29.09.2021

Frauengesundheit: Typisch weiblich

von Dr. Claudia Bruhn

Menstruationsbeschwerden, Scheidenpilz, Blasenentzündung oder Wechseljahre: Die Palette der Frauengesundheitsthemen ist breit. Diese zertifizierte Fortbildung frischt Ihr Beratungswissen auf.

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Fortbildung

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  • Zu den häufigsten frauenspezifischen Beratungsthemen in der Apotheke zählen Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden, Vaginalmykosen und Blasenentzündung.
  • Für diese Indikationen stehen zahlreiche rezeptfreie Präparate zur Verfügung; vor ihrer Abgabe sollten die Symptome genau hinterfragt werden, um die Grenzen der Selbstmedikation zu erkennen.
  • PTA sollten daran denken, dass Krankheitssymptome durch psychische Faktoren verstärkt werden können, gerade in Zeiten von Corona.
  • Neben Schutzimpfungen gibt es zahlreiche weitere kostenlose Vorsorgemaßnahmen für Frauen, zum Beispiel zur Früherkennung von Brust- und Gebärmutterhalskrebs.

Die Gesundheitskompetenz von Frauen ist laut einer aktuellen Umfrage der Universität Bielefeld ausbaufähig. Wissenschaftler hatten darin mehr als 2000 Personen befragt. Rund 57 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen berichteten über große Schwierigkeiten, Informationen zu Gesundheitsthemen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden. Die Folge von geringer Gesundheitskompetenz ist häufig ein ungesundes Verhalten wie Bewegungsmangel oder einseitige Ernährung. Als niedrigschwellige Anlaufstelle kann die Apotheke dazu beitragen, die Gesundheitskompetenz von Frauen zu verbessern.

Lernziele Frauengesundheit

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • welche Wirkstoffe bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden besonders emp- fehlenswert sind.
  • was die Ursachen von Scheidenpilz und Bla- senentzündung sind und wie sie in der Selbst- medikation behandelt werden können.
  • welche Grenzen der Selbstmedikation bei den genannten Beschwerden beachtet werden müssen.
  • welche Unterstützung Sie Frauen mit psychi- schen Problemen geben können.
  • welche Präventionsmöglichkeiten Frauen in bestimmten Lebensphasen nutzen können.

Menstruation

Menstruationsbeschwerden sind ein häufiges Beratungsthema in der Apotheke. Der Fachbegriff Dysmenorrhö steht dabei für eine schmerzhafte Regelblutung. Man unterscheidet eine primäre und eine sekundäre Form. Bei der primären Dysmenorrhö liegen die Ursachen der Beschwerden im Menstruations- zyklus selbst. Dazu zählen eine erhöhte Produktion von bestimmten schmerz- und krampfauslösenden Botenstoffen (Prostaglandinen) in der Gebärmutterschleimhaut oder zu niedrige Hormonspiegel in bestimmten Zyklusphasen. Bei primärer Dysmenorrhö ähneln sich die Symptome in jedem Zyklus. Dagegen entsteht eine sekundäre Dysmenorrhö durch körperliche Erkrankungen wie zum Beispiel die Endometriose, Fehlbildungen oder auch mechanische Verhütungsmittel (z. B. Diaphragma).

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Endometriose

Die Endometriose ist nicht selten – etwa zehn bis 15 Prozent der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter sind davon betroffen. Bei dieser Erkrankung wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium, Endometrioseherde) außerhalb des Uterus, zum Beispiel an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell. Die dadurch entstehenden Zysten und Entzündungen verursachen unterschiedliche Beschwerden wie starke Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen, beim Stuhlgang oder beim Sex. Die Endometriose lässt sich relativ schwer diagnostizieren, weil einige Symptome den typischen Menstruationsbeschwerden ähneln. Wenn sie über längere Zeit unentdeckt bleibt, kann sich durch die immer wiederkehrenden Schmerzen zusätzlich eine chronische Schmerzkrankheit entwickeln.

Behandlung-- Eine Endometriose wird operativ durch Entfernung der Endometrioseherde, mit starken Analgetika oder mit Hormonen therapiert. Bei einer Hormontherapie kommen beispielsweise orale Kontrazeptiva oder eine Hormonspirale zum Einsatz.

PMS

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist ein Symptomkomplex aus gereizter Stimmung, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Spannungsgefühl in den Brüsten, Schwellungen an Füßen und Händen, Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen und Schlafstörungen an den Tagen vor Einsetzen der Regelblutung. Als Ursache werden Hormonstörungen, aber auch psychische Faktoren diskutiert.

Grenzen der Selbstmedikation

Die Grenzen der Selbstmedikation sind erreicht, wenn die Kundin berichtet, dass im Zusammenhang mit der Menstruation zum ersten Mal sehr starke Schmerzen aufgetreten sind oder die Beschwerden stark zugenommen haben. Auch eine stärkere oder viel längere Blutung sollte ein Grund sein, zur genauen Abklärung kurzfristig einen Termin in der gynäkologischen Praxis zu vereinbaren.

Gebärmutter
© Grafik: DAS PTA MAGAZIN / Illustration: © Bulgakova Kristina / Getty Images / iStock

Wirkstoffe

Zur Selbstmedikation bei Menstruationsbeschwerden sind Analgetika, Spasmolytika und Phytotherapeutika empfehlenswert. Auch Homöopathika wie Chamomilla, Belladonna, Magnesium phosphoricum oder Cimifuga (jeweils D6) können je nach Beschwerdebild hilfreich sein.

Ibuprofen-- In der Selbstmedikation liegt die Einzeldosis bei leichten bis mäßig starken Schmerzen bei 200 bis 400 mg, die Tageshöchstdosis bis 1200 mg. Der Abstand zwischen den Einzeldosen sollte sechs Stunden nicht unterschreiten.

Naproxen-- Im Gegensatz zu Ibuprofen, das bekanntlich bereits ab dem Säuglingsalter zugelassen ist, kommt Naproxen für die Selbstmedikation erst ab einem Alter von zwölf Jahren infrage. Als Erstdosis können 500 mg, als Folgedosis im Abstand von acht bis zwölf Stunden 250 mg und maximal 750 mg pro Tag eingenommen werden.

Butylscopolamin-- Bei Dysmenorrhö mit krampfartigen Schmerzen ist Butylscopolamin eine sinnvolle Empfehlung, da es die glatte Muskulatur im Genitaltrakt entspannt. Dragees mit diesem Wirkstoff können dreimal täglich mit einer Einzeldosis bis zu 20 mg (Tagesmaximaldosis 60 mg) eingenommen werden. Länger als fünf Tage dürfen sie nur nach ärztlicher Abklärung der Ursache der Beschwerden angewendet werden.

Magnesium-- Auch Magnesium kann die glatte Muskulatur entspannen. Wenn durch die Ernährung nicht genug des Mineralstoffes aufgenommen wird, kann der Bedarf über Supplemente gedeckt werden (maximal 400 mg/d).

Mönchspfeffer-- Extrakte aus Mönchspfefferfrüchten (Agni casti fructus) sind ab 18 Jahren vor allem bei unregelmäßigen Zyklen und Beschwerden vor Beginn der Regelblutung (PMS) empfehlenswert. Die Wirkung setzt nicht sofort ein. Eine längere Anwendung sollte nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Wechseljahre

Der Begriff Wechseljahre (Klimakterium) steht für eine Phase der hormonellen Umstellung, die etwa ab dem 45. Lebensjahr beginnt. Die letzte Regelblutung wird als Menopause bezeichnet. Ein bis zwei Jahre nach der Menopause beginnt die Postmenopause, die etwa bis zum 65. Lebensjahr andauert. Während einige Frauen die damit verbundenen Symptome wahrnehmen, aber nicht als allzu belastend empfinden, leiden andere sehr stark darunter.

Verhütung-- Frauen in den Wechseljahren fühlen sich oft auf der sicheren Seite, weil sie annehmen, nicht mehr schwanger werden zu können. Das ist jedoch nicht der Fall. Frauen über 50 sollten deshalb noch für ein Jahr nach der letzten Regelblutung (Menopause) verhüten, Frauen unter 50 bis zu zwei Jahre danach.

Symptome

Hitzewallungen (aufsteigende Hitze), Schweißausbrüche, Kreislaufbeschwerden, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust, Schlafstörungen und vaginales Missempfinden beziehungsweise Trockenheit der Schleimhäute mit Brennen und Schmerzen beim Sex sind die häufigsten Wechseljahresbeschwerden. Sie sind behandlungsbedürftig, wenn sie die Lebensqualität beeinträchtigen.

Hormontherapie

Bei Wechseljahresbeschwerden, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann der Arzt eine Hormontherapie verordnen. Sie wird mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination oder – bei Frauen nach Gebärmutterentfernung – mit einer Östrogen-Monotherapie durchgeführt. Dabei kommen meistens Pflaster (Transdermale Therapeutische Systeme, TTS) als Darreichungsform zum Einsatz.

Lokal-- Bei geringer ausgeprägten Beschwerden kann die Hormontherapie auch vaginal mit Estriol-Scheidenzäpfchen, -tabletten oder -Creme erfolgen. Der Vorteil der lokalen Präparate ist, dass sie, wenn die akuten Beschwerden nachgelassen haben (Erhaltungsphase), nur noch zweimal wöchentlich angewendet werden müssen.

Pflanzliches

Viele Frauen möchten gegen Wechsel- jahresbeschwerden keine synthetischen Hormone, sondern lieber etwas Pflanzliches einnehmen. Diesen Kundinnen können Präparate mit hormonähnlichen Wirkstoffen pflanzlicher Herkunft (Phytoöstrogene) wie Extrakte aus Traubensilberkerzen-Wurzelstock (Cimicifugae rhizoma) oder Rhapontik-Rhabarberwurzelstock (Sibirischer Rhabarber) empfohlen werden. Sibirischer Rhabarber enthält keine abführend wirkenden Anthranoide wie der Chinesische Rhabarber (Rheum officinale), der früher als Laxans verwendet wurde. Auch die Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln mit Rotklee oder Soja (Isoflavone) besitzen Östrogen-ähnliche Wirkungen. Derzeit können sie jedoch nicht zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden empfohlen werden, da klinische Studien keinen Unterschied zu Placebo zeigen konnten. Wenn die psychischen Symptome dominieren, ist auch Johanniskrautextrakt eine gute Empfehlung bei Wechseljahresbeschwerden.

Kontraindikation-- Zubereitungen mit den genannten Pflanzenextrakten haben hormonähnliche Wirkungen. Frauen mit einem hormonabhängigen Brustkrebs in der Vorgeschichte dürfen sie nicht einnehmen oder sollten sie keinesfalls ohne ärztlichen Rat einnehmen. Ein Blick in die Fachinformation der Arzneimittel klärt auf.

Wirkeintritt-- Bei der Abgabe von pflanzlichen Präparaten gegen Wechseljahresbeschwerden ist ein Hinweis auf den verzögerten Wirkeintritt wichtig. Je nach Präparat können bis zur vollen Wirkung zwei bis sechs Wochen vergehen.

Scheidentrockenheit

Trockenheit der Vaginalschleimhaut als Folge der nachlassenden Östrogenproduktion kann die Lebensqualität von Frauen in den Wechseljahren stark beeinträchtigen. Durch eine orale oder lokale Hormontherapie werden die Symptome gelindert. Für Frauen, die keine Hormone einnehmen möchten, gibt es hormonfreie Alternativen.

Milieu-- Die Vaginalschleimhaut ist von Milchsäurebakterien besiedelt. Durch die lokale Applikation von Milchsäure, Ascorbinsäure oder Laktobazillen in Form von Vaginalzäpfchen, -tabletten oder -kapseln kann das physiologische Scheidenmilieu stabilisiert beziehungsweise eine gestörte Flora normalisiert werden. Frauen, die zu häufigen Vaginalmykosen neigen oder gerade eine antimykotische Behandlung abgeschlossen haben, können entsprechende Präparate empfohlen werden. Aus klinischen Studien gibt es Hinweise auf eine mögliche vorbeugende Wirkung.

Befeuchtung-- Eine trockene Vaginalschleimhaut neigt zu Juckreiz und kleinen Verletzungen. Befeuchtende Gele oder Cremes können diesen Beschwerden vorbeugen. Zur Reinigung sollte nur klares Wasser, gegebenenfalls spezielle Intimwaschlotionen mit leicht saurem pH-Wert, verwendet werden.

Gleitmittel-- Scheidentrockenheit kann auch zu Problemen beim Sex führen. Hilfreich sind dann Gleitmittel. Bei Verwendung von Kondomen sind Gleitmittel auf Basis von Öl oder Fetten ungeeignet, da Latexkondome dadurch porös und so durchlässig für Bakterien und Viren werden können. In Verbindung mit Kondomen sollten deshalb nur Gleitgele auf Wasserbasis verwendet werden.

Osteoporose

In den Wechseljahren steigt das Osteoporoserisiko an, weil die schützende Wirkung der Östrogene auf die Knochen wegfällt. Durch Knochendichtemessungen lässt sich das Osteoporose-risiko abschätzen.

Supplemente-- Zur Prävention der Osteoporose empfehlen ärztliche Leitlinien die Zufuhr von 1000 mg Calcium und 800 bis 1000 IE Vitamin D3 pro Tag. Wer diese Menge durch die Ernährung nicht erreicht, kann Supplemente einnehmen.

Lebensstil-- Empfehlenswert zur Osteoporosevorbeugung ist außerdem regelmäßige sportliche Aktivität, um Muskelkraft, Gleichgewicht und Koordinationsfähigkeit zu verbessern und zu erhalten.

Wussten Sie, dass...

  • viele junge Frauen unsicher sind, ob ihre Menstruationsblutung im Normalbereich liegt?
  • zur Dokumentation der Blutungsstärke und -dauer zahlreiche Apps entwickelt wurden, die kostenlos auf das Smartphone geladen werden können?
  • diese Apps auch gut für die Vorbereitung eines Termins in der gynäkologischen Praxis geeignet sind?
  • einige dieser Anwendungen berechnen können, ob die Dauer und Stärke der „Tage“ im Normalbereich liegt?

Urogenitaltrakt

Zum Urogenitaltrakt gehören die Harnorgane, also die Nieren, die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre, sowie die Geschlechtsorgane. Bei Frauen wie Männern liegen diese Organe in enger Nachbarschaft. Aufgrund der Anatomie kommt es jedoch bei Frauen häufiger als bei Männern vor, dass Erkrankungen eines Organsystems auf das andere übergreifen.

Vaginalmykosen

Eine Vaginalmykose (Scheidenpilz) ist eine Erkrankung des Vaginalbereichs, die in den meisten Fällen durch den Hefepilz Candida albicans hervorgerufen wird. Im Vaginalbereich sind außerdem Infektionen mit Bakterien oder Viren möglich, deren Symptome sich deutlich von einer Vaginalmykose unterscheiden. Typisch für eine bakterielle Infektion (häufig mit Gardnerella vaginalis) ist ein fischiger Geruch des Ausflusses. Virale Infektionen werden durch Herpes simplex oder Humane Papilloma-Viren hervorgerufen. Bei Herpes-Infektionen treten Bläschen auf der Schleimhaut auf. HPV-Viren-Infektionen können an Feigwarzen im Genitalbereich erkannt werden. Sie können auch Gebärmutterhalskrebs auslösen; zur Prophylaxe steht eine Impfung zur Verfügung.

Wichtig-- Bei erstmaliger Erkrankung an einer Vaginalmykose und bei einem Alter unter 18 Jahren ist keine Selbstmedikation möglich. Betroffene müssen dann an die gynäkologische Praxis verwiesen werden. Frauen, denen die Symptome bekannt sind und die weniger als viermal pro Jahr an einem Scheidenpilz erkranken, dürfen die Behandlung in Eigenregie durchführen.

Symptome-- Juckreiz und Rötung der Vaginalschleimhaut sowie weißlicher, teilweise bröckeliger Ausfluss sind typische Beschwerden bei Scheidenpilz.

Behandlung-- Wirkstoffe für die Selbstmedikation sind Nystatin, Clotrimazol und Fenticonazol. Je nach Präparat wird die Behandlung als Einmaltherapie oder über drei bis sechs Tage empfohlen.

Kombipräparate-- Die Empfehlung von Kombipräparaten ist aus zwei Gründen sinnvoll: Der äußere Genitaltrakt, der durch die Wirkstoffe der Vaginaltablette beziehungsweise des Scheidenzäpfchens nicht erreicht wird, kann mit der Creme/Salbe behandelt werden. Außerdem ist eine Mitbehandlung des Partners sinnvoll, um den Ping-pong-Effekt zu vermeiden.

Blasenentzündung

Blasenentzündungen sind deshalb ein typisch weibliches Beratungsthema, weil Männer mit entsprechenden Symptomen direkt an den Urologen verwiesen werden sollten. Zu groß ist die Gefahr, dass auch andere Organe, vor allem die Prostata, mit betroffen sein können. Auch Schwangere und Diabetikerinnen dürfen Blasenentzündungen nicht selbst behandeln.

Abgrenzung-- PTA sollten die Symptome genau hinterfragen. Bei häufigem Harndrang, leichtem Brennen beim Wasserlassen und leichten Unterleibsschmerzen kann die Blasenentzündung mit rezeptfreien Präparaten behandelt werden. Bei starken Schmerzen oder Brennen, Blut im Urin oder Fieber ist ein Arztbesuch notwendig, um beispielsweise eine Nierenbeckenentzündung auszuschließen.

Phytopharmaka-- Zur Selbstmedikation bei Blasenentzündung steht eine breite Palette an pflanzlichen Präparaten zur Verfügung – mit Extrakten aus Bärentraubenblättern, Meerrettichwurzel, Kapuzinerkresse-, Goldruten- und Spitzwegerichkraut, Birkenblättern, Hauhechelwurzel oder Tausendgüldenkraut, teilweise in Kombinationen.

Befristet-- Präparate mit Bärentraubenblättern sollen nicht länger als sieben Tage hintereinander und nicht häufiger als fünfmal pro Jahr angewendet werden. Grund dafür ist, „dass sich tierexperimentell gezeigt hat, dass das bei oraler Gabe von Zubereitungen aus Bärentraubenblättern entstehende Arbutin-Aglykon Hydrochinon möglicherweise mutagene und schwach kanzerogene Wirkungen aufweist“, so eine Fachinformation eines entsprechenden Arzneimittels.

Rezidivprophylaxe-- Bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen kann D-Mannose eine Option sein. Sie ist auch bei akuter Erkrankung einsetzbar und verhindert das Anheften der auslösenden Bakterien an der Schleimhaut der Harnwege.

Grafik: © IDAS PTA MAGAZIN / llustration: Mone Beeck

Psyche

Die psychische Gesundheit von Frauen hängt von vielen Faktoren ab. Zu den äußeren Faktoren, die die Entwicklung einer psychischen Erkrankung begünstigen können, zählen Umbruchphasen im Leben wie der Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums, eine Schwangerschaft, das Wochenbett oder die Wechseljahre. Nicht unterschätzt werden dürfen psychische Probleme, die durch bestimmte Lebens- und Arbeitsbedingungen seit Beginn der Corona-Pandemie entstanden sein können.

Depression

Die Hauptsymptome einer Depression sind eine depressive, gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit und leichte Ermüdbarkeit (auch bereits nach kleinen Anstrengungen) sowie eingeschränkte Aktivität. Die Beratung in der Apotheke kann Betroffene ermutigen, einen Facharzt aufzusuchen, sodass eine adäquate Behandlung erfolgen kann. Auch Libidoverlust und das Ausbleiben der Regelblutung können auf eine Depression hindeuten.

Alkohol

Wenn Frauen versuchen, psychische Probleme in Alkohol zu „ertränken“, sind ihnen die negativen gesundheitlichen Folgen nicht immer bewusst. Als Zellgift kann Alkohol alle Organe schädigen. Die gesundheitlichen Risiken, die Frauen durch übermäßigen Alkoholkonsum eingehen, sind jedoch größer als bei Männern. Das liegt zum Beispiel an der geringeren Menge abbauender Enzyme, sodass alkoholbedingte Leberschäden bei Frauen leichter als bei Männern entstehen können. Alkohol fördert auch die Östrogen-Produktion und erhöht dadurch das Brustkrebsrisiko. Alkoholkonsum In der Schwangerschaft oder Stillzeit kann beim Kind schwerwiegende Schädigungen hervorrufen.

Menge-- Ein kleines Glas Bier oder Wein pro Tag ist die Grenze für einen risikoarmen Alkoholkonsum. Um die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit zu verhindern, sollte an mindestens zwei Tagen pro Woche überhaupt kein Alkohol getrunken werden.

Gewalterfahrung

Stalking, sexuelle Übergriffe oder Gewalt im häuslichen Umfeld – viele Frauen haben Erfahrungen mit körperlicher oder psychischer Gewalt gemacht. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist ein Anstieg der gemeldeten Fälle von Gewalt gegen Frauen zu verzeichnen.

Codewort-- PTA sollten das Codewort „Maske 19“ kennen. Denn damit können Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind und zuhause keinen Notruf absetzen können, in Apotheken, Arztpraxen oder Kliniken unauffällig um Hilfe bitten. Initiiert wurde diese Möglichkeit vom Frauennetzwerk Zonta. Verwendet eine Frau dieses Codewort, sollte mit ihrem Einverständnis die Polizei benachrichtigt werden.

Prävention

Es gibt eine ganze Reihe von Vorsorge-(Präventions)maßnahmen, mit denen Frauen zur Erhaltung ihrer Gesundheit beitragen können. Neben Schutzimpfungen sind vor allem die Früherkennungsmaßnahmen für verschiedene frauenspezifische Krebsarten von Bedeutung. Durch die Beratung in der Apotheke können Frauen darin bestärkt werden, diese Präventionsmöglichkeiten zu nutzen. Für Frauen wie Männer gilt aber auch: Wer nicht an der Krebsvorsorge teilnehmen möchte, muss keine Nachteile befürchten. Das bedeutet: Erkrankt eine Frau an einer Krebsart, für die es Früherkennungsangebote gibt, werden die Behandlungskosten vollständig von ihrer Krankenkasse übernommen.

Die Mammographie ist eine röntgenologische Methode, deren Kosten übernommen werden.

Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Im Alter zwischen 50 und 69 Jahren besteht alle zwei Jahre Anspruch auf Teilnahme am Mammografie-Screening. Die Mammografie ist eine röntgenologische Methode, die in spezialisierten Praxen und Zentren durchgeführt wird. Die Kosten werden sowohl von den gesetzlichen als auch von den privaten Krankenkassen übernommen. In Zukunft könnten diese Altersgrenzen noch ausgeweitet werden, sodass dann auch Frauen im Alter zwischen 45 und 49 sowie zwischen 70 und 74 Jahren von dieser Früherkennungsmaßnahme profitieren würden.

Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs entsteht durch Gewebeveränderungen am Muttermund. Ziel der Früherkennungsmaßnahmen bei Gebärmutterhalskrebs ist es, diese frühzeitig zu diagnostizieren und gegebenenfalls zu entfernen. Die Früherkennungsuntersuchungen richten sich nach dem Alter. Frauen zwischen 20 und 34 Jahren steht jährlich eine kostenlose Abstrich-Untersuchung (Pap-Abstrich) zu. Dabei werden die entnommenen Zellen unter dem Mikroskop auf Veränderungen untersucht.

Frauen ab 35 Jahre können alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung aus Pap-Abstrich und HPV-Test in Anspruch nehmen. Beim HPV-Test wird untersucht, ob der Gebärmutterhals mit Humanen Papillomaviren (HPV) infiziert ist, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können.

Darmkrebs

Darmkrebs entwickelt sich meistens aus Wucherungen der Darmwand (Darmpolypen). Bei einer Darmspiegelung können sie entfernt werden, bevor sie sich zu Darmkrebs entwickeln. Frauen ab 55 Jahre wird die Darmspiegelung (Koloskopie) als Vorsorgemaßnahme angeboten. Wenn Frauen dieses Alter erreicht haben, erhalten sie ein Informationsschreiben ihrer Krankenkasse. Wurden bei dieser Untersuchung keine Auffälligkeiten im Darm festgestellt, kann nach zehn Jahren eine zweite Untersuchung durchgeführt werden. Eine weitere Früherkennungsmaßnahme für Darmkrebs ist der Stuhltest. Dabei wird eine Stuhlprobe auf nicht sichtbare (okkulte) Blutspuren, die von Darmpolypen oder Krebs stammen können, untersucht. Frauen zwischen 50 und 54 Jahren können einmal im Jahr einen solchen Test zuhause durchführen. Die Testmaterialien erhalten sie beispielsweise in der hausärztlichen oder gynäkologischen Praxis. Nach dem 55. Geburtstag ist der Test bei Frauen, die sich nicht für eine Darmspiegelung entscheiden, alle zwei Jahre möglich.

Impfungen

Nach Abschluss der Grundimmunisierung im Kindesalter müssen einige Impfungen in bestimmten Zeitabständen aufgefrischt werden. Außerdem ist es wichtig, dass Frauen mit Kinderwunsch ihren Impfstatus kontrollieren lassen. Zurzeit sind die Corona-Impfungen ein großes Thema. Deshalb besteht die Gefahr, dass andere empfohlene Impfungen zur Prävention schwerwiegender Erkrankungen in den Hintergrund geraten. PTA sollten deshalb Beratungsgespräche nutzen, ihre Kundinnen daraufhin anzusprechen. Einige Impfungen werden speziell für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit wie zum Beispiel Diabetes mellitus empfohlen.

HPV-- Die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) wurde früher nur Mädchen empfohlen. Mittlerweise hat die STIKO diese Empfehlung auf alle Kinder und Jugendlichen zwischen neun und 14 Jahren erweitert. Spätestens bis zum Alter von 17 Jahren sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden. Auch Personen, die älter als 17 Jahre sind und keine Impfung gegen HPV erhalten haben, können noch davon profitieren. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse muss jedoch individuell geklärt werden.

Schwangerschaft-- Frauen, die schwanger werden möchten, sollten auf jeden Fall ihren Impfschutz bezüglich Varizellen (Windpocken) und Röteln überprüfen lassen. Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft erstmalig mit dem Varicella-Zoster-Virus, kann der Embryo im Mutterleib absterben oder das Neugeborene lebensgefährlich erkranken. Bei einer Rötelninfektion in der Frühschwangerschaft besteht ein hohes Risiko für Fehlbildungen (z. B. Herzfehler) und Entwicklungsstörungen.

Auffrischimpfungen-- Alle zehn Jahre aufgefrischt werden sollten bei erwachsenen Frauen die Diphtherie- und die Tetanus-Impfung. Wer in Gesundheitseinrichtungen arbeitet oder im Familien- oder Bekanntenkreis Kontakt zu Neugeborenen hat, sollte sich darüber hinaus alle zehn Jahre gegen Pertussis (Keuchhusten) impfen lassen. Zur Prävention der Poliomyelitis (Kinderlähmung) genügt nach kompletter Grundimmunisierung eine einmalige Auffrischimpfung. Totimpfstoffe wie beispielsweise der Tetanusimpfstoff können auch in der Schwangerschaft verabreicht werden, jedoch vorsichtshalber erst im zweiten oder dritten Trimenon.

Senioren-- Frauen wie Männern ab 60 Jahrewerden zusätzlich zu den Auffrischimpfungen von Tetanus und Diphtherie die Impfungen gegen Pneumokokken, Herpes Zoster und jährlich gegen Influenza empfohlen.

Interessenskonflikt: Die Autorin erklärt, dass keinerlei Interessenskonflikte bezüglich des Themas vorliegen.


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