29.06.2019

Demenz: Vorbeugen

von Thomas Müller

Mehr körperliche Aktivität, Tabakentzug und eine gründliche Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle – das sind nach Auffassung der WHO die wichtigsten Maßnahmen, um die drohende Demenzepidemie einzudämmen.

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO legte im Mai 2019 mit der Leitlinie „Risk Reduction of Cognitive Decline and Dementia“ erstmals konkrete evidenzbasierte Empfehlungen vor, um die Demenzinzidenz in den kommenden Jahren zu senken. Die Daten dazu stammen vor allem aus Beobachtungsstudien. Wenig überraschend konzentrieren sich die Empfehlungen auf bekannte kardiometabolische Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Alkohol- und Tabakkonsum, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Diabetes und Hypertonie. Diese gehen alle auch mit einem erhöhten Demenzrisiko einher.

Empfehlungen

Interessant ist, welchen Stellenwert die WHO diesen Faktoren jeweils beimisst. Sie unterteilt ihre 20 Empfehlungen in „stark“ und „eingeschränkt“. An starke Empfehlungen sollten sich möglichst alle alternden Menschen halten, hier überwiegt der Nutzen die Risiken. Für eingeschränkte Empfehlungen gibt es mitunter Alternativen, oder sie sind nicht für jeden geeignet. Die wichtigsten Punkte finden Sie im folgenden Überblick:

Körperliche Aktivität

Dieser Punkt steht ganz oben auf der WHO-Liste. Mit einer starken Empfehlung rät die Weltgesundheitsorganisation allen kognitiv gesunden Erwachsenen zu körperlicher Aktivität. Begründet wird dies mit Dekaden umfassenden Kohortenstudien, in denen die Demenzrate umso geringer war, je mehr sich die Teilnehmer im Laufe ihres Lebens bewegt hatten. Körperliche Aktivität scheint sowohl einen direkten günstigen Einfluss auf Hirnstrukturen zu haben als auch indirekt über verbesserte kardiometabolische Funktionen die Demenzgefahr zu senken. Als geeignet wird aerobes Ausdauertraining, Krafttraining oder ein Multikomponententraining erachtet. Dabei wird auf bestehende WHO-Empfehlungen verwiesen, wonach Menschen über 65 Jahren mindestens 150 Minuten pro Woche moderat bis intensiv oder 75 Minuten intensiv trainieren sollten.

Raucherentwöhnung

Die Raucherentwöhnung erhält ebenfalls eine starke Empfehlung, basierend auf Kohortenstudien. Es wird davon ausgegangen, dass im Tabak enthaltende Substanzen das Gehirn direkt schädigen, zusätzlich trägt Rauchen als kardiovaskulärer Risikofaktor zur Demenzentstehung bei.

Gewisse Nebenwirkungen seien allenfalls bei einem pharmakologisch unterstützten Tabakentzug zu befürchten, sodass auch hier der Nutzen der Entwöhnung deren Risiken übertreffe, stellt die WHO fest.

Blutdruckkontrolle

Eine gute Blutdruckkontrolle bei Hypertonikern erhält ebenfalls eine starke Empfehlung. Nach Studiendaten ist eine Hypertonie vor allem im mittleren Lebensalter für das spätere Demenzrisiko relevant, weniger deutlich ist der Zusammenhang nach der WHO-Analyse für eine Hypertonie in der späten Lebensphase.

Wichtig wäre es, eine Hypertonie durch einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung und gesunder Ernährung zu vermeiden und Hypertoniker leitliniengerecht medikamentös zu versorgen, fordern die WHO-Autoren.

Vitaminsupplemente

Für Menschen mit bereits bestehenden kognitiven Einschränkungen erachtet die WHO den Nutzen von Vitaminsupplementen als nicht mehr so groß, hier gibt es nur noch eine eingeschränkte Empfehlung.

Mit einer starken Empfehlung wird von der isolierten Einnahme von Vitamin B und E ausdrücklich abgeraten, aber auch von der Supplementation von mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Studien hätten hier keine günstigen Effekte auf die Kognition oder das Demenzrisiko ergeben. Hohe Vitamin-E-Dosierungen seien zudem gesundheitlich problematisch.

Mediterrane Ernährung

Für eine mediterrane Ernährungsweise gibt es eine eingeschränkte Empfehlung, ebenso für eine ausgewogene Ernährung, basierend auf vorhandenen WHO-Leitlinien. Dazu gehören viel Obst, Gemüse, Nüsse, Vollkornprodukte, wenig Zucker, wenig Salz und wenig ungesättigte Fettsäuren.

Sonstiges

Alkoholreduktion, kognitives Training, soziale Aktivität und Gewichtsmanagement erhalten jeweils eine eingeschränkte Empfehlung. Ärzte sollten zur Demenzprävention auch alkoholabhängigen Personen oder solchen mit riskantem Konsum eine Verhaltens- oder Psychotherapie anbieten und übergewichtige Patienten auf Interventionen zum Abnehmen verweisen.

Maßnahmen zur kognitiven Stimulierung und gegen soziale Isolierung werden ebenfalls als hilfreich angesehen, die Evidenz für solche Interventionen wird jedoch als schwach bis moderat bewertet.


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