Hautpilz (Tinea corporis). Sichtbare Zeichen sind rote, juckende und schuppende Flecken auf der unbehaarten Haut. Eine häufig vorkommende Form ist Tinea inguinalis (Leistengegend), begünstigt durch ein feuchtes Mikroklima. Juckende und ringförmige Hautläsionen breiten sich von der Leiste über die Oberschenkelinnenseite aus. Sie neigen dazu, von Candidaspecies oder Bakterien sekundär besiedelt zu werden. In den Sommermonaten häufen sich die Fälle.

Hautpilz sollte unbedingt vom Arzt diagnostiziert werden, allein schon, um andere Erkrankungen auszuschließen wie Lupus erythematodes, Psoriasis inversa oder Erythrasma, um nur einige zu nennen.

Kleienpilzflechte

Pityriasis versicolor ist laut Frisch und Schwarz „eine häufige Mykose von meist nur kosmetischer Relevanz.“ Sie kommt vorwiegend im Nacken und im oberen Rumpfbereich vor, also in talgdrüsenreichen Arealen. Die Flecken sind rund, scharf begrenzt, zart kleieartig schuppend, hell-, gelb- bis dunkelbraun (seltener braunrot) und neigen zum Zusammenfließen. Interessant ist, dass sich im Anschluss an eine intensive Sonneneinstrahlung ein Negativbild der Flecken ergibt: Die vorher farbigen Läsionen werden hell, was Pityriasis versicolor alba genannt wird. Die Flechte gehört in die Hand des Arztes, der topisch und/oder systemisch therapiert. Betroffene können darauf hingewiesen werden, dass die Rezidivgefahr hoch ist, da der verursachende Pilz natürlicherweise auf der Haut siedelt.

Kopfhautpilz

Diese Mykose tritt besonders häufig bei Kindern auf. Das verwundert nicht, denn der Haupterreger ist Microsporum canis, den Katzen und Meerschweinchen symptomlos in ihrem Fell tragen können. Tinea capitis ist ansteckend – eine Ausnahme bei Dermatophyten. Daher kann es in Kindergärten und Schulen durchaus zu Epidemien kommen. Charakteristisch sind unter anderem kreisrunde, haarlose, rote, schuppige Stellen auf der behaarten Kopfhaut und Haarausfall. Auch diese Mykose gehört in Medizinerhand, besonders wegen ihrer hohen Infektionsgefahr. Sie wird systemisch und lokal bis zur vollständigen Pilzbeseitigung behandelt.

Wichtig-- Die Behandlung des Kopfhautpilzes mit topischen Antimykotika erfolgt auf der gesamten behaarten Kopfhaut. Ein Kürzen der Haare oder eine Rasur unterstützen die Therapie.

Mundhöhlensoor

Diese Mykose der Mundhöhle geht auf das Konto von Candida albicans. Mundhöhlensoor betrifft fast immer immungeschwächte Menschen wie Aids- oder Krebsranke und Kinder, deren Abwehrsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist (very young, very old, very sick). In der Mundhöhle und auf der Zunge befinden sich weißliche Beläge, die zu Beginn noch abzustreifen sind. Säuglinge mit Mundsoor können die Infektion beim Stillen auf die Mutter übertragen (Candidamykose der Mamille). Auch in diesem Fall ist der Arzt gefragt.

Nagelpilz

Die Auslöser einer Onychomykose benötigen als Existenzgrundlage Keratin: Dieses finden sie in der Nagelsubstanz. Sie entziehen dem Nagel nach und nach die Bausubstanz, was ihn langsam zu einer krümeligen, weißen, gelblich-braunen Masse zerfallen lässt. Erstes Warnzeichen ist der Verlust des Nagelglanzes, gefolgt von einer Verdickung und Verhärtung der Nagelplatte, die sich im Verlauf vollständig abheben kann. Nagelpilz wird – je nach Ausmaß der Infektion – topisch und/oder oral behandelt. Der Selbstmedikation ist die topische Therapie mit Salben und Lacken vorbehalten und auch nur dann, wenn nur ein bis zwei Nägel zu weniger als zwei Drittel (ohne Nagelmatrix) befallen sind.

Vaginalpilz

Die vaginale Mykose ist eine der häufigsten vaginalen Infektionen der Frau, hauptsächlich verursacht durch den Hefepilz Candida albicans. Gekennzeichnet durch Juckreiz und Brennen (auch beim Wasserlassen), treten außerdem weißlicher Fluor und käsiger Ausfluss auf, verbunden mit einer Rötung der äußeren und inneren Schamlippen.

Die Eigendiagnose Scheidenpilz ist bei zwei Dritteln der Frauen, die ein vaginales Antimykotikum in der Apotheke kaufen, nicht korrekt. Beim erstmaligen Auftreten der Beschwerden sollte daher ein Gynäkologe um Rat gefragt werden. Bestätigt er den vaginalen Pilz, ist bei Wiederkehr der Symptomatik nichts gegen die Selbstmedikation einzuwenden. Tritt die Vaginalmykose häufiger als viermal im Jahr auf, sind Frauen unter 18 Jahre oder Schwangere betroffen oder bessern sich die Beschwerden nach dreitägiger Therapie nicht, ist die Selbstmedi- kation nicht angezeigt.

1Springer Verlag GmbH Deutschland 2018, ISBN 978-3-662-53646-9

Dermatomykosen und Antimykotika*

Deutscher Name

Lateinischer Name

Häufigste Erreger

Antimykotika

Fußpilz

Tinea pedis

Trichophyton rubrum

Terbinafin, Clotrimazol, Bifonazol, Ketoconazol

Hautpilz

Tinea corporis

Trichophyton rubrum, T. mentagrophytes, Microsporum canis

Clotrimazol, Nystatin

Kleien(pilz)flechte

Pityriasis versicolor

Malassezia furfur

Ketoconazol, Clotrimazol, Terbinafin

Kopfhautpilz

Tinea capitis

Microsporum canis

Ketoconazol

Mundhöhlensoor

Orale Candidose

Candida albicans

Nystatin

Nagelpilz

Tinea unguium (Onychomykose)

Trichophyton rubrum, T. mentagrophytes

Ciclopirox, Amorolfin, Bifonazol

Vaginalpilz

Vulvovaginalcandidose

Candida albicans, C. glabrata, C. crusei

Clotrimazol, Nystatin, Terbinafin

*beispielhafte Nennungen, kein Anspruch auf Vollständigkeit


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