09.08.2018

„Die Verlängerung bringt eine höhere Attraktivität“

Die Apothekengewerkschaft Adexa und der BVpta haben ein gemeinsames Positionspapier zur Neuordnung des PTA-Berufsbildes verabschiedet. Was sich genau an der Ausbildung ändern soll, hat Adexa-Vorstand Andreas May im Interview mit DAS PTA MAGAZIN erklärt.

Andreas May

© Adexa

Herr May, was muss sich an den Inhalten der schulischen PTA-Ausbildung ändern?

Andreas May: Zuerst einmal müssen die schulischen Inhalte an die Anforderungen in der Apotheke angepasst werden. Wir schleppen in der schulischen Ausbildung noch Sachen mit, die seit Jahren teilweise obsolet sind. Dann müssen die diversen erweiterten Aufgabenfelder berücksichtigt werden, die PTA in den Apotheken jetzt übernehmen: zum Beispiel bei der Vorbereitung des Medikationsmanagements oder in der Dokumentation durch die neue Apothekenbetriebsordnung. PTA sind auch im Qualitätsmanagement tätig. Dann sind es viele Dinge, die in den Apotheken nach und nach Einzug gehalten haben, aber in der Ausbildung nur am Rande besprochen werden. Nicht zuletzt sind in den letzten zehn Jahren hunderte neue Arzneistoffe dazugekommen. Arzneiformen sind ebenfalls neue dazugekommen, die auch behandelt werden müssen.

 

Was bringt die Verlängerung der Schulzeit, die Adexa und BVpta in ihrem Positionspapier vorschlagen?

AM: Die Verlängerung bringt entgegen mancher Befürchtungen eine höhere Attraktivität. Denn wenn ich eine Berufsausbildung verlängere, dann gebe ich dem Beruf eine ganz andere Wertigkeit. Die Leute sind besser ausgebildet und besser vorbereitet auf die Aufgaben in der Apotheke. Das Konzept sieht im Detail vor, dass es zunächst zwei Jahre normalen Unterricht in den einzelnen Fächern gibt und im dritten Ausbildungsjahr sollten dann fächerübergreifende Projekte bearbeitet werden, die in der Berufspraxis eine wichtige Rolle spielen: Arzneimittelkunde, Medizinproduktekunde, Ernährung, Rechtliches. Das sollte dann im letzten halben schulischen Jahr gemacht werden. Man könnte das aber auch im ganzen dritten Ausbildungsjahr so machen, dass verschiedene Unterrichtsblöcke als Projekte angelegt sind.

 

Was muss sich am praktischen Teil ändern, der sich an die schulische Ausbildung anschließt?

AM: Eine Adexa-Umfrage zum PTA-Praktikum mit ca. 900 Teilnehmern hat ergeben, dass viele Apotheker PTA-Praktikantinnen und -Praktikanten nur als billige Arbeitskräfte ansehen. Diese Leute lernen in ihrem Praktikum nicht das, was sie für ihre Prüfung brauchen. Es sollte ein neuer Leitfaden aufgelegt werden, damit auch die PTA-Schüler im Praktikum richtig ausgebildet werden.

 

Ist ein duales Studium eine Alternative?

AM: Ich bin selber PTA, wir wollen PTA bleiben. Ein duales Studium schließt dann mit dem Bachelor oder Master ab. Das wäre dann die große Konkurrenz, der „Apotheker light“.

Wir wollen die PTA-Ausbildung – und dabei spreche ich auch für den BVpta – in dieser Form der Fachschulausbildung beibehalten. Dass man in einigen Schulen auch die Chance hat, die Fachhochschulreife zu erwerben, ist ein schönes Bonbon.

 

Immer wieder diskutiert werden die Kosten für die PTA-Ausbildung. Aktuell plant Gesundheitsminister Spahn, das Schulgeld in den Gesundheitsfachberufen abzuschaffen.

AM: Dass Minister Spahn plötzlich den PTA-Beruf auf dem Schirm hatte, liegt nicht nur an der ABDA, sondern auch am Kontakt von Adexa zum Ministerium. Ich habe jede Woche im entsprechenden Referat angerufen. Wenn man da jetzt nicht mit einsteigt, dann wird es nur wieder ein Flickwerk. Gerade jetzt, wenn die PTA-Schule kostenlos für die Schülerinnen und Schüler werden soll, kann man Nägel mit Köpfen machen. Dann tut es auch niemandem mehr weh, wenn sie oder er insgesamt drei Jahre in die Berufsschule geht, so wie in anderen Berufen ja auch.

 

Würden Sie denn sagen, dass das Schulgeld ein Argument für junge Leute ist, den PTA-Beruf nicht zu ergreifen?

AM: Nein. Wir haben auch in den Umfragen unter fertigen PTA und PTA-Schülern eben genau das nicht gesehen. Die würden den Beruf ergreifen, auch wenn es Schuldgeld kostet, auch wenn es mehr Schulgeld kostet durch eine verlängerte Ausbildung. Wer sich einmal für die Apotheke entscheidet und weiß, was für ein schöner Arbeitsplatz das ist, der nimmt das auch in Kauf.

Das Interview führte Christoph Niekamp


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