31.08.2019

Dentalhygiene: Gesunde Zähne

von Nina Bürger

Für lebenslang gesunde Zähne ist die richtige Pflege im Mundraum entscheidend. Werden einige Reinigungstipps befolgt, kann Beschwerden und teuren Zahnarztrechnungen effektiv vorgebeugt werden.

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  • Die Zahnpasta sollte Fluorid enthalten. Damit dieses einwirken kann, die Zahncreme gründlich ausspucken, nicht ausspülen.
  • Zur täglichen Mundhygiene gehört die Reinigung der Zahnzwischenräume. Sie machen insgesamt ein Drittel der Zahnfläche aus. Schmale Zwischenräume sollten mit Zahnseide, breitere mit Interdentalbürsten geputzt werden.
  • Auch Zungenbeläge sind eine Bakterienquelle. Sie sollten mit einem Zungenschaber von hinten nach vorne entfernt werden. Im hinteren Zungenbereich siedeln sich die meisten Bakterien an.
  • Das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi regt den Speichelfluss an und hilft dabei, Säuren im Mund zu neutralisieren.

Die richtige Dentalhygiene beginnt mit der Wahl einer passenden Zahnbürste. Generell gilt: Mittelharte Borsten sind bei normalem Zahnfleisch eine gute Wahl. Harte Borsten hingegen können den Zahnschmelz und den gesamten Zahn nachhaltig schädigen. Wer Probleme mit empfindlichem Zahnfleisch hat, greift besser zu einem weichen Bürstenkopf. Grundsätzlich sollten weiche und harte Bürsten nur in Rücksprache mit dem Zahnarzt genutzt werden. Ob die Borsten unterschiedlich lang oder schräg sind, ist nicht entscheidend. Jedoch sollten sich einzelne Borstenbüschel finden und die Bürste sollte nicht zu dicht sein. Je mehr dies der Fall ist, desto schlechter werden Fissuren und Zahnzwischenräume gereinigt. Auch der beim Putzen auf das Zahnfleisch ausgeübte Druck sollte nicht zu hoch sein.

Wussten Sie, dass ...

  • die KAI-Methode und die Fegetechnik zwei effektive Putztechniken sind?
  • bei der KAI-Methode erst die Kauflächen, dann die Außenflächen und zuletzt die Innenflächen geputzt werden?
  • bei der Fegetechnik mit den Außenflächen begonnen, vom Zahnfleisch zum Zahn hin gearbeitet und die Bewegung pro Zahngruppe mindestens viermal wiederholt wird?
  • dann die Zahninnenseiten folgen und mit den Kauflächen geendet wird?

Wird richtig und regelmäßig geputzt, ist es Geschmackssache, ob eine elektrische oder manuelle Zahnbürste genutzt wird. Jedoch sollte mit ersterer weder geschrubbt noch mit Druck gearbeitet werden. Das übernimmt die Vibration des Gerätes. Zahnärzte raten, bei der Wahl der Zahnpasta darauf zu achten, dass diese Fluorid enthält. Der Inhaltsstoff beugt Karies vor und härtet die Oberfläche des Zahnes. Zudem sollte die Zahncreme einen möglichst niedrigen Abrieb mit sich bringen. Beinhaltet die Paste zu viele Putzkörper, entsteht zwar ein sauberes Gefühl, es wird aber auch wichtiger Zahnschmelz abgetragen. Dann wird der Zahn empfindlicher, und es droht Karies. Nach dem Putzen sollte die Zahnpasta gründlich ausgespuckt, aber nicht ausgespült werden. Sonst geht die schützende Wirkung des Fluorids verloren.

Zahnzwischenräume

Immerhin ein Drittel der Zahnoberflächen insgesamt sind Zwischenräume. Dort sammeln sich kleine Speisereste und Beläge an, die zu Karies führen können. Da die Zahnbürste sie aber oftmals kaum oder gar nicht erreicht, gehört die Anwendung von Zahnseide oder Zwischenraumbürsten unbedingt zur täglichen Mundhygiene. Um sehr enge Stellen zu erreichen, bieten sich gewachste oder ungewachste Zahnseide an. Beide reinigen gut, jedoch ist letztere etwas dicker und gleitet schlechter über die Zähne. Ihre Reinigungswirkung hingegen ist durch die Auffächerung der Fasern überzeugend. Gut zur Selbstkontrolle: Auf sauberen Zähnen macht gewachste Zahnseide ein quietschendes Geräusch.

Zahnseide-- Für die effektive Reinigung von Zwischenräumen, Zahnhals und Zahnfleischrand sollten Sie ein Band von etwa 40 Zentimetern verwenden. Von ihm wird für jeden Zahn ein sauberes Stück genutzt. Ein guter Halt entsteht, wenn jeweils ein Ende um Zeige- und Mittelfinger gewickelt ist und die Zahnseide zwischen beiden spannt. Dann den Faden durch vorsichtige Bewegungen in den Zwischenraum führen. Umschließt es den Zahn C-förmig, das Floss mit sägeartigen Bewegungen vom Zahnfleischrand zum Zahnende bewegen. Den Vorgang für beide Zähne des Zwischenraumes wiederholen.

Zahnseidenhalter-- Neben der aus einem Spender abzurollenden Zahnseide gibt es vorgefertigte Einweg-Zahnseidenhalter. Die Handhabung ist einfacher, sodass diese Variante besonders für Anfänger geeignet ist. Pro Gebissreinigung ist einer dieser Halter ausreichend.

Bürstchen-- Zwischenraumbürsten hingegen eignen sich für etwas weiter auseinanderstehende Zähne. Die Bürstchen gibt es in verschiedenen Breiten. Hier gilt es auszuprobieren, welche am besten in die individuellen Zahnlücken passt. Beim Bürsten zwischen den Zähnen sollte mit Vorsicht gearbeitet werden, da sonst Verletzungen am Zahnfleisch drohen. Interdentalbürstchen sollten nach circa zehn Anwendungen gewechselt werden. Häufig ist es sinnvoll, Zahnseide und Zwischenraumbürsten miteinander zu kombinieren.

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Zungenschaber

Nicht nur auf den Zähnen, sondern auch auf der rauen Oberfläche der Zunge sammeln sich Bakterien. Dadurch können Karies und Parodontitis sowie schlechter Atem entstehen. Ergänzend zur Zahnhygiene sollte deshalb auch die Zunge gereinigt werden. Dies geschieht am besten nach dem Zähneputzen. Mit dem Zungenschaber oder der Zungenbürste sollten Sie vorsichtig und keinesfalls mit zu viel Druck vorgehen. Sonst wird die empfindliche Oberfläche der Zungenschleimhaut gereizt oder gar verletzt. Für die Reinigung die Zunge möglichst weit herausstrecken und locker halten. Dann den feuchten Zungenschaber sachte von hinten nach vorne ziehen. Den Vorgang so oft wiederholen, bis der Belag entfernt ist. Eine besondere Aufmerksamkeit gilt dem hinteren Zungenbereich. Er sollte besonders gründlich geputzt werden, da sich auf ihm die meisten Bakterien sammeln. Allerdings ist hier Feingefühl geboten, da schnell ein Würgereflex ausgelöst werden kann. Abschließend den Mund ausspülen. So werden sämtliche Abfallprodukte aus der Mundhöhle entfernt.

Implantate

Befindet sich im Mund eines oder mehrere Implantate, ist bei der Zahnhygiene einiges zu beachten, da sonst Entzündungen entstehen können. Zum Reinigen von Implantaten empfiehlt sich eine weiche Zahnbürste, die das Zahnfleisch schont. Wie für die echten Zähne sollte für das Implantat eine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden. So werden die angrenzenden Zähne optimal versorgt. Empfehlenswert sind zudem antibakterielle Wirkstoffe in der Zahncreme, da durch sie einer Zahnfleischentzündung vorgebeugt wird. Bei Implantaten werden die Zwischenräume am besten mit besonders dicker Zahnseide (Super Floss) gereinigt. Dieses ist dicker und weicher als herkömmliche Produkte.

Diabetikern drohen Komplikationen

Diabetiker sollten ihre Zähne besonders gründlich pflegen. Bei Diabetes mellitus Typ 1 und 2 schädigen zu hohe Zuckerwerte die Blutgefäße im Mund. Dadurch ist der Zahnhalteapparat schlechter durchblutet, und seine Widerstandskraft lässt nach. Als Folge erhöht sich das Risiko einer Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) um das Dreifache. Und umgekehrt: Eine nicht behandelte Parodontitis kann sich bei Diabetikern negativ auf den Blutzucker auswirken und Komplikationen an anderen Organen auslösen. Zudem haben Diabetiker weniger Speichel. Dieser ist aber für die Mundhygiene wichtig und beugt Karies vor. Deshalb sollten Betroffene mindestens zwei Liter am Tag trinken, um so Mundtrockenheit vorzubeugen. Zudem ist das Kauen von zuckerfreien Kaugummis für Diabetes-Patienten, aber auch alle anderen, empfehlenswert. Es regt die Speichelproduktion an und hilft dabei, schädliche Säuren zu neutralisieren. Wichtig ist aber vor allem, dass der Diabetes gut eingestellt ist. Zudem sollte der Zahnarzt über die Erkrankung informiert sein, sodass das gesamte Gebiss engmaschig kontrolliert und Folgeerkrankungen vorgebeugt wird.

Vorsicht in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist das Zahnfleisch stärker durchblutet und lockert sich. Deshalb sollte auch hier zu einer Zahnbürste mit weichen Borsten gegriffen werden. Zusätzlich ist die Verwendung von antibakteriellem, das Zahnfleisch stärkendem, Mundwasser zu empfehlen. Dabei darauf achten, dass dieses keinen Alkohol enthält. Bei Erbrechen durch schwangerschaftsbedingte Übelkeit besser zunächst nur spülen und nicht die Zähne putzen. Sonst greift die Magensäure den Zahnschmelz an.

Die professionelle Zahnreinigung (PZR) wird bei einer guten Zahnpflege zu Hause von Zahnärzten ein bis zwei Mal pro Jahr empfohlen. Patienten mit einem erhöhten Karies- und Parodontitisrisiko wie Diabetiker und Schwangere sollten sie nach individueller Absprache häufiger in Anspruch nehmen. Bei der PZR werden besonders festsitzende Beläge und Zahnstein entfernt. Dabei handelt es sich um eine Privatleistung, jedoch beteiligen sich immer mehr Krankenkassen an den Kosten.


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