29.09.2020

Dermokosmetika: Schönheit von außen

von Stefanie Fastnacht

Sie pflegen die Haut und lindern Hauterkrankungen. Damit das gelingt, sollten die Produkte nicht nur bestimmte qualitative Anforderungen erfüllen, sondern immer auf den individuellen Hautzustand ihrer Verwender abgestimmt sein.

© Moyo Studio / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Fortbildung

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  • Dermokosmetika sind kosmetische Mittel, bei denen der kosmetische Anwendungszweck unter Berücksichtigung dermatologischer und pharmazeutischer Gesichtspunkte erreicht wird.
  • Dermokosmetika werden nicht nur zur Hautpflege, sondern auch zur Prophylaxe und Therapie von Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Rosacea oder Akne eingesetzt.
  • Bei der Auswahl und Empfehlung von Dermokosmetika sollen die Grundlagen der Zubereitungen immer an den individuellen Hautzustand und gegebenenfalls vorliegende Hauterkrankungen angepasst sein.

Dermokosmetik und Dermokosmetika sind keine geschützten Begriffe und können deshalb von Kosmetikherstellern frei verwendet werden. Meist werden unter Dermokosmetika hochwertige oder für bestimmte Hautprobleme entwickelte Produkte verstanden, wie sie in Apotheken angeboten werden. In diesem Artikel wird vor allem gezeigt, wie Dermokosmetika zur begleitenden Hautpflege bei Neurodermitis, Akne und Rosacea eingesetzt werden können.

Lernziele

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • welche Anforderungen Dermokosmetika erfüllen sollen und wie sie rechtlich
  • einzuordnen sind.
  • Bescheid über Charakteristika von Salben, Cremes, Gelen, Pasten.
  • was ein Emollient plus ist.
  • welcher Moisturizer sich für Säuglinge und Kinder mit Neurodermitis eignet.
  • was beim dermokosmetischen Management der Rosacea zu beachten ist.
  • wie sich jugendliche Akne von Acne tarda unterscheidet.

Hintergrund

Die Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) hat als erste unabhängige Organisation in Deutschland Definitionsvorschläge für Dermokosmetika unterbreitet. Laut GD sind Dermokosmetika kosmetische Mittel, bei denen der kosme- tische Anwendungszweck unter Mitberücksichtigung bestimmter dermatologischer und pharmazeutischer Gesichtspunkte erreicht wird. Weil Dermokosmetika aber auch unterstützend zur Prophylaxe und Therapie von Hauterkrankungen angewendet werden, sollten sie bestimmte Vorgaben in Bezug auf Qualität, Wirksamkeit und Verträglichkeit erfüllen.

In verschiedenen Leitlinien und Stellungnahmen (www.gd-online.de), die eine reichlich sprudelnde Quelle für diesen Artikel darstellen, formuliert die GD Mindestanforderungen und Empfehlungen für die Entwicklung und Prüfung verschiedener Dermokosmetika und gibt evidenzbasierte Tipps für die Beratung in der Apotheke, zum Beispiel für die Reinigung und Pflege der zu Akne neigenden Haut, für Dermokosmetika gegen Hautalterung oder für die topische Basistherapie bei Neurodermitis.

Rechtliches

Herstellung, Kennzeichnung und Vertrieb kosmetischer Mittel (Kosmetika) werden durch die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 geregelt. Anders als Arzneimittel unterliegen Kosmetika keinem Zulassungsverfahren, sondern werden nach einer Sicherheitsbewertung in den Verkehr gebracht. Die Qualitätsstandards von Kosmetika unterscheiden sich also wesentlich von denen eines Arzneimittels. Soll ein Kosmetikum in der Apotheke zur Herstellung eines Rezepturarzneimittels verwendet werden, muss für das Produkt deshalb ein chargenspezifisches Analysenzertifikat gemäß Apothekenbetriebsordnung vorliegen. Wie andere Ausgangsstoffe für die Rezeptur, muss es in der Apotheke nach dem Eingang mit einer geeigneten Methode auf Identität geprüft werden.

Wussten Sie, dass ...

  • bei Menschen mit Rosacea das Lutschen von Eiswürfeln bei plötzlichen Hautrötungen helfen kann?
  • Männer mit Rosacea sich trocken statt nass rasieren sollten, um Reizungen zu vermeiden?
  • zu stark entfettende Reinigungsprodukte bei Akne als Gegenreaktion eine verstärkte Produktion von Talgdrüsenlipiden nach sich ziehen können?
  • auch bei leichten Ausprägungen einer Akne oft störende Narben zurückbleiben?
  • in Studien Menschen mit schwerer atopischer Dermatitis im Vergleich zu Hautgesunden ein erhöhtes Frakturrisiko hatten?

Galenik

Für die Wirksamkeit und Akzeptanz von Dermokosmetika spielt neben den zugesetzten Wirkstoffen auch die Grundlage eine entscheidende Rolle, unabhängig davon, ob Kunden die Produkte bei gesunder Haut oder als Begleittherapie bei Hauterkrankungen einsetzen. Denn die Grundlage kann bei wirkstoffhaltigen Dermokosmetika, etwa im Anti-Aging-Bereich, das Eindringen des Wirkstoffs in die Haut (Vehikelfunktion), die kutane Bioverfügbarkeit und damit letztlich die Wirksamkeit fördern. Außerdem treten Grundlagen je nach Zusammensetzung mit Bestandteilen der äußersten Epidermisschicht, der Hornschicht (Stratum corneum), in Wechselwirkung und entfalten so selbst therapeutische Effekte. Bei der Auswahl und Empfehlung von Dermokosmetika sind deshalb neben den eingearbeiteten Wirkstoffen auch die Grundlagen zu berücksichtigen und an den aktuellen Hautzustand beziehungsweise bei Hauterkrankungen an das akute oder chronische Geschehen anzupassen.

Die wichtigsten dermatologischen Grundlagen sind Salben, Cremes, Gele und Pasten. Sie werden im Folgenden kurz charakterisiert und – wenn vorhanden – auch mit je einem Beispiel für offizinelle Grundlagen aus dem Arzneibuch vorgestellt. Wobei aber zu beachten ist, dass durch Hilfsstoffe wie Emulgatoren und Gelbildner es heute möglich ist, die Eigenschaften von halbfesten Zubereitungen zu steuern, unabhängig von ihrem Wasser- und Lipidanteil.

Salben

Sie sind wasserfrei und werden eingeteilt in lipophile und hydrophile Salben(grundlagen) sowie in wasseraufnehmende Absorptionssalben. Lipophile Salben (Vaselinum album) können lipohile Wirkstoffe aufnehmen und werden bei sehr trockenen Hautzuständen eingesetzt. In die hydrophilen Varianten (Macrogolsalbe DAC) können hydrophile Wirkstoffe sowie begrenzt Wasser eingearbeitet werden. Mit ihnen werden stark geschädigte Haut, Schleimhaut oder Wunden behandelt. Wasseraufnehmende Absorptionssalben wiederum enthalten Emulgatoren, die es ermöglichen, unter Emulsionsbildung Wasser in sie einzuarbeiten. Wollwachsalkoholsalbe DAB ist eine Wasser-in-Öl-Absorptionssalbe (W/O- Absorptionssalbe), indiziert bei trockener und subakut entzündeter Haut. Hydrophile Salbe DAB ist dagegen eine Öl-in-Wasser-Absorptionssalbe (O/W- Absorptionssalbe), die als reine Grundlage aber kaum zur Anwendung kommt.

Cremes

Sie bestehen aus mindestens einer wässrigen und einer öligen Phase und werden in hydrophile Cremes vom O/W-Typ (nichtionische hydrophile Creme DAB), in lipophile Cremes vom W/O-Typ (Wollwachsalkoholcreme DAB, syn. Eucerin cum Aqua), in ambiphile Cremes (Basiscreme DAC) mit O/W- und W/O-Anteilen sowie in flüssige Hautemulsionen vom O/W-Typ (Hydrophile Basisemulsion DAC) und W/O-Typ aufgeteilt. Lipophile Cremes eignen sich zur Fettung trockener Haut oder zum Ablösen von Schuppen und Krusten etwa bei Psoriasis oder Ekzemen. Hydrophile Cremes wirken stark kühlend und werden oft bei akuten Dermatosen und fettiger Haut angewendet. Ambiphile Cremes haben ein breites Einsatzgebiet, angefangen bei entzündlichen Dermatosen über Psoriasis und Neurodermitis bis hin zur Akne. Auch O/W-Hautemulsionen sind bei akut entzündlichen, nässenden Hautveränderungen indiziert, da sie kühlen und wegen ihres hohen Wasseranteils austrocknend wirken. W/O-Hautemulsionen pflegen vor allem trockene Haut.

Gele

Sie bestehen aus gelierten Flüssigkeiten. Es gibt lipophile (Oleogele) und hydrophile Gele (Hydrogele). Oleogele enthalten einen hohen Anteil flüssiger Lipide wie Dickflüssiges Paraffin mit Polyethylen (Hydrophobes Basisgel DAC) oder fette Öle, die mit kolloidalem Siliciumdioxid, Aluminium- oder Zinkseifen (Zinksalze von Fettsäuren) geliert werden. Sie eignen sich vor allem bei sehr trockener Haut. Hydrogele setzen sich aus Wasser, Glycerol, Propylenglycol oder anderen hydrophilen Lösungsmitteln zusammen, die mit Quellstoffen wie Cellulosederivaten (Hydroxyethylcellulosegel DAB) oder Carbomeren (Carbomergel pH 6,5, NRF Stammzubereitung 5.43) geliert werden. Sie kommen bei öliger Haut, zum Beispiel bei Akne, zur Anwendung.

Pasten

Das sind Zubereitungen, die neben halbfesten oder flüssigen Bestandteilen unlösliche Pulverbestandteile wie Zinkoxid, Titandioxid oder Talkum suspendiert enthalten. Je nach Pulveranteil und Konsistenz der halbfesten und flüssigen Bestandteile unterscheidet man zwischen harten Pasten (Zinkpaste DAB) zur Behandlung kleiner, akuter Dermatosen oder zum Hautschutz. Weiche Pasten (Weiche Zinkpaste DAB) kommen häufig zum Einsatz, wenn Haut auf Haut liegt (Intertrigines). Flüssige Pasten sind Suspensionen mit einem hohen Feststoffanteil in einem Öl, etwa Zinköl (Oleum Zinci NRF 11.20.). Damit lassen sich trockene bis sehr trockene Hautareale behandeln.

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Auswahl der Grundlage

Entscheidend für die Anwenderfreundlichkeit und Akzeptanz von Dermokosmetika ist der Wasser- beziehungsweise Fettanteil der Formulierungen. Bei der Beratung in der Apotheke sollte berücksichtigt werden, dass sich nur flüssige oder weiche halbfeste Zubereitungen gut auf die Haut auftragen und verteilen lassen, was die Akzeptanz bei den Kunden deutlich verbessert. Bei der Auswahl sind neben persönlichen Vorlieben wie der Duft der Zubereitungen unbedingt der individuelle Hautzustand und eventuell vorhandene Hauterkrankungen zu beachten. Auch die Jahreszeit spielt eine Rolle. Sinken die Temperaturen, produziert die Haut weniger Talg und benötigt daher meist lipidreichere Grundlagen als in der warmen Jahreszeit.

Hauterkrankungen

Hier hängt die Auswahl der Grundlage von begleitend angewendeten Dermokosmetika davon ab, wie akut das Geschehen gerade ist. Bei Grundlagen wie hydrophilen Cremes oder Hautemulsionen besteht die Außenphase aus Wasser. Durch Verdunstung des Wassers kühlen sie und wirken sich positiv auf Hautveränderungen im akut entzündeten Stadium aus. Doch aufgepasst: Wässrige Systeme und/oder darin enthaltene hydrophile Emulgatoren entziehen der Haut Feuchtigkeit. Dauerhaft angewendet erhöhen sie die Durchlässigkeit der Hornschicht und beeinträchtigen ihre Barrierefunktion.

Pasten, lipophile Salben oder Oleogele mit einem hohen Lipidanteil decken akut entzündete Haut meist zu stark ab. Durch diese okkludierenden Effekte weicht das Stratum corneum auf. Auch kann weniger Feuchtigkeit verdunsten. In Folge beginnt die Haut unter der abdeckenden Externaschicht zu jucken und zu brennen.

Sehr fettreiche Grundlagen kommen deshalb eher kurzfristig bei von Trockenheit begleiteten chronischen Hauterkrankungen zum Einsatz. Cremes und Salben mit einem mittleren Fettgehalt empfehlen sich, wenn die akute Phase einer Entzündung abgeklungen ist.

Neurodermitis

Die chronisch entzündliche, meist schubweise verlaufende Hauterkrankung tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf und wird auch als Atopisches Ekzem oder Atopische Dermatitis bezeichnet. Leitsymptome der Erkrankung sind trockene, schuppige Haut mit Ekzemneigung und starkem Juckreiz. Diese Symptome sind unter anderem bedingt durch einen genetisch bedingten Mangel an hauteigenen Fetten, natürlichen Feuchthaltefaktoren (NMF) wie Harnstoff und eine gestörte Hautbarriere. Komplikationen verursachen Infektionen mit Viren, Hautpilzen und Bakterien (z. B. Staphylococcus aureus).

Topische Basistherapie

Ein ganz wichtiger Baustein der Neurodermitisbehandlung ist die konsequente Pflege der Haut mit Zubereitungen, die keine oder keine pharmakologisch aktiven Wirkstoffe enthalten. Dafür stehen Dermokosmetika zur Verfügung, neben Fertig- und Rezepturarzneimitteln und Medizinprodukten. Die topische Basistherapie wird in allen Erkrankungsstadien durchgeführt, auch ergänzend zu vom Dermatologen verordneten topischen und/oder systemischen Arzneimitteln wie Glukokortikoide, Biologika oder Immunmodulatoren.

Ziel ist es, mit Hilfe der regelmäßig mehrmals täglich auf die Haut aufgetragenen Externa die Hautbarriere zu regenerieren sowie Trockenheit, Irritationen und Juckreiz zu lindern. Dadurch reduzieren sich akute Schübe, und es werden weniger entzündungshemmende Medikamenten gebraucht. Bei neugeborenen Kindern aus mit Neurodermitis vorbelasteten Familien haben Studien sogar gezeigt, dass durch eine ab Geburt durchgeführte Basistherapie die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Neurodermitis um bis zu 50 Prozent reduziert werden kann.

Individuell anpassen-- Wie oben bereits erwähnt, sollte die Galenik der zur topischen Basistherapie verwendeten Externa immer an den individuellen Hautzustand angepasst werden. Ist die Haut akut entzündet, haben sich eher hydrophile, kühlende Zubereitungen bewährt. Im chronischen Stadium, aber auch in der kalten Jahreszeit gelten lipidreichere Formulierungen als Externa der Wahl.

Feuchtigkeitsbindende Zusätze

Da Neurodermitiker infolge der gestörten Hautbarriere auch unter einem Mangel an Feuchtigkeit leiden, sollten die Basistherapeutika feuchtigkeitsbindende Zusätze (Moisturizer) enthalten. Empfehlenswert sind glycerinhaltige Zubereitungen. Sie haben in Studien bei Erwachsenen und bei Kindern sehr gute hydratationsfördernde Wirkungen gezeigt. Anders als der ebenfalls hautbefeuchtende Harnstoff (Urea) löst Glycerin keine Hautirritationen wie Brennen und Juckreiz aus, weshalb er auch bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt werden kann. Ein weiterer Pluspunkt: Studien zufolge scheinen glycerinhaltige Basistherapeutika Ekzemschüben vorzubeugen und den Bedarf an topischen Glukokortikoiden zu senken.

Weitere Zusätze

Ergänzend zu den reinen beziehungsweise zu den glycerin- und ureahaltigen Basistherapeutika werden für Neurodermitiker auch Medizinprodukte und Kosmetika mit speziellen Wirkstoffen (Emollients plus) angeboten. Laut S2K-Leitlinie „Consensus-based European guidelines for treatment of atopic eczema in adults and children, part I, II“ des European Dermatology Forum und anderer europäischer Fachorganisationen zählen dazu Zusätze von proteinfreiem Junghaferextrakt und bakterielle Lysate aus Aquaphilus dolomiae oder Vitreoscilla filiformis.

Für ein konservierungsmittelfreies, steriles Kosmetikum mit Junghaferextrakt konnte in einer klinischen Studie an Kindern (6 Mo. – 6 J.) gezeigt werden, dass die O/W-Creme den Hautzustand im Anschluss an eine 14-tägige Glukokortikoidtherapie über mehrere Wochen stabilisierte. Eine konservierungsmittelfreie O/W-Emulsion mit Aquaphilus dolomiae-Lysat stabilisierte in einer Studie nach 28-tägiger Anwendung bei Kindern (1 – 4 J.) die Hautbarriere und verminderte die Besiedelung mit dem Problemkeim Staphylococcus aureus. Die Studienautoren führen dies auf den stabilisierenden Einfluss des Lysats auf das Hautmikrobiom, also die natürliche Hautflora, zurück. Sie ist bei Menschen mit Neurodermitis im Gegensatz zu Hautgesunden verändert und fördert neue Entzündungsschübe, aber auch Komplikationen in Form von echten Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Viren.

Rosacea

Die Dermatose manifestiert sich meist bei Menschen mit hellem Hauttyp und betrifft vor allem die Gesichtshaut. Diese ist sehr leicht reizbar, juckt und brennt schnell. Neben Rötungen (Erythemen) und erweiterten Blutgefäßen (Teleangiektasien) können auch Papeln und Pusteln sowie Hautverdickungen (Phyme) auftreten. Diese Hautveränderungen stören das ästhetische Empfinden und beeinträchtigen die Lebensqualität und die Psyche der Betroffenen oft erheblich. Hitze, Kälte, UV-Licht, scharf gewürzte Speisen, Alkohol oder falsch ausgewählte Kosmetika können die Rosacea verschlimmern (triggern).

Therapeutisches

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Die Therapie basiert darauf, Triggerfaktoren zu vermeiden. Im Beratungsgespräch in der Apotheke sollten Betroffene darauf hingewiesen werden, Aktivitäten zu meiden, die mit Temperaturschwankungen einhergehen und in Folge zu plötzlichen Hautrötungen (Flushs) führen, etwa kalt-warme Wechselbäder, Saunagänge und Sonnenbäder. Der Hautarzt kann gegen plötzlich auftretende und anhaltende Hautrötungen unter anderem Topika mit Brimonidin (Rp) verordnen. Papeln und Pusteln lindern beispielsweise Externa mit Metronidazol, Ivermectin (beide Rp), Azelainsäure (bis zu 10 % rezeptfrei) sowie oral verabreichtem Doxycyclin (Rp). Teleangiektasien und Phyme sprechen auf Laserbehandlungen an. Für Rosacea geeignete Dermokosmetika runden das Behandlungsprogramm ab. Das dermokosmetische Management umfasst dabei das Reinigen und Pflegen inklusive Abdecken der Haut sowie das Empfehlen von Sonnenschutzprodukten.

Reinigen

Klassische Seifen sind bei Rosacea tabu, da sie den Säureschutzmantel angreifen und Irritationen auslösen. Besser eignen sich Reinigungsemulsionen, die ohne Wasser angewendet werden und Produkte auf Mizellenbasis oder seifenfreie Syndets. Die synthetisch waschaktiven Substanzen können auf einen leicht sauren pH-Wert eingestellt werden und gelten als hautschonend. Im Gegensatz zu mizellaren Produkten werden sie mit Wasser abgespült. Wichtig ist es, beim Abspülen physikalische Reize durch zu kaltes oder zu warmes Wasser zu vermeiden. Mechanische Peelingpräparate mit feinen Schleifpartikeln, durchblutungsfördernde Masken und Gesichtswasser mit Alkohol, Campher oder Menthol reizen die Haut bei Rosacea ebenfalls zu stark. Enzymatische und gering dosierte Fruchtsäurepeelings zum sanften Lösen von Hautschuppen und Talgablagerungen sind dagegen erlaubt.

Pflegen

Grundsätzlich empfehlenswert sind Produkte mit lipidarmen Grundlagen wie O/W-Zubereitungen. Enthält die Pflege zu viel Fett, kommt es zur Okklusion und zum Hitzestau. In Folge können sich die Äderchen noch mehr erweitern, und die Haut beginnt zu brennen. Hydrogele eignen sich vor allem für Menschen, die zu Flushs neigen, weil sie die erhitzte Haut kühlen. Von Cremes profitieren Betroffene mit eher trockener Haut. Tagescremes sollten ein Schutzsystem gegen UVA- und UV-B-Strahlen enthalten, da Sonnenlicht ein starker Triggerfaktor für Rosacea ist. Oft sind den Zubereitungen auch Grünpigmente beigesetzt, mit denen die Hautrötungen optisch neutralisiert werden. Bei Sonnenschutzpräparaten empfehlen sich ebenfalls eher lipidarme Formulierungen, die über einen hohen bis sehr hohen Lichtschutzfaktor (30 – 50+) verfügen.

Zusatzstoffe-- Idealerweise sollten die Pflegeprodukte Substanzen mit hautberuhigenden, entzündungshemmenden, gefäßstabilisierenden, antioxidativen sowie Anti-Aging-Eigenschaften enthalten. Antioxidativ, antientzündlich und hautberuhigend wirken beispielsweise Bisabolol, Calendula- und Weihrauchextrakt oder Licochalcone A.

Gefäßstabilisierende Eigenschaften weisen Extrakte aus Mäusedorn oder Rosskastanie auf. Dextransulfat mildert Rötungen und lindert Ödeme. Anti-Aging Effekte hat beispielsweise Hyaluronsäure. Nicht erlaubt sind dagegen hautreizende Substanzen wie Vitamin A, Retinol oder Emulgatoren wie Natriumlaurylsulfat.

Akne

Pickel und Pusteln plagen nicht nur Jugendliche, sondern als Acne tarda auch Erwachsene, meist Frauen im Alter ab 25 Jahren aufwärts. Während bei den Teenies die Hautunreinheiten vor allem in der T-Zone des Gesichts blühen, breiten sie sich bei älteren Menschen eher auf den Wangen und auf der Haut zwischen Mund und Nase aus. Die Ursachen von Akne sind nicht vollständig geklärt. Sowohl in der Pubertät als auch im Erwachsenenalter gelten hormonelle Umstellungen als Auslöser. Insbesondere Androgene wie das Testosteron fördern die Talgproduktion und sorgen für verstopfte Poren. In diesen gedeihen wiederum aknerelevante, entzündungsfördernde Bakterien wie Propionibacterium acnes. Nicht zu unterschätzen sind in allen Altersgruppen zudem Faktoren wie Stress und die Ernährung. Studien zeigen, dass Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index, die insulinotrop wirken, die talgdrüsenstimulierenden Hormonumstellungen verstärken können und das Hautbild verschlechtern (z. B. Milch und Milchprodukte). Viele erwachsene Frauen verwenden außerdem oft zu reichhaltige Pflegeprodukte, die den Talgabfluss blockieren und die Bildung von Mitessern und Pickeln fördern. Das dermokosmetische Management bei Akne zielt darauf ab, die Talgproduktion zu regulieren, den Talgabfluss zu verbessern, aknerelevante Bakterien zu reduzieren und Entzündungen positiv zu beeinflussen.

Reinigen

Sowohl in der Pubertät als auch im Erwachsenenalter sollten milde Reinigungsprodukte verwendet werden, die Talg, Schmutz, Zellrückstände und Make-up lösen, ohne den Säureschutzmantel der Haut anzugreifen und sie zu stark zu entfetten. Gut eignen sich seifenfreie Syndets mit einem pH-Wert von 5,5. Außerdem mizellare Reinigungslotionen und Waschcremes oder -gele beziehungsweise Schaumformulierungen. Zusätze wie Bisabolol, Panthenol oder Hamamelisextrakte tragen zur Hautberuhigung bereits beim Reinigen bei. Anschließend eingesetztes Gesichtswasser bereitet die Haut auf das Auftragen der Pflege vor.

Pflegen

Jugendliche Aknekunden profitieren von feuchtigkeitsspendenden hydrophilen Zubereitungen wie Hydrogelen, Gelcremes oder Cremes. Bei Akne tarda reichen diese Formulierungen aufgrund ihres geringen Lipidgehaltes oft nicht aus. Hier sollten die Formulierungen mehr Lipide enthalten. Diese dürfen allerdings nicht komedogen (mitesserbildend) wirken. Beispiele für komedogene Lipide sind unter anderem Paraffin, Vaseline, Lanolin, Oliven- oder Kokosöl.

Zusatzstoffe-- Um den Talgabfluss zu gewährleisten und das Hautbild zu verfeinern, enthalten Dermokosmetika zur Pflege der zu Unreinheiten und Akne neigenden Haut in der Regel keratolytisch wirksame Zusätze. Dazu gehören Salicylsäure, Glykol- und Milchsäure oder Retinaldehyd. Retinaldehyd verfügt zudem über Anti-Aging-Eigenschaften, was die Substanz als Zusatzstoff in Produkten für Acne tarda interessant macht.


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