29.11.2017 - Zum Beratungsthema: Ernährung

Gastritis: Erlaubt ist, was vertragen wird

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von Beate Ebbers

Während die chronische Gastritis häufig symptomlos ist, macht sich die akute Magenschleimhautentzündung durch Schmerzen, Sodbrennen und Übelkeit bemerkbar. Eine angepasste Ernährung unterstützt den Heilungsprozess.

Zu einer Entzündung der schützenden Magenschleimhaut kommt es, wenn diese beschädigt wird, zum Beispiel, wenn der Magen zu viel Magensäure bildet oder die Schleimhaut aus anderen Gründen gereizt wird. Eine Gastritis kann plötzlich auftreten (akut) oder sich über einen längeren Zeitraum entwickeln (chronisch), wobei jede akute Form in eine chronische übergehen kann. In seltenen Fällen dringt die aggressive Magensäure weiter vor und trägt zur Entstehung von Magengeschwüren, -blutungen, -durchbrüchen oder gar Tumoren bei.

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Ursachen

Bei aktuer Gastritis hilft es, schleimhautreizende Lebensmittel zu meiden.

Akute Gastritis-- Häufige Auslöser einer akuten Magenschleimhautentzündung sind Infektionen mit Bakterien oder Viren und Lebensmittelvergiftungen. Auch ein übermäßiger Alkohol-, Kaffee- oder Nikotinkonsum können eine Gastritis auslösen. Grund ist, dass Nikotin und Alkohol die Magensäureproduktion fördern und Coffein sowie Kaffeesäuren den Magen reizen. Eine häufige oder hoch dosierte Einnahme von nicht steroidalen Antirheumatika, Cortison, Zytostatika oder eine Strahlentherapie können ebenfalls eine Gastritis zur Folge haben. Bekannt ist, dass auch psychischer und körperlicher Stress durch Verbrennungen oder Operationen zu Entzündungen führen können. Stresshormone (Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin) stimulieren das Nervensystem im Magen-Darm-Trakt, sodass die Magensäurenbildung angeregt wird.

Chronische Gastritis-- Bei der seltenen chronischen Gastritis vom Typ A handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit unbekannter Ursache, bei der das körpereigene Abwehrsystem Antikörper gegen die Belegzellen der Magenschleimhaut bildet. Da diese den Intrinsic Faktor für die Aufnahme von Vitamin B12 im Darm bilden, geht dieser Typ mit einem Vitamin-B12-Mangel mit hohem Risiko einer perniziösen Anämie einher.

Etwa 85 Prozent der chronischen Magenschleimhautentzündungen gehören dem B-Typ an, der durch Helicobacter pylori hervorgerufen wird. Das Bakterium nistet sich in die Magenschleimhaut ein und schädigt diese.

Ungefähr zehn Prozent gehen auf das Konto von chemisch-toxischen Substanzen (Typ C). Dazu gehören die langfristige Einnahme nicht steroidaler Antirheumatika ebenso wie übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen. Zusätzlich kann diese Form durch einen krankhaften Rückfluss von Gallenflüssigkeit in den Magen ausgelöst werden.

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Behandlung

Ziel der Behandlung ist, die Entzündung der Magenschleimhaut abklingen zu lassen. Sowohl bei der akuten als auch bei der chronischen Form ist es sinnvoll, bekannte Auslöser zu meiden, wenn dies möglich ist. Darüber hinaus gibt es verschiedene Medikamente zur Behandlung, die beispielsweise die Magensäure neutralisieren, ihre Produktion drosseln oder entkrampfend wirken und so Völlegefühl, Übelkeit und Krämpfe lindern. Bei der chronischen Gastritis Typ B steht die Bekämpfung von Helicobacter pylori mittels Antibiotika im Vordergrund. Die chronische Typ-A-Gastritis ist nicht heilbar. Schwerpunkt der Therapie sind eine angepasste Ernährung und die Substitution von Vitamin B12 per Injektion, um eine Anämie zu vermeiden.

Beratungstipps

Kunden, die magenschädigende Medikamente einnehmen, ist zu empfehlen, mit dem Arzt abzuklären, ob diese nicht vorübergehend abgesetzt oder durch andere ersetzt werden können. Auf das Rauchen sollte ganz verzichtet werden. Viele Patienten empfinden Bettruhe für ein bis zwei Tage, eine Wärmflasche, ein warmes Kirschkernkissen auf dem Bauch oder einen warmen Leibwickel als wohltuend. Sie verbessern die Durchblutung der Bauchorgane, sorgen für Entkrampfung, beruhigen die Nerven und lindern Schmerzen. Auch Arzneitees beruhigen eine gereizte Magenschleimhaut. Hilfreich kann zudem das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper sein.

Faktum

  1. Die Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel (z. B. ASS, Diclofenac, Ibuprofen) über Wochen kann eine Magenschleimhautentzündung zur Folge haben.
  2. NSAR hemmen die Synthese von Prostaglandin. Das Gewebehormon ist unter anderem für die Bildung von Schleim- und magensäureneutralisierenden Stoffen wichtig.
  3. Bei einem Prostaglandinmangel ist die Magenwand nicht mehr ausreichend vor Magensäure geschützt.

Lebensmittel

Auswahl und Zubereitung von Nahrungsmitteln haben einen Einfluss auf die Symptomatik. Wichtig ist, in der Beratung zwischen akuten und chronischen Beschwerden zu unterscheiden.

Schonkost

Kunden mit akuten Beschwerden sollten zunächst für ein bis zwei Tage auf Nahrung verzichten, um den Magen zu beruhigen. Anschließend empfiehlt es sich, einige Tage eine Schonkost zu sich zu nehmen. Neben Zwieback, mit Wasser zubereitetem Kartoffelbrei, Bananen und anderem säurearmen Obst beruhigen Haferschleimsuppen auf Wasserbasis und geriebener Apfel den Magen. Während die zuerst Genannten relativ leicht verdaulich sind, enthalten letztere die löslichen Ballaststoffe Beta-Glukan beziehungsweise Pektin, die große Mengen Flüssigkeit binden können. Dadurch entsteht ein Gel, welches die Magenschleimhaut schützt.

Anstelle weniger großer Mahlzeiten schonen fünf bis sechs kleine, gut gekaute den Magen. Nach einigen Tagen Schonkost kann zur normalen Ernährung zurückgekehrt werden. Zunächst sollte jedoch weiterhin auf scharf gewürztes oder stark angebratenes sowie fetthaltiges Essen verzichtet werden.

Getränke-- Wichtig ist, Getränke zu bevorzugen, die den Magen nicht reizen. Empfehlenswert sind vor allem stilles Wasser und lauwarme, milde Kräutertees oder Arzneitees aus der Apotheke. Auf Kaffee und alkoholische Getränke sollte ganz verzichtet werden.

TIPP!

Nicht zu fett, zu scharf, zu heiß oder kalt und auch nicht zu süß: Raten Sie Kunden, die häufiger mit einer Reizung oder Entzündung der Magenschleimhaut zu tun haben, zu einer magenfreundlichen Ernährung.

Leichte Vollkost

Chronisch Erkrankte sollen sich vollwertig ernähren und dabei bekannte Lebensmittel, Speisen und Zubereitungsformen meiden, die bei ihnen Beschwerden auslösen oder verstärken. Sind diese nicht bekannt, ist das Führen eines Ernährungs- und Symptomtagebuchs über mindestens drei Wochen empfehlenswert.

Orientierung bietet die leichte Vollkost, die im stationären Klinikbereich für Gastritispatienten vorgesehen ist. Sie unterscheidet sich von der Vollkost durch Nichtverwendung von Lebensmitteln oder Speisen, die bei mehr als fünf Prozent der Erwachsenen Unverträglichkeiten auslösen. Danach stehen Hülsenfrüchte, Gurkensalat, frittierte und fette Speisen, Weißkohl und andere Kohlgemüse sowie kohlensäurehaltige Getränke an der Spitze.

Im Rahmen der leichten Vollkost werden alle Speisen fett- und reizarm zubereitet. Besonders Röststoffe, wie sie beim scharfen Anbraten entstehen, aber auch Gewürze wie Knoblauch, Meerrettich, Paprika und Senf steigern die Säuresekretion.

Empfehlenswerte Garmethoden sind Dünsten, Dämpfen und Kochen. Scharfes Würzen sollten Betroffene vermeiden. Bei der Wahl von Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukten und Käse sind stets die fettarmen Varianten auszuwählen. Empfehlenswert sind Geflügelfleisch und -aufschnitt, Corned Beef, gekochter Schinken, Milch und Joghurt mit 1,5 Prozent Fett und Käse mit höchstens 40 Prozent Fett in der Trockenmasse.

Getränke-- Wird Kaffee schlecht vertragen, sollte die PTA entcoffeinierte und magenfreundliche Kaffees ohne reizende Kaffeesäuren empfehlen. Als Durstlöscher eignen sich kohlensäurearmes Wasser, verdünnte Säfte und säurearme Früchte- und Kräutertees. Alkohol, Colagetränke, kohlensäurereiche Limonaden und Mineralwässer sind zu meiden.


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