30.08.2016

Atemwegsinfekte: Virale Invasion

von Jana Marent

In der kalten Jahreszeit kommt kaum jemand um Atemwegsinfekte herum. Über Ursachen, Symptome, mögliche Komplikationen, medikamentöse Therapiemöglichkeiten und Präventivmaßnahmen klärt unser Artikel auf.

© ArtMarie / Getty Images / iStock

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  • Erkältungen werden durch Viren ausgelöst, die über die Atemwegsschleimhaut in den Körper eindringen. Es gibt über 200 verschiedene „Erkältungsviren“.
  • Breiten sich die Viren von den oberen Atemwegen weiter im Körper aus, kommt es zu Komplikationen wie Bronchitis, Sinusitis oder Otitis media.
  • Behandelt werden Erkältungen symptomatisch mit Arzneimitteln, die bei Halsschmerzen, Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen und Fieber helfen.
  • Alternative Medikamente verfolgen einen ganzheitlichen Wirkansatz; sie sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers stärken.

Zwei- bis dreimal im Jahr erkrankt ein Erwachsener im Mittel an einer Erkältung (grippaler Infekt). Kleinkinder machen durchschnittlich sogar sechs bis zehn Infekte jährlich durch. Dementsprechend hoch ist der Bedarf an Medikamenten gegen die typischen Erkältungsbeschwerden wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen oder Fieber. Breitet sich ein Infekt aus, können Sinusitis, Bronchitis oder Otitis media und Pneumonie als Komplikationen auftreten. Daher ist es wichtig, dass PTA sich Zeit für ein differenziertes Beratungsgespräch nehmen.

Die Infektion

Grippale Infekte sind gekennzeichnet durch eine Entzündung der oberen Atemwege. In der Regel wird diese durch Viren hervorgerufen. Über 200 verschiedene kommen als Auslöser infrage. Besonders oft sind Rhinoviren verantwortlich, auf die etwa 40 Prozent der Infekte entfallen. Weitere häufig vorkommende „Erkältungsviren“ sind Coronaviren (10 %), Respiratorische-Synzytial-Viren (RSV, 10 – 15 %), Adenoviren, Parainfluenzaviren und Enteroviren. Zudem können auch verschiedene Virustypen zugleich an einem Infekt beteiligt sein. Die Vielfalt der auslösenden Erreger ist ein Grund dafür, dass der Körper auch nach zahlreichen Infekten keine Immunität gegen sie aufbauen kann. Zudem können die Viren die körpereigenen Abwehrkräfte mit Hilfe von Mutationen unterlaufen.

Vermehrung und Ansteckung

Rhinoviren und andere infrage kommende Viren dringen in Zellen der Atemwegsschleimhaut ein. Wie alle Viren haben sie keinen eigenen Stoffwechsel. Somit benötigen sie Wirtszellen, um sich zu vermehren. Über die Bindung an Oberflächenproteine schleusen sie ihre Erbinformationen ins Zellinnere ein. Daraufhin beginnen die Wirtszellen, neue Viren zu produzieren, die anschließend die Zelle verlassen und sich im Organismus ausbreiten.

Übertragung-- „Erkältungsviren“ werden durch Tröpfchen- und Schmierinfektionen übertragen. Bei Schmierinfektionen erfolgt die Ansteckung über kontaminierte Oberflächen. Die Kontamination geschieht in der Regel über die Hände einer erkälteten Person, etwa indem diese sich erst die Nase putzt und dann einen Gegenstand wie eine Türklinke anfasst. Berührt nun eine weitere Person erst die kontaminierte Oberfläche und anschließend das Gesicht (Nasen- und Augenschleimhaut), kann sie sich infizieren. Auch beim Händeschütteln mit einer erkrankten Person sind Schmierinfektionen möglich. Bei Tröpfcheninfektionen gelangen dagegen im Nasen-Rachenraum von Erkrankten siedelnde Erreger durch Husten oder Niesen in die Luft. Die sekrethaltigen Aerosole, die längere Zeit in der Luft schweben, können andere Personen auch über größere Distanzen infizieren.

Prävention-- Hygienemaßnahmen können das Risiko, einen Atemwegsinfekt zu bekommen, deutlich reduzieren. Besonders wichtig ist häufiges und vor allem richtiges Händewaschen. Dabei sollte die Seife 20 bis 30 Sekunden auch zwischen den Fingern verrieben werden. Auf die Begrüßung per Händedruck ist bei erkälteten Personen zu verzichten. Zum Schutz vor Tröpfcheninfektionen sollte in die Armbeuge (nicht in die Hand!) gehustet werden.

Mukoziliäre Clearance

Die Atemwege verfügen über einen effektiven Selbstreinigungsmechanismus, der als mukoziliäre Clearance bezeichnet wird. Das Schleimhautepithel besteht zum größten Teil aus Flimmer zellen, die einen Saum feinster Flimmerhärchen (Zilien) tragen. Die Flimmerzellen sind mit einer dreischichtigen Schleimschicht bedeckt. Ein niedrig viskoses Sekret (periziliäre Flüssigkeit, Solschicht) umgibt die Flimmerhärchen. Darüber schwimmt eine viskose, klebrige Schleimschicht (Mucus, Gelschicht). Durch eine dazwischenliegende Schicht Surfactant kann die Gel- auf der Solschicht gleiten.

An ihrer klebrigen Oberfläche bleiben Fremdkörper (z. B. Schmutzpartikel) und Krankheitserreger aus der Atemluft hängen. Die Zilien ragen mit ihren oberen Spitzen gerade so in die Gelschicht hinein. Durch schnelle Vorwärtsschläge der Zilien wird die Solschicht rachenwärts in Bewegung versetzt und mit ihr wie auf einem Fließband die Gelschicht samt unerwünschter Fracht. Im Rachen wird dann alles verschluckt und vom sauren Magensaft unschädlich gemacht.

Husten

Es handelt sich um einen Schutzreflex, der dazu dient, die Atemwege von Schleim oder Keimen und Schadstoffen aus der Umwelt zu befreien. Ausgelöst wird er über Rezeptoren in der Atemwegsschleimhaut, die auf mechanische und chemische Reize reagieren und diese über Nervenbahnen in das Hustenzentrum im Gehirn leiten. Im Rahmen eines grippalen Infekts kommt es zu einer Entzündung der Atemwegsschleimhaut, bei der Entzündungsmediatoren frei werden, die die Rezeptoren reizen und zunächst zu trockenem Reizhusten führen. Im weiteren Verlauf produziert die entzündete Schleimhaut vermehrt Sekret; auch dieses versucht der Körper durch (produktiven) Husten aus den unteren Atemwegen zu entfernen.

Nicht jeder Husten ist der Selbstmedikation zugänglich. Daher ist es wichtig, im Rahmen des Beratungsgespräches die Länge und Dauer des Hustens sowie Begleitsymptome (z. B. Fieber, Schmerzen, Rassel- und Pfeiffgeräusche) oder Grunderkrankungen (z. B. Asthma) und Lebensstilfaktoren (z. B. Rauchen) auszuloten.

Symptome und Verlauf

Am Krankheitsbeginn macht sich eine Erkältung durch Halskratzen und -schmerzen, Niesreiz mit dünnflüssigem Sekret und einen trockenen (Reiz-) Husten bemerkbar. Nach zwei bis drei Tagen folgt die zweite Krankheitsphase. Der Schleim wird zähflüssig und der Husten zunehmend produktiv. Zudem können zusätzlich zu den lokalen Symptomen Kopfschmerzen, Kältegefühl, Fieber und Gliederschmerzen auftreten. Nach sechs bis sieben Tagen bessern sich die Symptome spürbar.

Wie genau die Symptome eines grippalen Infekts entstehen, ist noch nicht abschließend geklärt. Entscheidenden Einfluss haben aber Entzündungsbotenstoffe wie Bradykinin, Prostaglandine, Zytokine und Histamin, die im Zuge der körpereigenen immunologischen Entzündungsreaktion auf die Erreger freigesetzt werden.

Komplikationen

Eine an sich harmlose Erkältung kann schwerwiegenderen Krankheitsbildern den Weg ebnen: Sind die Nasennebenhöhlen involviert, spricht man von einer Sinusitis. Ist das Mittelohr betroffen, von einer Otitis media. Breiten sich die Erreger in die unteren Atemwege aus, können Folgeerkrankungen wie Bronchitis und Lungenentzündung auftreten. Häufig gehen diese mit einer Koinfektion mit anderen Erregern einher. Neben viralen Erregern können auch bakterielle Erreger beteiligt sein (bakterielle Superinfektion).

Eine bakterielle Superinfektion kann entstehen, weil im Rahmen des grippalen Infekts Viren das Immunsystem schwächen, die Schleimhaut der Atemwege schädigen und die Funktion der mukoziliären Clearance beeinträchtigen.

Für eine bakterielle Superinfektion ist kein Kontakt mit Bakterien aus der Umwelt nötig. Die Infektion kann auch durch Bakterien erfolgen, die bereits im Körper sind und bisher von den Abwehrkräften in Schach gehalten wurden.

Antibiotika haben bei Erkältungen meist keinen therapeutischen Nutzen.

Sinusitis

Die Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales) sind lufthaltige Räume im Schädel. Es werden vier paarig angelegte Nasennebenhöhlen unterschieden: die Kieferhöhle (Sinus maxillaris), die Stirnhöhle (Sinus frontalis), die Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales) und die Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis). Die Nebenhöhlen sind zum Naseninneren hin offen. Bei einer Erkältung wird dieser Übergang durch das Anschwellen der Nasenschleimhaut eingeengt. In den schlecht durchlüfteten Nebenhöhlen sammelt sich Sekret. Es entsteht ein feucht-warmes Klima. Dies begünstigt die Ausbreitung von Erregern, die eine Entzündung der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) hervorrufen können. Typische Anzeichen hierfür sind Druck- und Bückschmerz über der betroffenen Nasennebenhöhle sowie Kopfschmerzen.

Bronchitis

Hier breitet sich die Infektion in die unteren Atemwege aus, zu denen Luftröhre, Bronchien und Lungenbläschen zählen. Hauptsymptom ist ein starker Husten, bei dem auch Schmerzen hinter dem Brustbein auftreten können. Besonders bei älteren und abwehrgeschwächten Menschen besteht die Gefahr, dass eine akute Bronchitis in eine chronische Bronchitis oder eine Lungenentzündung übergeht. Bessert sich der Husten nicht innerhalb von drei bis vier Wochen, sollte ein Arztbesuch angeraten werden. Dauert der Husten länger als acht Wochen an, ist eine ärztliche Diagnose zwingend nötig.

Otitis media

Eine Entzündung der Schleimhaut im Mittelohr (Mittelohrentzündung, Otitis media) betrifft besonders häufig Säuglinge und Kleinkinder. Denn im Vergleich zu Erwachsenen ist bei ihnen der Gang, der zur besseren Belüftung den Nasenrachen mit dem Mittelohr verbindet (Tuba auditiva, Ohrtrompete), deutlich kürzer und hat einen größeren Durchmesser. Dadurch wird das Aufsteigen von Bakterien und Viren ins Mittelohr begünstigt.

Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Hohlraum, der durch das Trommelfell vom äußeren Gehörgang abgetrennt wird. Entzündet sich die Schleimhaut des Mittelohrs, kommt es hinter dem Trommelfell zu einem Sekretstau. Typische Symptome sind stechende Ohrenschmerzen, Krankheitsgefühl und häufig Fieber. Bei erkälteten Säuglingen sollten PTA abklären, ob sich diese oft ans Ohr fassen. Ist dies der Fall, besteht der Verdacht auf Mittelohrentzündung, und der Arzt ist gefragt.

Pneumonie

Eine Lungenentzündung ist besonders für ältere Menschen gefährlich. Ungefähr drei bis fünf Prozent der Betroffenen sterben. Zwei Drittel davon sind über 80 Jahre alt. Lungenentzündungen werden meist durch Bakterien verursacht (bakterielle Superinfektion). Infolge von grippalen Infekten entwickeln sie sich in der Regel aus einer chronischen Bronchitis, da diese das Abwehrsystem der Lunge schwächt.

Die Entzündung betrifft die Lungenbläschen (alveoläre Pneumonie) und/oder das Lungengewebe (interstitielle Pneumonie). Sie geht typischerweise mit einer Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe ein- her. Warnsymptome sind hohes Fieber und Husten mit grünem, gelbem oder braunem Sekret. Zudem sind eine oberflächliche, schnelle Atmung, Brustschmerzen und Atemgeräusche (Rasseln, Pfeiffen) charakteristisch. Erschwert wird die Diagnose dadurch, dass eine Lungenentzündung auch mild und ohne typische Anzeichen verlaufen kann.

TIPP!

Verweisen Sie Kunden, bei denen sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht innerhalb von drei bis maximal vier Tagen bessern, an den Arzt. Das ist auch der Fall, wenn ein oder mehrere Symptome länger als zehn Tage bestehen.

Selbstmedikation

Die Therapie einer Erkältung ist immer symptomatisch. Dafür stehen ganz unterschiedliche Arzneimittel zur Verfügung. Um das für den Kunden am besten geeignete Medikament auszuwählen, sollte die PTA das Beschwerdebild abklären und die Eigendiagnose gegebenenfalls hinterfragen.

Antibiotika haben bei Erkältungen meist keinen therapeutischen Nutzen, da die Beschwerden durch Viren verursacht werden. Ihr unkritischer Einsatz führt zu unnötigen Nebenwirkungen, begünstigt Antibiotikaresistenzen und verursacht überflüssige Kosten.

Halsschmerzen

Hier werden lokal wirksame Medikamente verwendet, etwa in Form von Lutschtabletten und Halssprays. Als Wirkstoffe werden eingesetzt: Lokalanästhetika, Desinfizienzien, aber auch Analgetika, Antibiotika und Schleimdrogen.

Lokalanästhetika wie Lidocain, Benzocain sowie Ambroxol lindern lokal Schmerzen, indem sie die Reizleitung an Nerven unterbinden: Die Wirkung kommt über eine Blockade von Natriumkanälen zustande. Gegen die den Halsschmerzen zugrundeliegende Entzündung wirken Lokalanästhetika naturgemäß nicht.

Hier kommen nicht steroidale Antiphlogistika infrage wie Flurbiprofen (topisch) oder bei stärkeren Beschwerden etwa Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (systemisch).

Wirkstoffe wie Cetylpyridiniumchlorid, Cetrimoniumbromid, Chlorhexidin oder Benzalkoniumchlorid, Dequaliumchlorid und Hexetidin wirken antiseptisch und sollen die Keimbesiedlung im Rachen verringern.

Nachdem Mitte dieses Jahres Arzneimittel mit dem Wirkstoff Fusafungin vom Markt genommen wurden, ist mit Tyrothricin nur noch ein Antibiotikum in der Selbstmedikation (von Halsschmerzen) auf dem Markt.

Natürliche Therapieoptionen sind zum Beispiel Schleimdrogen wie Isländisch Moos (Cetraria islandica). Der durch den Kontakt mit Flüssigkeit beim Lutschen entstehende Schleim legt sich wie ein Schutzfilm auf die Mund- und Rachenschleimhaut; gereizte Strukturen werden beruhigt. Die Wirkung kann durch eine Kombination mit Gelbildnern wie Xanthan-Gummi und Carbomer und/oder stark wasserbindenden Substanzen wie Hyaluronsäure oder Salze verbessert werden.

Husten

Bei der Therapie des Hustens werden Expektoranzien (Husten- oder Schleimlöser) und Antitussiva (Hustenblocker) unterschieden. Expektoranzien erleichtern das Abhusten von Schleim. Antitussiva verringern Intensität und Häufigkeit von Hustenstößen. Die PTA sollte im Beratungsgespräch darauf hinweisen, dass Expektoranzien bei Reizhusten wirkungslos sind. Zudem ist es aufgrund eines nicht auszuschließenden Sekretstaus nicht sinnvoll, Expektoranzien und Antitussiva zeitgleich einzunehmen. Bei verschleimtem Husten mit starkem Hustenreiz kann es hilfreich sein, tagsüber ein Expektorans und nachts ein Antitussivum zu verabreichen.

Bei den häufig eingesetzten Pflanzenextrakten ist eine eindeutige Einteilung in Expektoranzien und Antitussiva meist nicht möglich. Denn die Mehrstoffgemische haben oft sowohl hustenreizlindernde als auch schleimlösende Eigenschaften.

Expektoranzien-- Ambroxol, Bromhexin und N-Acetylcystein sind klassische Wirkstoffe bei verschleimtem Husten. Ambroxol erhöht die Schlagfrequenz der Flimmerhärchen (Sekretomotorik) und regt die bronchiale Sekretion von dünnflüssigem Schleim an (Sekretolyse). Zudem lässt Ambroxol den Schleim weniger fest an den Bronchialwänden haften. Der „Anti-Klebe-Effekt“ kommt über eine Förderung der Bildung von Surfactant zustande. Bromhexin besitzt genau wie Ambroxol sekretolytische und sekretomotorische Eigenschaften. Die ähnliche Wirkung ist damit zu erklären, dass Ambroxol ein Metabolit von Bromhexin ist. N-Acetylcystein verflüssigt den Schleim, indem es dessen Disulfidbrücken löst.

Phytopharmaka-- Studien konnten für mehrere Heilpflanzenextrakte eine gute Wirksamkeit bei Husten belegen. Efeublätter- extrakt (Hederae folium) regt die Produktion von dünnflüssigem Schleim an, erweitert die Bronchien, lindert den Hustenreiz und wirkt antientzündlich. Auch Thymianblätterextrakt (Thymi herba) fördert die Schleimproduktion und entspannt die Bronchialmuskulatur. Darüber hinaus erhöht der Heilpflanzenextrakt die Schlagfrequenz der Flimmerhärchen und hat antiseptische Effekte. Bei starker Verschleimung hilft Primelwurzelextrakt (Primulae radix). Es wird vermutet, dass die Wirkung auf einer Reizung der Magenschleimhaut beruht, was reflektorisch die Sekretion der Bronchialdrüsen fördert. Eibischwurzelextrakt (Althaea radix) stillt den Hustenreiz, indem er die Mund- und Halsschleimhaut mit einem schützenden Schleim überzieht und die dort befindlichen Hustenrezeptoren beruhigt. Der Extrakt aus Pelargoniumwurzel (Pelargonii radix) wird bei akuter Bronchitis eingesetzt. Er wirkt schleimlösend, bakteriostatisch und immunmodulierend. Bei gleichzeitiger Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten darf der Extrakt nicht eingenommen werden, da er die Blutungsneigung erhöht.

Für Myrtol (Mischdestillat aus ätherischen Ölen) liegen positive Studienergebnisse vor, die eine Reduktion der Hustensymptomatik zeigen. Es regt die Produktion von dünnflüssigem Schleim an, wirkt sektretomotorisch und antimikrobiell.

Antitussiva-- Häufig eingesetzte Wirkstoffe im OTC-Bereich sind Dextromethorphan, Pentoxyverin und Dropropizin. Dextromethorphan erhöht die Reizschwelle im zentralen Hustenzentrum. Pentoxyverin greift ebenfalls am Hustenzentrum an. Zudem hemmt es die Hustenreizleitung und wirkt leicht bronchienerweiternd. Dropropizin hemmt den Hustenreiz vermutlich überwiegend durch peripheren Angriff an Rezeptoren des Respirationstrakts. Die Substanz besitzt zusätzlich eine leichte bronchodilatierende und spasmolytische Wirkung. Mit Levodropropizin ist auch das S-Enantiomer von Dropropizin zur Behandlung des Reizhustens auf dem Markt.

Die PTA sollte darauf hinweisen, die Anwendung von Antitussiva zeitlich zu beschränken. Nach maximal zwei bis drei Tagen sollte ein Antitussivum abgesetzt oder bei starkem Hustenreiz nur noch eine Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

Kombinationen-- Fertigarzneimittel enthalten oft mehrere Arzneidrogen zugleich. In der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sind ein Thymian-Efeu- und Thymian-Primel-Extrakt als starke Empfehlung aufgeführt.

Wissen im Einsatz

Das Fachwissen, das Sie in unserem Titelthema erwerben, können Sie nun auch bei Ihren englischsprachigen Kunden einsetzen. Lesen Sie dazu den praxisgerechten Beitrag unserer Serie English for PTA.

Schnupfen

Ähnlich wie beim Husten sind auch beim Schnupfen chemisch-synthetische und natürliche Wirkstoffe auf dem Markt. Chemisch-synthetische Wirkstoffe lassen die Nasenschleimhaut abschwellen, was eine schnelle Besserung der Symptomatik ermöglicht. Natürliche Wirkstoffe lösen das Sekret. Sie eignen sich auch zur Langzeitanwendung und Sinusitisprophylaxe.

Alpha-Sympathomimetika-- Nasalia mit Xylometazolin oder Oxymetazolin verengen die Blutgefäße in der entzündeten Nasenschleimhaut. Der Effekt kommt über eine Stimulation von alpha-Rezeptoren zustande. Dadurch schwillt die Schleimhaut ab, und das Atmen wird erleichtert. Aufgrund möglicher Gewöhnungserscheinungen dürfen alpha-Sympathomimetika nicht länger als fünf bis sieben Tage lang eingesetzt werden. Für Kinder und Säuglinge sind in der Dosierung an das Alter angepasste Präparate auf dem Markt.

Phytopharmaka-- Sie helfen bei zähem Schleim, der die Nase verstopft. Gut belegt sind die Wirkungen von Myrtol, Cineol (wirksamkeitsbestimmender Be-standteil in Eukalyptusöl) und einer Fünffach-Kombination aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut. Alle drei wirken entzündungshemmend. Bioflavonoide der Fünffach-Kombination erhöhen zudem den Einstrom von Chloridionen und damit auch Wasser (Osmose) ins Atemwegssekret. Dieser sekretolytische Effekt kommt über einen Eingriff am Chloridionenkanal der Atemwegsschleimhaut zustande. Cineol wirkt schleimlösend, antibakteriell und antiviral.

Eine weitere Behandlungsoption ist Bromelain. Das Konzentrat aus proteolytischen Ananas-Enzymen ist ein Gegenspieler des körpereigenen Entzündungsbotenstoffes Bradykinin. Es erhöht die Wasserdurchlässigkeit von Kapillaren und wirkt dadurch abschwellend.

Salzhaltige Nasentropfen und -duschen-- Salzlösungen verdünnen das Sekret und befeuchten die Nasenschleimhaut. Sie können in Form von Tropfen und Nasenduschen eingesetzt werden. Mit Hilfe von Nasenduschen wird eine hypertone oder isotone Salzlösung durch die Nase gespült. Dabei fließt die Spüllösung zum einen Nasenloch hinein, umspült die Nasenscheidewand und läuft dann zum anderen Nasenloch wieder heraus. Zur einfacheren Handhabung sind auch Nasenduschen im Sprayflaschenformat auf dem Markt.

Salzlösungen werden auch mit ätherischen Ölen kombiniert. Diese wirken kühlend und erfrischend auf die Nasenschleimhaut und vermitteln das Gefühl erleichterter Nasenatmung. Bei Kindern unter zwei Jahren sind Campher, Eukalyptus-, Thymian- und Pfefferminzöl kontraindiziert, da hier das Risiko für eine Verkrampfung des Kehlkopfs (Glottis-Krampf) besteht.

Schmerzen und Fieber

Hier können Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol helfen. Alle drei Wirkstoffe verfügen über schmerzstillende und fiebersenkende Effekte in unterschiedlichem Ausmaß. Acetylsalicylsäure und Ibuprofen wirken zudem entzündungshemmend. Ihr Angriffspunkt ist das Enzym Cyclooxygenase, das für die Synthese von entzündungsfördernden Prostaglandinen benötigt wird. Die sehr gute antipyretische Wirkung von Paracetamol wird auf einen Eingriff ins körpereigene Temperaturregulationszentrum im Gehirn zurückgeführt. Acetylsalicylsäure ist bei Kindern unter zwölf Jahren kontraindiziert.

Kombinationspräparate-- In Erkältungspräparaten werden Wirkstoffe gegen Fieber und Schmerzen auch mit solchen gegen Husten und/oder Schnupfen kombiniert. In solchen Fällen werden systemische alpha-Sympathomimetika eingesetzt wie Phenylephrin, Pseudoephedrin oder Phenylpropanolamin. Zu den wichtigsten Kontraindikationen von systemischen alpha-Sympathomimetika zählen Engwinkelglaukom, Bluthochdruck, Prostathyperplasie und Hyperthyreose. Kombinationspräparate können sinnvoll sein, wenn der Kunde unter allen zu therapierenden Symptomen zugleich leidet.

Alternative Therapien

Mit homöopathischen, anthroposophischen und biochemischen Arzneimitteln wird ein ganzheitlicher Behandlungsansatz verfolgt. Die körpereigenen Abwehrkräfte sollen gestärkt werden, sodass die Symptomatik abgemildert werden kann. Es sollte möglichst frühzeitig mit der Therapie begonnen werden, damit der Infekt nicht voll ausbricht oder im besten Falle sogar im Keim erstickt werden kann. Homöopathisch eingesetzte Wirkstoffe sind Wasserdost, Eisenhut, Zaunrübe, Färberhülse, Lebensbaum und Sonnenhut. Zudem haben sich mineralische Wirkstoffe wie Meteoreisen, Phosphor, Berg- kristall und Eisenphosphat sowie die Schüßler-Salze Nr. 5 Kalium phosphoricum D6 und Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12 bewährt. Ihre Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Aufgrund der positiven Therapieerfahrungen vieler Kunden nimmt das Interesse an alternativen Therapien aber beständig zu.

Erkältungsbad und Ohrkerzen-- Ein Erkältungsbad regt die Durchblutung an und entspannt die Muskulatur. Hier kann die PTA einen Badezusatz mit ätherischen Ölen empfehlen, die beim Baden eingeatmet sowie über die Haut aufgenommen werden. Häufig eingesetzt werden die schleimlösenden Öle des Thymians und der Latschenkiefer. Ein anderer Tipp sind Ohrkerzen. Hier handelt es sich um ein in Bienenwachs getränktes Tuch, das zu einem hohlen Röhrchen geformt wurde. Ein Zusatz von ätherischen Ölen wie Kamillen- und Salbeiöl ist möglich. Die Ohrkerze wird auf den äußeren Gehörgang aufgesetzt und dabei abgebrannt. Die beim Abbrennen entstehende, lokale Wärme soll das Immunsystem anregen.

Faktum

  1. Häufig werden grippale Infekte mit der Virusgrippe (Influenza) verwechselt. Diese führt jedoch zu einem deutlich schwereren Krankheitsbild als eine Erkältung.
  2. Typisch sind ein plötzlicher Krankheitsbeginn, hohes Fieber, Schüttelfrost und starke Kopf- und Gliederschmerzen.
  3. Menschen ab 60 Jahre, Schwangeren und Risikopatienten mit Grunderkrankungen wird eine Grippeimpfung empfohlen.

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