31.12.2018

Expektoranzien und Antitussiva: Husten ade

von Stefanie Fastnacht

Akute Atemwegsinfekte werden symptomatisch mit Expektoranzien und Antitussiva behandelt. Die Vielfalt an Wirkstoffen und Darreichungsformen erlaubt es, auf die individuellen Wünsche der Kunden einzugehen.

© yulkapopkova / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Fortbildung

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  • Expektoranzien entfalten ihre schleimlösende Wirkung über sekretolytische, mukolytische und/oder sekretomotorische Effekte.
  • Bewährte pflanzliche Expektoranzien sind Ätherisch-Öl-Drogen wie Thymiankraut, Eukalyptusöl sowie saponinhaltige Drogen wie Efeublätter, Primelwurzel und Primelblüten.
  • Bromhexin, Ambroxol und N-Acetylcystein gehören zu den synthetischen Expektoranzien.
  • Antitussiva wie Benproperin, Dextromethorphan, Dropropizin und Pentoxyverin werden bei unproduktivem Husten drei bis fünf Tage lang eingesetzt.

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Lesen Sie ergänzend und thematisch passend zu unserer zertifizierten Fortbildung den englischen Beitrag "Coughing: A Key Symptom".

Husten, Schnupfen und Heiserkeit haben in den Wintermonaten Hochsaison. Denn dann halten sich Menschen dicht beieinander in geschlossenen Räumen auf, wo sie beim Sprechen und Niesen ihre Krankheitserreger verteilen und damit an andere weitergeben. Laut Statistik leiden Erwachsene durchschnittlich zwei- bis dreimal jährlich unter einem akuten Atemwegsinfekt, Kinder sogar sechs- bis zehnmal. Die Mehrheit der Betroffenen wählt zur Behandlung von Husten, Schnupfen und Heiserkeit die Selbstmedikation, jedoch nur selten mit dem notwendigen Wissen über die Besonderheiten der einzelnen Präparate. Weshalb das pharmazeutische Personal davon ausgehen sollte, dass selbst bei konkreten Wünschen nach bestimmten Präparaten Beratungsbedarf besteht.

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Hier finden Sie zum Einlesen den Fragebogen zur Fortbildung Expektoranzien / Antitussiva.

Hintergrund

Husten ist ein Reflex, an dem drei Komponenten beteiligt sind: Hustenrezeptoren, das Hustenzentrum sowie bestimmte Nerven.

Hustenrezeptoren für chemische Reize sind sensorische (hustenreizsensible) Nervenendigungen, die sich fast überall in der Atemwegsschleimhaut befinden: im Rachen, im Kehlkopf, in der Luftröhre und den Bronchien sowie in der Nase und den Nebenhöhlen. Daneben gibt es Hustenrezeptoren, die auf Dehnungsreize in den Atemwegen reagieren.

Das Hustenzentrum liegt im Gehirn, genauer in der Medulla oblongata. Motorische Nerven verbinden es mit der Atemmuskulatur, die den Reflex ausführt. An den Rezeptoren der Atemwegsschleimhaut, die auf mechanische Reize wie Dehnung reagieren, können kleinste Partikel, aber auch Schleimauflagerungen Husten auslösen. Chemische Reize setzen zum Beispiel im Zigarettenrauch enthaltene Substanzen. Daneben sind im Rahmen eines grippalen Infekts durch Erkältungsviren ausgelöste Entzündungen der Atemwegsschleimhaut eine wichtigte Ursache für Husten. Denn dabei werden Boten- und Überträgerstoffe wie Prostaglandine und Histamin frei, die wiederum die Rezeptoren reizen. 

Wussten Sie, dass Surfactant ...

  • die Lungenbläschen (Alveolen) auskleidet, sich im Bronchialsekret befindet und ein oberflächenaktives Substanzgemisch enthält?
  • die Entfaltung der Alveolen bei Neugeborenen fördert?
  • die Alveolen beim Gasaustausch mit dem Blut stabilisiert?
  • die Aktivität von Makrophagen (Fresszellen) in der Lunge fördert?
  • die mukoziliäre Clearance des Bronchialsystems unterstützt?

Mit Schallgeschwindigkeit

Wenn mechanische und/oder chemische Reize die Hustenrezeptoren stimulieren, erzeugen diese einen Impuls, der über afferente (aufsteigende) motorische Nerven an das Hustenzentrum weitergeleitet wird. Wird hier entschieden, den Hustenreflex auszulösen, kommt eine Reaktionskette in Gang. Über efferente (absteigende) motorische Nerven gelangt der „Ausführungsbefehl“ zum Zwerchfell, zur Zwischenrippen- und zur Bauchmuskulatur. Die Atemmuskulatur zieht sich zusammen. Der Kehlkopf bleibt vorerst geschlossen. Dadurch erhöht sich der Druck in den Atemwegen. Auf dem Höhepunkt dieses Druckanstieges öffnet sich der Kehlkopf. Nun kann die Luft als Hustenstoß mit annähernd Schallgeschwindigkeit entweichen.

Husten fördert Selbstreinigung

Die Atemwegsschleimhaut schützt den Organismus vor Krankheitserregern, Staub und anderen Fremdstoffen aus der Umwelt, die mit der Einatmungsluft in die Atemwege gelangen. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, ist sie mit Flimmerhärchen (Zilien) ausgestattet. Diese sind von dünnflüssigem Sekret (Solphase) umgeben. Auf der Solphase liegt eine zweite, dickflüssigere Schleimschicht (Gelphase), an der Fremdbestandteile haften bleiben. Eine dünne Schicht Surfactant trennt Sol- und Gelphase. Die Flimmerhärchen bewegen sich ständig hin und her und transportieren so den darüberliegenden Schleim aus den Atemwegen in Richtung Rachenraum. Auch eingeatmete Fremdstoffe werden mit dem Schleim – ähnlich wie auf einem Förderband – in Richtung Rachenraum gebracht. Anschließend wird alles verschluckt und im sauren Milieu des Magens unschädlich gemacht. Das Zusammenspiel von Flimmerhärchen und Schleim wird mukoziliäre Clearance genannt. Ist dieser Selbstreinigungsmechanismus überlastet, sorgt der Organismus mittels Hustenreflex dafür, dass überflüssiger Schleim und daran haftende Keime oder andere Partikel Richtung Rachen befördert und so die Atemwege gereinigt werden.

Reizend oder produktiv?

Zu Beginn eines viralen Infektes, wie er bei einer Erkältung vorliegt, entzündet sich die Schleimhaut, ohne dass das Sekret sich verändert. Die Entzündung drückt sich unter anderem in einem trockenen Reizhusten aus, weil, wie oben erwähnt, Entzündungsmediatoren die Rezeptoren reizen. Bei den Betroffenen herrscht das Gefühl des „festsitzenden Schleims“ vor.

Auch erkältete Kunden mit Produktwunsch haben Beratungsbedarf.

Nach etwa drei Tagen geht das Geschehen in die produktive Phase (Schleimhusten) über. Die Zusammensetzung und Konsistenz des Atemwegssekretes haben sich verändert, die Schleimmenge in den Atemwegen nimmt zu und muss abgehustet werden. Denn das Sekret bildet
einen sehr guten Nährboden für Bakterien. Diese können sich explosionsartig vermehren und zu einer Lungenentzündung als Komplikation führen. Der produktive Husten beseitigt diese Gefahr. In der Abheilungsphase der Erkältung kann der Husten wieder trocken werden und noch bis zu acht Wochen persistieren, da die Rezeptoren in der Atemwegsschleimhaut in Folge der Entzündung noch überreagieren.

Expektoranzien

Schleimhusten gehört zu den Hauptsymptomen der Erkältung (Infekt der oberen Atemwege) und der Bronchitis (Infekt der unteren Atemwege). Da der Organismus versucht, die mukoziliäre Clearance durch Abhusten zu unterstützen, sollte ein Schleimhusten nicht unterdrückt, sondern vielmehr durch Gabe eines Expektorans (Hustenlöser, Schleimlöser) gefördert werden. Ein weiteres Einsatzgebiet von Expektoranzien ist die Sinusitis (Infekt der Nasennebenhöhlen), weil dort das Abfließen von eitrigem Sekret aus den Nasennebenhöhlen erleichtert werden muss.

Die Palette an pflanzlichen und synthetischen Wirkstoffen und ihren verschiedenen Darreichungsformen ist groß und macht es möglich, individuelle Vorlieben und Bedürfnisse von Kunden aller Altersklassen zu befriedigen. So gibt es zum Beispiel Präparate ohne Alkohol, ohne Zucker, ohne Konservierungsmittel und ohne Farbstoffe. Nicht zu vergessen, die verschiedenen Geschmacksrichtungen, die sowohl die Compliance bei Kindern als auch bei Erwachsenen verbessern.

Wirkmechanismen

Pflanzliche und chemisch-synthetische Expektoranzien können über verschiedene Mechanismen festsitzenden Schleim lösen: Sekretolytika stimulieren die Becherzellen in der Atemwegsschleimhaut, ein dünnflüssiges Sekret zu produzieren. Mukolytika verflüssigen ebenfalls Sekret, allerdings durch Aufbrechen von dessen chemisch-physikalischer Schleimstruktur. Sekretomotorika wiederum beschleunigen die Schlagfolge der Flimmerhärchen und damit den Abtransport von Schleim in Richtung Rachen.

Ätherisch-Öl-Drogen

Ätherische Öle sind sehr lipophil. Dadurch gelangen sie nach der Resorption über die Haut oder Schleimhaut rasch in den Blutkreislauf und auf diesem Weg direkt zum Wirkort, der Atemwegsschleimhaut. Zum Einsatz kommen vor allem Drogen wie Thymiankraut und Eukalyptusöl, aber auch Anis- und Fenchelfrüchte oder Pfefferminz- und Koniferenöle.

Thymiankraut

Wirksamer Bestandteil ist das ätherische Thymianöl mit seinen Hauptkomponenten Thymol und Carvacrol. Die Monografie der Kommission E schreibt für Thymiankraut einen Mindestgehalt an ätherischem Öl und einen Mindestgehalt an dessen beiden Hauptkomponenten vor. Die Droge, die aus dem violett blühenden Echten Thymian und/oder dem weiß blühenden Spanischen Thymian gewonnen wird, besitzt ein breites Wirkspektrum. Ihre expektorierende Wirkung beruht auf sekretolytischen und sekretomotorischen Eigenschaften. Eine Besonderheit sind die ausgeprägt bronchospasmolytischen Wirkungen. Darum hat die Kommission E in ihrer Monografie auch die Indikation Keuchhusten genannt.

Nennenswert ist zudem die breite antimikrobielle Wirksamkeit von Thymiankraut. Dies spricht für den in südlichen Ländern verbreiteten Einsatz als Gewürz und Konservierungsmittel von Speisen. Extrakte aus Thymiankraut spielen in der Gruppe der pflanzlichen Hustenlöser eine wichtige Rolle und sind in zahlreichen Mono- und Kombinationspräparaten enthalten. Sehr selten kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen beziehungsweise allergischen Reaktionen sowie gastrointestinalen Beschwerden während der Einnahme kommen.

Eukalyptusöl

Es wird aus den frischen Blättern oder Zweigspitzen verschiedener cineolreicher Eukalyptusarten gewonnen. Cineol (1,8-Cineol) ist der wirksame Hauptbestandteil des Eukalyptusöls. Daher fordert die Monografie der Kommission E für Eukalyptusöl einen Mindestgehalt von 70 Prozent Cineol. Eukalyptusöl beziehungsweise das darin enthaltene Cineol wirken sekretolytisch, sekretomotorisch sowie schwach spasmolytisch und lokal schwach hyperämisierend. Hinzu kommen oberflächenaktive Eigenschaften, die denen des körpereigenen Lungensurfactants ähnlich sind. Sie unterstützen an der Atemwegsschleimhaut das Ablösen von festsitzendem Sekret. Hervorzuheben sind außerdem antientzündliche Wirkungen.

Rauchen belastet die Lunge und kann sie schwer schädigen.

Und nicht zuletzt stimuliert Eukalyptusöl die Kälterezeptoren an der Nasenschleimhaut, wodurch subjektiv das Gefühl einer verbesserten Nasenatmung entsteht. Dieser Effekt kommt auch zum Tragen, wenn entsprechende Präparate eingenommen werden. Daher eignen sie sich auch bei stark verstopfter Nase, zum Beispiel bei einer Sinusitis.

Neben Eukalyptusöl ist auch reines Cineol als wirksamer Bestandteil von Fertigpräparaten auf dem Markt. Außerdem ist Cineol einer der Hauptbestandteile von Myrtol, einem Mischdestillat aus rektifiziertem Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöl. Dieses enthält darüber hinaus noch alpha-Pinen und Limonen.

Sonstige

Anis- oder Fenchelfrüchte und deren ätherische Öle gehören ebenfalls zu den Expektoranzien. Genauso wie Pfefferminzöl sowie Koniferenöle, zum Beispiel Fichten- und Kiefernnadelöl. Je nach Wirkstoff sind sie in einigen Kombina-tionspräparaten, Tees, Balsamen, Inhalaten oder Badezusätzen enthalten.

Saponindrogen

Die glykosidischen Pflanzeninhaltsstoffe, insbesondere die Triterpensaponine aus Efeublättern, Primelblüten beziehungsweis Primelwurzeln oder auch Süßholzwurzel, wirken ebenfalls expektorierend. Ihr Wirkmechanismus ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Durch oberflächenaktive Eigenschaften und über indirekte reflektorische Reize von sensiblen Nervenendigungen im Magen verflüssigen sie den Schleim. Bei der Abgabe ist daran zu denken, dass magenempfindliche Menschen auf die Einnahme mit Übelkeit und Magenbeschwerden reagieren können.

Efeublätter

Sie haben unter den Saponindrogen zur Therapie von Atemwegsinfekten die weitaus größte Bedeutung. Gewonnen werden sie von den nicht blühenden Sprossen des Efeus. Zu den wirksamen Bestandteilen zählen verschiedene Hedera-Saponine, die nicht nur expektorierend, sondern auch entkrampfend wirken. Zubereitungen der Droge, genauso wie aus Thymiankraut, sind immer dann zu empfehlen, wenn ein Schleimhusten krampfartig und schmerzhaft verläuft, wie dies bei einer Bronchitis meist der Fall ist. Zubereitungen aus Efeublättern sind in vielen Mono- und Kombinationspräparaten enthalten. Einige davon, etwa alkoholfreie Säfte, eignen sich für die Therapie von Säuglingen.

Primelblüten und -wurzeln

Auch sie gehören zu den Saponindrogen mit expektorierender Wirkung. Entsprechende Extrakte sind vor allem in Kombinationspräparaten enthalten, überwiegend zusammen mit Thymiankrautextrakten.

Süßholzwurzel

Die Wurzel wurde früher viel verwendet, zum Beispiel als Auszug in Form von Succus Liquiritiae. Heute ist sie noch in einigen Erkältungstees enthalten. Insbesondere unter Dauereinnahme und in hohen Dosen kann es zu mineralokortikoidähnlichen Nebenwirkungen (z. B. Bluthochdruck, Ödeme, Kaliumverlust) kommen. Thiazid- und Schleifendiuretika können die Kaliumverluste noch verstärken. Ohne ärztlichen Rat sollten entsprechende Zubereitungen nicht länger als vier bis sechs Wochen eingenommen werden.

Pelargoniumwurzel

Der zu den Immunmodulatoren gehörende Pelargoniumwurzelstock, gewonnen aus der Kaplandpelargonie (Pelargonium sidoides), wirkt ebenfalls expektorierend. Zubereitungen der Droge haben sekretomotorische Eigenschaften. Zum Wirkspektrum gehören auch antivirale, antibakterielle und zellschützende Effekte. Pelargoniumwurzel ist bei akuter Bronchitis indiziert und für Kinder ab einem Jahr zugelassen. Es empfiehlt sich, die Behandlung nach Abklingen der Symptome noch einige Tage fortzusetzen. Wegen möglicher Leberschäden sollte die Therapie nicht länger als drei Wochen dauern.

Chemisch-Synthetisches

Zu den chemisch-synthetischen Expektoranzien gehören Bromhexin, Ambroxol und N-Acetylcystein.

Bromhexin

Im Vergleich zu N-Acetylcystein und Ambroxol ist Bromhexin der „Klassiker“ unter den Synthetika. Es wird bereits seit 1963 in der Hustentherapie eingesetzt. Vorbild für seine Synthese war Vasicin, ein Inhaltsstoff des Indischen Lungenkrautes. Die expektorierende Wirkung von Bromhexin beruht auf sekretolytischen und sekretomotorischen Eigenschaften. Bromhexin wirkt als Muttersubstanz und in Form verschiedener aktiver Metabolite.

Ambroxol

Der Wirkstoff ist der wichtigste Metabolit von Bromhexin, mit sekretolytischen und sekretomotorischen Eigenschaften. Zusätzlich stimuliert er die Bildung von körpereigenem Lungensurfactant. Dadurch löst der Wirkstoff auch in den Bronchien festsitzendes Sekret. Diese Eigenschaft wird „Anti-Klebe-Effekt“ genannt. Ambroxol weist zusätzlich lokalanästhetische Eigenschaften auf.

Wichtig-- Einige Gebrauchsinformationen enthalten Dosierungsempfehlungen für Säuglinge und Kleinkinder. Dabei ist zu beachten, dass Bromhexin und Ambroxol bei Kindern unter zwei Jahren nur unter ärztlicher Kontrolle angewendet werden sollten. In seltenen Fällen kann es während der Einnahme zu Übelkeit und Bauchschmerzen oder Unverträglichkeitsreaktionen wie Haut- und Schleimhautreaktionen kommen.

N-Acetylcystein

Der Abkömmling der Aminosäure Cystein, N-Acetylcystein, ist auch deren wirksamer Hauptmetabolit. Dieser wirkt sekretolytisch und sekretomotorisch. Die Substanz spaltet vermutlich die Disulfidbrücken der im Bronchialsekret enthaltenen Mucopolysaccharide.

Ferner trägt sie zu einer erhöhten Glutathionsynthese bei, die für die Entgiftung verschiedener Stoffe, etwa Para- cetamol, von Bedeutung ist. Paracetamol kann bei Überdosierung zu schweren Leberzellnekrosen führen. Grundlage dafür ist eine Überforderung des Glutathionsystems, das für die Entgiftung bestimmter Paracetamol-Metabolite verantwortlich ist. Das Glutathionsystem enthält, wie auch N-Acetylcystein, in seinem Molekülbaustein die Aminosäure Cystein mit der reaktiven SH-Gruppe.

N-Acetylcystein kann außerdem freie Radikale binden und neutralisieren. Verantwortlich dafür ist ebenfalls die SH-Gruppe. Möglicherweise ist dieser Mechanismus an der Wirksamkeit von N-Acetylcystein bei Atemwegsinfekten beteiligt, da freie Radikale auch bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielen. N-Acetylcystein ist in Form von Trink- und Brausetabletten sowie als Granulat auf dem Markt. Diese Darreichungsformen fördern die Zufuhr von reichlich Flüssigkeit, wie sie bei der Anwendung von Expektoranzien sinnvoll ist.

Wichtig-- In puncto Wechselwirkungen ist zu beachten, dass zwischen der Einnahme von N-Acetylcystein und einigen Antibiotika (Tetracyclin, Aminoglykoside, Penicilline) zwei Stunden Zeit- abstand liegen müssen.

Antitussiva

Die Domäne der Antitussiva (Hustenstiller) ist der unproduktive Reizhusten, der zu Beginn oder im Nachgang zu einem grippalen Infekts auftreten kann. In der Selbstmedikation werden Antitussiva kurzzeitig für drei bis fünf Tage eingesetzt. Um die Nachtruhe zu gewährleisten, können sie in der Übergangsphase vom trockenen zum produktiven Husten, neben einem Expektorans am Tag, zur Nacht verabreicht werden. Die Einnahme sollte dann etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen erfolgen. Werden Expektoranzien gleichzeitig mit synthetischen Antitussiva eingenommen, kann wegen des eingeschränkten Hustenreflexes ein Sekretstau entstehen. Daher sollten entsprechende Hustenmittel nicht kombiniert angewendet werden.

Pflanzliches

Zu den pflanzlichen Antitussiva gehören Extrakte aus schleimstoffhaltigen Pflanzen wie Eibischwurzeln und Spitzwegerichblätter. In Verbindung mit Wasser überziehen ihre Inhaltsstoffe (Polysaccharide als Schleimstoffe) die gereizte und/oder entzündete Mund- und Rachenschleimhaut mit einer schützenden Schicht und beruhigen sie gleichzeitig. Durch die Schutzschicht werden auch die hustenauslösenden Mechanorezeptoren in den oberen Atemwegen abgedeckt. In Folge lässt der Hustenreiz nach, und die Schleimhaut wird befeuchtet. Daneben werden antimikrobielle und antientzündliche Wirkungen der beiden Drogen diskutiert. Ein weiterer Vertreter der Schleimdrogen ist Isländisch Moos, welches meist in Form von Lutschpastillen gegen Heiserkeit und Hustenreiz eingesetzt wird.

Chemisch-Synthetisches

Aus diesem Bereich kommen in der Selbstmedikation die Wirkstoffe Benproperin, Dextromethorphan, Dropropizin und Pentoxyverin gegen Reizhusten zum Einsatz. Sie dämpfen peripher (Benproperin, Dropropizin) oder zen-tral (Dextromethorphan, Pentoxyverin, u. a. auch bronchodilatierend) den Hustenreiz über unterschiedliche Mechanismen. Bei der Abgabe ist darauf zu achten, dass für die jeweilige Altersgruppe der zugelassene Wirkstoff und die passende Darreichungsform herausgesucht werden, dazu bieten die Fachinformationen eine gute Recherchegrundlage.

Wichtig-- Dextrometorphan und Pent-oxyverin sollte nicht zusammen mit zentral dämpfenden Stoffen wie Alkohol oder Psychopharmaka eingenommen werden. Es besteht die Gefahr einer verstärkten Sedierung. Unter MAO-Hemmern in Kombination mit Dextrometorphan erhöht sich das Risiko für eine Atemdepression.

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Ergänzende Maßnahmen

Beim Inhalieren gelangen ätherische Öle mit aufsteigendem Wasserdampf direkt in die Atemwege. Die im Wasserdampf enthaltene Feuchtigkeit unterstützt die schleimlösenden Effekte der ätherischen Öle. Diese werden in Form eines Balsams oder von Tropfen in einen Inhalator oder in eine mit heißem Wasser gefüllte Schüssel gegeben. Die Dämpfe sollten mindestens zwei Mal täglich zehn Minuten lang eingeatmet werden. Wer ins Freie will, soll dies erst eine Stunde nach der Inhalation tun.

Beim Einreiben auf Brust und Rücken werden ätherische Öle über die Haut, deren Dämpfe auch über die Atemwegsschleimhaut aufgenommen. Und in Form von Badezusätzen gelangen sie ebenfalls über die Haut und, ähnlich wie beim Inhalieren, auch über die Atemwegsschleimhaut in den Organismus. Dabei ist zu beachten, dass heiße Bäder bei Fieber kontraindiziert sind. Grundsätzlich gilt, dass ätherische Öle beim Einreiben und Baden nicht mit geschädigter Haut in Kontakt kommen dürfen, um Reizungen zu vermeiden.

Wichtig-- Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es spezielle Präparate, die frei von Menthol, Kampfer und Eukalyptusöl beziehungsweise Myrtol und Cineol sind. Diese sind bis zum zweiten Lebensjahr wegen der Gefahr lebensbedrohlicher Schwellungen der Kehlkopfschleimhaut (Glottisödem) und Krämpfen der Bronchialmuskulatur kontraindiziert, selbst dann, wenn sie in Säften und Tropfen nur als geschmacksgebender Bestandteil enthalten sind. Für alle ätherischen Öle gilt, dass diese aus Sicherheitsgründen nicht im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden sollten.

Weitere Beratungstipps

Allgemeine Ratschläge zum Verhalten bei grippalen Infekten runden das Beratungsgespräch ab. Das schafft Vertrauen, ganz besonders, wenn sie Maßnahmen beinhalten, die für den Kunden kostenlos sind. Weisen Sie Betroffene zudem darauf hin, dass nicht medikamentöse Maßnahmen und „einfache“ Mittel wie Lutschpastillen und Tees ganz wesentlich zur Linderung der Beschwerden beitragen können.

Ausreichend trinken-- Dies ist eine unerlässliche Maßnahme, besonders wenn die Betroffenen stark fiebern und Schwitzen. Empfehlenswert sind mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag, am besten in Form von Erkältungs- oder Bronchialtees. Fruchtsäfte eignen sich weniger, da die darin enthaltenen Säuren die entzündete Rachenschleimhaut zusätzlich reizen können.

Rauchverzicht-- Menschen mit Atemwegsinfekten sollten nicht Rauchen und Räume meiden, in denen geraucht wird. Denn die im Rauch enthaltenen Substanzen belasten die Schleimhaut und beeinträchtigen die Hin- und Herbewegungen der Flimmerhärchen und damit auch den Abtransport von Sekret.

Luftbefeuchtung-- Das Befeuchten der Raumluft hält auch die Atemwegsschleimhaut feucht. Diese Maßnahme unterstützt die mukoziliäre Clearance und den Heilungsprozess. Ideal sind spezielle Raumluftbefeuchter oder alternativ das Aufstellen einer mit Wasser gefüllten Schale auf dem Heizkörper. Befeuchtend wirken auch Inhalationen, zum Beispiel mit Salz oder ätherischen Ölen.

Bettruhe/Wärme-- Beide Maßnahmen unterstützen das Immunsystems und damit den Genesungsprozess. Dazu gehört auch das bewährte Hausmittel „Schwitzen“.

Wichtige Fragen

  • Klagen Kunden immer wieder über lang andauernden, trockenen Husten ohne Erkältungssymptome, sollten Sie hinterfragen, ob gegebenenfalls hustenauslösende Medikamente wie Betablocker oder ACE-Hemmer eingenommen werden.
  • Fragen Sie auch immer nach Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus. Denn der in Hustensäften und -bonbons oft hohe Zuckergehalt ist nichts für Diabetiker.

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