30.01.2021

COVID-19-Impfstoffe: Pandemie eindämmen

von Julia Pflegel

Weil sie in unfassbar kurzer Zeit entwickelt wurden, sind viele Menschen misstrauisch, besonders, was die Verträglichkeit betrifft. Für Sie und Ihre Kunden haben wir gesicherte Informationen zusammengestellt.

© BioNTech (Symbolbild mit Fotomodell)

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Die Corona-Pandemie hat nicht nur negative Seiten: Noch nie ist es gelungen, in derart kurzer Zeit einen Impfstoff zu entwickeln und zur Zulassungsreife zu bringen. Doch gerade die Kürze der Zeit, in der dies geschah, verunsichert viele Menschen. Sind die Impfstoffe sicher? Wirken sie überhaupt?

Impfstoffe

Bei Redaktionsschluss (20.01.21) waren in der EU die Impfstoffe Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Moderna (Moderna Biotech) zugelassen. Der Impfstoff „Covid-19 Vaccine AstraZeneca ®“ ist bis dato nur in Großbritannien zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ist im Entscheidungsprozess. Auch scheint ein vierter Kandidat im Rennen zu sein: Das New England Journal of Medicine hat am 14. Januar Zwischenergebnisse der Phase 1/2a für den COVID-19-Vektorimpfstoffkandidaten Ad26.COV2.S von Janssen veröffentlicht, die auf eine gute Wirksamkeit hindeuten. An einem fünften Impfstoff forscht das Unternehmen CureVac, seit Kurzem in Kooperation mit Bayer.

BionTech/Pfizer

Der Impfstoff Comirnaty von BionTech/Pfizer (vorher: BNT162b2, INN: Tozinameran, BionTech/Pfizer) ist ein mRNA-Impfstoff (mRNA = Messenger Ribonukleinsäure). Zugelassen in der EU am 21.12.2020 (ab 16 J.), wurde seine Wirksamkeit in einer Studie mit circa 43 500 Teilnehmern untersucht, die zwischen zwölf und 91 Jahre alt waren. Es wurde eine prozentuale Risikominimierung von 95 Prozent bei den Geimpften errechnet. Der Impfstoff schützt jüngere (16 – 55 J.) und ältere Menschen (> 55 J.) nahezu gleich gut (96 % vs. 94 %).

Verabreicht werden zwei Impfdosen im Abstand von 21 Tagen. Schon nach der ersten Dosis soll eine gewisse Schutzwirkung gegen das SARS-CoV-2-Virus bestehen. Der volle Impfschutz tritt eine Woche nach der zweiten Dosis ein. Unklar ist derzeit sowohl, ob Geimpfte sich anstecken können, aber beschwerdefrei bleiben und ob sie trotzdem infektiös sind.

Lagerung und Transport-- Comirnaty wird bei minus 70 Grad Celsius gelagert und muss vor dem Impfen aufbereitet (rekonstituiert) werden. Wie die Ärzte Zeitung am 17.01. meldete, kann der Impfstoff nach neusten Erkenntnissen durch mobile Impfteams rekonstituiert in Impfspritzen transportiert werden. Die Vakzine muss nach der Aufbereitung binnen sechs Stunden verimpft werden. Besonders wichtig ist die ununterbrochene Kühlkette beim Transport des verdünnten Impfstoffs (2 - 8 °C). Bei dieser Temperatur sollte er auch umgepackt werden. Die Vakzine soll nur so kurz wie möglich Raumtemperatur (bis 30 °C) ausgesetzt werden.

Während des Transports müssen die vorbereiteten Spritzen sicher verpackt sein, sodass sie aufrecht stehen und nicht lose sind oder rollen. Sie dürfen keinesfalls erschüttert werden, da sonst die empfindlichen mRNA-Moleküle zerstört werden und die Vakzine unbrauchbar wird.

Moderna

Der Moderna-Impfstoff (vorher: mRNA-1273) ist ebenfalls ein mRNA-Impfstoff. Er wurde in der EU am 6.01.2021 zugelassen und ist in einer Studie mit etwa 30 000 Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 95 Jahren erprobt worden. Es wurde eine prozentuale Risikominimierung von 94 Prozent bei den Geimpften errechnet. Auch von diesem Impfstoff werden zwei Dosen verabreicht, im Abstand von vier Wochen. Was eine mögliche Infektiosität von Geimpften betrifft, trifft dasselbe zu wie auf den BionTech/Pfizer-Impfstoff.

Lagerung-- ImRNA-1273 braucht keine ultratiefe Kühlung und muss nicht rekonstituiert werden. Er kann nach Herstellerangaben bis zu zwölf Stunden bei Raumtemperatur, 30 Tage im Kühlschrank (2 -8 ° C) und bis zu sechs Monate im Gefrierschrank bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden.

AstraZeneca

Möglicherweise steht bald der dritte Impfstoff zur Verfügung. Anfang Januar hat AstraZeneca bei der EMA einen Antrag auf eine bedingte Marktzulassung für seine gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelte Vektor-Vakzine ChAdOx1 (auch AZD1222) eingereicht. Es handelt sich um einen Vector-Impfstoff. Er wurde an etwa 24 000 Teilnehmern untersucht. Das Risiko, an COVID-19 zu erkranken, sank nach zwei Impfdosen im Abstand von vier Wochen um circa 70 Prozent. Zur Wirksamkeit bei Menschen über 65 Jahre gibt es aktuell zu wenige Daten.

Janssen Pharmaceuticals

Der COVID-19-Vektorimpfstoffkandidat Ad26.COV2.S von Janssen ist vermutlich der vierte Impfstoff, der gegen das SARS-CoV-2-Virus eingesetzt werden wird. Bei der Studie zu Ad26.COV2.S wurden zwei verschiedene Dosierungen zur Induktion neutralisierender Antikörper getestet. Einmal als Einzeldosis und einmal als Zwei-Dosis-Gabe im Abstand von 56 Tagen. Sollte sich der Impfstoffkandidat auf Basis der Phase-III-Daten als wirksam und gut verträglich erweisen, könnte Janssen im Februar weltweit weitere Zulassungsanträge stellen.

CureVac/Bayer

Bei CureVac läuft seit Ende Dezember die klinische Phase-III-Studie für den Corona-Impfstoffkandidaten CVnCoV (mRNA-Vakzine) Mit Ergebnissen wird Ende des ersten Quartals gerechnet. Seit Anfang Januar gibt es einen Kooperations- und Servicevertrag mit der Firma Bayer.

Quellen: u. a. gesundheitsinformation.de; Ärzte Zeitung


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