31.10.2019

Fieber- und Schmerzmittel: Gezielt beraten

von Dr. Claudia Bruhn

Viele Menschen lassen sich bei Schmerzen und Fieber zuerst in der Apotheke beraten. Falsch angewendet können dort empfohlene Präparate aber auch schaden. PTA sollten deshalb bei diesem Thema immer up to date sein.

© Obencem / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Für die Selbstmedikation bei Schmerzen und Fieber stehen Wirkstoffe in vielen verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung.
  • Die Wirkung beruht hauptsächlich auf der Hemmung der Cyclooxygenasen (COX) 1 und 2, wodurch weniger Botenstoffe (Prostaglandine) produziert werden, die Schmerzen und Fieber fördern.
  • Die häufigsten Nebenwirkungen von Schmerz- und Fiebermitteln sind Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislauf- und Nieren-Schäden. Sie sind – ebenso wie die Hauptwirkungen – bei den einzelnen Substanzen etwas unterschiedlich ausgeprägt.

Schmerz ist eine Sinneswahrnehmung, die entsteht, wenn äußere Reize ein erträgliches Ausmaß, die Schmerzschwelle, überschreiten. Schmerz übt in den meisten Fällen eine Warnfunktion aus. Er signalisiert, dass Gefahr für das Gewebe oder Organ besteht, wenn der Reiz bestehen bleibt, wie etwa beim Duschen mit zu heißem Wasser oder dem Tragen einer sehr schweren Last. Schmerz kann aber auch seine Warnfunktion verlieren und chronifizieren. Wenn er über Wochen oder Monate fortbesteht, ohne dass der Auslöser noch vorhanden ist, spricht man von einer Schmerzkrankheit.

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Den Fragebogen zur BAK-zertifizierten Fortbildung "Fieber- und Schmerzmittel" können Sie sich hier zum Einlesen herunterladen.

Selbstmedikation

Schwerpunkt dieser Fortbildung sind die Schmerz- beziehungsweise Fiebermittel Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol und Phenazon. Sie sind sowohl rezeptfrei als auch – höher dosiert oder kombiniert – rezeptpflichtig verfügbar (Ausnahme: Phenazon). In der Beratung ist es deshalb wichtig, den Patienten auf die für die Selbstmedikation empfohlene Dosierung hinzuweisen.

Wirkmechanismen

Die Wirkung beruht zum größten Teil auf einer Hemmung der Cyclooxygenase(COX)-Enzyme COX-1 und COX-2. COX katalysieren die Umwandlung von Arachidonsäure, einer vierfach ungesättigten Omega-6-Fettsäure, zur Verbindung Prostaglandin G2 (PGG2). Die Bezeichnung Prostaglandin leitet sich von „prostate gland“ ab; Anfang des 20. Jahrhunderts glaubte man, dass diese Verbindungen nur im Prostatasekret vorkommen, was inzwischen widerlegt ist. Aus PGG2 entstehen über Zwischenstufen und mithilfe weiterer Enzyme Verbindungen wie PGD2 (Prostaglandin D2) PGE2, PGF2, PGI2 (Prostacyclin) und TXA2 (Thromboxan A2). Sie besitzen im menschlichen Körper sowohl physiologische als auch krankheitsbezogene (pathophysiologische) Wirkungen. So aktivieren beispielsweise PGE2 und PGF2 Immunzellen und fördern Entzündungen, Fieber und die Schmerzwahrnehmung. TXA2 fördert die Thrombozytenaggregation und damit die Blutgerinnung. Aus diesem Grund sind Arzneistoffe, die die COX-Enzyme hemmen, zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen, zur Fiebersenkung und zur Blutgerinnungshemmung geeignet. Die besprochenen Wirkstoffe hemmen COX-1 und COX-2 unterschiedlich stark. Dies führt zu Unterschieden im Wirkungsspektrum und bei den Nebenwirkungen.

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Nebenwirkungen

Prostaglandine besitzen in vielen Organen schützende Funktionen. So erhält beispielsweise PGE2 die Nierenfunktion aufrecht, fördert die Abheilung von Läsionen der Magenschleimhaut und erweitert die Bronchien. PGI2 fördert die Durchblutung der Nieren und stabilisiert Plaques in den Arterien. Aus diesem Grund sind die häufigsten Nebenwirkungen der COX-Hemmer Magen-Darm-Schäden, Herz-Kreislauf- und Nieren-Schäden sowie asthmatische Beschwerden.

Begriffe

Für Diclofenac, Ibuprofen, Flurbiprofen und Naproxen sind wegen ihrer antientzündlichen Wirkkomponente auch die Begriffe NSAID (non-steroidal anti inflammatory drugs) und NSAR (nicht steroidale Antirheumatika) gebräuchlich. Dies hat historische Gründe und hängt damit zusammen, dass einige Wirkstoffe wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung auch in der Rheumatherapie eingesetzt werden. Sie sind jedoch in dieser Indikation schwächer wirksam als Glukokortikoide wie Prednisolon, die „steroidalen Antirheumatika“. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff nicht steroidal im Sinne von „ohne Cortison“ geprägt, um die beiden Substanzgruppen voneinander abzugrenzen. Heute haben NSAR in der Rheumatherapie eine geringere Bedeutung als andere Wirkstoffe, da sie zwar die Symptome lindern, aber im Gegensatz zu den modernen Rheumamitteln (z. B. Biologika) den Krankheitsverlauf nicht positiv beeinflussen können. Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Phenazon werden manchmal als nicht opiode Analgetika bezeichnet, um sie von den Opioiden abzugrenzen. Nach dieser Definition zählen auch die NSAR zu den nicht opioiden Analgetika.

Grenzen

Im Rahmen der Selbstmedikation sollen möglichst nur akute und leichte bis mäßig starke Schmerzen mit bekannter Ursache behandelt werden. Besteht der Schmerz schon länger, muss die PTA immer einen Arztbesuch empfehlen. Denn ansonsten könnte durch die Analgetika-Einnahme eine schwerwiegende Schmerzursache verschleiert werden. Grundsätzlich gilt: Jedes OTC-Analgetikum sollte nur kurzzeitig und in der niedrigsten noch wirksamen Dosierung eingenommen werden.

Wussten Sie, dass ...

  • einige Schmerz- und Fiebermittel nicht analgetische Indikationen besitzen?
  • ASS beispielsweise auch zur Prophylaxe von Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt wird?
  • zum Beispiel Diclofenac als Gel zur Behandlung aktinischer Keratosen im Gesicht oder auf der Kopfhaut sowie in antientzündlichen Augentropfen zur Anwendung nach einer OP zugelassen ist?
  • Ibuprofen als Orphan Drug (Pedea®) Frühgeborenen vor der 34. SSW intravenös zum Verschluss eines offengebliebenen Ductus arteriosus Botalli verabreicht wird?

Wirkstoffe

OTC-Präparate gegen Schmerzen und Fieber werden in Form von Tabletten, Granulaten, Pulver, Kau-, Lutsch- oder Brausetabletten, Säften, Zäpfchen, Salben, Gelen oder Pflastern angewendet. Patienten vertreten häufig die Auffassung, dass schmerzlindernde Wirkstoffe in Salben, Gelen oder Pflastern nur lokal wirken und deshalb nebenwirkungsfrei sind. Die PTA sollte die Kunden darüber aufklären, dass dies nicht zutreffend ist. Insbesondere nach längerer und großflächiger Anwendung von lokalen Wirkstoffen können nennenswerte Wirkstoffmengen in den Blutkreislauf gelangen und Wirkungen wie bei oraler Anwendung auslösen.

Acetylsalicylsäure

Acetylsalicylsäure (ASS) kann in Form von Tabletten, Granulaten, Kau- oder Brausetabletten in der Selbstmedikation gegen verschiedene Schmerzen angewendet werden. Bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren betragen die Dosierungen 500 bis 1000 mg mehrmals täglich in Abständen von vier bis acht Stunden (max. 3000 mg/d, ab 65 J. 2000 mg). Die Dosierung für Kinder von sechs bis 14 Jahren beträgt 250 bis 500 mg ASS als Einzeldosis ein (max. 1500 mg/d). Wegen der Gefahr des potenziell tödlich verlaufenden Reye-Symptoms (Leberschaden mit Enzephalopathie, Symptom: starkes Erbrechen) soll ASS bei Kindern und Jugendlichen möglichst nicht in der Selbstmedikation angewendet werden, insbesondere bei viralen Infekten. Kontraindiziert ist ASS bei akuten Magen-Darm-Geschwüren und -Blutungen, bei schwerer Leber- und Niereninsuffizienz und im 3. Trimenon der Schwangerschaft. ASS blockiert auch irreversibel die Thromboxan-A2-Synthese in den Thrombozyten und hemmt dadurch deren Aggregation. Deshalb ist ASS auch zur Prophylaxe von Herzinfarkt und Schlaganfall indiziert (meistens 100 mg/d).

Zertifizierte Fortbildung

Die zertifizierte Fortbildung "Schmerz- und Fiebermittel" wurde unter BAK/FB/2018/303/11 von der Bundesapothekerkammer für nicht approbiertes pharmazeutisches Personal akkreditiert. Akkreditierungszeitraum: 28.10.2019 bis 27.10.2020. Die von den Teilnehmern erworbenen Punkte verfallen nach Ablauf der Akkreditierung nicht. 

Diclofenac

Diclofenac ist für die Selbstmedikation als Tablette, Weichkapsel, Gel und Schmerzpflaster verfügbar. Es kann oral bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 14 Jahre in Einzeldosen von 12,5 bis 25 mg im Abstand von vier bis sechs Stunden angewendet werden, maximal 75 mg pro 24 Stunden. Die Anwendungsdauer sollte vier Tage nicht überschreiten. Auch die lokale Anwendung sollte nur kurzfristig (3 – 5 d) erfolgen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Diclofenac betreffen den Verdauungstrakt (Magen-Darm-Geschwüre, Übelkeit, Erbrechen). Deshalb ist Diclofenac für Patienten mit Magen-Darm-Problemen nicht geeignet, außerdem nicht bei bestehenden kardiovaskulären oder cerebrovaskulären Erkrankungen und in der Schwangerschaft.

Ibuprofen

Ibuprofen steht für die Selbstmedikation als Tablette, Pulver, Zäpfchen, Gel, Creme und Schmerzpflaster zur Verfügung. Erwachsene können oral ein- bis viermal täglich 200 bis 400 mg einnehmen, maximal 1,2 g täglich. Kinder (ab 6 Mo.) und Jugendliche nehmen oral ein- bis dreimal täglich 7 bis 10 mg/kg Körpergewicht, maximal 30 mg/kg Körpergewicht. Das Dosierungsintervall soll sechs Stunden nicht unterschreiten. Bei der Abgabe für Säuglinge sollte auch nach dem Körpergewicht gefragt werden. Denn je nach Präparat wird die Anwendung bei Kindern unterhalb einer Grenze (5 bzw. 7 kg) nicht empfohlen. Die Dosierung der Zäpfchen gegen Schmerzen und Fieber erfolgt ebenfalls nach Körpergewicht, die Angaben sind auch hier je nach Präparat etwas unterschiedlich (60-mg-Zäpfchen ab 3 Mo. und 6 kg KG, 75-mg-Zäpfchen ab 8 Mo. und 7,5 kg KG). In der Schwangerschaft soll Ibuprofen nicht angewendet werden. Im 3. Trimenon ist der Wirkstoff kontraindiziert, ebenso bei schwerer Herzinsuffizienz.

English for PTA

Lesen Sie ergänzend und thematisch passend zu unserer zertifizierten Fortbildung unseren englischen Beitrag "Treating Painful Injuries"

Naproxen

Naproxen kann in der Selbstmedikation für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahre als Tablette angewendet werden. Initial werden 200 bis 400 mg eingenommen. Wegen der im Vergleich zu anderen Mitteln langen Wirkdauer kann die nächste Einnahme erst nach acht bis zwölf Stunden erfolgen (max. 600 mg/d). Studien haben gezeigt, dass das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall unter Naproxen etwas geringer ist als unter anderen NSAR; auszuschließen ist es aber nicht. Wie bei den anderen Wirkstoffen ist Vorsicht geboten bei Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, bei Asthma und in der Schwangerschaft (Kontraindikation im 3. Trimenon).

Paracetamol

Paracetamol ist zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und Fieber als Tabletten, Saft und Zäpfchen verfügbar. Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahre können drei- bis viermal täglich 500 bis 1000 mg (max. 4 g/d) einnehmen, Kinder bis zwölf Jahre dreimal täglich 10 bis 15 mg/kg Körpergewicht (max. 60 mg/kg KG). Es muss unbedingt ein Einnahmeabstand von sechs Stunden eingehalten werden, da sonst die Entgiftungskapazität der Leber überfordert wird und schwere Leberschäden auftreten können. Bei Leber- oder Niereninsuffizienz muss die Dosis reduziert werden. Bei Fieber kann Paracetamol als Zäpfchen oder Saft (ab 3 kg/KG) empfohlen werden. Besonders in der Erkältungszeit sollte die PTA vor Abgabe eines Paracetamol-Präparats nachfragen, ob der Kunde ein rezeptfreies Erkältungsmittel einnimmt. Denn diese Kombinationsmedikamente enthalten häufig Paracetamol, sodass bei gleichzeitiger Einnahme leicht die empfohlene Maximaldosis überschritten werden kann.

Phenazon

Phenazon kann zur Behandlung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahre bei verschiedenen leichten bis mäßig starken Schmerzen sowie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 15 Jahre bei Kopfschmerzen bei Migräneanfällen mit und ohne Aura empfohlen werden. Es sind Tabletten und Zäpfchen verfügbar. Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren erhalten ein-bis zweimal täglich je eine Tablette (je 500 mg Phenazon) im Abstand von sechs bis acht Stunden, maximal 1000 mg täglich. Jugendliche ab 15 Jahre und Erwachsene erhalten bei Migräne als Einzeldosis (Zäpfchen, Tabletten) 1000 mg, gegebenenfalls im Abstand von vier bis acht Stunden, maximal 4000 mg pro Tag. Bei anderen Schmerzarten liegt die Einzeldosis bei 500 bis 1000 mg. Phenazon ist chemisch mit dem wenig gebräuchlichen Propyphenazon und mit dem verschreibungspflichtigen Metamizol verwandt. In Schwangerschaft und Stillzeit ist es kontraindiziert.

Einsatzgebiete

Nicht jeder Wirkstoff ist bei jeder Schmerzart gleich gut wirksam. So kann zum Beispiel theoretisch auch Paracetamol bei Regelschmerzen eingesetzt werden. Die Wirksamkeit von Ibuprofen und Naproxen ist jedoch bei dieser Indikation stärker, und es gibt zudem Evidenz aus klinischen Studien, die für diese Substanzen eine stärkere Wirksamkeit als Placebo belegen.

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen sind ein Fall für die Selbstmedikation, wenn sie seltener als zehnmal pro Monat auftreten und nicht länger als 24 Stunden anhalten. Derartige Kopfschmerzen sind häufig die Folge von Stress, Wetterumschwung oder Muskelverspannungen im Nackenbereich. Häufiger oder länger andauernde Beschwerden sowie Kopfschmerzen in Verbindung mit weiteren Symptomen (z. B. Schwindel, Erbrechen, Sprech- und Sehstörungen) müssen ärztlich abgeklärt werden. Zur Behandlung von Kopfschmerzen in der Selbstmedikation eignen sich vor allem Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen und Naproxen in den angegebenen Dosierungen.

Fixkombinationen-- Studien haben gezeigt, dass Coffein die schmerzlindernde Wirkung von Analgetika verstärken kann. Als Fixkombinationen sind derzeit Präparate mit ASS/Paracetamol/Coffein und Ibuprofen/Coffein, Paracetamol/Coffein und ASS/Coffein verfügbar.

Migräne-- Gegen Migräne werden als Mittel der Wahl Ibuprofen und Phenazon empfohlen. Naproxen und Paracetamol sind schwächer wirksam, Letzteres ist aber besonders für Schwangere geeignet. Diclofenac gibt es als verschreibungspflichtige Lösung gegen Migräne. ASS und Diclofenac sind schlechter magenverträglich als die genannten Wirkstoffe. Da Migräne häufig von Übelkeit begleitet ist, sind sie weniger empfehlenswert. Bei gesicherter Diagnose sind auch die rezeptfreien Triptane Almotriptan und Naratriptan denkbare Optionen.

Bauchschmerzen

Beim Symptom Bauchschmerzen sollte im Beratungsgespräch nachgefragt werden, ob die Beschwerden im Ober- oder Unterbauch bestehen. Unterbauchbeschwerden können durch die Menstruation bedingt (s. Regelschmerzen) bzw. durch eine Blasenentzündung oder Durchfall verursacht sein. Bei allen anderen Schmerzen im Unterbauch muss an eine schwerwiegende Ursache (Darmverschluss, Blinddarmentzündung) gedacht werden, von einer Selbstmedikation ist dann abzuraten. Oberbauchschmerzen können durch Magenprobleme (auch stressbedingt) oder Gallenbeschwerden verursacht werden. Mit Ausnahme von Paracetamol (bei krampfartigen Beschwerden auch in Kombination mit Butylscopolaminiumbromid) ist keiner der COX-Inhibitoren für die Anwendung bei akuten Oberbauchschmerzen geeignet, da das Risiko zusätzlicher gastrointestinaler Symptome besteht.

Bewegungsapparat

Bei Muskel- und Gelenkschmerzen können Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Paracetamol empfohlen werden. Paracetamol wirkt bei dieser Schmerzart am geringsten, ist aber für Schwangere und Kinder gut geeignet. Diclofenac und Ibuprofen sind wegen ihrer antientzündlichen Wirkkomponente stärker wirksam. Die orale Anwendung ist der lokalen überlegen. Dennoch bevorzugen viele Betroffene zunächst Lokalpräparate als Creme, Gel oder Schmerzpflaster.

Halsschmerzen

Neben Lutschtabletten, Gurgellösungen oder Sprays mit lokalanästhetischen oder desinfizierenden Wirkstoffen oder Pflanzenextrakten sind auch Analgetika mit antiphlogistischer Wirkkomponente bei Halsschmerzen eine Option. Eine ärztliche Leitlinie empfiehlt zur Symptomlinderung in den ersten ein bis drei Tagen auch Paracetamol oder Ibuprofen. Darüber hinaus ist Flurbiprofen für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren zur kurzzeitigen Behandlung (max. 3 d) von schmerzhaften Entzündungen der Rachenschleimhaut zugelassen. Die Tagesmaximaldosis beträgt fünfmal 8,75 mg als Lutschtablette oder Sprühstoß.

Warnung-- Die Arzneimittelkommission der Apotheker (AMK) hat eine Warnung für flurbiprofenhaltige Rachentherapeutika ausgesprochen. Grund dafür ist das Risiko für Hypersensitivitätsreaktionen. Solche Überempfindlichkeitsreaktionen betrafen die Atemwege, die Haut, den Verdauungstrakt oder den Kreislauf. Deshalb rät die AMK bei Flurbiprofen zu einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung. Patienten mit einer bekannten NSAR-Unverträglichkeit, ältere Patienten sowie Patienten mit allergischem Asthma oder Allergien in der Anamnese sollten diesen Wirkstoff nicht anwenden.

Ohrenschmerzen

Von den systemischen Wirkstoffen sind Ibuprofen und Paracetamol bei Ohrenschmerzen, die durch eine Mittelohrentzündung bedingt sind, empfehlenswert. Ibuprofen lindert aufgrund seiner antientzündlichen Eigenschaften nicht nur die Schmerzen, sondern auch Schwellungen. Paracetamol wirkt nicht antientzündlich, ist aber gut für Kleinkinder und Schwangere geeignet. Zur lokalen symptomatischen Behandlung von Schmerzen am äußeren Gehörgang kann, sofern das Trommelfell unverletzt ist, Phenazon in Kombination mit dem Lokalanästhetikum Procain als Ohrentropfen empfohlen werden.

Regelschmerzen

Bei schmerzhafter Regelblutung (Dysmenorrhö) sind vor allem Ibuprofen und Naproxen sowie auch Diclofenac und Paracetamol empfehlenswert. Bei der Hemmung der Prostaglandinsynthese wird auch die Konzentration des Prostaglandin F2 (PGF2) verringert. Dieses Prostaglandin spielt eine wichtige Rolle bei der Abstoßung von Teilen der Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation. Bei Frauen, die unter besonders starken Regelschmerzen leiden, kann die Empfindlichkeit gegenüber PGF2 erhöht sein. Eine Verringerung seiner Konzentration durch COX-Hemmer kann dieses Problem lösen.

Kombinationspräparate-- Wenn eine Monotherapie nicht mehr ausreicht, um die krampfartigen Schmerzen zu lindern, kann Kundinnen (ab 12 J.) Paracetamol in Kombination mit dem Spasmolytikum Butylscopolaminiumbromid als Filmtablette oder als Zäpfchen empfohlen werden.

Zahnschmerzen

Bei Zahnschmerzen sind Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, Propyphenazon und Paracetamol empfehlenswert. Acetylsalicylsäure sollte nicht empfohlen werden, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Zahnarzt einen größeren, mit Blutungen verbundenen Eingriff vornehmen muss. Wegen der thrombozytenaggregationshemmenden Wirkung bestünde dann eine erhöhte Blutungsgefahr.

Fieber

Als Fieber wird eine Wärmeregulation des Körpers auf einem höheren Temperaturniveau bezeichnet. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Prostaglandin E2 (PGE2). Wenn Krankheitserreger in den Körper eingedrungen sind, wird über einen komplexen Mechanismus die COX-2 induziert und die Produktion von PGE2 stimuliert. Anschließend programmiert dieser Botenstoff die wärmeregulierenden Zellen im Thermoregulationszentrum des Hypothalamus auf einen höheren Sollwert um. Das heißt, die „neue“ Körpertemperatur ist dann beispielsweise 39,5 Grad Celsius. Eine rektal gemessene Körpertemperatur ab 38,5 Grad Celsius gilt allgemein als Fieber, ab 39 Grad Celsius spricht man von hohem Fieber. Bei einer Infektion hält der Organismus dieses Temperaturniveau solange aufrecht, wie es zur Bekämpfung der Krankheitserreger notwendig ist. Es ist daher nicht sinnvoll, Fieber um jeden Preis zu senken. Fiebermittel, die wegen der COX-Hemmung die Produktion von PGE2 verringern, sind aber dann empfehlenswert, wenn die Betroffenen zusätzlich unter starken Schmerzen, zum Beispiel Kopfschmerzen, leiden.

Bei Kindern wird Fiebersenkung insbesondere empfohlen, wenn sie stark geschwächt sind und deshalb zu wenig trinken. Bei Fieber, das länger als drei Tage dauert, sollte ein Arzt konsultiert werden. Er kann feststellen, ob es sich nur um einen viralen Infekt handelt oder eine bakterielle Ursache vorliegt, die gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt werden muss. Paracetamol und Ibuprofen (als Saft oder Zäpfchen) sind bei Fieber Mittel der Wahl. In den ersten vier Stunden nach Einnahme wirkt Ibuprofen stärker fiebersenkend als Paracetamol. Eine Alternative können Homöopathika sein (z. B. bei Kindern Belladonna, Gelsemium oder Bryonia als Globuli, Aconitum/China comp. als Zäpfchen).

Interaktionen

Sobald ein Patient mehr als ein Arzneimittel gleichzeitig anwendet, besteht theoretisch das Risiko für eine Interaktion mit negativen gesundheitlichen Folgen. Bei der Abschätzung, ob dieses Risiko tatsächlich relevant ist, helfen der PTA zahlreiche Datenbanken, die zum Teil bereits in die Apothekensoftware integriert sind. Ein solches Hilfsmittel ist das Interaktionsmodul der ABDA-Datenbank. Im Folgenden werden einige Wirkstoffe genannt, bei denen Interaktionen mit Schmerz- und Fiebermitteln auftreten können.

Antihypertensiva

Zu den Blutdruckmitteln, bei denen Interaktionen möglich sind, zählen ACE-Hemmer (z. B. Enalapril, Lisinopril), Angiotensin-II-Antagonisten (z. B. Losartan, Candesartan), Betablocker (z. B. Metoprolol) und kaliumsparende Diuretika (z. B. Spironolacton). Bei den ersten drei Wirkstoffgruppen kann die blutdrucksenkende Wirkung abgeschwächt werden. Systolischer und diastolischer Wert können um 5 bis 10 mm Hg ansteigen. Bei Diuretika besteht das Risiko für eine Hyperkaliämie, da NSAR den Serumkaliumspiegel leicht erhöhen können. Diese Effekte zeigen sich jedoch erst nach längerer gleichzeitiger Einnahme über mehrere Tage. Wenn Patienten beispielsweise einmal 500 mg ASS gegen Kopfschmerzen oder einige Dosen Ibuprofen gegen Regelschmerzen einnehmen, sind keine Maßnahmen erforderlich. Bei längerer gemeinsamer Einnahme sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden.

Antikoagulanzien

Werden Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ (Phenprocoumon, Warfarin) und NSAR über längere Zeit kombiniert eingenommen, steigt das Risiko für gas- trointestinale Blutungen. Denn die Schmerzmittel verringern die Konzentration der schleimhautschützenden Pros- taglandine. Mittel der Wahl ist Paracetamol, es besitzt das geringste Risiko.

Glukokortikoide

Sowohl NSAR als auch Glukokorti- koide können im Magen-Darm-Trakt Schleimhautschäden hervorrufen. Gastrointestinale Blutungen können die Folge sein. Bei Patienten in höherem Lebensalter oder erhöhtem Ulkusrisiko kann eine Prophylaxe mit Protonenpumpeninhibitoren sinnvoll sein.

ASS-Ibuprofen-Kombination

ASS und Ibuprofen dürfen nicht über längere Zeit gemeinsam eingenommen werden, da Ibuprofen die COX-1-Bindungsstelle der ASS blockiert, die dann nicht mehr gegen Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen kann. Bei nur einmaliger Einnahme ist ein Zeitabstand wichtig. ASS sollte dann zwei Stunden vor Ibuprofen eingenommen werden. Dann hat es bereits gewirkt, bevor Ibuprofen das Enzym blockieren kann. Außerdem ist es möglich, Ibuprofen sechs bis acht Stunden vor ASS anzuwenden. Dann ist Ibuprofen zum Zeitpunkt der ASS-Einnahme bereits nicht mehr im Blut vorhanden.


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