30.04.2017 - Zum Beratungsthema: Haut und Haare

Dermokosmetik: Mehr als Hautpflege

© Casarsa / Getty Images / iStock

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von Dr. Claudia Bruhn

Dermokosmetika dienen nicht nur der Pflege gesunder Haut. Einige Produkte wurden speziell für Anwender mit Hautproblemen entwickelt. Daher werden hohe Anforderungen an die Qualität der Formulierungen gestellt.

  • Dermokosmetika sind auf wissenschaftlicher Basis entwickelte Produkte zur Reinigung und Pflege der Haut. Effektivität und Verträglichkeit wurden idealerweise in Studien nachgewiesen.
  • Neben der Hautreinigung und -pflege kommen Dermokosmetika auch zur Prophylaxe oder unterstützend zur Therapie von Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder Rosacea zum Einsatz.
  • Außerdem können sie vor vorzeitiger Hautalterung schützen oder bestimmte Hautprobleme wie sehr trockene Haut lindern.

Die Begriffe Dermokosmetik beziehungsweise Dermokosmetika sind nicht als Marken geschützt und können deshalb frei verwendet werden. Hersteller von Kosmetika oder Berufsgruppen, die diese anwenden, bezeichnen besonders hochwertige oder für spezifische Hautprobleme entwickelte Produkte als Dermokosmetika. Eine einheitliche Definition gibt es dafür jedoch nicht.

Der Hintergrund

Die Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) hat als erste unabhängige Organisation Definitionsvorschläge für die beiden Begriffe unterbreitet. In einer Stellungnahme bezeichnet die GD Dermokosmetika „[…] als kosmetische Mittel, bei denen der kosmetische Anwendungszweck unter Mitberücksichtigung bestimmter dermatologischer und pharmazeutischer Gesichtspunkte erreicht wird. Da Dermokosmetika auch zur Unterstützung der Vorbeugung und Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt werden, sollen sie nach Vorstellung der GD bestimmte Vorgaben hinsichtlich ihrer Qualität und Dokumentation erfüllen.“

Besonderheiten

Diese Vorgaben gehen dabei teilweise über das hinaus, was in der EU-Kosmetikverordnung festgeschrieben ist. „Wird zum Beispiel für ein Produkt damit geworben, dass es für einen speziellen Hautzustand geeignet ist oder diesen positiv verändert, so sollte dies mit geeigneten Methoden nachgewiesen werden. Für die verwendeten Methoden sollte sichergestellt sein, dass sie zu relevanten, reproduzierbaren und validen Ergebnissen führen“, schreibt die GD in einer Publikation.

Vertriebswege-- Einen speziellen Vertriebsweg gibt es für Dermokosmetika nicht. Sie werden unter anderem in öffentlichen Apotheken oder über Internetapotheken angeboten.

Beratungsintensiv-- Dermokosmetika sind in Apotheken gut aufgehoben, denn es handelt sich meist um beratungsintensive Produkte. Zudem verfügt das pharmazeutische Personal, im Gegensatz zum Personal im Drogeriemarkt, über Hintergrundwissen zum Thema Haut/Hauterkrankungen und kennt die medikamentösen Therapien. Bietet beispielsweise ein Hersteller ein Sonnenschutzmittel für Risikopatienten an, die einen besonders hohen Lichtschutz benötigen, so sollten diese beim Kauf dieses Produktes eine ausführliche Beratung erhalten; unter Einbeziehung des aktuellen Hautzustandes und einer darauf abgestimmten Galenik, der Auftragsmengen und weiterer Schutzmaßnahmen. Risikopatienten sind etwa Menschen, die nach einer Organtransplantation Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems einnehmen. Sie besitzen ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs und benötigen deshalb einen besonders hohen Lichtschutz.

Hautalterung

Die Hautalterung ist ein komplexer Prozess, der von vielen Faktoren beeinflusst wird. Fachleute unterscheiden dabei das biologische, also genetisch vorbestimmte Altern (intrinsische Hautalterung) und das Altern durch äußere Einflüsse wie UV-Strahlung, Ernährung, individuelle Lebensgewohnheiten wie Rauchen (extrinsische Hautalterung).

Intrinsisches Altern-- Typisch ist, dass die Oberhaut (Epidermis) sich verdünnt. Zudem sinkt die Wasserbindungskapazität in der obersten Epidermisschicht, der Hornschicht (Stratum corneum). In der Lederhaut (Dermis) verändern sich der Gehalt und die Anordnung der gerüstbildenden kollagenen und elastischen Fasern. In der Unterhaut (Subcutis) sinkt der Wassergehalt, Fettzellen bleiben aber bestehen. Zusätzlich ist die Produktion und Verteilung des Pigments Melanin in der Haut gestört. Auch lässt die Aktivität der Talg- und Schweißdrüsen nach. Insgesamt führen diese Veränderungen zu einer trockenen, rauen und schuppigen Hautoberfläche sowie zur Bildung von feinen Falten.

Extrinsisches Altern-- Typisch hier sind unter anderem eine durch UV-Strahlung verdickte Hornschicht, tiefe Falten und Runzeln sowie eine ungleichmäßige Pigmentierung und erweiterte Äderchen (Teleangiektasien) im Gesicht.

TIPP!

Empfehlen Sie Ihren Kunden beim Kauf eines Sonnenschutzmittels zusätzlich allgemeine Maßnahmen wie das Meiden der Sonne in der Mittagszeit zwischen 11 bis 14 Uhr und das Tragen hautbedeckender Textili- en inklusive einer Kopfbedeckung.

Dermokosmetika gegen Hautalterung

Viele Menschen wünschen sich auch im höheren Lebensalter ein jugendlich-frisches Aussehen. Kosmetikhersteller haben Produkte entwickelt, um dieses Bedürfnis zu erfüllen. Sie sind auch unter dem Begriff Anti-Aging-Kosmetika bekannt.

Anforderungen-- Dermokosmetika gegen Hautalterung sollten pflegende, schützende und aufbauende Eigenschaften besitzen und den genannten Hautveränderungen im Alter entgegenwirken. Doch nicht alle als Anti-Aging-Kosmetika ausgelobten Produkte erfüllen diese Erwartungen. Die GD fordert daher in ihrer Leitlinie „Dermokosmetika gegen Hautalterung“ (www.gd-online.de, Stand März 2017), dass die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Produkten mit einer solchen Auslobung durch geeignete wissenschaftliche Methoden geprüft worden sein muss.

Wirkstoffe-- Sehr häufig sind in Dermokosmetika gegen Hautalterung Alpha-Liponsäure, Coenzym Q10, 2-Dimethylaminoethanol (DMAE), Hyaluronsäure (niedermolekular), Phytohormone (z. B. Isoflavon, Cumestane, Lignane), pflanzliche Polyphenole (Anthocyane, Bioflavonoide, Epicatechine, Resveratrol) sowie Phytosterole, Polypeptide, Salicyloyl-Phyto-sphingosin, das phenolische Monoterpen Bakuchiol, Vitamin A und seine Derivate (Retinol, Retinylpalmitat, Retinaldehyd) enthalten. Ferner Vitamin B3 (Niacinamid), C und E und Dexpanthenol. Für Vitamin A, B3 und C, alpha-Liponsäure, die Polypeptide Palmitoyl-Pentapeptid 4 (pal-KTTS) und Tetrapeptid 21 (GAKG), ferner für Salicyloyl-Phytosphingosin und niedermolekulare Hyaluronsäure (Molekulargewicht 50 – 130 KDa) liegen Wirksamkeitsnachweise aus placebokontrollierten Doppelblindstudien vor.

Antioxidanzien-- Mit fortschreitendem Alter nimmt die Menge der natürlicherweise in der Haut vorkommenden Antioxidanzien ab. Außerdem erschöpfen Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung oder Schadstoffe die antioxidative Widerstandsfähigkeit der alternden Haut. Durch Zufuhr über Kosmetika wird versucht, einen Ausgleich zu schaffen. Die Vitamine C, E und Coenzym Q10 etwa zählen zu den Antioxidanzien, die hautschädigende freie Radikale unschädlich machen können.

Galenik-- Die Inhaltsstoffe von Anti-Aging-Kosmetika sollten nicht isoliert betrachtet werden, da die Grundlage einen wichtigen Einfluss auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit besitzt. Am häufigsten werden in Dermokosmetika gegen Hautalterung Wasser-in-Öl-(W/O)-Emulsionen, Öl-in-Wasser-(O/W)-Emulsionen, multiple Emulsionen, lipidfreie Hydrogele oder lamellare Systeme eingesetzt.

Alternativen-- Neben Dermokosmetika gibt es noch weitere Möglichkeiten, kosmetisch störende Alterungserscheinungen der Haut zu beseitigen. Dazu zählen minimalinvasive Eingriffe wie Injektionen mit Botulinumtoxin oder Filler-Injektionen mit Hyaluronsäure. Zudem können ästhetisch geschulte Dermatologen zum Beispiel Laserbehandlungen und chemische Peelings durchführen.

Wissen im Einsatz

Das Fachwissen, das Sie in unserem Titelthema erwerben, können Sie nun auch bei Ihren englischsprachigen Kunden einsetzen. Lesen Sie dazu den praxisgerechten Beitrag unserer Serie English for PTA.

Sonnenschutz

Neben dem sichtbaren Licht sendet die Sonne unsichtbare UV- sowie Infrarot-(IR)-Strahlung aus. Bei der UV-Strahlung unterscheidet man UV-A-Strahlung, die den größten Anteil ausmacht (95 %), und UV-B-Strahlung.

Wirkungen auf die Haut

Die im Vergleich zu UV-A-Strahlung kurzwelligere UV-B-Strahlung (290 – 320 nm) dringt nur in die oberste Hautschicht, die Epidermis, ein und aktiviert dort die Bildung des Pigments Melanin als natürlichen Schutzmechanismus. Außerdem regt sie in der Basalzellschicht der Epidermis die Zellteilung an, sodass es zu einer Verdickung der Hornschicht („Lichtschwiele“) als weiterem Schutzmechanismus der Haut kommt. In überhöhten Dosen ist die UV-B-Strahlung für Sonnenbrand, akute lichtbedingte Hautschäden und die Entstehung von Hautkrebs verantwortlich. Dagegen dringen UV-A-Strahlen (320 – 400 nm) bis in die Lederhaut (Dermis) ein. Dort schädigen sie die elastischen Fasern, was zur Faltenbildung führt. Außerdem kann UV-A-Strahlung chronische lichtbedingte Hauterkrankungen und Hautkrebs verursachen.

Im Zusammenspiel mit fett- und emulgatorhaltigen Sonnenschutzmitteln sowie anderen, entsprechend zusammengesetzten Körperpflegeprodukten ist die UV-A-Strahlung außerdem für die als „Mallorca-Akne“ oder „Sonnenallergie“ bezeichnete Entzündung und Pustelbildung im Bereich der Haarfollikel verantwortlich. Neueren Erkenntnissen zufolge kann auch die IR-Strahlung, insbesondere IR-A (760 – 1400 nm), zu chronischen Hautschäden führen, denn IR-A-Strahlen dringen bis in die Zellen der Unterhaut vor. In den Mitochondrien regen sie die Bildung zellschädigender freier Radikale an.

Anforderungen an Sonnenschutzmittel

Sie sollten die Haut vor dem gesamten UV-Spektrum schützen und gut verträglich sein. Wichtig sind außerdem Wasser- und Schweißfestigkeit, damit die Schutzwirkung beim Baden oder während sportlicher Aktivitäten erhalten bleibt. Die Produkte sollten sich auf der Haut gut verteilen lassen und auf der Kleidung keine Rückstände hinterlassen. Auf der Verpackung sollten die Angaben über das Schutzniveau des Sonnenschutzmittels für Anwender gut verständlich sein. Um dies zu erreichen, hat die EU-Kommission empfohlen, Sonnenschutzmittel zusätzlich zu den numerischen Lichtschutzfaktoren (LSF) in Abhängigkeit von deren Höhe in eine Schutzkategorie („niedrig“, „mittel“, „hoch“ bzw. „sehr hoch“) einzuordnen und diese auf den Verpackungen gut sichtbar anzugeben.

TIPP!

Durch Schwitzen beim Sport oder während des Schwimmens sowie dem Abtrocknen danach geht Sonnenschutzmittel verloren. Empfehlen Sie Ihren Kunden nachzucremen. Dies verlängert nicht die Schutzzeit, hält aber den Sonnenschutz aufrecht.

Lichtschutzfaktor

Der LSF drückt nicht die gesamte Schutzwirkung eines Produkts aus, sondern nur die gegenüber UV-B-Strahlung. Multipliziert mit der natürlichen Eigenschutzzeit gibt er die Zeitspanne an, während der theoretisch noch keine Hautrötung auftritt. Zum Beispiel ergibt eine zehnminütige Eigenschutzzeit bei Hauttyp I, multipliziert mit LSF 20, 200 Minuten „gefahrlosen“ Aufenthalt nach Anwendung dieses Produkts. Unter mitteleuropäischen Bedingungen ist bei Erwachsenen ein Produkt mit einem LSF 20 und für Kinder eines mit LSF 30 in der Regel ausreichend. Für Menschen mit hellem Hauttyp (Typ I), sehr sonnenempfindlicher Haut (z. B. Rosacea-Patienten), bei medikamentös bedingter Photosensibilisierung oder bei einem Aufenthalt unter extremen klimatischen Bedingungen (Tropen, Gletschergebiete) ist dagegen ein LSF von 50+ empfehlenswert. Säuglinge dürfen keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden.

Lichtschutzfilter

Die Aufgabe von Sonnenschutzmitteln besteht darin, die Wirkung der UV-Strahlung auf die Haut abzuschwächen.

Organische Filter-- Die in Dermokosmetika zum Sonnenschutz enthaltenen Substanzen sind in der Lage, die Sonnenstrahlung teilweise zu absorbieren.

Mikropigmente-- Neben diesem chemischen Lichtschutz können Sonnenschutzmittel auch mineralische Filtersubstanzen (Mikropigmente) enthalten, die ihre Wirkung durch eine Reflektion der Strahlung entfalten (physikalischer Lichtschutz). Es handelt sich dabei um Pigmente wie Titandioxid oder Zinkoxid.

Zusatzstoffe

Neben chemischen Filtersubstanzen und Mikropigmenten enthalten dermokosmetische Sonnenschutzmittel hautpflegende und hautberuhigende Stoffe (z. B. Dexpanthenol), Antioxidanzien (z. B. Carotinoide, Flavonoide, Vitamin E) und DNA-Reparaturenzyme (z. B. Photolyase). Das aus einer Blaualge gewonnene Enzym Photolyase soll in der Lage sein, die durch übermäßige UV-B-Strahlung geschädigte Erbsubstanz der Hautzellen teilweise zu regenerieren.

Auswahlkriterien

Bei der Auswahl und Empfehlung geeigneter Sonnenschutzmittel für Apothekenkunden ist eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen. Dazu zählen der Hauttyp und das Alter des Anwenders, die Intensität der Sonnenstrahlung (Urlaubsort am Meer, Hochgebirge) und bekannte Unverträglichkeiten, die mögliche Einnahme von Medikamenten, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen können, sowie der Hautzustand (z. B. sehr trocken, empfindlich).

Arzneimittel-- Verschiedene Wirkstoffe können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Dazu zählen Antibiotika (z. B. Doxycyclin), Antidepressiva (z. B. Amitriptylin), Diuretika (z. B. Furosemid), Johanniskraut und Retinoide. Bei Patienten, die solche Medikamente vorübergehend oder dauerhaft einnehmen, kann eine ansonsten problemlos vertragene UV-Dosis zu sonnenbrandähnlichen Hautschäden führen. Dies gehört bei der Empfehlung eines dermokosmetischen Sonnenschutzmittels berücksichtigt.

Galenik-- Sonnenschutzmittel werden hauptsächlich in Form von (O/W)- und (W/O)-Emulsionen, Hydro- und Lipogelen, zum Auftragen oder Aufsprühen auf die Haut angeboten. Für sehr trockene Haut sowie für Kinder, deren Hautlipidgehalt geringer ist als der von Erwachsenen, sind Sonnenschutzmittel auf (W/O)-Basis am besten geeignet.

Für Anwender mit empfindlicher Haut sollten die Produkte frei von potenziell irritierenden oder allergisierenden Inhaltsstoffen sein wie Parfüm oder Farb- oder Konservierungsstoffen. Wer zu Mallorca-Akne neigt, sollte fett- und emulgatorfreie Gel-Formulierungen bevorzugen.

Menge-- Viele Anwender von Sonnenschutzmitteln tragen zu geringe Mengen auf. Als Faustregel gilt, dass der ausgelobte Lichtschutzfaktor nur bei einer Auftragsmenge von zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Hautoberfläche erreicht werden kann. Für einen Erwachsenen bedeutet dies eine Auftragsmenge von 30 Milliliter Produkt pro Anwendung am ganzen Körper. Nach dem Baden oder Schwimmen ist die Anwendung zu wiederholen.

Zusatzempfehlung-- Nach dem Aufenthalt in der Sonne und der gründlichen Reinigung der Haut regenerieren Après-Pflege-Produkte die Haut und spenden Feuchtigkeit.

Pflege bei Hauterkrankungen

Bei Erkrankungen wie Schuppenflechte, Neurodermitis, Rosacea oder Akne kommen topisch oder oral anzuwendende, verschreibungspflichtige Wirkstoffe zum Einsatz. Darüber hinaus ist für den Behandlungserfolg eine konsequente und stadiengerechte Pflege mit Zubereitungen notwendig, die möglichst wenige Inhaltsstoffe enthalten. Sie umfasst alle Maßnahmen zur Reinigung und Pflege der Haut dieser Patienten. Dabei ist es für die PTA wichtig zu wissen, dass manche Inhaltsstoffe von Reinigungs- und Pflegeprodukten Triggerfaktoren dieser Erkrankungen sind und gemieden werden müssen, um das Hautbild nicht zu verschlechtern. So wenden beispielsweise Rosacea-Betroffene, die ihre Diagnose noch nicht kennen, manchmal Akne-Kosmetika zur Bekämpfung von Pusteln an. Diese sind dafür jedoch völlig ungeeignet.

Trockene Haut-- Der Einsatz von Dermokosmetika als Basispflege kann auch bei systemischen Erkrankungen wie Nierenerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes mellitus sinnvoll sein, da diese Patienten häufig unter trockener Haut leiden. Hauttrockenheit kann zudem als unerwünschte Begleiterscheinung auch bei Einnahme bestimmter Arzneimittel wie Calciumantagonisten, Betablockern, Lipidsenkern, Antirheumatika oder oralen Kontrazeptiva auftreten.

Unklar-- Manchmal lässt sich die Ursache für trockene Haut nur schwer feststellen. So kann sie beispielsweise durch eine verminderte Talgdrüsenaktivität bedingt sein. Auch bestimmte Gewohnheiten wie beispielsweise sehr häufiges Duschen oder Baden können die Haut übermäßig austrocknen. Gegebenenfalls sollten derartige Gewohnheiten im Beratungsgespräch erfragt werden.

Wirkstoffe-- Neben den bereits genannten wurden folgende Wirkstoffe in verschiedenen Studien zur Anwendung bei trockener Haut positiv beurteilt: Adenosintriphosphat, Arginin, Glycerin, Milchsäure, N-Palmitoylethanolamin, Panthenol, Phytosterol und Vitamin E.

Neurodermitis

Bei Neurodermitikern ist die Barrierefunktion der Haut gestört. Als Ursache dafür wurden bisher eine veränderte Lipid-Zusammensetzung der Haut sowie Mutationen im Gen für das Schutzprotein Filaggrin identifiziert. Dies führt zu einer gestörten Barrierefunktion der Haut und damit einhergehend zu einem höheren Wasserverlust. Die Folgen sind trockene, juckende Haut, die zudem eine höhere Infektionsanfälligkeit besitzt. Produkte zur Basispflege bei Neurodermitis sollten daher vor allem die Hautbarriere durch Zufuhr von Feuchtigkeit und Lipiden stabilisieren, den Juckreiz lindern, und darüber hinaus leicht anwendbar sein. Dabei gilt die Faustregel: je trockner die Haut, umso höher der Lipidanteil des Pflegeprodukts.

Adhärenz-- Um die Basispflege konsequent und auch in beschwerdefreien Zeiten durchzuführen, ist eine gute Mitarbeit des Patienten notwendig. Jüngere Forschungen haben gezeigt, dass Pflegeprodukte mit einem angenehmen Duft die Therapietreue von Neurodermitikern erhöhen können. Daher wird heute in Dermokosmetika, die für Neurodermitiker geeignet sind, nicht mehr grundsätzlich auf Duftstoffe verzichtet.

Pflanzliches-- Dermokosmetika, die Neurodermitikern empfohlen werden können, enthalten auch Inhaltsstoffe von Pflanzenextrakten mit juckreizlindernder und entzündungshemmender Wirkung. Dazu zählt Hyperforin aus Johanniskraut, das entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften besitzt. Betulin aus Birkenrinde kann Juckreiz lindern und Entzündungen hemmen. Ein Extrakt aus der Junghaferpflanze (Rhealba ®) enthält Saponine und Flavonoide. Er trägt zum Lindern von Entzündungen bei und wirkt immunregulierend.

Psoriasis

Typisch für die Psoriasis (Schuppenflechte) sind stark schuppende, entzündete Hautstellen vor allem an Knien, Ellenbogen und auf der Kopfhaut. Durch regelmäßige Reinigung und Pflege – therapiebegleitend sowie auch zwischen den Schüben – kann das Hautbild stark verbessert werden. Schuppenablösende Mittel, die bei Psoriasis empfohlen werden können, enthalten Harnstoff (keratolytisch ab 10 %) und Salicylsäure (keratolytisch ab 5 – 10 %) oder weisen ein physikalisches Wirkprinzip auf (z. B. Kombination aus Dimeticon und Dicaprylylcarbonat). Harnstoff-Präparate, (z. B. Hydrophile Harnstoff-Creme 10 % NRF 11.71.), die das Wasserbindungsvermögen der Hornschicht erhöhen, sind besonders sinnvoll, weil bei Psoriasis-Patienten der natürliche Gehalt der Haut an Harnstoff stark reduziert ist.

Rosacea

Die Hauptsymptome einer Rosacea sind Rötungen (Erytheme) in Verbindung mit Hitzeempfinden (Flush) vor allem im Gesicht, an Stirn, Nase, Kinn und Wangen, wobei die Region um die Augen häufig ausgenommen ist. Darüber hinaus treten Gefäßerweiterungen (Teleangiektasien) und in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung auch Papeln und Pusteln auf, weshalb die Rosacea manchmal für Akne gehalten wird.

Reinigen-- Rosacea-Patienten sollten ihr Gesicht besonders schonend und ohne mechanisch stark zu reiben reinigen, da die Haut sehr empfindlich ist. Geeignet sind auf einen schwach sauren pH-Wert eingestellte Waschlotionen oder Reinigungspräparate mit hautfreundlichen Tensiden. Das zum Abspülen verwendete Wasser sollte zur Vermeidung von Irritationen nur lauwarm sein. Alternativ kann eine Reinigung ohne Wasser mit Reinigungsfluids auf Micellenbasis erfolgen. Auf Zubereitungen (z. B. alkoholhaltige Gesichtswässer) oder Manipulationen (z. B. Trockenrubbeln der Haut, Peelings), die die Haut reizen, sollte verzichtet werden.

Pflegen-- Hier eignen sich hydrophile Formulierungen, ohne oder mit nur geringem Lipidanteil (z. B. Hydrogele, O/W-Cremes). Diese dürfen ebenfalls keine Zusätze enthalten, die reizen und die Durchblutung der Haut fördern (z. B. ätherische Öle). Empfehlenswert sind dagegen Dermokosmetika mit Inhaltsstoffen, die nachweislich hautberuhigende, entzündungshemmende und/oder gefäßstabilisierende Eigenschaften besitzen. Dazu zählen Kinetin, Licochalcon A oder Ruscus-Extrakt.

Abdecken-- Zum Kaschieren geröteter Hautstellen eignen sich grün getönte Hautpflegecremes oder fettarme Make-ups.

Schützen-- Da UV-Strahlung zu den Triggeraktoren der Rosacea zählt, sind Sonnenschutzmittel mit hohen bis sehr hohen Lichtschutzfaktoren für das Gesicht unverzichtbar.

Akne

Typisch für die Akne (Acne vulgaris) sind Mitesser (Komedonen), Knötchen und Eiterbläschen, die insbesondere im Gesicht, im Brust- und Rückenbereich auftreten. Die Mitesser sind mit Hauttalg, abgestorbenen Hautschüppchen und Bakterien wie Propionibacterium acnes gefüllt und können sich leicht entzünden.

Reinigung-- Die Waschformulierungen sollten seifenfrei und mild sein und einen leicht sauren pH-Wert besitzen, um den physiologischen Haut-pH nicht zu beeinträchtigen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass sie Lipide und Bakterien auf der Hautoberfläche reduzieren. Alkoholisches Gesichtswasser komplettiert die Reinigung.

Pflege-- Geeignet sind feuchtigkeitsspendende, fettarme Produkte wie Gelcremes, Hydrogele oder O/W-Cremes. Sie können zudem keratolytisch wirkende Inhaltsstoffe wie Alpha-Hydroxysäuren (z. B. Glykolsäure, Milchsäure) oder Salicylsäure enthalten.

Faktum

  1. Nach Empfehlungen der EU-Kommission ist auf Sonnenschutzmitteln zusätzlich zum LSF eine Schutzkategorie (niedrig, mittel, hoch, sehr hoch) anzugeben.
  2. Der UV-A-Schutzfaktor eines Produkts sollte mindestens ein Drittel des UV-B-Schutzes betragen. Ein Symbol (Kreis mit UVA) gibt Auskunft darüber, dass diese Forderung erfüllt ist.
  3. Auf Angaben, die einen 100-prozentigen Schutz suggerieren wie Sunblocker, soll verzichtet werden.

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