31.10.2019

Beratungsfall Ernährung: Magen-Darm-Infekt

von Text: Beate Ebbers

Schonende Kost-- Hat es einen so richtig erwischt, sind bestimmte Lebensmittel besonders geeignet, die Genesung zu unterstützen. Mit Tipps zur Auswahl helfen Sie Ihren Kunden, schnell wieder fit zu werden.

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  • Ein Magen-Darm-Infekt während einer Fernreise geht häufig auf eine Infektion mit Fäkalkeimen zurück.
  • Eine Blockade des Durchfalls mit Medikamenten sollte nur kurz und im Notfall erfolgen.
  • Wichtig sind der Ausgleich von Flüssigkeit und Elektrolyten mit einer Glukose-Elektrolyt-Lösung sowie leichte Kost zur Darmentlastung.
  • Vorbeugend gilt, nur abgepackte Getränke, gegarte Speisen und selbst gepellte Lebensmittel zu sich zu nehmen und die Hände häufig mit Seife und warmem Wasser zu waschen.

Ein junger Mann kommt in die Apotheke. Nachdem sich PTA Frau Walcher freundlich nach seinem Anliegen erkundigt hat, berichtet er, dass er häufig beruflich ins Ausland reisen muss. Er sei Servicetechniker und betreue Kunden im Nahen und Mittleren Osten, zuletzt in Indien. Seit einiger Zeit wird er vor Ort oder im Anschluss wiederholt von Bauchschmerzen und Durchfällen geplagt. Er fragt nach einem schnell wirkenden Medikament.

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Beratungsgespräch

Frau Walcher weiß, dass die Ursachen von Durchfällen vielfältig sind: Bei Fernreisen sind häufig ungewohnt gewürzte oder mit Fäkalkeimen verunreinigte Lebensmittel, aber auch Infektionen mit anderen Bakterien, Viren oder Parasiten Auslöser von Magen-Darm-Infekten. Deshalb grenzt die PTA die Beschwerden mit weiteren Fragen ein. „Leiden Sie zusätzlich unter Fieber oder kolikartigen Schmerzen? Konnten Sie Blut im Stuhl beobachten? Treten die Beschwerden nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln, zum Beispiel Milch, scharfen Speisen oder sorbitolhaltigen Süßigkeiten auf?“. „Nein“, beantwortet er alle Fragen. „Ich habe nur starke Bauchschmerzen und muss dann sofort auf Toilette. Das geht dann ein paar Tage so“, antwortet der Mann, „bei jedem Bissen schmerzt mein Magen, und ich fühle mich ganz schlapp. Besonders schlimm war es, als ich neulich mit den Kollegen an einem Straßenstand gegessen habe“, ergänzt er noch nach einer kurzen Pause.

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Viel trinken

Das ist das Stichwort, ihr Wissen an den Kunden zu bringen. „Reichlich trinken ist genau das Richtige, was Sie tun“, bestärkt sie den Kunden. „Damit ersetzen Sie die verlorene Flüssigkeit.“ „Auf Leitungswasser und offene Getränke sollten Sie dabei wegen der Keimbelastung jedoch verzichten. Nutzen Sie abgepackte, industriell hergestellte Getränke. Ich empfehle Ihnen zusätzlich eine orale Glukose-Elektrolyt-Mischung, die Sie in ebenfalls abgepacktem Wasser auflösen können. Damit ersetzen Sie nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wichtige Salze und lindern so Müdigkeit und Schlappheit.“ Ist in der Reiseapotheke kein Mittel zur Rehydratation mehr vorrätig, kann auf gesüßten Tee in Kombination mit Salzgebäck oder einer mit Zucker und Salz angereicherten Fruchtsaftverdünnung („Simple Sugar Salt Solution“: 1 L abgekochtes Wasser oder Mineralwasser + 4 TL Zucker + ¾ TL Salz + 1 Glas Orangensaft) ausgewichen werden. Reine Fruchtsäfte oder Colagetränke eignen sich nicht zur Rehydratation. Ihr hoher Zuckergehalt verstärkt die Diarrhö.

Nachfragen

Aus den Antworten des Kunden schlussfolgert Frau Walcher, dass es sich vermutlich um eine Reisediarrhö handelt, ausgelöst durch mit Keimen belastete Lebensmittel. Sie erklärt: „Durchfall ist zwar lästig, aber ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers, der schädliche Krankheitserreger, die Sie möglicherweise über Lebensmittel aufgenommen haben, aus dem Körper spült. Unterdrücken Sie diesen nur im Notfall, wenn eine Toilette nicht jederzeit erreichbar ist. Besser ist es, Sie sorgen dafür, dass es erst gar nicht zu einem Magen-Darm-Infekt kommt.

Ich habe da noch ein paar Tipps für Sie. Doch vorher wüsste ich noch gern, wie Sie sich vor Ort ernähren, essen Sie häufiger an Straßenständen oder normalerweise im Hotel? Was sind Ihre bevorzugten Getränke? Und was haben Sie selbst schon gegen die wiederholten Infekte unternommen?“.

Die PTA erfährt, dass der Kunde seine Mahlzeiten überwiegend im Hotel einnimmt und nur manchmal mit Kollegen und Kunden vor Ort in Restaurants oder an Straßenständen essen geht. Abends trinkt er gern mal einen Whisky on the Rocks. Wenn der Durchfall da ist, versucht er reichlich Wasser zu trinken, Appetit hat er dann nicht. Sonst habe er nichts weiter unternommen.

Den Magen schonen

Um den Magen-Darm-Trakt zu entlasten, rät die PTA dem Kunden, einige Speisen zu meiden. Hierzu zählen Milch und Milchprodukte, Scharfes, Süßes und Säuerliches, blähende Gemüse wie Zwiebeln oder Kohl, Frittiertes, aber auch den Magen reizende Getränke wie Kaffee oder Alkohol. Denn oberstes Ziel bei jedem Magen-Darm-Infekt sei es, Durchfall und Erbrechen zu stoppen. „Wenn Sie zu Beginn zwei bis drei Tage gar nichts essen, ist das kein Problem – solange Sie ausreichend trinken“, erklärt Frau Walcher. „Wenn Sie dann Nahrung bei sich behalten, können Sie wieder mit Weißbrot, Zwieback, weich gekochtem und leicht gesalzenem Reis oder Salzgebäck beginnen. Auch Haferschleim, gekochte Möhren, zerdrückte Bananen oder mit Schale geriebener Apfel tun vielen Betroffenen gut. Probieren Sie am besten selbst aus, welche Lebensmittel und Speisen Sie zunächst gut vertragen, bis Sie wieder normal essen können.“

Vorbeugen

Da der Kunde häufiger unter den Durchfällen leidet, gibt Frau Walcher ihm Tipps zur Vermeidung mit auf den Weg. Sie empfiehlt, nur Lebensmittel zu essen, die gekocht, gebraten oder von ihm selbst geschält wurden. „Meiden Sie rohes Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Salate, rohes Gemüse, Obst, Pudding, Cremespeisen und Speiseeis.“ Dabei sollte der Kunde nicht nur bei Speisen von der Straße Vorsicht walten lassen, sondern auch bei Mahlzeiten in Hotels und Restaurants. Gerade in Speisen auf dem Büfett, die länger warmgehalten werden, können sich Keime rasch vermehren.

Bei den Getränken empfiehlt sie, nur diejenigen zu wählen, die frisch aus geschlossenen Flaschen oder Packungen kommen. „Putzen Sie auch Ihre Zähne nur mit abgepacktem Wasser, und verzichten Sie auf Eiswürfel in Getränken“. Sie rät dem Kunden, sich häufig die Hände mit warmem Wasser und Seife zu waschen, besonders vor dem Essen und nach dem Toilettenbesuch. „Verwenden Sie zum Abtrocknen keine benutzten Handtücher! Besser sind Einmalhandtücher“, sagt die PTA.

Ergänzende Tipps

„Vielen Dank für die Tipps“, sagt der Kunde und verspricht, sie bei der nächsten Reise zu berücksichtigen. „Gerne“, entgegnet Frau Walcher und gibt ihm abschließend noch weitere Ratschläge mit auf den Weg.

Wärme-- Um die Krämpfe im Akutfall zu lindern und die Bauchmuskeln zu entspannen, empfiehlt die PTA dem Kunden, eine Wärmflasche, ein warmes Kirschkernkissen oder warm-feuchte Tücher oder Waschlappen auf den Bauch zu legen.

Probiotika-- „Nach einem überstandenen Infekt müssen sich bestimmte Darmbakterien erst wieder ansiedeln“, erklärt Frau Walcher. „Unterstützend können Sie dann gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt oder Buttermilch verzehren.“

Arztbesuch-- „Wichtig ist, dass Sie sofort einen Arzt aufsuchen, wenn Ihre Beschwerden länger als drei bis vier Tage anhalten, mit starken Schmerzen oder Gewichtsverlust einhergehen oder der Stuhl blutig ist“.

Beate Ebbers ist Diplom Oecotrophologin. Im „Beratungsfall Ernährung“ gibt sie Tipps, mit denen Sie Ihre Beratung ergänzen können.


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