30.01.2019

Diäten: Erfolgreich abnehmen

von Kirsten Bechtold

Wer abnehmen möchte, sollte nicht allein gelassen werden. Unterstützen Sie Ihre Kunden aktiv bei einer Ernährungs- und Lebensstiländerung und positionieren sich so als kompetenter Ansprechpartner.

PTA präsentiert Zitrone

© nensuria / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

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  • Um Gewicht zu reduzieren, muss ein Energiedefizit erreicht werden, ohne die ausreichende Versorgung mit Mikro- und Makronährstoffen zu gefährden.
  • Formuladiäten und ballaststoffhaltige Medizinprodukte können den Einstieg in eine Diät erleichtern und den Abnehmprozess unterstützen.
  • Beim Gewichthalten hilft eine Kost mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie ausreichend Bewegung.

Allein der Suchbegriff „Diät“ liefert bei Google in nur 0,34 Sekunden etwa 19 300 000 Ergebnisse. Hier zwischen seriösen und unseriösen Beiträgen zu unterscheiden, ist für Laien nicht immer einfach. Kommen Kunden nach einer Internetrecherche oder mit dem konkreten Wunsch nach einem Mittel zur Gewichtsreduktion in die Apotheke, ist das Ihre Chance, Kompetenz als Gesundheitsexperte zu zeigen. Es gilt, Abnehmwillige entsprechend ihrer Bedürfnisse individuell zu beraten. Im Idealfall begleiten Sie den Kunden auf dem Weg zu seinem Wohlfühlgewicht, zum Beispiel durch wöchentliche oder monatliche Treffen, bei denen Sie gemeinsam den Erfolg kontrollieren, Tipps zur Ernährungs- und Lebensstilumstellung geben und den Kunden zum Durchhalten motivieren.

Noch effektiver als die Einzelberatung ist das Gründen einer Abnehmgruppe. Zum einen erreichen Sie gleich mehrere Kunden gleichzeitig. Zum anderen ist das Abnehmen in der Gruppe meist leichter als allein. Bei den Treffen wird dann der Gewichtsverlust jedes Teilnehmers gemessen. Sie können auch eine Ganzkörperfettbestimmung durchführen, um zu prüfen, ob es den Fettpölsterchen tatsächlich an den Kragen geht. Kurzvorträge zur gesunden Ernährung und einem bewegten Lebensstil runden die Treffen ab.

Realistische Ziele setzen

Wecken Sie im Beratungsgespräch nicht zu hohe Erwartungen. Wer abnehmen will, braucht nicht nur den Willen, abzunehmen, sondern auch Geduld. Diäten, die hohe Gewichtsverluste in kürzester Zeit versprechen, sind in aller Regel ungeeignet, nachhaltig das Gewicht zu verringern und sorgen für Frustration auf Seiten des Abnehmwilligen. Wer hingegen langsam überflüssige Pfunde verliert, seine Ernährungsgewohnheiten um stellt und auch seinen Lebensstil überdenkt, hat gute Chancen, dauerhaft sein Wohlfühlgewicht zu halten. Das sollten Sie Ihren Kunden zu Beginn erklären, denn realistische Ziele fördern das Durchhalten. Kleine Etappenziele, deren Erreichen auch gefeiert werden sollte, motivieren zusätzlich.

Aber was sind realistische Ziele? Die aktuelle Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“ nennt dazu folgende erstrebenswerte Gewichtsverluste: Innerhalb von sechs bis zwölf Monaten sollten Personen mit einem Body Mass Index (BMI) von 25 bis 35 kg/m 2 mehr als fünf Prozent des Ausgangsgewichts verlieren. Bei einem BMI von größer 35 kg/m 2 sollten es mehr als zehn Prozent sein.

Als Faustregel für das Beratungsgespräch gilt: Werden pro Woche 3500 Kilokalorien eingespart, nimmt man etwa ein halbes Kilo ab. Das entspricht etwa zwei Kilo pro Monat.

Diätkonzepte

Unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist ein Diätkonzept, welches täglich zwischen 1200 bis 1500 Kilokalorien liefert. Hiermit geht das Abnehmen zwar langsamer, dafür werden die Fettreserven mobilisiert. Die meisten Diätkonzepte beruhen darauf, dass einer der drei Hauptenergielieferanten (Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß) anteilig verringert wird zugunsten eines anderen. Diäten, die auf einen Energielieferanten komplett verzichten, sind in der Regel nicht empfehlenswert. Denn der Organismus braucht alle Makronährstoffe.

Auf lange Sicht gesehen ist eine dauerhafte Änderung des Ernährungsstils notwendig. Das allein reicht jedoch meist nicht aus. Zusätzlich ist mehr Bewegung wichtig. Das heißt, auch der Lebensstil muss sich ändern. Nur so lässt sich nach Erreichen des Wunschgewichts dieses auch halten. Die meisten seriösen Diäten berücksichtigen diesen Aspekt.

Wer zudem immer dann zu Süßigkeiten greift, wenn es ihm schlecht geht oder wenn er Stress hat, sollte darüber hinaus eine Verhaltenstherapie in Betracht ziehen. Mit deren Hilfe lassen sich falsch erlernte Ernährungsmuster ablegen.

Im Folgenden finden Sie einige gängige Diätkonzepte, deren Inhalte wir für Sie zusammengefasst haben.

Kalorienreduzierte Mischkost

Der Klassiker unter den Diäten ist die kalorienreduzierte oder auch energiereduzierte Mischkost. Sie liefert maximal 1500 Kilokalorien pro Tag und enthält gleichermaßen pflanzliche wie tierische Produkte. Damit wird gewährleistet, dass alle lebensnotwendigen Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe in ausreichender Menge zugeführt werden. Die Verwendung fettarmer Lebensmittel sorgt für die notwendige Energieeinsparung.

Diesen Ansatz verfolgen zum Beispiel Programme zur Gewichtsreduktion wie „ICH nehme ab“ von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Brigitte-Diät oder die „Weight Watchers-Diät“.

Wussten Sie, dass...

  • eine Energiezufuhr unter 1000 Kilokalorien pro Tag zwar sehr schnell Pfunde schmelzen lässt, dieses jedoch vor allem auf Wasserverlusten und dem Abbau von Muskelprotein beruht?
  • es bei einer langfristigen Verringerung der täglichen Energiezufuhr auf unter 1000 Kilokalorien zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen kommen kann?
  • ein Diätkonzept ernährungsphysiologisch am empfehlenswertesten ist, welches täglich zwischen 1200 und 1500 Kilokalorien liefert?

Volumetrics-Diät

Bei der als Volumetrics-Diät bezeichneten Kostform wird zum Sattessen auf Lebensmittel gesetzt, die viel Flüssigkeit enthalten, aber wenige Kalorien pro Gramm oder Portion liefern. Hierzu zählen zum Beispiel Gemüse, welches keine Stärke enthält (z. B. Kohlrabi, Blattsalat, Tomaten, Gurke) und Obst wie Äpfel, Wassermelone, Kirschen, Erdbeeren. Darüber hinaus werden Vollkornprodukte, Fisch, Magermilchprodukte und magere Fleisch- und Wurstsorten sowie hochwertige Pflanzenöle wie Raps- und Olivenöl empfohlen. Die Empfehlungen entsprechen in etwa den Empfehlungen der DGE für eine gesunde Ernährung.

Low-/Slow-Carb-Diät

Das wohl älteste bekannte Beispiel einer kohlenhydratarmen Kostform ist die Atkins-Diät. Hierbei soll die Gewichtsreduktion durch das Einsparen von Kohlenhydraten (z. B. Brot, Nudeln, Kartoffeln) funktionieren. Die Kost besteht daher überwiegend aus protein- und fettreichen Lebensmitteln. Langfristig ist die durch diese Diätform erreichbare Gewichtsabnahme mit der einer fettreduzierten Diät vergleichbar.

Slow Carb basiert auf der Low-Carb-Idee. Der Verzicht auf Kohlenhydrate ist jedoch nicht ganz so strikt, es wird auf langsam verwertbare Kohlenhydrate (v. a. Ballaststoffe) zum Beispiel aus Hülsenfrüchten oder Gemüse gesetzt. Diese binden im Magen Wasser, bewirken ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl und lassen den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen wie beispielsweise Kohlenhydrate (z. B. Stärke) aus Nudeln, Reis, Kartoffeln und Weißmehlprodukten oder Fruchtzucker aus Obst.

Das Konzept „Leichter leben in Deutschland“, an welchem sich Apotheken beteiligen können, kombiniert die Ernährungsformen „Low Carb“, „Slow Carb“, „Low Fat“ und „Volumetrics“ miteinander.

Ich empfehle

Welche alternativen Möglichkeiten zur Unterstützung der Gewichts- abnahme empfehlen Sie?

Um Heißhunger auf Schokolade zu bremsen, empfehle ich Schüßler-Salz Nr. 7 (3 – 5 x tägl. 1 – 3 Tbl.), ist das Verlangen eher nach Salzigem, eignet sich Schüßler-Salz Nr. 8 in der gleichen Dosierung. Bei allgemeinem Süßhunger hat sich die Einnahme des homöopathischen Komplexmittels Infikausal (20 Tr./Glas Wasser) bewährt. Daueresser profitieren von der Einnahme von Graphites D12 (3 x tägl. 5 Glob.).

Welche Tipps geben Sie zusätzlich?

Wichtig ist eine ausreichende Magnesiumversorgung sowie ein regelmäßiger Verzehr von Bitterstoffen, die das Leber-Galle-System aktivieren. Ich empfehle gerne ein Bitterstoffgranulat, dass drei Mal täglich vor den Mahlzeiten gekaut wird. Der Stoffwechsel wird angeregt, der Appetit auf Süßes gebremst und die Darmmotilität gefördert.

Britta Fröhling, PTA und Heilpraktikerin

Intervallfasten

Derzeit sehr beliebt ist das Intervallfasten. Beim „5:2-Fasten“ wird an zwei Tagen nur Tee und Wasser konsumiert, an den anderen fünf Tagen normal gegessen. Die „16:8-Diät“ verfolgt den Ansatz: acht Stunden essen, 16 Stunden fasten. Beide können zu einer Gewichtsabnahme führen, da die wöchentliche Energieaufnahme verringert wird.

Im Rahmen der HELENA-Studie (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence), deren Ergebnisse kürzlich von Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Heidelberg vorgestellt wurden, erwies sich das Intervallfasten als gleich wirksam, verglichen mit einer herkömmlichen Reduktionsdiät, bei der die tägliche Energieaufnahme um 20 Prozent gesenkt wird.

Formuladiäten

Aus ernährungsphysiologischer Sicht können Formuladiäten als Einstieg in ein Gewichtsreduktionsprogramm sinnvoll sein. Sie werden in aller Regel als Fertigdrink angeboten oder als Nährstoffpulver, welches mit Flüssigkeit anzurühren ist. Die Produkte (z. B. Almased®, Body control®, For you Power Eiweiß, Optifast®, Slim Fast®) können eine oder mehrere Mahlzeiten ganz oder teilweise ersetzen. Bei ausschließlicher Verwendung lassen sich so in etwa 1000 Kilokalorien pro Tag einsparen.

Alle Formuladiäten unterliegen einheitlichen EU-Richtlinien. Diese legen den Gehalt an Eiweiß, Kohlenhydraten, essenziellen Fettsäuren, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen genau fest. Dadurch soll sichergestellt werden, dass es nicht zu einem Mangel einzelner Nährstoffe kommt. Der hohe Eiweißanteil sorgt dafür, dass der Organismus zur Energiegewinnung weniger auf die Muskelmasse zurückgreift, sondern verstärkt auf die Fettreserven.

Die meisten Formuladiäten sind auf zwölf Wochen angelegt, wobei in der Regel nach und nach immer weniger Mahlzeiten durch das industriell hergestellte Nährstoffgemisch ersetzt werden. Wer mit diesen Produkten dauerhaft Gewicht reduzieren möchte, sollte sie im Rahmen eines Diätkonzeptes anwenden, welches eine langfristige Ernährungsumstellung sowie regelmäßige sportliche Aktivitäten mit einbezieht. Für eine alleinige Daueranwendung sind sie nicht geeignet.

Medizinprodukte

Gegen Heißhungerattacken während einer Diät gibt es verschiedene Medizinprodukte. Diese enthalten zum Beispiel den Ballaststoff Glucomannan, eine stärkeähnliche Substanz aus verzweigten Kohlenhydraten (z. B. Ebbes® Kapseln) oder Natriumalginat (z. B. CM3 Alginat® Kapseln). Die Inhaltsstoffe quellen im Magen und sorgen so für ein Sättigungsgefühl mit der Folge, dass weniger gegessen wird.

Die Produkte können den Einstieg in eine Reduktionsdiät erleichtern und den Abnehmprozess unterstützen. Sie müssen etwa 30 Minuten vor dem Essen mit viel Wasser eingenommen werden, sonst droht Verstopfung. Bei Schluckbeschwerden oder wenn zu wenig getrunken wird, besteht Erstickungsgefahr.

Der Ballaststoff Poliglucosamin (Formoline L112 Tabletten) verfolgt ein anderes Konzept: Er bindet Fette im Verdauungstrakt und vermindert so die Energieaufnahme aus Nahrungsfetten. Zusätzlich wirken die unverdaulichen und aufgequollenen Faserstoffe leicht sättigend. Das Produkt wird der Gebrauchsinformation zufolge zweimal täglich zu den beiden Mahlzeiten mit dem höchsten Fettgehalt und mit mindestens 250 Milliliter Wasser eingenommen, optimal zum Ende der Mahlzeit hin. Es ist laut Hersteller zur Unterstützung der Gewichtsabnahme (2 x tgl. 2 Tbl.) und der Gewichtskontrolle (2 x tgl. 1 Tbl.) geeignet.


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