30.04.2022

Blasenentzündung: Antientzündlich essen

von Beate Ebbers

Wiederkehrende Probleme mit der Blase sorgen für hohen Leidensdruck. Viele Kundinnen möchten vorbeugen. Hier können Sie mit Tipps zu einer entzündungshemmenden Kost unterstützen, um Rezidive zu minimieren.

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  • Eine antientzündliche, darmgesunde Ernährung kann trotz fehlender Evidenz bei wiederkehrender, unkomplizierter Blasenentzündung präventiv empfohlen werden.
  • Fettreiche, tierische Lebensmittel enthalten entzündungsfördernde Arachidonsäure und sind zu meiden.
  • Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte sind arachidonsäurefrei und fördern ein gesundes Darmmikrobiom.
  • Fettfische, Raps-, Walnuss-, Leinöl und Walnüsse enthalten entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren.
  • Reichlich trinken fördert die Bakterienausscheidung über den Harn.

Eine Frau mittleren Alters kommt in die Apotheke. Nach der Begrüßung fragt PTA Frau Walcher nach ihrem Anliegen. „Ich habe leider immer wieder mit einer entzündeten Blase zu tun, was mich sehr belastet. Mein Arzt sagte mir, dass organisch alles in Ordnung ist und verschrieb mir dann ein Antibiotikum. Nun habe ich gehört, dass auch die richtige Ernährung helfen kann, damit die Blasenentzündung nicht so häufig auftritt. Können Sie mir Tipps geben?“. Frau Walcher nickt mitfühlend. „Blasenentzündungen können sehr quälend und schmerzhaft sein, wie mir viele Kundinnen bestätigen. Neben verschiedenen Präparaten können Sie auch mit einer Ernährungsumstellung versuchen vorzubeugen. Auch wenn hier die Datenlage relativ dünn ist, gibt es doch gute Gründe, dies auszuprobieren. Gerne unterstütze ich Sie dabei.“

Beratungsgespräch

Frau Walcher erklärt, dass die hauptsächliche Ursache von unkomplizierten Blasenentzündungen Colibakterien aus dem Darm sind. Diese steigen leicht über die Harnröhre in die Blase auf, vermehren sich dort und sorgen für eine Entzündung. „Präventiv ist daher auch eine gute Stuhlhygiene wichtig“, sagt die PTA. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, da ihre Harnröhre kürzer ist und die Bakterien schneller aufsteigen können. In den Wechseljahren wird zudem die Schleimhaut im Harntrakt dünner und damit anfälliger für Infektionen.

„Eine antientzündliche und darmgesunde Ernährung kann dabei helfen, die Abstände zwischen zwei akuten Episoden deutlich zu verlängern“, macht die PTA der Kundin Mut. „Das bedeutet, Sie sollten entzündungsfördernde Lebensmittel wie arachidonsäurereiche Fleisch- und Wurstwaren möglichst meiden und im Gegenzug solche auswählen, die die Entzündungen hemmen und gleichzeitig die Abwehrkräfte stärken, also zum Beispiel Obst und Gemüse.“

Serie Beratungsfall Ernährung

01/21: Gallensteine
03/21: Schlechte Esser
05/21: Blasenentzündung
07/21: Herpes
09/21: Depressive Verstimmung
11/21: Parodontitis

Nachfragen

Um konkrete Tipps geben zu können, möchte die PTA wissen, wie häufig Fleisch- und Fischgerichte, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst auf dem Tisch stehen, ob die Kundin täglich Vollkornprodukte isst und welche Fette sie einsetzt. Da Frau Walcher weiß, dass reichlich Flüssigkeit die Keime über den Urin ausschwemmt, fragt sie nach der Trinkmenge. Die Kundin berichtet, dass sie gerne leichte Gerichte mit Reis, Nudeln, Fleisch und Gemüse isst. Für Salate und zum Kochen nimmt sie Sonnenblumenöl. Vollkornprodukte isst sie nicht, auch keine Hülsenfrüchte, da sie schwer im Magen liegen. Apfel, Birne, Tomate oder Gurke nimmt sie für die Pause zur Arbeit mit. Fisch isst sie wenig, dafür lieber Süßes. Sie trinkt gerne Apfelsaftschorle, Wasser und Tee.

Weniger Arachidonsäure

Frau Walcher erklärt, dass Entzündungen durch bestimmte Botenstoffe ausgelöst werden, die aus der Fettsäure Arachidonsäure gebildet werden. „Je weniger Arachidonsäure Sie mit der Nahrung aufnehmen, desto weniger Botenstoffe können gebildet werden“, verdeutlicht die PTA, und rät der Kundin, sich auf zwei kleine Mahlzeiten mit magerem Fleisch (z. B. Filet) pro Woche zu beschränken und bei Milch und Milchprodukten wie Joghurt oder Käse die fettarme Variante zu wählen. „Mit Ausnahme von Fisch sind fettreiche tierische Produkte (z. B. Schweinefleisch, Wurstwaren, Butter, Sahne) reich an Arachidonsäure. Meiden Sie auch Produkte, bei denen auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich ist, dass sie viel Fett tierischer Herkunft enthalten (z. B. Croissants, Torten).“

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Mehr Antientzündliches

Pflanzliche Lebensmittel und Vollkornprodukte sind arachidonsäurefrei und liefern viele Vitamine (z. B. Vitamin E, C, Beta-Carotin) und Mineralstoffe wie Selen und Zink, die für antientzündliche Enzymsysteme und ein gut funktionierendes Immunsystem wichtig sind. Die PTA empfiehlt daher drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst pro Tag, dazu Vollkornbrot und andere Vollkornprodukte sowie ein- bis zweimal pro Woche ein Gericht mit Linsen, Erbsen oder Bohnen. „Testen Sie, ob Sie diese nicht doch vertragen. Beginnen Sie mit kleinen Mengen, die Sie langsam steigern, und probieren Sie unterschiedliche Sorten.“

Frau Walcher erklärt weiter, dass pflanzliche Lebensmittel zudem reich an Ballaststoffen sind, die Futter für die „guten“ Darmbakterien liefern und so Colibakterien in Schach halten.

„Entzündungshemmend sind zudem Omega-3-Fettsäuren, die sich in Fettfischen und bestimmten Pflanzenölen befinden. „Essen Sie zwei Mal pro Woche Lachs, Makrele oder Hering und verwenden Sie Raps-, Walnuss- oder Leinöl anstelle von Sonnenblumenöl“, rät die PTA der Kundin. „Auch Walnüsse sind reich an Omega-3-Fettsäuren. Tauschen Sie Süßigkeiten lieber gegen eine Handvoll Nüsse aus,“ sagt die PTA.

Hören Sie mal rein!

Wichtige Informationen zum Thema vermittelt Ihnen auch unser Podcast PTA FUNK: Brennen im Schritt.

Viel trinken

„Mit Saftschorlen, Wasser und Tee machen Sie, was Ihr Trinkverhalten betrifft, schon alles richtig. Als Alternative für Apfelsaft bieten sich Cranberry- oder Preiselbeersaft an“, rät Frau Walcher. Sie sollen keimtötend wirken und das Anhaften der Colibakterien an die Schleimhaut erschweren. Noch fehlen wissenschaftlichen Belege, dennoch kann ein Ausprobieren mit einer Saftmenge von 300 Milliliter pro Tag nicht schaden. Weiterhin empfiehlt die PTA Blasen- und Nierentees zur Durchspülung der Harnwege und zeigt entsprechende Produkte. „Ganz wichtig! Erhöhen Sie schon bei den ersten Symptomen die tägliche Flüssigkeitsmenge auf zwei bis drei Liter.“

Zucker in Maßen

Da die Kundin erwähnte, dass sie gerne Süßes isst, rät Frau Walcher, sparsam damit umzugehen, da Zucker Entzündungen fördern kann. „Achten Sie auch auf den Zuckergehalt von Milchprodukten wie Fruchtjoghurt, Getränken und anderen Lebensmitteln. Sie glauben gar nicht, wie viel Zucker manchen fettreduzierten Lebensmitteln, aber auch Fertigprodukten zugesetzt wird. Schauen Sie sich daher die Zutatenliste an. Je weiter oben der Zucker oder auch Glukosesirup steht, desto mehr ist drin“, klärt die PTA auf.

Darmgesund

Die Kundin kann noch mehr zur Stärkung ihres Immunsystems tun: „Ich empfehle Ihnen täglich Naturjoghurt oder andere Sauermilchprodukte, dazu häufig Sauerkraut oder anderes milchsauer vergorenes Gemüse“, sagt Frau Walcher. Sie erklärt, dass die enthaltene Milchsäure sowie die Milchsäurebakterien zu einem guten Darmmikrobiom beitragen, was sich wiederum positiv auf die körpereigene Abwehr auswirkt.

Besonders nach einer Behandlung mit einem Antibiotikum ist es wichtig, auch an die Darmgesundheit zu denken. Denn die antibiotische Therapie tötet nicht nur Krankheitskeime, sondern auch gesunde Mikroorganismen im Darm ab. „Sie können auch probiotische Joghurts mit speziellen Mikroorganismen, die die Magen-Darm-Passage überstehen und sich im Darm ansiedeln, verzehren“, rät sie zum Abschluss. Die Kundin bedankt sich für die hilfreichen Tipps und verspricht, es damit zu versuchen.

Beate Ebbers ist Diplom Oecotrophologin. Im „Beratungsfall Ernährung“ gibt sie Tipps, mit denen Sie Ihre Beratung ergänzen können.


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