29.11.2017 - Zum Beratungsthema: Erkältung

Erkältungsprodukte: Qual der Wahl

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von Kirsten Bechtold und Julia Pflegel

Im Winter bleibt kaum jemand von einer Erkältung verschont. Die Apotheke bietet ein breites Sortiment an Erkältungsprodukten, mit dem (fast) jedem Kundenwunsch entsprochen werden kann.

Halsschmerzen, Husten, Schnupfen, Heiserkeit – die Vielzahl der Erkältungssymptome sorgt in den kalten Monaten für einen stetigen Kundenstrom in die Apotheken. Und für ein zweistelliges Wachstum des Erkältungsmarktes, meldete kürzlich die Ärzte Zeitung. Die Aussage basiert auf einer aktuellen Auswertung des Frankfurter Beratungsunternehmens QuintilesIMS: So verzeichnet der Erkältungsmarkt im Zwölfmonatszeitraum zu Ende September dieses Jahres mit rund zehn Prozent ein zweistelliges Wachstum gegenüber 2016 auf 932 Millionen Euro. Mit etwa 80 Prozent machen das Käufe in der Selbstmedikation, zum Beispiel von Halsschmerzmitteln, Nasensprays oder Hustenlösern, aus.

Medikamente

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Dieser Satz passt unbedingt zum Erkältungssortiment. Symptome können einzeln behandelt werden, mit anästhesierenden/desinfizierenden Lutschtabletten, Rachen- und Nasensprays, antitussiv oder sekretolytisch wirkenden Präparaten, inhalativ anzuwendenden Substanzen, Schüßler-Salzen, homöopathischen Einzelmitteln und anderem mehr. Manch ein Kunde bevorzugt den pharmazeutischen Rundumschlag und damit Kombinationsarzneimittel, meist aus einem Analgetikum und einem Dekongestivum; für die Nacht zusätzlich mit einem Schlafmittel versehen.

Im Beratungsgespräch ist es die Kunst der PTA herauszufinden, welche Symptome den Kunden besonders belasten, ob er bereits Arzneimittel einnimmt (wenn ja, welche) und ob er Empfehlungen von Seiten der PTA gegenüber offen ist.

Hals und Rachen

Beim ersten Kratzen im Hals hat sich das Lutschen von Tabletten oder Pastillen bewährt. Gute Erfahrungen gibt es mit Präparaten aus Emser Salz, Eibischwurzel und/oder Isländisch Moos sowie Hyaluronsäure. Das Salz befeuchtet die gereizte Schleimhaut und beruhigt, die Schleimdrogen bilden einen schützenden Film. Hyaluronsäure verhindert das Austrocken und fördert die Wundheilung.

Stärkere Beschwerden weisen auf eine Entzündung hin. Antiseptika dienen dazu, die Erregerzahl im Rachenraum zu mindern. Häufig eingesetzt werden 2,4 Dichlorbenzylalkohol und Amylmetacresol, quartäre Ammoniumverbindungen wie Benzalkonium- und Cetylpyridiniumchlorid oder Cetrimoniumbromid. Antibiotisch wirksam ist das antimikrobielle Peptid Tyrothricin, während Ambroxol lokalanästhetische Eigenschaften aufweist. Entzündungshemmend und damit kausal wirken Lutschtabletten und Sprays mit nicht steroidalen Antirheumatika wie Flurbiprofen oder Benzdyamin.

Wer in den Ärmel hustet, behält saubere Hände und verbreiet keine Viren.

Husten und Schnupfen

Bei trockenem Reizhusten sind Antitussiva Mittel der Wahl. Im Rahmen der Selbstmedikation darf das Opioid Dextromethorphan abgegeben werden, welches im Gehirn die Reizschwelle für den nächsten Hustenanfall heraufsetzt. Nicht opioide Alternativen sind Pentoxyverin und Benproperin. Pflanzliche Hustenstiller enthalten zum Beispiel Extrakte aus Spitzwegerichblättern oder Eibischwurzel.

In der produktiven Hustenphase sind hingegen Sekretolytika empfehlenswert, die den Schleim verflüssigen und den Abtransport des Bronchialsekrets fördern. Hierzu zählen Acetylcystein, Ambroxol oder Bromhexin. Möchte ein Kunde ein pflanzliches Mittel, sind Extrakte aus Thymiankraut, Efeublättern, Andornkraut, Fichtensprossen oder Pelargonium sidoides empfehlenswert, ebenso wie Cineol und ein Mischdestillat aus Eucalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöl.

Homöopathisch können gegen Husten Einzelmittel wie Aconitum napellus oder Cephaelis ipecacuanha eingesetzt werden. Anthroposophische Therapierichtungen bieten fixe Kombinationen an, etwa mit Angelica archangelica oder Eibischwurzelextrakt.

Rhinologika in Form von Nasensprays oder -tropfen enthalten zum Beispiel Oxymetazolin oder Xylometazolin und sorgen für eine freie Nasenatmung. In Kombinationspräparaten zur Einnahme finden sich abschwellend wirkende Substanzen wie Pseudoephedrin- oder Phenylephrinhydrochlorid.

Hygiene

Für die Erkältung oder den grippalen Infekt gilt: Das Risiko einer Ansteckung kann verringert werden, indem bestimmte Hygienetipps im Alltag befolgt werden.

TIPP!

Raten Sie Ihren Kunden, das eigene Verhalten zu über- prüfen: „Wie häufig reiben Sie sich die Augen oder neh- men die Hände unbewusst ins Gesicht?“. Wenn Kunden das wissen, können sie ihr Verhalten ändern und verhin- dern, dass Keime in den Körper gelangen.

Händewaschen

Richtiges und regelmäßiges Händewaschen gilt als die wichtigste und sehr gut belegte Prophylaxemaßnahme, Infektionskrankheiten zu vermeiden, die durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen übertragen werden können. Denn die Krankheitserreger gelangen von den Händen sehr leicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund. Und sie halten sich eine Weile: Unter Umständen lassen sich nach Kontakt mit infektiösem Sekret Viruspartikel bis zu zwei Tage lang an den Fingern nachweisen.

Wie effektiv dabei das Händewaschen ist, hängt von der Dauer und der richtigen Technik ab. Die folgenden Schritte sollten immer eingehalten werden:

Richtig Händewaschen

  • Ringe entfernen und Hände unter fließend kaltem oder lauwarmem Wasser anfeuchten (heißes Wasser lässt die Haut aufquellen und entfettet sie).
  • Seife 20 bis 30 Sekunden lang in den Handinnenflächen, zwischen den Fingern und auf den Handrücken verreiben.
  • Anschließend die Hände gründlich mit Wasser abspülen und sorgfältig abtrocknen, am besten mit einem Einmalhandtuch. Dieses kann dann auch zum Zudrehen des Wasserhahns genutzt werden, bevor es entsorgt wird.

Hygienisch husten

Der gut gemeinte Ratschlag „Hand vor den Mund“ ist ungesund, zumindest für die Kontaktpersonen, bemerkt das Robert Koch-Institut. Denn dadurch bleiben die beim Husten ausgestoßenen Viren an den Händen kleben. Werden anschließend Gegenstände oder Personen berührt, verbreiten sie sich über diese Wege weiter. Daher ist der Ratschlag „in den Ärmel husten“ sinnvoll. So bleiben die Hände sauber. Darüber hinaus sollte beim Husten auf einen größtmöglichen Abstand zu anderen Personen geachtet werden. Wer jemandem gegenübersitzt und husten muss, sollte sich von diesem abwenden.

Naseputzen

Fürs Nasenputzen gilt die klare Empfehlung, stets ein Einmaltaschentuch zu verwenden. Dieses sollte aber auch wirklich nur einmal benutzt und dann sofort entsorgt werden. Wenn möglich, sollten sich Schnupfengeplagte nach dem Putzvorgang die Hände waschen.

Neuheiten

Wie eingangs beschrieben, ist der Erkältungsmarkt lukrativ. Daher wundert es nicht, dass sich das Erkältungssortiment stetig erweitert. Im Folgenden sollen beispielhaft einige Neuheiten der aktuellen Saison vorgestellt werden.

Algen-- Das Erkältungsspray Algovir ® von Hermes enthält Carragelose ® (Carrageene aus Rotalgen). Es ist ein Nasenspray (3 x/d), dessen Inhaltsstoff sich wie ein Schutzfilm über die Nasenschleimhaut legt. Dieser Effekt soll zum einem das Anheften von Viren an der Nasenschleimhaut verhindern (prophylaktisch). Zum andern soll auch die Dauer einer Erkältung verkürzt werden, wenn es bei den ersten Anzeichen (z. B. Halskratzen) angewendet wird. Es ist für Schwangere, Stillende und Kinder ab einem Jahr geeignet. Studien zufolge soll die Viruslast um bis zu 92 Prozent reduziert werden, gibt die Firma an.

Glycerol (Glycerin)-- EMS Halsschmerz-Spray akut von Siemens & Co. setzt auf die osmotische Wirkung von Glycerol und wirbt mit 100 Prozent natürlicher Wirkweise. Glycerol hilft bei der Bildung eines Schutzfilms auf der Schleimhaut, befreit durch den osmotischen Effekt den Rachen von Bakterien, freien viralen Partikel und Zellresten.

Der lukrative Erkältungsmarkt weitet sein Sortiment kontinuierlich aus.

Das hypertone Halsspray konnte laut Firmenangaben in einer aktuellen Studie bei viral ausgelösten Halsbeschwerden schon fünf Minuten nach der Anwendung Linderung bringen. Nach dem zweiten Anwendungstag gingen Schwellung, Rötung und weiße Ablagerungen signifikant zurück. Es wird vor Gebrauch geschüttelt. Der Hersteller empfiehlt, das Spray in den ersten zwei bis drei Stunden der Therapie alle 20 bis 30 Minuten anzuwenden (vier bis fünf Sprühstöße) und danach drei- bis viermal pro Tag bis zur vollständigen Erholung (für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahre).

Glycerol/Trypsin-- Bei dem Erkältungsspray Viruprotect ® von Stada handelt es sich um ein Rachenspray, das bei akuter Ansteckungsgefahr oder den ersten Anzeichen einer Erkältung in den Rachen gesprüht wird. Es enthält Glycerol und Trypsin, die auf der Schleimhaut einen Film bilden. Glycerol soll lokal Wasser binden und so darin enthaltene Viren einkapseln. Trypsin wiederum deaktiviert Viren im Rachenbereich, indem es Eiweiße an der Virusoberfläche abbaut. Die Wirksamkeit ist laut Angaben der Firma durch valide klinische Studien belegt. Danach kann der Film aus Glycerol und Trypsin in der Infektionsphase die Zahl der Viren bis zu 99 Prozent reduzieren. Das Spray wird sechsmal täglich mit zwei Sprühstößen in den Rachenraum gesprüht (für Erwachsene und Kinder ab vier Jahren).

Benzydamin-- Für die Akuttherapie starker bis sehr starker Halsschmerzen gibt es neu von Klosterfrau Neo-angin ® Benzydamin. Benzydamin ist ein indolisches nicht steroidales Antirheumatikum (NSAR), unter anderem mit antiphlogistischen Effekten. Diese kommen nicht über eine Hemmung der Prostaglandinsynthese zustande. Sondern sie beruhen auf einer Hemmung der Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe (pro inflammatorische Zytokine), sodass typische NSAR-Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Blutung (verminderter Schutz der Magenschleimhaut) nicht zu erwarten sind. Laut Klosterfrau bestätigen klinische Studien mit dem Wirkstoff Benzydamin eine schnelle Wirkung innerhalb von fünf Minuten sowie eine lang anhaltende Reduktion von Halsschmerzen und Schluckbeschwerden bis zu zwölf Stunden (für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren).


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