31.10.2017 - Zum Beratungsthema: Depressive Verstimmungen

Depressionen: Schatten auf der Seele

© Poike / Getty Images / iStock

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von Jana Marent

Depressive Verstimmungen können unterschiedliche Ursachen und Symptome haben. Fragen Sie nach, um ein geeignetes Medikament auszuwählen und eine ärztlich zu behandelnde Depression auszuschließen.

Lichtmangel und nasskalte Temperaturen schlagen im Winter vielen Menschen aufs Gemüt. Sie fühlen sich müde, niedergeschlagen und lustlos. Dauert das Stimmungstief länger als zwei Wochen an, liegt eine saisonal abhängige Depression (Seasonal Affektive Disorder, SAD) oder auch Winterdepression vor. Diese beginnt typischerweise im Herbst und verschwindet von selbst, sobald es wieder wärmer und heller wird.

Länger anhaltende Phasen von Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit können aber nicht nur im Winter auftreten. Depressive Verstimmungen, zu denen auch die Winterdepression gehört, haben das ganze Jahr über Saison. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Ursachen

Bei der Winterdepression werden der Lichtmangel und die damit verbundenen Änderungen im Tag-Nacht-Rhythmus für das Stimmungstief verantwortlich gemacht. Eine andere häufige Ursache ist eine zu hohe Stressbelastung, wie sie etwa durch zu hohe Anforderungen im Job, die Doppelbelastung durch Familie und Beruf oder private oder berufliche Konflikte entstehen kann. Bei Frauen stehen Phasen mit gedrückter Stimmung zudem oft im Zusammenhang mit Veränderungen im Hormonhaushalt (Periode, Schwangerschaft, Klimakterium).

Stoffwechselstörung-- Bei depressiven Verstimmungen gehen Experten – genau wie bei Depressionen – davon aus, dass zu wenig Botenstoffe vorhanden sind, die im Gehirn positive Gefühle vermitteln. Entscheidende Bedeutung für die Stimmungslage haben die Neurotransmitter Noradrenalin, Dopamin und Serotonin. Noradrenalin fördert Aufmerksamkeit und Motivation. Dopamin vermittelt in Kombination mit Noradrenalin angenehme, positive Gefühle. Serotonin fördert Ausgeglichenheit und Zufriedenheit und dämpft Hungergefühle, Angst und Aggressionen.

Aus dem OTC-Sortiment*

Hauptwirkstoff(e)

Produkte

Indikation

Johanniskrautextrakt

Felis® 425, Jarsin® 750 mg, Laif® 900 Balance

leichte vorübergehende depressive Störungen

Lavendelöl

Lasea®

Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung

Passionsblumenkrautextrakt

Kytta-Sedativum® für den Tag, Pascoflair®

bei nervösen Unruhezuständen

Baldrianwurzel-, Melissenblätter- und Hopfenzapfen-Trockenextrakt

Baldriparan® zur Beruhigung

bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen

Passiflora incarnata D2, Avena sativa D2, Coffea arabica D12, Zincum isovalerianicum D4

Neurexan®

laut homöopathischen Arzneimittelbildern u. a. Schlafstörungen/nervöse Unruhezustände

*ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe 11.10.2017)

Symptome

In Abhängigkeit von der auslösenden Ursache können sich die Symptome der depressiven Verstimmung stark unterscheiden. So besteht bei der Winterdepression neben der gedrückten Stimmung oft ein starkes Müdigkeitsgefühl mit einem erhöhten Schlafbedürfnis. Auch ein Heißhunger auf Süßigkeiten und andere kohlenhydratreiche Lebensmittel sowie eine damit verbundene Gewichtszunahme sind typisch („Winterspeck anlegen“). Ist Stress der Auslöser, geht das Stimmungstief ganz im Gegenteil mit Unzufriedenheit, innerer Unruhe und Nervosität einher. Betroffene können nicht abschalten, geraten ins Grübeln und schlafen schlecht. Die Beschwerden müssen aber nicht eindeutig in eine Richtung weisen, da auch verschiedene depressive Störungen aufeinandertreffen können.

Hinterfragen-- Die Beratung von Kunden mit depressiven Verstimmungen erfordert viel Fingerspitzengefühl von der PTA. Denn vielen Menschen fällt es schwer, über Gefühle zu sprechen. Sie verharmlosen Symptome oder können sie nicht richtig einschätzen. Daher sollten PTA behutsam nachfragen. Klagt ein Kunde etwa über Schlaflosigkeit, kann nachgehakt werden, ob die Müdigkeit auch am Tage anhält und von Niedergeschlagenheit und Lustlosigkeit begleitet wird.

Grenzen der Selbstmedikation

Zudem muss im Beratungsgespräch geklärt werden, ob eine medizinisch zu behandelnde Depression vorliegt. In Eigenregie dürfen ausschließlich leichte depressive Verstimmungen behandelt werden. Schwere und mittelschwere Depressionen müssen unbedingt von einem Arzt überwacht werden.

Längst nicht alle depressiven Menschen werden angemessen medizinisch behandelt. Indem sie Risikopatienten an einen Arzt verweist, kann die PTA einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Therapie von Depressionen leisten. Daher muss im Beratungsgespräch abgeklärt werden, ob Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit bereits länger als einen Monat anhalten. Zudem muss geklärt werden, ob bei Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben, keine Freude mehr empfunden werden kann. Ein deutliches Zeichen für eine Depression ist, wenn auf positive Ereignisse selbst kurzfristig nicht mit positiven Empfindungen reagiert werden kann. Auch depressive Verstimmungen, die länger als sechs Wochen andauern oder sich trotz Behandlung nicht bessern, müssen ärztlich abgeklärt werden.

Praxis Tipp aus dem PTA Beirat

Depressive Verstimmungen

Kunden mit depressiven Verstimmungen fühlen sich schwach und kraftlos, sind traurig, leicht reizbar, schlafen schlecht, können sich kaum konzentrieren und sind oft hilflos in dieser Situation. Sind Ein- und Durchschlafstörungen das Hauptproblem, empfehle ich gern ein Monopräparat mit Lavendelextrakt, welches zweimal täglich eingenommen wird.

Bei emotionalen Tiefs greife ich gern zu Kombipräparaten mit Johanniskraut. Zusammen mit Sport, gesunder Ernährung und viel frischer Luft sollte dies relativ schnell zur Verbesserung des Befindens führen. Nicht zu vergessen ist auch der Einfluss hormoneller Schwankungen. Hier helfen pflanzliche Medikamente mit Mönchspfeffer oder Keuschlammfrüchten gut. Als Kur über ein bis drei Monate, einmal täglich eingenommen.

Lorena Denoville

Selbstmedikation

Leichte depressive Verstimmungen können im Rahmen der Selbstmedikation mit pflanzlichen Mitteln behandelt werden. Zusätzlich sollte die PTA Kunden Maßnahmen für eine positive Gestaltung des Alltags empfehlen. Hierzu zählt etwa, Aktivitäten zu planen, wie Kinobesuche, Kaffeekränzchen, Bewegung im Freien oder Sport. Zudem können angenehme Gefühle durch Belohnungsrituale nach dem Erledigen von Aufgaben gefördert werden. Beispiele dafür sind eine Tasse Tee bei schöner Musik, ein Entspannungsbad oder der Verzehr von Lebensmitteln, die die Serotoninvorstufe Tryptophan enthalten (etwa Fisch, Bananen, Datteln und Feigen). Bei Winterdepressionen sind Spaziergänge zum Lichttanken am effektivsten.

Johanniskraut

Das bekannteste pflanzliche Antidepressivum ist das Johanniskraut (Hypericum perforatum). Seine stimmungsaufhellenden Effekte bei leichten bis mittelschweren Depressionen sind mit denen von synthetischen Antidepressiva vergleichbar. Die gute Wirkung wird damit erklärt, dass die Wiederaufnahme von Noradrenalin, Dopamin und Serotonin in die Nervenzellen gehemmt wird. Dadurch bleibt das stimmungsaufhellende Signal über einen längeren Zeitraum erhalten.

Anwendung-- Für den Therapieerfolg ist eine regelmäßige Einnahme von 600 bis 900 Milligramm am Tag wichtig. Zudem sollte die PTA Kunden darauf hinweisen, dass die volle Wirkung erst nach zwei bis vier Wochen eintritt. Um die innere Balance zu fördern, ist eine Behandlungsdauer von drei bis sechs Monaten anzuraten. Da mittelschwere Depressionen in die Hand eines Arztes gehören, sind Präparate mit dieser Indikation verschreibungspflichtig und erstattungsfähig.

Wechsel- und Nebenwirkungen-- Johanniskraut hat zahlreiche, zum Teil schwere Interaktionen mit anderen Medikamenten. Es darf nicht gemeinsam mit Proteaseinhibitoren, Zytostatika und zahlreichen Immunsuppressiva eingenommen werden. Bei Wirkstoffen mit enger therapeutischer Breite wie Phenprocoumon, Theophyllin, herzwirksamen Glykosiden sowie einigen Antiepileptika ist eine ärztliche Überwachung der Therapie nötig.

Auch in Kombination mit synthetischen Antidepressiva, hormonellen Kontrazeptiva und Anästhetika kann es zu Wechselwirkungen kommen. Zudem sollte die PTA darauf hinweisen, dass starke Sonneneinstrahlung aufgrund der Gefahr der Photosensibilisierung zu meiden ist. Menschen mit Polymedikation sollten auf Johanniskrautpräparate verzichten.

Was noch wirkt

Geht die depressive Verstimmung mit Unruhe und Nervosität einher, kann die PTA Arzneipflanzen mit beruhigenden und ausgleichenden Effekten empfehlen. Hoch dosiertes Lavendelöl hat sich bei Unruhezuständen mit ängstlicher Verstimmung bewährt. Passionsblume hilft bei innerer Unruhe und Nervosität. Nervös bedingte Schlafstörungen können mit Baldrianwurzel-, Melissenblätter- und Hopfenzapfen-Trockenextrakt behandelt werden. Bei den pflanzlichen Sedativa werden häufig Kombinationen gewählt, bei denen die Extrakte synergistische Effekte aufweisen.

Faktum

  • Bei der Winterdepression kann eine Lichttherapie helfen. Dabei wird der Betroffene aus einer Entfernung von etwa 80 cm mit sehr hellem Kunstlicht (10  000 Lux) beschienen.
  • Professionelle Lichttherapiegeräte kosten 100 bis 200 Euro. Sie sollten nur in Rücksprache mit einem Arzt angeschafft werden.
  • In der Regel reicht eine halbe Stunde Lichttherapie am Tag. Bewährt hat sich die Anwendung beim Frühstück.

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