30.04.2019

Blasenentzündung: Es brennt auf dem WC

von Marcus Hanisch

Blasenentzündung-- Charakteristische Symptome sind Krämpfe im Unterbauch, Brennen beim Wasserlassen und der häufige Gang zur Toilette. Im Artikel werden praxistaugliche und alternative Therapieansätze vorgestellt.

© [M] RyanKing999 / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Komplizierte oder wiederkehrende Blasenentzündungen sowie Blasenentzündungen bei Schwangeren sind kein Fall für die Selbstmedikation.
  • Bei Reizblase haben sich polyphenolreiche Extrakte aus Hopfenblütenständen sowie Kürbissamenöl zur Immunmodulation und Blasenstärkung bewährt.
  • D-Mannose in Kombination mit Cranberry-Extrakt entfaltet bei unkomplizierten Harnwegsinfekten synergistische Effekte und schwemmt Bakterien aus.
  • Bei Honeymoon-Cystitis empfehlen sich Durchspülungstherapien mit Wasser oder Tee, Vaginalduschen und mit Vitamin D3 getränkte Tampons.

Gegen Harnwegsinfekte (HWI) hat sich in der Selbstmedikation eine Reihe von Phytopharmaka bewährt. Diese enthalten Extrakte oder Extraktkombinationen, unter anderem aus Bärentraubenblättern, Echtem Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, und Orthosiphonblättern oder Pulver aus Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel. Sie werden in diesem Artikel nur gestreift, Schwerpunkt sind alternative Empfehlungen, die Sie Betroffenen geben können.

Die meisten Frauen machen mindestens einmal im Leben die unangenehme Erfahrung einer Blasenentzündung (Cystitis). Bei einem Viertel kommt es zu wiederkehrenden Entzündungen in diesem Bereich. Autoimmune Prozesse, hormonelle Faktoren, permanente Reizzustände oder psychische Belastungen sind die Basis, aus der sich eine chronische, nicht bakterielle Blasenentzündung entwickeln kann.

Eine besondere Form ist die interstitielle Cystitis, die als ein Immun- und Barrieredefekt im Gewebe der ableitenden Harnwege beschrieben wird. Sie ist gekennzeichnet von nicht zu unterdrückendem Harndrang, dauerhaften Schmerzen, auch an anderen Stellen, wie rheumaähnliche Gelenk- oder migräneartige Kopfschmerzen, starke Miktionsstörungen bis hin zu seelischen Erkrankungen wie Depressionen.

Selbstmedikation ja oder nein?

Grundlage für ein kundendienliches Beratungsgespräch ist daher die Differenzierung! Eine Blasenentzündung mit bakterieller Beteiligung ist abzugrenzen von einer Blasenreizung, wie sie häufig durch Verkrampfungen bei chronischem Stress oder durch Fehlernährung mit unverträglichen Nahrungsmitteln entstehen kann. Sowohl Farbe, Geruch und Trübung des Urins als auch die Verwendung von Standard-Urinteststreifen erleichtern eine Unterscheidung. Das Ergebnis hilft, im Anschluss eine geeignete Strategie in der Beratung festzulegen. Jede komplizierte oder wiederkehrende Blasenentzündung sollte von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Das Gleiche gilt in der Schwangerschaft.

Reizblase

Hier befürworten aktuelle Studien den Einsatz der antioxidativen, entzündungshemmenden und immunmodulierenden Polyphenole aus den Blütenständen des Hopfens (Humulus lupulus), kombiniert mit Kürbissamenöl beziehungsweise Kürbissamenextrakten (Cucurbita pepo). Die Kräftigung der Blasenfunktion bei gleichzeitiger Beruhigung einer Überaktivität steht dabei im Vordergrund. Die im Handel befindliche fixe Kombination beider Auszüge sollte aufgrund des Gehalts an Zucker und Sojaöl kritisch betrachtet werden. Einzelpräparate ohne entsprechende Zusätze stehen zur Verfügung.

Unkomplizierte Harnwegsinfekte

Für die Prävention und zur begleitenden Therapie empfehlen sich aus medizinischer Sicht standardisierte Cranberry-Extrakte (Vaccinium macrocarpon). In Bezug auf die Inhaltsstoffe, wie auch botanisch muss die Großfrüchtige Moosbeere deutlich von der bei uns heimischen Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) unterschieden werden.

Cranberry-Zubereitungen zeigen eine antiadhäsive Wirkung gegenüber uropathogenen Escherichia-coli-Bakterienstämmen (UPEC) – jedoch beruht das Wirkprinzip nicht, wie ursprünglich vermutet, auf den in der Moosbeere enthaltenen Oligomeren Procyanidinen (OPC).Welche Komponente allerdings die Wirksamkeit garantiert, bleibt nach wie vor umstritten. Daher erscheint die Verbindung von standardisiertem Cranberry-Extrakt mit D-Mannose durch Synergieeffekte vielversprechend. D-Mannose ist eine Zuckerart, die nicht, wie etwa Haushaltszucker (Saccharose) oder Glukose, verstoffwechselt, sondern größtenteils unverändert mit dem Urin ausgeschieden wird. Der Zucker bindet an die Bakterien. Infolgedessen können sich UPEC nicht mehr an der Blasenwand festhaken und werden so ausgeschwemmt. D-Mannose wird auch in der S3-Leitlinie „Brennen beim Wasserlassen“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin zu unkomplizierten Harnwegsinfekten empfohlen. Von den neben Trockenextrakten angebotenen Cranberry-Säften ist unter Berücksichtigung des hohen Zuckergehaltes abzuraten.

Indische Buntnessel und Lactoferrin

Die in der indigenen Volksheilkunde traditionell eingesetzten Extrakte aus der Indischen Buntnessel (Coleus forskohlii) überzeugten nicht zuletzt ein amerikanisches Forscherteam der Duke-University, Durham, North Carolina, von deren Anwendung bei akuter und chronischer Cystitis. Das darin enthaltene Diterpen Forskolin verhindert, dass pathogene Bakterien vom Blasenurothel aufgenommen werden und sich auf diese Weise dem Angriff von Antibiotika entziehen können. Die Buntnesseltinktur, abgefüllt als traditionelle Hausspezialität in apothekeneigenem Design, ist eine anerkannte Empfehlung zur Vor- und Nachsorge, aber zugleich ein originelles Marketingkonzept mit Wettbewerbsvorteil.

Zusammen mit Lactoferrin, einem multifunktionalen Protein, das physiologisch in zahlreichen Körperflüssigkeiten zu finden ist, können die ableitenden Harnwege zudem immunologisch gestärkt werden. Weshalb sich die Kombination auch zur Prävention eignet.

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Eukalyptus-Blasen-Kompresse

Sie ist eine altbewährte Schweizer Rezeptur und kann unterstützend bei akuter wie chronischer Blasenentzündung, aber auch bei Reizblase eingesetzt werden. Eukalyptusöl wirkt durchwärmend, daher krampflösend und entspannend auf die Blasenmuskulatur. Dazu wird für Erwachsene eine dreiprozentige Verdünnung mit Johanniskrautöl hergestellt (Kdr. ≥ 6 J. 1 – 2 %). Von dieser Verdünnung werden 30 Tropfen auf ein Baumwolltuch (mehrlagige Kompresse) der Größe zehn auf 20 Zentimeter auf- gebracht, anschließend in ein Plastiksäckchen gelegt und mittels Wärmflasche aufgewärmt. Danach den getränkten Baumwolllappen aus dem Plastikbeutel entnehmen, direkt auf der Blase positionieren, mit einem Zwischentuch abdecken und eine nur handwarme Wärmflasche auflegen.

Wichtig-- Ätherische Öle sind leicht entzündlich und dürfen niemals im Backofen oder in der Mikrowelle vorgewärmt werden.

Sonstige

Ebenfalls aus überwiegend ätherischen Ölen zusammengesetzt, aber zur Einnahme bei Harnwegsinfekten zugelassen, sind Kapseln mit α-Pinen, β-Pinen, Camphen, endo-Borneol, Anethol, D-Fenchon und Cineol, die krampflösend und antibakteriell wirken und die Harnausscheidung sinnvoll unterstützen.

Die Anthroposophische Medizin bietet bei Blasenentzündung sowie Reizblasen-Symptomatik Cantharis Blasen Globuli velati. Als Ergänzungsmittel eignen sie sich ideal zur begleitenden wie auch zur Nachbehandlung einer Antibiotika-Therapie.

Bei chronischen Blasenbeschwerden sei von Spenglersan ® das Kolloid G zur Immunmodulation über die Haut in Kombination mit Uresin-Entoxin ® zur peroralen Einnahme erwähnt. Für dieselbe Indikation, gleichwohl als spagyrisches Arzneimittel nach C. J. Glückselig, ist Phöno Uren Mischung in Verbindung mit dem Basismittel Phönix Solidago spag. Mischung eine anerkannte Empfehlung.

Aus dem OTC-Sortiment*

Produktname

Zusammensetzung

Dosierung/Anwendung

Hinweise

Cantharis Blasen Globuli velati

Lytta vesicatoria D5-, Vesica urinaria bovis D7-Glycerolauszug, Equisetum ex herba ferm 35b D2, Achillea millefolium ferm 33d D2

Kdr. < 6 J. 1 – 3 × tgl. 3 – 5 Glob.

Erw., Kdr. ≥ 6 J. 1 – 3 × tgl. 5 – 10 Glob.**

Blasenentzündung, Reizblase, Ergänzungsmittel/Nachbehandlung einer Antibiotikatherapie

Spenglersan Kolloid G

Virus influencae A Spengler antigenum/antitoxinum, Haemophilus influencae b antigenum/ antitoxinum, Klebsiella pneumoniae antigenum/ antitoxinum, alles D9

Erw., Kdr. ≥ 12 J. akut alle ½ – 1 h, max. 6 × tgl., je 5 Sprühstöße in die Ellenbeuge reiben**

Immunmodulation bei chronischen Blasenbeschwerden

Uresin Entoxin Tropfen

Gaultheria procumbens D3, Polygala amara D3, Strychnos nux-vomica D3

Erw., Kdr. > 12 J., akut alle ½ – 1 h, max. 6 × tgl. je 5 Tr., max. 1 Wo.; komb. mit Spenglersan Kolloid G**

Immunmodulation bei chronischen Blasenbeschwerden

Phöno Uren Mischung

Petroselinum crispum convar. crispum D2, Terebinthinae aetheroleum rectificatum D5, Lytta vesicatoria D3, Arctostaphylos uva-ursi D3, Asparagus officinalis D3

Erw. 1 – 3 × tgl. 5 Tr.**, akut alle ½ – 1 h, max. 6 × tgl. je 5 Tr., max. 1 Wo.

chronische Blasenbeschwerden

Phönix Solidago spag. Mischung

Arnica e floribus-spag. Glückselig D2, Aurum chloratum D5, Bolus alba-spag. Glückselig Urtinktur u. a.

Erw. 3 – 4 x tgl. 20 Tr.**, max. 1 Wo., komb. mit Phöno Uren

chronische Blasenbeschwerden

Herbachaud® Wärmepflaster

Kräutermischung aus TCM

zwischen doppelte Unterwäsche legen, kombiniert mit Schlesischer Mischung

alle Formen von HWI, entspannt Muskulatur

Multi-Gyn® Vaginaldusche Kombipack Brausetabletten

Aloe vera-Blätterextrakt, Milchsäure, Ascorbinsäure, Laktose

nach dem Geschlechtsverkehr

Honeymoon-Cystitis

*beispielhafte Nennung ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe: 12.03.2019), **lt. Herstellerangaben, ***nicht in der Lauer-Taxe, nur Direktbezug

Lokale Wärmeanwendung

Sie ist bei allen unkomplizierten Infekten aber auch chronischer Blasenentzündung und Reizblase zusätzlich zu empfehlen. Ein Pflaster mit einer Kräutermischung aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) entwickelt nach dem Öffnen der Verpackung Wärme, die wohltuend die Muskulatur für zwölf Stunden entspannt. Zur Anwendung im Alltag wird das Pflaster zwischen die doppelte Unterwäsche eingelegt. Dazu begleitend indiziert ist die folgende, volksmedizinisch erprobte Teemischung: Kahles Bruchkraut (Herniaria glabra) hemmt die Biofilmbildung, damit Antibiotika besser ansprechen und Erreger leichter ausgespült werden können. Die Echte Goldrute (Solidago virgaurea) überzeugt durch analgetische, spasmolytische, diuretische und antiphlogistische Effekte, die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) im Hinblick auf eine Durchspülung der ableitenden Harnwege. Die gute Wirksamkeit der Quecke (Agropyron repens) bei entzündlichen Harnwegserkrankungen wie auch bei Reizblase ist ebenfalls belegt. Gleiches gilt für das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum). Die zart duftenden Blätter der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum), deren diuretische, aber auch antioxidative Eigenschaften geschätzt werden, komplettieren diese Rezeptur. Die Drogen werden zu gleichen Teilen gemischt, zwei Teelöffel davon mit einer Tasse kochendem Wasser überbrüht und nach 15 Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich trinken.

Honeymoon-Cystitis

Frauen, die unter Harnwegsentzündungen bevorzugt nach dem Geschlechtsverkehr leiden, sollten zeitnah möglichst viel Wasser oder ungesüßten Kräutertee zur Durchspülung der Blase trinken und vaginal eine Spüllösung anwenden. Die Vaginaldusche hilft, den pH-Wert zu stabilisieren, aber auch die Bakterien, die aufgrund der anatomischen Nähe von Harnröhrenöffnung und Vagina in die Blase aufsteigen können, zu reduzieren. Generell zeigt bei rezidivierenden bakteriellen Scheidenentzündungen (Kolpitiden) und Blaseninfektionen die Anwendung von Vitamin-D3-Öl auf in Olivenöl getränkten Tampons, abends vor dem Schlafen eingesetzt, gute Erfolge. Der Tampon verbleibt über Nacht und wird morgens entfernt. Die Dosierung von Vitamin D3 beträgt 5000 I.E. pro Anwendung. Vitamin D3 steigert die Produktion antientzündlicher Botenstoffe in den Immunzellen und sorgt für eine intakte Vaginalflora, dem natürlichsten Schutz vor Bakterien oder Entzündungen.

Aus dem OTC-Sortiment*

Produktname

Zusammensetzung

Dosierung/Anwendung

Hinweise

Vesiherb® Filmtabletten

Kürbissamen-Trockenextrakt

Erw. 2 x tgl. 1 Ftbl.

Stärkung, Kräftigung der Blasenfunktion

Hopfen 125 mg GPH Kapseln

Hopfenblüten-Extrakt

Erw. 1 – 3 x tgl. 1 Kps.**

Reizblase

Naturafit Mannose plus Cranberry Kapseln

D-Mannose, Cranberry-Extrakt

Erw. 2 x tgl. 2 Kps.**

akute, unkomplizierte HWI

Lactoferrine

Springfield***

Lactoferrin, Ascorbinsäure, Molkenprotein, Zink-L-Methionin

Erw. 2 x tgl. 1 Kps.**

Immunmodulation bei akuter und chron. Blasenentzündung

Buntnesseltinktur 1:5 Tinctura Colei forskohlii

Tinctura Colei forskohlii e rad. 1:5

Erw. 3 x tgl. 8 – 10 Tr. mit H 2 O einnehmen

Immunmodulation bei akuter/ chronischer Blasenentzündung

Vitamin D Spray

Nutrition Company***

1200 I.E. Vitamin D3 pro Sprühstoß

oral: Erw. 1 x tgl. 2 Sprühst.

intravaginal: Erw. 4 x 1 Sprühst. auf Tampon ü. N.

Immunmodulation bei Blasenentzündung in den Wechseljahren, Honeymoon-Cystitis

Rowatinex® Weichkapseln

α-Pinen, β-Pinen, Camphen, Borneol, Anethol, Fenchon, Cineol

Erw. 3 – 4 × tgl. 1 Kps. 30 min. v. d. E.,

Kdr. von 6 – 14 J. 1 – 2 × tgl. 1 Kps.**

Blasenentzündung, antibakteriell, krampflösend

*beispielhafte Nennung ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe: 12.03.2019), **lt. Herstellerangaben, ***nicht in der Lauer-Taxe, nur Direktbezug


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