29.09.2019

Bindehautentzündung: Rotes Auge, was nun?

von Stefanie Fastnacht

Dahinter können verschiedene Auslöser stecken. Im Folgenden haben wir Wissenswertes für die Beratung von Kunden zusammengefasst, die Ihnen mit rotgeäderten Augen in der Offizin entgegenblinzeln.

© Getty Images/iStockphoto (Symbolbild mit Fotomodell)

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Rote Augen sind tatsächlich sehr oft die Folge einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Doch auch Verletzungen, etwa durch Fremdkörper, lassen das Auge „rot“ sehen. Ebenso Lidfehlstellungen wie das Entropium, bei der sich in Folge einer altersbedingten Gewebeschwäche die Lider nach innen einrollen und die Wimpern auf der Augenoberfläche kratzen. Beim Ektropium rollt sich das Lid dagegen auswärts, bedeckt die Augenoberfläche nicht mehr richtig und begünstigt so das Austrocknen. Ebenfalls möglich sind Einblutungen in die Bindehaut, zum Beispiel in Folge von Blutdruckspitzen oder unter einer Antikoagulation.

Konjunktividen

Bindehautentzündungen haben die unterschiedlichsten Ursachen. Auf einen auslösenden Reiz hin, zum Beispiel durch Allergene, Infektionen, aber auch Schlafmangel, Staub, Hitze oder Rauch, werden die Gefäße der Bindehaut verstärkt durchblutet und sondern ein Sekret ab, das Eiweiß und weiße Blutkörperchen enthält. Dieses verklebt die Augen, vor allem am Morgen nach dem Aufwachen. Bindehaut und Lider können geschwollen sein. Brennen, Jucken, Kratzen und Fremdkörpergefühl in den Augen begleiten oft die Entzündung.

Allergische Konjunktivitis

Diese Variante entsteht durch eine allergische Reaktion auf saisonal auftretende Gräser-, Baum- oder Getreidepollen sowie ganzjährig den Kot von Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmel. Dabei werden durch eine Degranulation von Mastzellen Mediatoren wie Histamin, Prostaglandine und Leukotriene freigesetzt. Sie lösen Rötungen, Juckreiz und Tränenfluss aus.

Tipps aus dem PTA Beirat

Welche naturheilkundlichen Tipps geben Sie bei Bindehautentzündungen?

Bei Konjunktivitis durch äußere Reize empfehle ich zusätzlich zu anthroposophischen Augentropfen mit Augentrost die Einnahme von Euphrasia D12 (akut 5 Globuli/h). Bei allergisch bedingten Beschwerden Tropfen mit Echinacea und Quarz sowie Apis D6 als Globuli.

Welche zusätzlichen Tipps geben Sie bei Konjunktivitis mit Sekretbildung?

Liegt keine bakterielle Ursache vor, kann Luffa operculta D6 (3 x 5 Globuli/d) versucht werden; vor allem, wenn sich morgens Sekret am Auge sammelt und der Tränen-Nasen-Gang schleimig verlegt ist. Hygiene ist wichtig, weshalb ich Augentropfen immer in Einzeldosispipetten empfehle. Sekret wird mit feuchten Einmalkompressen Richtung Augeninnenwinkel entfernt.

Britta Fröhling, Mitglied im PTA Beirat von DAS PTA MAGAZIN, ist PTA und Heilpraktikerin

Infektiöse Konjunktivitis

Bakterien-- Typische Erreger sind Staphyloccocus aureus und S. epidermidis oder Haemophilus influenzae. Neben Rötungen leiden Betroffene anfangs unter serösem, später unter eitrigem Sekret, das die Wimpern verklebt. Bakterielle Konjunktivitiden sind hoch infektiös. Eine Besonderheit ist die Chlamydienkonjunktivitis, bei der nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Sexualpartner über drei Tage systemisch mit Azithromycin behandelt werden müssen.

Viren-- Zu den viralen Auslösern zählen unter anderem Herpes-, Adeno-, Pox- und Picornaviren. Da die Infektion auf die Hornhaut und andere Augenbestandteile übergreifen und das Sehvermögen dauerhaft schädigen kann, muss immer eine ärztliche Therapie eingeleitet werden.

Konjunktivitis sicca

Beim trockenen Auge handelt es sich um eine multifaktorielle Erkrankung der Augenoberfläche. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Tränenfilm. Er überzieht die Augenoberfläche und setzt sich bei Gesunden aus drei Schichten zusammen. Die innere Mucinphase macht das Auge benetzbar. Darauf liegt eine wässrige Phase, gefolgt von einer fetthaltigen äußeren Phase, die vor Verdunstung schützt. Verändert sich eine der Phasen in Zusammensetzung/Menge, wird die Augenoberfläche nicht mehr richtig vom Tränenfilm benetzt, trocknet aus und entzündet sich: Bei der hypovolämen Form produziert das Auge zu wenig wässrige Tränenflüssigkeit. Davon unterschieden wird die evaporative Variante. Aufgrund einer Dysfunktion der Meibomdrüsen mangelt es hier dem Tränenfilm an Fett. Das führt dazu, dass die wässrigen Komponenten zu schnell verdunsten.

Weitere Auslöser des trockenen Auges sind eine verminderte Blinzelfrequenz, zum Beispiel beim starren Blick auf Computer, Handy oder Tablet. In Folge wird der Tränenfilm nicht mehr richtig über die Augenoberfläche verteilt.

Auch die Einnahme von Medikamenten wie Antihistaminika oder Betablocker begünstigt das Auftreten trockener Augen.

Noch was ...

  • Atopische Erkrankungen manifestieren sich am Auge unter anderem mit Lidekzemen und allergischer Konjunktivitis.
  • Bei Menschen mit Rosacea kommt es häufig zu einer Meibomdrüsendysfunktion mit trockenem Auge sowie zu Hagel- und Gerstenkörnern.
  • Psoriasis kann die Augenlider befallen und führt zu Lidrandentzündungen mit nachfolgend trockenem Auge.

Therapie

Da die Ursachen einer Bindehautentzündung sehr vielfältig sind, sollten die Kunden zur Abklärung an einen Arzt verwiesen werden. Bei Allergien kann dieser unter anderem Mastzellstabilisatoren und Antihistaminika verordnen, bei bakteriellen Auslösern haben sich antibiotische Augentropfen und -salben bewährt. Lokal wirksame Glukokortikoide, aber auch Tränenersatzmittel lindern die Beschwerden bei viralen Konjunktividen. Tränenersatzmittel sind zudem Mittel der Wahl beim trockenen Auge und stehen in den verschiedensten Varianten für die Weiterbehandlung in der Selbstmedikation zur Verfügung.

Tränenersatzmittel

Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer Rezepturen, Darreichungsformen (Tropfen, Gel, Salbe, Spray) und in der Handhabbarkeit ihrer Behältnisse. Da Tränenersatzmittel in aller Regel längerfristig oder sogar lebenslang angewendet werden, sollte konservierungsmittelfreien Produkten der Vorzug gegeben werden.

Benetzen-- Bestandteile, die die Augenoberfläche aufgrund ihrer Wasserbindungskapazität und ihrer Viskosität benetzen, sind Zellulosederivate (z. B. Carmellose, Hypromellose), Polyvinyl- alkohol, Povidon, Carbomer (Gelbildner), Trehalose und Hyaluronsäure. Hyaluronsäure gilt als Goldstandard, weil sie viel Wasser bindet und gut auf der Augenoberfläche haftet. Als ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Körpers ist sie zudem gut verträglich. In Tränenersatzmitteln wird das Natriumsalz, Natriumhyaluronat, in unterschiedlichen Konzentrationen eingesetzt.

Fetten-- Präparate mit lipophilen Bestandteilen wie Triglyceride oder Per fluorhexyloctan sollen die Lipidschicht des Tränenfilms ersetzen und so die Verdunstung der Tränenflüssigkeit mindern. Sie sind vor allem beim evaporativen trockenen Auge eine Option.

Stichwort Hygiene

Erinnern Sie Kunden bei der Abgabe von Augentropfen daran, sich vor der Applikation der Präparate immer die Hände zu waschen. Anhaftende Sekretreste werden mit Einmaltüchern entfernt. Um Keimübertragungen zu vermeiden, darf die sterile Tropferspitze nicht die Augenoberfläche berühren. In diesem Zusammenhang versteht es sich von selbst, dass Mehrdosenbehältnisse stets nur von einer Person benutzt werden sollten.


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