31.12.2020

Dermokosmetik: Winterzeit ist Pflegezeit

von Stefanie Fastnacht

Kalte Außentemperaturen plus Maske im Gesicht, bei dieser Kombination sind Hautirritationen vorprogrammiert. Lesen Sie, wie Ihre Kunden trotzdem mit glatter und geschmeidiger Haut durch den Winter kommen.

© Getty Images

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  • Im Winter schwächen Kälte, verminderte UV-Intensität und trockene Heizungsluft die Barrierefunktion der Haut und trocknen sie aus.
  • Rauigkeit, Juckreiz, entzündliche Rötungen bis hin zu Ekzemen sind Symptome trockener Winterhaut.
  • Zur hautschonenden Reinigung eignen sich pH-neutrale oder ölige Dusch- und Badezusätze.
  • Pflegecremes und -lotionen sollten neben Lipiden vor allem feuchtigkeitsbindende Substanzen wie Glycerol, Harnstoff oder Milchsäure enthalten.
  • Lippen und Hände reagieren besonders empfindlich auf Kälte und müssen regelmäßig mitgepflegt werden.

Hautgesunde und Kunden mit Hauterkrankungen gleichermaßen klagen im Winter häufig über Spannungsgefühle nach dem Reinigen, aber auch über Rötungen, Juckreiz oder Brennen bis hin zu starker Hautschuppung und Ekzembildung. Meistens machen sich die Symptome zuerst an direkt der Kälte ausgesetzten Hautarealen wie den Händen oder dem Gesicht bemerkbar. Ein Effekt, der sich durch das Tragen von Gesichtsmasken noch verstärken kann.

Schutzfunktion

Die oberste Schicht der Epidermis, die Hornschicht (Stratum corneum) besteht aus eng miteinander verzahnten, abgestorbenen Hornzellen, die die lebenden Zellen in der Basalzell-, Stachelzell- und Körnerschicht vor Umwelteinflüssen abschirmen. Eine Kittmasse aus Ceramiden, Cholesterolestern und Fettsäuren füllt die Räume zwischen den Hornzellen aus und sorgt unter anderem dafür, dass nicht zu viel Feuchtigkeit aus tieferen Hautschichten nach außen verloren geht. Der Natural Moisturizing Factor (NMF), eine Mischung aus wasserbindenden Substanzen, hält zusätzlich Feuchtigkeit in der Hornschicht zurück. Zu den Bestandteilen des NMF gehören beispielsweise Aminosäuren und Peptide, Natriumlactat und Harnstoff (Urea). Mangelt es der Haut an NMF und/oder ist die epidermale Barrierefunktion gestört, trocknet die Haut aus.

Aus dem OTC-Sortiment*

Anwendungsgebiet

Produkt

Hauptwirkstoffe

Besonderheit

Körperreinigung

Haut in Balance Olivenöl Derm. Waschlotion

Harnstoff, Olivenöl, Dexpanthenol u. a.

mild reinigend, feuchtigkeitsspendend

Gesichtsreinigung

frei® öl Reinigungsmilch

Aloe vera, Glycerin

feuchtigkeitsspendend, reinigt ohne auszutrocknen

Körperpflege

Eucerin® UreaRepair Plus Lotion 5 % mit Duft

Harnstoff + weitere NMF, Ceramide

für trockene, sehr trockene Haut, feuchtigkeitsspendend, stabilisiert die Hautschutzbarriere

Gesichtspflege

Avene Cold Cream Crème

Avène-Thermalwasser, Bienenwachs

für Säuglinge, Kinder, Erwachsene, rückfettend, schützt vor Kälte

Spezialpflege, Lippen

Bepanthol® Lipstick

Dexpanthenol, gebleichtes Wachs u. a.

beruhigt, regeneriert trockene, rissige Lippen

Spezialpflege, Sonne

Dermasence Solvinea Med Creme LSF 50+

Bisabolol, Dexpanthenol u. a.

UVA-/UVB-Schutz

*beispielhafte Nennungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe: 03.12.2020)

Angegriffene Hautbarriere

Verschiedene Faktoren fördern im Winter Hauttrockenheit und -Irritationen, da sie letztlich die Barrierefunktion der Haut schwächen. So bildet sich während der Wintermonate die im Sommer durch UV-Strahlen ausgebildete Verdickung der Hornschicht zurück. Auch als natürliche Lichtschwiele bezeichnet, schützt sie die Haut in der warmen Jahreszeit vor UV-Strahlen. Gleichzeitig stellt sie eine Barriere gegen Austrocknung und Umweltschadstoffe dar. Aufgrund der schwächeren UV-Intensität ist die Lichtschwiele im Winter geringer ausgeprägt und damit auch weniger wirksam.

Bei Temperaturen unter acht Grad Celsius stellen zudem die Talgdrüsen ihre Lipidproduktion ein. Der daraus resultierende Mangel an Fett schwächt die Barrierefunktion der Haut weiter und macht sie anfälliger für Irritationen. Ferner entziehen trockene kalte Luft im Freien oder trockene Heizungsluft in Innenräumen der Hornschicht Feuchtigkeit. Normalerweise liegt ihr Wassergehalt bei über zehn Prozent. Sinkt er auf Werte darunter, beginnt die Haut zu spannen und zu jucken. Auch drosselt der Organismus bei längeren Aufenthalten im Freien die Hautdurchblutung. In Folge verlangsamt sich die Regeneration.

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Praxistipps

Die Auswahl und die Empfehlung von Reinigungs- und Pflegeprodukten in der kalten Jahreszeit zielen darauf ab, die Barrierefunktion der Haut zu stärken, Feuchtigkeit zu spenden, vor Kälte und – insbesondere beim Wintersport – vor UV-Strahlen zu schützen.

Reinigung

Damit werden morgens und abends die Hautpflegemaßnahmen eingeleitet und Talg, Schweiß, Schmutz, abgestorbene Hautzellen, Mikroorganismen und Make-up von der Hautoberfläche entfernt. Die regelmäßige Gesichtsreinigung ist auch in Corona-Zeiten eine wichtige Maßnahme, um Irritationen vorzubeugen. Das gilt insbesondere für Menschen, die über einen längeren Zeitraum am Tag einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Denn im feucht-warmen Maskenmilieu können sich Hautreizungen auslösende Mikroorganismen gut vermehren. Im Winter und insbesondere bei empfindlicher, trockener Haut bieten sich zur Reinigung Milchen und ein dazu passendes alkoholfreies Tonic an. Oder micellare Reinigungsfluids. Beide entfernen ohne auszutrocknen Schmutz und Make-up und bereiten die Haut auf die anschließend aufgetragenen Pflegeprodukte vor.

Dusche/Bad-- Auf ausgedehnte Dusch- und Badeeinheiten sollten hautempfindliche Menschen im Winter verzichten. Denn heißes Wasser entzieht der Haut Feuchtigkeit. In Kombination mit emulgatorreichen Schaumbädern gehen auch Lipide verloren. Hautfreundlicher sind pH-neutrale synthetische Detergenzien (Syndets) oder ölige Dusch- und Badezusätze mit rückfettender Wirkung (Vorsicht: Rutschgefahr in Dusche und Wanne). Geduscht werden sollte nur einmal pro Tag für fünf bis zehn Minuten. Wannenfans mit trockener Haut dürfen nicht öfter als zweimal in der Woche und nicht länger als 20 Minuten im Wasser abtauchen. Sowohl beim Duschen als auch beim Baden gilt eine Wassertemperatur von 32 bis 35 Grad Celsius als optimal.

Hautpflege in Corona-Zeiten

Quelle: Landesapothekerverband Baden-Württemberg

Cremen

Unmittelbar nach der Gesichtsreinigung oder nach dem Duschen und Baden sollte die (noch feuchte) Haut eingecremt werden. Bei Kälte eignen sich für das Gesicht Formulierungen mit einem geringen Wasser- und einem hohen Lipidanteil. Denn enthalten die Präparate zu viel Wasser, besteht die Gefahr, dass sie der Haut sogar noch Feuchtigkeit entziehen. Bei Minusgraden oder beim Wintersport gefrieren stark wasserhaltige Formulierungen obendrein auf der Haut, was zu Rötungen und erweiterten Äderchen führen kann. O/W-Emulsionen mit erhöhtem Lipidanteil oder W/O-Emulsionen ersetzen bei trockener, empfindlicher Haut die Lipide und stabilisieren so die im Winter oft angegriffene Barrierefunktion. Gleichzeitig verringern sie durch ihre abdeckende (okklusive) Wirkung Feuchtigkeitsverluste. Zusätze wie Dexpanthenol, Harnstoff, Hyaluronsäure, Glycerol oder Milchsäure binden Feuchtigkeit und halten die Hornschicht glatt und geschmeidig. Eingearbeitete UV-Filter schützen darüber hinaus beim Wintersport die Haut vor Sonnenbrand.

Spezialpflege

Neben dem Gesicht ist es die Haut an Lippen und Händen, die im Winter besonders schnell rau und trocken wird. Denn im Vergleich zum Rest der Körperhaut verfügen diese Areale kaum über Talgdrüsen und damit auch über weniger schützende Lipide

Lippenpflege

Zur Pflege eignen sich Produkte mit Jojoba- oder Mandelöl. Wachsartige Grundlagen, zum Beispiel aus Bienen- oder Candelillawachs, haften gut auf der Lippenhaut und beugen so Feuchtigkeitsverlusten vor. Zusätze wie Dexpanthenol und Vitamin E fördern die Regeneration. Licochalcone, ein Extrakt aus der Süßholzwurzel, hemmt Entzündungen. Da die Lippenhaut auch wenig Pigmente enthält, sollten beim Wintersport verwendete Präparate zusätzlich noch einen Lichtschutzfilter enthalten.

Handpflege

Durch die Corona-Pandemie bedingt, hat das Händewaschen derzeit einen ganz anderen Stellenwert im Alltag als normalerweise. Der häufige Kontakt mit Wasser und Seife belastet die Haut ohnehin schon. Damit sie unbeschadet durch die kalte Jahreszeit kommt, empfehlen sich zum Reinigen pH-neutrale synthetische waschaktive Substanzen. Anschließend müssen die Hände sorgfältig getrocknet und immer eingecremt werden. Kunden bevorzugen am Tag meistens Präparate, die schnell einziehen und keinen störenden Fettfilm hinterlassen. Über Nacht fördern lipidreiche Formulierungen die Hautregeneration. Wie bei der Gesichts- und Körperpflege auch, sollten die Formulierungen feuchtigkeitsbindende Substanzen wie Glycerin oder Urea enthalten. Allantoin, Bisabolol und Panthenol beugen Irritationen vor. Bereits eingerissene Fingerkuppen heilen Wundpflegecremes mit Sucralfat, Kupfer- und Zinksulfat


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