31.07.2017 - Zum Beratungsthema: Frauengesundheit

Frauengesundheit: Diktat der Hormone

© KatarzynaBialasiewicz / Getty Im

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von Petra Schicketanz

Von wegen „der kleine Unterschied“. Frauen sind anders krank als Männer. Und das betrifft erwiesenermassen nicht nur Krankheiten, von denen Männer aus anatomischen Gründen verschont bleiben.

  • Etwa fünf Prozent aller Mädchen werden in der Pubertät psychisch auffällig und benötigen professionelle Hilfe.
  • Psychogene Essstörungen können sich als Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder Binge-Eating äußern.
  • Rund 75 Prozent aller Frauen haben im Lauf ihres Lebens eine Vaginalmykose.
  • Bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen müssen ansonsten gesunde Frauen nicht immer ein Antibiotikum nehmen.
  • Bis zu zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden Schätzungen zufolge an einer Endometriose.

Verschiedene körperliche Entwicklungsprozesse prägen das Leben einer Frau. In der Pubertät reift sie vom Mädchen zur Frau und kann üblicherweise bis zur Menopause schwanger werden. Mit den Wechseljahren kommt es dann erneut zum biologischen Wandel. Alle diese Prozesse werden durch hormonelle Regelkreise gesteuert. Zum Teil nimmt dies Einfluss auf Erkrankungen, die häufig nur in bestimmten Lebensphasen eine Rolle spielen.

Pubertät

Unter dem Einfluss der Hormone Progesteron und Östrogen bildet der Körper seine weiblichen Rundungen aus, die sekundären Geschlechtsmerkmale treten sichtbar hervor. Mit dem Einsetzen der Monatsblutungen wird das Mädchen zur fruchtbaren Frau. Neben Hautproblemen wie Mitessern oder Akne können Beschwerden und Unregelmäßigkeiten der Monatsblutung auftreten. Menstruationsbeschwerden sind nicht auf die Pubertät beschränkt und können bis zum Erliegen der Hormonproduktion in den Ovarien auftreten.

Menstruation

Mit dem ersten Tag der Blutung aus der Gebärmutterschleimhaut beginnt der Menstruationszyklus. Er endet mit dem Einsetzen der nächsten Menstruation. Die Regelblutung dauert etwa drei bis sieben Tage an und dient dazu, die oberflächliche Funktionsschicht (Lamina functionalis) der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) abzustoßen, wenn keine Schwangerschaft vorliegt. Dabei verliert der Körper zwischen 65 und 200 Milliliter Flüssigkeit aus Blut, Sekreten und Schleimhautbestandteilen. Der Vorgang erfolgt unter dem Einfluss von Prostaglandinen, durch die sich die Gebärmutter zum Teil schmerzhaft immer wieder zusammenzieht, um den Ablösungs- und Ausscheidungsprozess zu unterstützen.

In der Proliferationsphase vom 5. bis 14. Zyklustag wird die Lamina functionalis wieder aufgebaut und bereitet sich unter dem Einwirken von Östrogenen aus den neu heranreifenden Follikeln auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Der Eisprung wird durch das Luteinisierende Hormon ausgelöst und findet am 14. Tag statt. Mit ihm beginnt die Sekretionsphase (ab 15. Tag), in der die einsetzende Progesteronausschüttung die Schleimhaut auf das Einnisten einer befruchteten Eizelle vorbereitet. Nistet sich keine Eizelle ein, wird die Progesteronproduktion der Gelbkörper eingestellt. Die Arterien der Gebärmutterschleimhaut schrumpfen, sodass die Lamina functionalis infolge einer Mangelversorgung abstirbt. Diese Ischämiephase dauert nur wenige Stunden und bildet den Start für den nächsten Menstruationszyklus. Die erste Menstruation heißt Menarche, die letzte Menopause. Diese grenzt die Phase der Fruchtbarkeit vom Klimakterium ab.

Häufigkeit-- Eine fehlende Menstruation wird als Amenorrhö bezeichnet. Unterschreitet die Zyklusdauer 24 Tage, so ist von einer gehäuften Regelblutung (Polymenorrhö) die Rede. Bei Zykluslängen von 35 und mehr Tagen handelt es sich um eine Oligomenorrhö. Solche Unregelmäßigkeiten können eine Folge von häufigem Wechsel der Zeitzone, unregelmäßigem Lebensrhythmus oder anderen körperlichen oder seelischen Belastungen sein. Organische Ursachen wie Zysten, Myome oder hormonelle Störungen sollten ärztlich abgeklärt werden.

Dysmenorrhö-- Eigentlich ist die einsetzende Monatsblutung ein Zeichen für gesunde Weiblichkeit. Manche Frauen erleben ihre Regel jedoch als störend und lästig. Eine schmerzhafte Regelblutung, die mit lang anhaltenden Schmerzzuständen einhergeht, wird als Dysmenorrhö bezeichnet. Sie kann einen Hinweis auf eine Zyklusanomalie geben und geht häufig mit einer erhöhten Synthese von Prostaglandin-F2 α einher. Bei hartnäckigen Beschwerden sollte unbedingt ein Frauenarzt hinzugezogen werden, da auch andere Ursachen (z. B. Myom, Endometriose) vorliegen können.

PMS-- Rund 30 bis 70 Prozent aller menstruierenden Frauen leiden unter einem prämenstruellen Syndrom (PMS). Dieses kann sich auf vielfältige Weise äußern, beispielsweise durch schmerzhafte Spannung und Schwellungen in der Brust, Kreuzschmerzen, geschwollene Füße und Hände, Blähungen, Völlegefühl, Kopfschmerzen (auch vermehrtes Auftreten von Migräneattacken) sowie unspezifische Kreislaufbeschwerden. Psychische Veränderungen wie unter anderem labile Stimmung, Depressionsneigung, Erschöpfung oder Schlafstörungen sind ebenfalls möglich.

Identitätskrisen

In der Pubertät erfährt das Gehirn einen drastischen Umbau, die Gefühle fahren Achterbahn, und viele Mädchen leiden unter psychosozialem Stress. Mehr als 80 Prozent erleben diese Phase relativ stabil, dafür geraten jedoch 15 bis 18 Prozent in eine Identitätskrise und finden sich in ihrem „neuen“ Körper und der damit verbundenen Rollenfestlegung nicht zurecht. Jedes 20. Mädchen wird sogar psychisch auffällig und benötigt ärztliche Unterstützung. In dieser Phase treten gehäuft selbstverletzendes Verhalten und Essstörungen auf.

Selbstverletzendes Verhalten

Jugendliche mit einer labilen Persönlichkeitsstruktur, hoher Emotionalität und vermindertem Selbstwertgefühl können Stress und Druck nur schlecht aushalten. Häufig liegt auch ein Kindheitstrauma zugrunde, wie Vernachlässigung, Trennung der Eltern oder sexueller Missbrauch. Da sie nicht in der Lage sind, ihre Gefühle auf andere Weise auszudrücken, suchen die Betroffenen ein Ventil in selbstverletzendem Verhalten. Solche Autoaggressionen können sich äußern durch Ritzen der Haut mit scharfen Gegenständen, Selbstverletzungen mit stumpfen Gegenständen oder das Schlagen des Kopfes gegen die Wand. Eine Freisetzung von Endorphinen führt dazu, dass dabei keine Schmerzen auftreten. Vielmehr werden Glücksgefühle erlebt, was zu einer suchtartigen Verstärkung der Problematik führt. Mit Hilfe von verhaltenstherapeutischen Maßnahmen kann der Impuls zur Selbstverletzung gelöscht werden. Ohne therapeutische Hilfe besteht die Gefahr, dass sich die Persönlichkeitsstruktur zu einer Bor- derline-Persönlichkeitsstörung weiterentwickelt.

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Essstörungen

Wenn das Essen beziehungsweise seine Verweigerung zum Lebensmittelpunkt wird, ohne dass eine organische Ursache vorliegt, spricht man von psychogenen Essstörungen. Sie können sich als Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder Binge-Eating äußern, wobei sich die Krankheitsbilder nicht immer voneinander abgrenzen lassen.

Anorexia nervosa-- Am Anfang einer Magersucht steht das Ziel abzunehmen, was sich durch Diäten, Süßigkeitenverzicht oder spezielle Ernährungsformen ausdrücken kann. Trotz zum Teil lebensbedrohlicher Gewichtsabnahme erleben sich die Betroffenen als zu dick und haben Angst, die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren, wenn sie sich nicht an die selbstauferlegten Regeln halten. Gegenüber den Mitmenschen wird das krankhafte Essverhalten meist verheimlicht.

Bulimia nervosa-- Auch Mädchen mit einer Ess-Brech-Sucht fühlen sich zu dick. Deshalb versuchen sie, mit Fasten und Abführmitteln das Gewicht zu reduzieren. Das führt jedoch zu Heißhungerattacken und unkontrollierten Essanfällen, die zum Teil sogar geplant sind, denn hinterher wird so lange Erbrechen provoziert, bis die Nahrung wieder draußen ist, daher ist in einer solchen Fressattacke quasi alles erlaubt.

Binge-Eating-- Bei dieser Essstörung treten ebenfalls Essanfälle auf, die jedoch ohne Gegenmaßnahmen hingenommen werden, weshalb die Betroffenen eher übergewichtig sind.

Hintergrund-- Essstörungen treten am häufigsten bei Heranwachsenden zwischen 13 und 18 Jahren auf, wobei Mädchen rund dreimal so oft betroffen sind wie Jungs. Auslöser sind auch hier seelische Probleme oder ein instabiles Selbstwertgefühl. Oftmals werden sie durch die gesellschaftlich geprägten Schönheitsideale in Richtung Essstörung verstärkt. Gerade bei jungen Mädchen, bei denen das Aussehen in der Pubertät zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist es für Angehörige schwer, den fließenden Übergang von auffälligem Verhalten zur lebensbedrohlichen Krankheit einzuschätzen.

Riskant-- Essstörungen können weitere Erkrankungen nachsichziehen, wie Depressionen, Angststörungen, Zwangserkrankungen sowie Persönlichkeits- oder posttraumatische Belastungsstörungen. Akute Gesundheitsgefahren bestehen, wenn das Gewicht rapide absinkt und der Körper akute Folgereaktionen zeigt, wie schwere Herz-Kreislauf-Störungen. Ebenso riskant sind gleichzeitige Drogen-, Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit oder das Vorliegen einer der genannten psychischen Erkrankungen. Todesgedanken, Rückzugsverhalten oder extremes „über die Stränge schlagen“ können darüberhinaus ein Hinweis auf bestehende Selbstmordgefahr sein.

TIPP!

Empfehlen Sie Frauen, mit häufigen, krampfartigen Regelbeschwerden einen Tee, der zu gleichen Teilen aus Frauenmantel, Schafgarbe, Kamille, Johanniskraut und Gänsefingerkraut besteht. Geeignet sind auch Präparate aus Pestwurz oder Mönchspfeffer.

Die erwachsene Frau

Mit dem Heranreifen setzt eine Phase ein, in der Frauen ihren Körper und das Leben als Erwachsene gleichermaßen entdecken. Zwischen 20 und 30 Jahren ist die Zeit der größten Fruchtbarkeit. Mit der sexuellen Aktivität stehen gleich mehrere Themen auf der Agenda: vom Infektionsschutz bis hin zur Planung oder Verhütung ungewollter Schwangerschaften beziehungsweise den gesundheitlichen Umständen, die in Schwangerschaft und Stillzeit eine Rolle spielen. Aus Platzgründen kann dieser Beitrag an dieser Stelle nicht auf alle diese Themen eingehen.

Vaginalmykose

Ein „Scheidenpilz“ gehört zu den häufigsten Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, meist ausgelöst durch Hefen der Candida-Spezies. Diese besiedeln die gesunde Schleimhautflora und werden erst dann pathogen, wenn die immunologischen Abwehrmechanismen eingeschränkt sind und der Glukosegehalt in der Vagina erhöht ist. Es handelt sich also nicht um eine Ansteckung – weder durch den Partner noch durch die Klobrille.

Wegbereiter-- Als Mitauslöser kommen eher enge Kleidung, synthetische Wäsche oder übertriebene Intimhygiene in Frage. Medizinische Trigger sind Stress, Schwangerschaft und Allgemeinerkrankungen, die zu einem immunologischen Defizit führen, sowie Erkrankungen, die Einfluss auf den Kohlenhydratstoffwechsel nehmen (Diabetes mellitus) oder den Hormonhaushalt ungünstig verändern. Hinzu kommen bestimmte Medikamente wie Antibiotika, Antikonzeptiva, Glukokortikoide, Immunsuppressiva und Zytostatika, die das Auftreten einer Vaginalmykose begünstigen.

Wann zum Arzt?-- Rund 75 Prozent aller Frauen sind im Lauf ihres Lebens einmal von einer Vaginalmykose betroffen, die meist anhand der Symptome Juckreiz im Intimbereich und weißer, krümeliger Ausfluss bemerkt wird. Ein Arztbesuch ist fällig, wenn die Erkrankung erstmals oder mehr als viermal pro Jahr auftritt.

Selbstmedikation-- In 85 bis 95 Prozent der Fälle wird die Candidose durch Candida albicans hervorgerufen und ist gut mit den gängigen OTC-Antimykotika zu behandeln. Lokal im Einsatz sind hauptsächlich die Wirkstoffe Clotrimazol und Nystatin. Problematisch sind Infektionen mit Candida glabrata und C. krusei, da diese Erreger nicht ausreichend auf die für die Selbstmedikation zugelassenen Produkte ansprechen oder gar vollständig gegen die Wirkstoffe resistent sind. Dementsprechend sollte beim Nichtansprechen der Therapie ebenfalls ein Arzt konsultiert werden.

Harnwegsinfekt

Eine Infektion der ableitenden Harnwege tritt bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. Ursache ist die kürzere Harnröhre. Sofern die Harnwege normal geformt sind und keine anatomischen oder funktionellen Auffälligkeiten zeigen und keine relevanten Begleiterkrankungen oder Nierenfunktionsstörungen vorliegen, kann eine Harnwegsinfektion als unkompliziert eingestuft werden.

Abgrenzung-- Für eine Blaseninfektion (Zystitis) sprechen die folgenden Symptome: Schmerzen im Bereich der Blase und beim Wasserlassen (Algurie), imperativer Harndrang (Zwang, sofort die Toilette aufzusuchen) und häufiges Wasserlassen kleiner Harnmengen (Pollakisurie). Flankenschmerzen, klopfschmerzhaftes Nierenlager (beim Abklopfen der Nieren treten Schmerzen auf) und oder Fieber oberhalb 38 Grad Celsius sind hingegen Warnzeichen für eine obere Harnwegsinfektion. Spätestens jetzt sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Honeymoon-Zystitis-- Geschlechtsverkehr führt zu mechanischer Beanspruchung und Veränderung des Scheidenmilieus. Dies kann das Hinaufwandern von schwach pathogenen Keimen begünstigen. Die Folge sind Schmerzen im Unterleib und beim Wasserlassen. Neben einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr hilft es prophylaktisch, die Blase direkt nach dem Geschlechtsverkehr zu entleeren.

Rezidiv-- Treten zwei oder mehr symptomatische Episoden innerhalb von sechs Monaten auf oder sind es drei Episoden innerhalb von zwölf Monaten, dann wird eine rezidivierende Harnwegsinfektion angenommen.

Immer Antibiotika?-- Wegen Zunahme multiresistenter Erreger sollte der Einsatz von Antibiotika wohlüberlegt sein. Deshalb wird bei erwachsenen, nicht schwangeren und ansonsten gesunden Frauen in der Prämenopause bei unkomplizierten, bakteriell erworbenen Infektionen der unteren Harnwege heute oft auf die Gabe eines Antibiotikums verzichtet. Die dreitätige Gabe von jeweils 400 Milligramm Ibuprofen hat hier in einer Studie der Universitätsmedizin Göttingen gute Ergebnisse erzielt: Zwei Drittel der behandelten Frauen wurden auch ohne Antibiotikum gesund.

TIPP!

Kundinnen, die auf hormonelle Umstellungssituationen mit belastendem Stress reagieren, können Sie reichlich körperliche Bewegung empfehlen. Damit werden nicht nur Stresshormone abgebaut, sondern auch das Knochenwachstum gestärkt.

Endometriose

Bis zu zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden Schätzungen zufolge an einer Endometriose. Sie ist eine der häufigsten, gutartigen gynäkologischen Erkrankungen und zeichnet sich durch das Vorkommen von Endometrium-ähnlichem Gewebe aus, das an unphysiologischen Stellen im Körper auftritt (außerhalb der Gebärmutter). Es reagiert auf Hormone und durchläuft den weiblichen Zyklus, was dazu führt, dass es parallel zur Periode abblutet. Auch können sich blutgefüllte, druckschmerzhafte Zysten ausbilden. Mit Schwangerschaft und Menopause nehmen die Beschwerden meist aufgrund sinkender Hormonspiegel ab. Das Problem tritt gehäuft bei Frauen auf, deren erste Regelblutung früh eingesetzt hat, die einen kurzen Zyklus haben oder deren Östrogen-Progesteron-Blutspiegel im Ungleichgewicht liegen. Eine Endometriose bedingt häufig großen körperlichen und seelischen Leidensdruck und kann Unterleibsschmerzen und Sterilität mitverursachen.

Klimakterium

Mit den Wechseljahren treten einige grundlegende Änderungen im Leben einer Frau ein. Die meisten Frauen erleben die Phase, in der die Ovarialfunktion zum Erliegen kommt, zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Die letzte Blutung wird als Menopause bezeichnet, die Zeit davor als Prämenopause, die danach als Postmenopause. Der Wandel spielt sich natürlich nicht nur in den Eierstöcken ab, denn die nachlassende Produktion von Progesteron und Östrogenen nimmt körperlich und seelisch vielfältigen Einfluss. Da die vaginale Schleimhaut nun nicht mehr regelmäßig abblutet, ist auch ihre Neubildung gedrosselt. Dies zieht vermehrt Trockenheit, Juckreiz und die Anfälligkeit für vaginale Infekte nach sich. Insgesamt nimmt die Feuchtigkeit sämtlicher Schleimhäute ab, was beispielsweise an trockenen Augen oder gereizten Atemwegen zu spüren ist. Ein Rückgang des Brustdrüsengewebes macht sich durch kleinere Körbchengröße und weicheres Brustgewebe bemerkbar. Neben der Haut erschlafft auch die Muskulatur, ganz besonders im Beckenboden, was eine Blasenschwäche nach sich ziehen kann. Viele Frauen leiden unter Hitzewallungen, Schwitzattacken und nervösen Herzbeschwerden, Schlafmangel, Stimmungsschwankungen und einem Verlust von Gelenkknorpel und Knochenmasse.

Osteoporose

Um das 30. Lebensjahr haben Knochen ihre größte Dichte erreicht, danach nimmt sie mit zunehmendem Alter ab. Wenn der knochenschützende Effekt der Östrogene mit den Wechseljahren schwindet, reduziert sich die Knochendichte deutlich schneller. Frauen, die ohnehin in puncto Peak Bone Mass geringere Spitzenwerte erreichen als Männer, sind daher deutlich leichter von einem riskanten Schwund der Knochensubstanz betroffen. Eine Osteoporose verläuft lange Zeit symptomlos, bevor erste Frakturen, Rundrücken oder Größenabnahme drastische und irreversible Zeichen setzen. Neben Alter und weiblichem Geschlecht können weitere Faktoren das Risiko erhöhen. Diese sind beispielsweise eine unzureichende Calcium- und Vitamin D-Versorgung, ein Body-Mass-Index unter 20, übermäßiger Alkoholkonsum (mehr als 20 g/Tag), Rauchen und Bewegungsmangel. Knochenbrüche ab dem 50. Lebensjahr und eine entsprechende Familienanamnese geben weitere Hinweise. Weiterhin können Grunderkrankungen die Knochensubstanz beeinflussen, beispielsweise Erkrankungen des Hormonsystems, gestörte Magen-Darm-Funktion, eingeschränkte Nierenfunktion, chronisch-entzündliche Erkrankungen sowie bestimmte Krebserkrankungen. Hinzu kommen Medikamente wie unter anderem Glukokortikoide, Heparin, Protonenpumpenhemmer, manche Antiepileptika oder manche Antidepressiva.

Fakten und Vorsorge

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlichte im April 2016 ein Infoblatt mit Daten und Fakten zur Frauengesundheit. Demnach haben Frauen bei der Geburt heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83 Jahren (Männer nur 78,1 Jahre). Mehr als die Hälfte (53 %) der in Deutschland lebenden 41,5 Millionen Frauen liegen mit ihrem BMI über 25 kg/m und sind damit übergewichtig; von den 40 Millionen Männern sind es sogar 67,1 Prozent. Frauen trinken seltener und in der Menge weniger Alkohol als Männer. Die Hälfte der Frauen hat nie geraucht, aktiv tun es jedoch 26,9 Prozent (Männer 32,6 %). Frauen erkranken seltener an Krebs. Dennoch sind sie öfter und länger krank geschrieben als Männer und gehen im Schnitt ein Jahr früher wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in Rente (50,7 Jahre Frauen versus 51,7 Jahre Männer). Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Frauen eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen an. Diese konzentrieren sich allerdings auf Krankheiten, die bei einer frühen Entdeckung gut behandelbar sind, was nicht unbedingt das Spektrum derjenigen Krankheiten widergibt, die bei Frauen allgemein gehäuft auftreten.

Krebsvorsorge

Zur Früherkennung von Krebs gibt es jährlich das Angebot einer Genitaluntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs für Frauen ab 20 Jahren und eine Brustuntersuchung für Frauen ab 30 Jahren. Frauen ab 50 bis zum Ende des 70. Lebensjahres können alle zwei Jahre ein Mammografie-Screening der Brust durchführen. Manche Untersuchungen stehen Frauen ebenso wie Männern offen und sollen der Vollständigkeit halber hier aufgeführt werden, so das Haut-Krebs-Screening, das ab 35 Jahren alle zwei Jahre in Anspruch genommen werden kann, die jährliche Dickdarm- und Rektumuntersuchung, der jährliche Test auf verborgenes Blut (bis zum Alter von 54 Jahren, danach alle 2 Jahre) sowie ab 55 zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren.

Gesundheits-Check-up

Ab dem Alter von 35 Jahren steht Männern wie Frauen alle zwei Jahre eine Ganzkörperuntersuchung offen, mit ausführlichem Arztgespräch, Blutdruckmessung und der Entnahme von Blutproben zur Ermittlung von Blutzucker- und Cholesterinwerten sowie einer Urinuntersuchung.

Frau und Psyche

Während Frauen zwar noch immer als die Gesundheitsmanager der Familie gerühmt werden, scheinen sie ihre eigenen gesundheitlichen Bedürfnisse regelmäßig hintenan zu stellen. So wundert es nicht, dass die Statistik des BZgA das häufig bemühte Bild der fitten, „multitasking“ Powerfrauen gehörig ins Wanken bringt. Die Mehrfachbelastung durch Beruf, Haushalt und Pflege von Kindern und kranken Angehörigen hinterlässt eben ihre Spuren. Nicht nur körperlich. Der häufigste Grund, warum Frauen frühzeitig aus dem Erwerbsleben scheiden, wird bei fast jedem zweiten Antrag auf Frühverrentung mit psychischen Störungen angegeben. Typische Anzeichen sind Konzentrationsschwierigkeiten, nervöse Erschöpfung und das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Darüber hinaus häufen sich depressive Verstimmungen bis hin zur Depression. Bei starken, lang andauernden oder wiederkehrenden Beschwerden sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Faktum

  1. Zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr steigt das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, bei Frauen an.
  2. Als klassische Erkennungszeichen haben Männer ausstrahlende Schmerzen im Brustraum.
  3. Frauen haben eher Druck- oder Engegefühle, die aber als Warnzeichen genauso ernst genommen werden müssen.
  4. Frauen erleben eher unspezifische Symptome: starke Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Oberbauchbeschwerden.

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