29.02.2020

Beratungsfall Ernährung: Akne

von Beate Ebbers

Eine ausgewogene Ernährung beeinflusst Gesundheit und Hautbild positiv. Zwar gibt es keine Aknediät. Dennoch lohnt es sich für Betroffene, die eigenen Essgewohnheiten zu hinterfragen. Dieser Beratungsfall zeigt, warum.

© Irina Boriskina / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Akne ist eine meist durch hormonelle Umstellungen in der Pubertät bedingte Hauterkrankung, gekennzeichnet durch Mitesser, Pusteln und Pickel.
  • Eine spezielle Diät, die Akne verhindern oder lindern kann, gibt es nicht.
  • Studien deuten darauf hin, dass Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index, Milch und Fleisch Akne verstärken können.
  • Dagegen können sich vermutlich Lebensmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, positiv auf das Hautbild auswirken.
  • Vorübergehende Auslassdiäten helfen, möglichen Auslösern auf die Spur zu kommen.

Ein Jugendlicher kommt mit seiner Mutter in die Apotheke. PTA Frau Walcher fragt freundlich nach dem Anliegen. Ihr Sohn leide sehr unter seiner Akne, berichtet die Frau. Besonders die Pickel im Gesicht würden ihn stören, obgleich auch Hals und Rücken betroffen seien. „Sind Sie schon bei einem Hautarzt gewesen?“, fragt Frau Walcher. „Ja“, antwortet der Junge. „Er sagt, dass meine Akne nur leicht ausgeprägt ist und ich sie mit einer guten Hautpflege und der richtigen Ernährung in Schach halten kann. Mit der Zeit würde sich meine Haut auch wieder bessern. Aber keiner meiner Freunde hat so viele Pickel wie ich.“

Beratungsgespräch

Die PTA nickt, wissend, dass hormonelle Umstellungen während der Pubertät zu einer Talgdrüsenüberfunktion und Verhornungsstörung führen können. Denn unter dem Einfluss männlicher Sexualhormone (Androgene) und Wachstumsfaktoren vergrößern sich die Talgdrüsen und produzieren mehr Talg. Gleichzeitig wird verstärkt Hornmaterial gebildet, welches die Ausführungsgänge verstopft, sodass der Talg nicht mehr abfließen kann. Es entstehen Talg-Horn-Gemische, die Mitesser (Komedone). Diese begünstigen die Besiedlung und Vermehrung von Propionibacterium (Cuti- bacterium) acnes. Seine Stoffwechselprodukte fördern die Entstehung von Entzündungen, die als Pusteln, Papeln und Knötchen – den typischen sichtbaren Zeichen der Akne – sichtbar werden.

Serie Beratungsfall Ernährung

01/2020: Wechseljahre
03/2020: Akne
05/2020: Colitis ulcerosa
07/2020: COPD
09/2020: Hämorrhoiden
11/2020: Neurodermitis

Nachfragen

Um passende Ratschläge geben zu können, stellt die PTA weitere Fragen. „Was hast Du schon unternommen? Gibt es bestimmte Lebensmittel, die das Hautbild verschlechtern? Konntest Du weitere Auslöser feststellen?“, wendet sie sich an den Jungen und erfährt, dass sich die Akne bei Schulstress und Ärger mit Eltern oder Lehrern verschlimmert. Lebensmittel als Auslöser kann der Jugendliche nicht nennen, hat aber auch noch nicht darauf geachtet. Er versucht, möglichst wenig Süßigkeiten zu essen, weil seine Mutter ihm dazu geraten hat. „Isst Du denn normalerweise viel Süßes, oder trinkst viel Cola oder Limonaden?“, fragt die PTA.

„Meistens am Wochenende mit meinen Freunden. Dann kaufen wir uns etwas im Supermarkt oder im Fast-Food-Restaurant“, antwortet der Junge. Die PTA erfährt weiter, dass er sich in der Schule am Kiosk öfter ein Schokocroissant oder Donut kauft. Mittags in der Mensa wählt er meistens ein Nudelgericht und trinkt Limo. Zu Hause isst er zum Frühstück Cornflakes oder Brötchen mit Marmelade oder Honig. Abends gibt es meist etwas Schnelles, Ei- und Nudelgerichte, Suppen oder belegte Brote.

Zucker einsparen

Frau Walcher erklärt, dass es keine allgemeingültige Diät gibt, die Akne verhindern oder lindern kann. Jeder muss selbst herausfinden, ob Lebensmittel den Hautzustand verschlimmern und wenn ja, welche. „Einige Studien geben Hinweise darauf, dass sich Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel langsam ansteigen lassen, positiv auf das Hautbild und den Krankheitsverlauf bei Akne auswirken. Fachleute sprechen hier von Lebensmitteln mit geringem glykämischen Index.

Zu diesen zählen zum Beispiel Produkte aus Hafer oder Vollkornbrote mit ganzen Körnern“, erläutert die PTA. „Als Mechanismus dahinter vermuten die Wissenschaftler Folgendes: Das Hormon Insulin transportiert nicht nur den über die Nahrung aufgenommenen Zucker aus dem Blut in die Zellen, sondern stimuliert über Wachstumsfaktoren die Bildung von Androgenen. Steigt nun der Blutzuckerspiegel langsam an, wird weniger Insulin ausgeschüttet, sodass weniger Androgene gebildet werden. In Folge verkleinern sich die Talgdrüsen, und entzündliche und nicht entzündliche Hautläsionen gehen zurück“.

Frau Walcher fährt fort: „Dagegen scheinen sich Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen lassen, ungünstig auf die Talgproduktion auszuwirken. Der Rat Deiner Mutter, weniger Süßes zu essen, ist daher schon ein Schritt in die richtige Richtung“, bekräftigt die PTA. „Sinnvoll kann es zudem sein, mit einer Ausschlussdiät möglichen weiteren Verstärkern deiner Akne auf die Spur zu kommen“, fügt sie hinzu und empfiehlt, für drei bis vier Wochen nicht nur auf Süßigkeiten, sondern auf alle Lebensmittel mit hohem glykämischem Index zu verzichten. Hierzu zählen auch Weißmehlprodukte, Soft Drinks, Pommes frites und Pizza.

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Stattdessen rät Frau Walcher zu Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und anderen Lebensmitteln mit niedrigem glykämischem Index. „Auch bei Obst kannst du zugreifen. Frisches Obst enthält zwar Frucht- und Traubenzucker, ist jedoch gleichzeitig reich an Vitaminen, Mineral- und sekundären Pflanzenstoffen. Besonders Äpfel und Beeren sind zudem reich an Ballaststoffen, die den Blutzuckeranstieg bremsen. Fang gleich zum Frühstück an: Statt Cornflakes oder Frühstückscerealien empfehle ich Dir ungesüßte Haferflocken mit kleingeschnittenem Obst. Statt Weißbrot oder Brötchen mit Honig oder Marmelade bieten sich Vollkornbrot oder Knäckebrot mit Aufschnitt oder vegetarischen Aufstrichen an. Für die Pause sind belegte Vollkornbrote mit Gurke oder Salat besser als die süßen Alternativen aus dem Schulkiosk.“ Mittags in der Mensa und abends zu Hause sollte der Aknepatient Gemüsegerichte, Salate sowie Suppen mit Linsen, Erbsen oder Bohnensuppen bevorzugen. „Auch in den meisten Fast-Food-Restaurants gibt es heute Alternativen zu Pommes und Burgern, wie Gemüsewraps oder vegetarische Döner. Und, wenn Du hin und wieder mal Pommes oder Pizza isst, ist das auch kein Beinbruch“, tröstet die PTA den Jungen.

Bei den Getränken sollte der Jugendliche zu Wasser, stark verdünnten Schorlen oder ungesüßten Tees greifen. „Wenn sich Dein Hautbild durch die Ernährungsumstellung bessert, behalte die zuckerärmere Ernährung bei“, rät die PTA. „Da Du so insgesamt weniger Zucker und Kalorien aufnimmst, aber mehr Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe, schützt Dich eine solche Ernährung gleichzeitig vor Übergewicht. Denn das Risiko dafür ist bei Menschen, die zu Akne neigen, erhöht“, erklärt die PTA.

Vorsicht Milch

Ein hoher Milchkonsum steht immer wieder in Verdacht, Akne zu fördern. Doch auch hier sind die Studienergebnisse nicht eindeutig. Dennoch lohnt sich auch hier ein Auslassversuch. „Verzichte über drei bis vier Wochen auf Kuhmilch und -produkte, Pudding und Milchreis und wähle stattdessen Produkte auf Basis von Soja, Hafer oder Mandeln“, rät die PTA. Dabei sollte der Junge Varianten mit einem Zusatz des für die Knochen wichtigen Mineralstoffs Calcium wählen. Tritt keine Besserung ein, kann die Diät gelockert werden.

Weniger Fleisch

Ein Übermaß an Arachidonsäure aus Fleisch und anderen Lebensmitteln tierischer Herkunft führt zu einer erhöhten Bildung von Entzündungsstoffen, die Akne begünstigen können. Deshalb empfiehlt die PTA, maximal zweimal pro Woche Fleisch und höchstens zwei Eier zu essen. „Dafür solltest Du öfter Fettfische (Lachs, Makrele) und omega-3-reiche Pflanzenöle wie Lein- und Rapsöl essen. Denn die in den Fischölen enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können aufgrund ihrer Strukturähnlichkeit mit Arachidonsäure diese aus den Zellen verdrängen und so die Bildung von Entzündungsstoffen hemmen“.

Ergänzende Tipps

„Vielen Dank für die vielen Tipps, das hat mir der Arzt so gar nicht gesagt“, bedankt sich der Junge. „Viel Erfolg damit“, erwidert die PTA „und komm gerne nochmal vorbei, wenn Du weitere Fragen hast. Ein paar weitere Tipps habe ich noch für Dich, die nicht die Ernährung betreffen.

Stress meiden

„Du hast erwähnt, dass sich Deine Akne bei Schulstress und Ärger verschlimmert. Ich rate Dir, Konflikte nicht zu verschleppen, sondern möglichst frühzeitig durch Gespräche zu lösen. Wenn Stress und Anspannung immer wieder belasten, ist es sinnvoll, Techniken zur Stressbewältigung und Achtsamkeit zu lernen.“ Hier empfiehlt die PTA spezielle Kurse für Kinder und Jugendliche.

Haut von außen pflegen

Zum Abschluss rät die PTA dringend davon ab, Mitesser oder Eiterpickel selbst auszudrücken, da dies Entzündungen begünstigt. Besser ist, für eine Aknebehandlung eine Kosmetikerin aufzusuchen.

Neben einer angepassten Reinigung und Pflege mit speziell für Akne entwickelten Produkten empfiehlt sie wöchentlich für jeweils zehn bis 15 Minuten ein Gesichtsdampfbad mit Kamillenblüten. Es weitet die Poren, sodass Talg und Schmutz besser abfließen können. Die ätherischen Öle der Kamille wirken darüberhinaus entzündungshemmend.

Beate Ebbers ist Diplom Oecotrophologin. Im „Beratungsfall Ernährung“ gibt sie Tipps, mit denen Sie Ihre Beratung ergänzen können.


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