30.08.2020

Diffuser Haarausfall: Die Schur der sieben Locken

von Marcus Hanisch

Volles Haar symbolisiert Attraktivität und Gesundheit. Im Folgenden werden wachstumsfördernde Produkte vorgestellt, die ihre Wirksamkeit mittels Studien auch belegen können.

© Getty Images/iStockphoto (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Haarausfall hat vielschichtige Ursachen – Diagnose und Therapie gehören in die Hand des Dermatologen.
  • Speziell bei der Diagnose diffuser Haarausfall hilft ein sorgfältiges Beratungsgespräch in der Apotheke oftmals, Auslöser zu erkennen und erleichtert eine sinnvolle Empfehlung präventiv wie auch therapiebegleitend.
  • Bei diffusem Haarausfall kann mit Hilfe der Mikronährstoffdiagnostik eine, etwa durch Medikamente oder hohe Stressbelastung hervorgerufene, Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen erkannt und/oder ausgeschlossen werden.

Haare sind ein Nimbus der Menschheitsgeschichte und nicht alleine nur Zierde. Haare geben Auskunft über Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand, aber auch über die soziale Stellung, kulturelle und Gruppenzugehörigkeit. Bereits im Alten Testament wird von der kraftraubenden „Schur der sieben Locken“ des als unbezwingbar geltenden Samson berichtet. Da wundert es kaum, dass der Haarschnitt der Mächtigen dieser Welt nicht nur als bloßes Marketinginstrument gilt, sondern vielmehr als Ausdruck ihrer Persönlichkeit und der „Sitz der Frisur“ allzu oft als Vorbote für die politische Wetterlage gewertet werden kann.

Das Ergebnis einer im Jahre 2008 durchgeführten empirischen Untersuchung mit dem Titel „Psychologie des ersten Eindrucks“ bestätigt die Bedeutung der Haare. Demnach schauen Frauen beim ersten Treffen den Männern zuerst ins Gesicht und mit dem zweiten Blick auf das Kopfhaar, während Männer sogar meinen, sie können anhand des Frauenhaares auf die Charaktereigenschaften der Trägerin schließen. Haare sind ein wichtiger Bestandteil der alltäglichen Kommunikation, in der Beurteilung unseres Gegenübers und haben zugleich einen starken Einfluss auf das eigene Wohlbefinden wie auch das Selbstwertgefühl. Nachvollziehbare Gründe, die wieder einmal mehr eine Urangst des Menschen, nämlich den Verlust der eigenen Haarpracht, rechtfertigen.

Aus dem OTC-Sortiment*

Produktname

Hersteller

Besonderheit

Orthomol Hair Intense

Orthomol

u. a. mit speziell verkapseltem Hirseextrakt Keraliacin®,

2 Kps./d

Naturafit Haarausfall Prävent

Naturafit

u. a. L-Arginin, Taurin, Grünteeextrakt zur Durchblutung der Haarwurzel,

3 Kps./d, nicht für Schwangere, Kinder

Naturafit Haarfülle Kapseln

Naturafit

u. a. Borretsch- u. Nachtkerzenöl, pflanzliches DHA,

3 Kps./d, nicht für Schwangere, Kinder

Sikapur®

Hübner

Siliciumdioxidgel,

15 ml/d, mind. 3 Mo.; für Kinder, Schwangere, Stillende

Dr. Böhm® Haut Haare Nägel Tabletten

Dr. Böhm®

u. a. MSM, Zink, Selen, Kupfer, und Vit. B5, Biotin, Eisen

2 x 1 Tab./d, mind. 3 Mo.

Thiocyn Haarserum Frauen/Männer

Thiocyn GmbH

u. a. Thiocyanat,

+ Seidenproteine (Frauen),

+ Pfefferminzblattextrakt (Männer)

mind. 3 Mo. 1 x tgl. auf Kopfhaut auftragen und einmassieren

*beispielhafte Nennung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, (Stand Lauer-Taxe: 07.08.2020)

Hintergrund

Wer unter Haarausfall oder Haarwachstumsstörungen leidet, sollte sich zu keiner voreiligen Selbstdiagnose hinreißen lassen, sondern am besten direkt einen Facharzt konsultieren. Denn die Ursachen und Formen der Haarverluste sind vielfältig.

Formen und Ursachen

Der hormonell-erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie) stellt beim Mann wie auch bei der Frau die weitaus häufigste Ursache von Haarverlust dar. Die zweithäufigste Form ist der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata), eine akut einsetzende Autoimmunerkrankung, die sich durch lokal begrenzte, kreisrunde kahle Stellen bemerkbar macht. Daneben gibt es noch den diffusen Haarausfall, bei dem das Haar über die gesamte Kopfhaut ausdünnt und zunehmend lichter wird. Für diese Symptomatik können verschiedene Störungen des Organismus verantwortlich sein, zum Beispiel Infektionen, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder ernährungsbedingte Mangelerscheinungen etwa bei Vegetariern und Veganern, hoher Stressbelastung, radikalen Diätkuren, Eisenmangel, aber auch eine Umstellung des Hormonhaushaltes nach einer Geburt, beim Absetzen oraler Kontrazeptiva oder auch in den Wechseljahren.

Medikamente

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann zu Haarverlust führen, unter anderem ACE-Hemmer, Allopurinol, Antiepileptika, Betablocker, Fibrate, Psychopharmaka, Schilddrüsenmedikamente, auch einige Schmerz- und Rheumamedikamente. Kompetente Aufklärung in der Apotheke ist daher besonders wichtig und erleichtert eine sinnvolle Empfehlung. Meist genügt eine gezielte Supplementierung nach erfolgter Mikronährstoffdiagnostik, damit die negative Auswirkung bestimmter Arzneimittel, nicht nur auf den Haarwuchs, sowie anderweitig entstandene Mangelerscheinungen reduziert werden.

Mikronährstoff-Schnelltests-- Einige können direkt in der Apotheke durchgeführt werden und helfen zum Beispiel, Eisenmangel aufzudecken (Veroval ® Eisenmangel Selbsttest). Da Autoimmunerkrankungen unabhängig von ihrer Ausprägung von niedrigen Vitamin-D- Spiegeln gekennzeichnet sind, kann es sinnvoll sein, auch den Vitamin-D-Status zu überprüfen (Preventis Smar Test Vitamin D Schnelltest Blut).

Wussten Sie, dass ...

  • tägliche Kopfhautmassagen in wenigen Minuten die Durchblutung anregen, wodurch die Haarfollikel effizienter mit Nährstoffen versorgt werden?
  • Kissenbezüge aus Seide die Reibung der Haare verringern und so während des Schlafs vor zusätzlichem Spliss schützen?
  • die Sonne das Haar austrocknet und schädigt und Feuchtigkeitssprays oder Haaröle es lang anhaltend mit Feuchtigkeit versorgen und vor UV-Strahlen schützen?

Diffuser Haarausfall

Neben dem regelmäßigen Spitzenschneiden und einer auf die individuellen Bedürfnisse der Haare abgestimmten Pflege sind eine gesunde Ernährung sowie ausreichende Versorgung mit Nährstoffen von innen die Grundvoraussetzung für schönes und kräftiges Haar. Das richtige Bürsten der Haare begünstigt die Durchblutung der Kopfhaut, wodurch die Haarwurzel stimuliert und diffusem Haarausfall vorgebeugt wird. Gut geeignet sind dafür übrigens Bürsten mit Wildschweinborsten.

Neuheit

Zugegeben ist Orthomol nicht der erste Hersteller, der Hirse-Extrakt zur Nährstoff-Versorgung für die Haarwurzeln und -papillen einsetzt. Doch kombiniert Orthomol in seiner Produktneuheit den speziell verkapselten, patentierten Hirse-Extrakt Keraliacin ® (mit Miliacin aus der Rispenhirse), mit den schwefelhaltigen Aminosäuren L-Cystein und L-Methionin sowie Biotin, Selen, Kupfer, Zink, Thiamin (Vit. B1), Calciumpantothenat (Pantothensäure, Vit. B5), Pyridoxin (Vit. B6), Cyanoconalamin (Vit. B12). In einer In-vitro-Studie konnte der Effekt des Hirse-Extraktes auf die Zellvermehrung im Haarfollikel belegt werden. Das ist ein geeigneter Indikator für die Verankerung der Haare in der Kopfhaut und das Haarwachstum. Die anschließende multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 65 prämenopausalen Frauen bestätigte die Ergebnisse nach einem Einnahmezeitraum von zwölf Wochen. Die Zukunft wird zeigen, ob das Feedback der Anwender/-innen die Wirkung untermauert und einen Kauf rechtfertigt.

Aminosäuren und mehr

Handverlesene Rohstoffe, ohne Rieselhilfen und sonstige Zusatzstoffe, können unterstützend bei akutem Haarverlust sowie präventiv eingesetzt werden. Hersteller Naturafit zum Beispiel setzt neben den Grundbausteinen für gesundes Haar – L-Cystein und Biotin – auch auf L-Arginin, Taurin sowie Grüntee-Extrakt, die eine starke Durchblutung der Haarwurzel fördern. B-Vitamine und Zink tragen zur Erhaltung der Haare bei. Stehen dagegen Volumen, Halt, Glanz und Feuchtigkeit im Vordergrund, soll eine Kombination aus den gerade vorgestellten Inhaltsstoffen plus Borretsch- und Nachtkerzenöl sowie pflanzlicher Docosahexaensäure (DHA) für mehr Haarfülle sorgen. Eine kurmäßige Anwendung über mehrere Wochen wird empfohlen, auch bei durch Sonne und Salzwasser beanspruchtem Haar.

In einer wissenschaftlichen Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf konnten zudem bei 55 Frauen mit dünnem Haar durch die Einnahme von siliciumhaltigen, kolloidalem Kieselsäuregel der Firma Hübner dickeres Haar, deutlich gesünderes Aussehen und sichtbar mehr Volumen nachgewiesen werden. Das Präparat ist rein mineralischer Natur, frei von Konservierungsstoffen und daher selbst für Veganer und Vegetarier empfehlenswert. Nebenwirkungen sind in den angegebenen Dosierungen nicht bekannt. Dies gilt auch für Kinder, Schwangere und Stillende.

Innovation aus Österreich

Silicium ist Bestandteil aller Zellen, kann jedoch vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Dr. Böhm ® bietet deshalb eine Kombination an aus den siliciumliefernden, hoch dosierten Bestandteilen Goldhirse/Kieselerde, der Schwefelverbindung MSM (Methylsulfonylmethan), Antioxidanzien (Zink, Selen, Kupfer) sowie Vitamin B5, Biotin und Eisen. Das Präparat ist frei von Gluten, Gelatine, Hefe und Laktose und eignet sich auch für Vegetarier.

Spezialpflege, äußerlich

Die Thiocyn GmbH bietet entsprechend den geschlechtsspezifischen Anforderungen ein Haarserum in einer Frauen- (pflegende Seidenproteine) und Männer-Version (kühlender Pfefferminzblattextrakt) an. Der Wirkstoff Thiocyanat ist in beiden Produkten gleichermaßen enthalten und für die Stärkung der Haarwurzel, wie auch den Schutz gegenüber wachstumsstörenden Einflüssen verantwortlich. Das Serum wird einmal pro Tag auf der gesamten Kopfhaut verteilt, gut einmassiert, damit die Durchblutung angeregt und die Aufnahme der Wirkstoffe erhöht werden. Die Haare werden dabei weder strähnig noch fettig und sind wie gewohnt frisierbar. Für ein optimales Ergebnis bei diffusem (und erblich bedingtem) Haarausfall sollte die Kur mindestens drei Monate durchgeführt werden.

Marcus Hanisch ist Apotheker. Er testet alles, was er in seinen Artikeln empfiehlt, an sich selbst. Sein Steckenpferd sind Behandlungsformen fernab der Schulmedizin.


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