27.04.2020

COVID-19 ist auch eine systemische Gefäßentzündung

(kib) Eine Infektion mit SARS-CoV-2 löst nicht nur eine Pneumonie, sondern auch eine Endotheliitis in den verschiedenen Organen aus – mit fatalen Folgen. Das berichten Forscher nach Autopsie von COVID-19-Patienten.

Schematische Darstellung: Blutfluss zum Herzen

© freshidea / stock.adobe.com

Bei Untersuchungen der Gewebeproben von gestorbenen COVID-19-Patienten fiel den Pathologen am Universitätsspital Zürich auf, dass die Patienten nicht nur an einer Pneumonie litten, sondern die Entzündung das gesamte Endothel verschiedenster Organe betraf.

Zudem gelang es mit dem Elektronenmikroskop, SARS-CoV-2 erstmals direkt im Endothel sowie den dort durch das Virus ausgelösten Zelltod nachzuweisen, heißt es in einer Mitteilung.

Die Forscher schlossen daraus, dass das Virus über ACE2-Rezeptoren zu einer generalisierten Entzündung im Endothel führt: SARS-CoV-2 löse nicht nur eine Pneumonie aus, die dann ursächlich für weitere Komplikationen ist, sondern direkt eine systemische Endotheliitis, die alle Gefäßbetten erfasse: Herz-, Hirn-, Lungen- und Nierengefäße sowie Gefäße im Darmtrakt.

Mit fatalen Folgen: Es entstünden schwere Mikrozirkulationsstörungen, die das Herz schädigen sowie Lungenembolien und Gefäßverschlüsse im Hirn und im Darmtrakt auslösen, die zum Multiorganversagen bis zum Tod führen können.

Das Endothel jüngerer Patienten kommt mit dem Angriff der Viren meistens gut zurecht, berichtet das Universitätsspital weiter. Anders Patienten, die an Hypertonie, Diabetes, Herzinsuffizienz oder koronaren Herzkrankheiten leiden – also Erkrankungen, die eine eingeschränkte endotheliale Funktion gemein haben.

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 gefährde diese Patienten besonders, weil bei ihnen vor allem in der Phase, in der sich das Virus am stärksten vermehrt, die schon geschwächte Endothelfunktion noch weiter abnehme.

„COVID ist eine systemische Gefäßentzündung, wir sollten das Krankheitsbild von nun als COVID-Endotheliitis beschreiben“, fasst Studienautor Professor Frank Ruschitzka die Ergebnisse zusammen.

Für ihn folgt daraus auch, dass die Therapie bei COVID-19-Patienten an zwei Stellen ansetzen muss: „Wir müssen die Vermehrung der Viren in deren vermehrungsreichster Phase hemmen und gleichzeitig das Gefäßsystem der Patienten schützen und stabilisieren.

Dies betrifft vor allem unsere Patienten mit Herzkreislauferkrankungen und einer bekannt eingeschränkten Endothelfunktion sowie den bekannten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19.“

Quelle: Ärzte Zeitung


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