31.12.2017

Glukokortikoide

von Dr. Claudia Bruhn

Glukokortikoide sind hoch potente Arzneistoffe. Doch sie wirken nur, wenn sie wie verordnet angewendet werden. Deshalb sollte die PTA in der Beratung auch auf mögliche Cortisonängste eingehen.

© euthymia / stock.adobe.com

Fortbildung

Originalartikel als PDF


  • Glukokortikoide sind körpereigene und synthetische Verbindungen, die viele verschiedene Stoffwechselprozesse beeinflussen.
  • Wichtigste endogene Verbindung ist das Hormon Cortisol (Hydrocortison), das in der Nebennierenrinde produziert wird.
  • Als Arzneistoffe werden Glukokortikoide vor allem bei entzündlichen und allergischen Erkrankungen sowie als Immunsuppressiva eingesetzt.
  • Um die Nebenwirkungsrate gering zu halten, müssen bei der Anwendung bestimmte Punkte beachtet werden, zum Beispiel das Ausschleichen des Wirkstoffes nach einer Langzeitbehandlung.

Patienten, die in der Apotheke ein Rezept über ein topisches Glukokortikoid, beispielsweise gegen eine akute Hautentzündung einlösen, sind oft skeptisch. Muss das wirklich sein? Hat die Salbe nicht starke Nebenwirkungen? Kann meine Haut davon dünn werden? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen viele Patienten. In einer amerikanischen Fachzeitschrift wurde vor einigen Monaten eine Studie veröffentlicht, die die Verbreitung dieser Cortisonangst oder auch Kortikoidphobie untersucht hat. Weltweit berichteten zwischen 21 und rund 84 Prozent der Befragten über negative Gefühle bei der Anwendung von Cortison. Patienten mit solchen Emotionen, die von Skepsis bis zu irrationalen Ängsten reichen können, wenden ihre Medikamente häufig gar nicht oder nicht wie verordnet an. In der Studie war das bei fast jedem Zweiten der Fall.

TIPP!

Erklären Sie Kunden mit Cortisonangst, dass die Nebennierenrinde selbst Cortisol produziert, welches im Körper wichtige Funktionen erfüllt. Somit ist das verordnete Medikament mit dem körpereigenen Hormon verwandt und bei richtiger Anwendung von großem Nutzen.

Endogen oder synthetisch

Bei den Glukokortikoiden unterscheidet man körpereigene (endogene) Hormone und synthetische Substanzen (Arzneistoffe). Die endogenen Glukokortikoide werden in der Rinde der Nebennieren produziert. Dieses paarige, nur etwa je vier Zentimeter lange und je fünf Gramm schwere Organ befindet sich jeweils im oberen Drittel der Nieren und ist der Bildungsort vieler weiterer lebenswichtiger Hormone wie des Mineralokortikoids Aldosteron oder der Androgene. Das Mark im Inneren der Nebennieren produziert Adrenalin und Noradrenalin.

Die Synthese der Glukokortikoide wird durch Corticotropin gesteuert, das die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) freisetzt.

Das physiologisch wichtigste Glukokortikoid ist Cortisol (Hydrocortison). Es entsteht durch Reduktion aus Cortison (11-Dehydro-17-hydroxycorticosteron), welches selbst nicht pharmakologisch aktiv ist. Cortisol kann nicht gespeichert werden; deshalb wird die Synthese durch die Nachfrage im Körper reguliert. Die tägliche Cortisolproduktion beträgt beim Erwachsenen zwischen 15 und 30 Milligramm.

Jetzt herunterladen!

Wenn Sie sich schon einmal in den Fragebogen einlesen wollen, können Sie ihn hier herunterladen.

Zwei Wirkprinzipien

Die Wirkmechanismen der endogenen und synthetischen Glukokortikoide sind prinzipiell gleich. Man unterscheidet zwei Wirkprinzipien: über die Gene (genomisch) sowie über Membranen (nicht genomisch).

Genomisch-- Für die meisten Arzneimittel, die in der Apotheke abgegeben werden, ist die Beeinflussung der Genexpression im Zellkern von Bedeutung. Dabei gelangen die Substanzen durch die Zellmembran zunächst in das Zellplasma und binden dort an einen spezifischen Glukokortikoid-Rezeptor. Anschließend gelangt dieser Komplex in den Zellkern und dockt dort an Bereiche der DNA an, die das Ablesen von Genen steuern. In der Folge kommt es entweder zum verstärkten Ablesen (Transkription) bestimmter Gene oder zur Unterdrückung der Transkription.

Nicht genomisch-- Glukokortikoide, die in sehr hohen Dosen (> 200 mg Prednisolon-Äquivalent) etwa bei einem medizinischen Notfall verabreicht werden (z. B. bei Kehlkopfödem, schwerem Asthmaanfall), wirken nach anderen Prinzipien. Sie gehen beispielsweise eine Wechselwirkung mit Glukokortikoid-Rezeptoren an Membranen ein. Diese Prozesse laufen sehr viel schneller ab als bei oben genanntem Mechanismus, das heißt innerhalb von Sekunden oder Minuten.

Körpereigene Wirkungen

Das wichtigste körpereigene Glukokortikoid ist Cortisol, daher werden im Folgenden stellvertretend für die endogenen Glukokortikoide Cortisolwirkungen beschrieben. Das Hormon beeinflusst viele verschiedene Stoffwechselprozesse in fast allen Organen.

Detail: Zirkadianer Rhythmus

Zirkadianer_Rhythmus

Die Nebennierenrinde produziert täglich zwischen 15 und 30 Milligramm Cortisol, in Stresssituationen wie beispielsweise nach einer Operation oder einer schweren Verletzung bis zu 240 Milligramm pro Tag. Die Freisetzung schwankt im Tagesverlauf. Die Hauptmenge wird in der zweiten Nachthälfte produziert, sodass die Blutkonzentration zwischen 6.00 und 9.00 Uhr am höchsten ist. Im weiteren Tagesverlauf sinken die Cortisolspiegel im Blut ab und erreichen kurz nach Mitternacht ein Minimum. Diesen Verlauf bezeichnet man als zirkadianen Rhythmus.

Stoffwechsel

Im Organismus zirkuliert ständig eine gewisse Cortisolmenge, die auf Stoffwechselprozesse Einfluss nimmt. So wirkt Cortisol etwa im Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel und als Gegenspieler des Insulins: Eiweiße werden abgebaut (katabole Wirkung), und aus den freigesetzten Aminosäuren wird Glukose gebildet (Glukoneogenese). Das lässt den Blutzuckerspiegel steigen, ebenfalls erhöht sich die Bildungsrate von Glykogen, der Speicherform der Glukose in der Leber und Skelettmuskulatur. Im Fettstoffwechsel fördert Cortisol indirekt sowohl die Lipolyse (Auflösung von Fetten) als auch die Fettspeicherung.

In Stresssituationen (z. B. durch Verletzungen, Infektionen, operative Eingriffe) erhöht der Organismus die Cortisolmenge. Dadurch kommen weitere, wichtige Cortisoleffekte hinzu. Die meisten von ihnen finden sich in den synthetischen Glukokortikoiden als Arzneimittelwirkung wieder.

Herausragend-- Dem Einfluss des Cortisols auf das Immunsystem verdankt die Menschheit hoch potente Arzneistoffe.

Cortisol hemmt Entzündungen, indem Abwehrmechanismen blockiert werden (antiphlogistisch). Es senkt die Teilungsrate von T-Lymphozyten (immunsuppressiv). Die Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie Histamin und anderen Botenstoffen des Immunsystems wie Zytokinen wird unterdrückt (antiallergisch, immunsuppressiv). Das sind beispielhaft genannte Effekte erhöhter Cortisolmengen, die sich Arzneimittel zunutze machen, zum Beispiel zur Therapie von Autoimmunerkrankungen, allergischen Reaktionen und akuten und chronischen Entzündungen.

Gestörte Nebennierenrindenfunktion

Wenn die Nebennieren geschädigt sind oder sich in ihnen ein Tumor entwickelt, hat das Auswirkungen auf die Produktion der körpereigenen Glukokortikoide.

Cushing-Syndrom-- Ein Cushing-Syndrom entsteht, wenn die Nebennierenrinde zu viele Glukokortikoide, insbesondere Cortisol, produziert. Deshalb wird diese Störung auch als Hypercortisolismus bezeichnet. Eine Ursache sind Tumoren der Nebennieren. Auch bei einer Dauergabe von Glukokortikoiden in hoher Dosierung kann es zum Cushing-Syndrom kommen. Äußerliche Anzeichen sind Fettablagerungen in Gesicht, am Nacken und am Rumpf. Diese kommen zustande, weil an den Extremitäten der Patienten Fettpolster abgebaut, an Nacken, Gesicht und Körperstamm jedoch aufgebaut werden. Man spricht von „Stiernacken“, „Vollmondgesicht“ und „Stammfettsucht“.

Morbus Addison-- Dieser Erkrankung liegt eine Schädigung der Nebennierenrinde zugrunde. Die häufigste Ursache dafür sind Autoimmunreaktionen. Aber auch Tumoren oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln können dem Organ Schaden zufügen. Es kommt zu einer Nebennierenrindeninsuffizienz, bei der lebenswichtige Hormone nicht mehr oder nicht in ausreichendem Maße produziert werden – das heißt nicht nur Glukokortikoide, sondern beispielsweise auch Androgene und Aldos- teron. Diese müssen dann lebenslang verabreicht werden (Substitutionstherapie). Typisch für Morbus Addison sind Beschwerden wie Gewichtsverlust, psychische Störungen oder Anämie.

Arzneimittel Glukokortikoid

Die heute verfügbaren synthetischen Glukokortikoide sind chemische Variationen der körpereigenen Substanzen. Dabei blieb das aus vier Ringen bestehende Steran-Grundgerüst in den meisten Fällen erhalten. Variiert wurden die funktionellen Gruppen, beispielsweise durch Austausch eines Wasserstoffatoms gegen Fluor. Auf diese Weise entstanden zahlreiche Wirkstoffe, die sich nach ihrer Applikationsart oder ihrer Wirkstärke/Wirkdauer einteilen lassen. Chemisch unterscheidet man außerdem halogenierte (z. B. Triamcinolonacetonid) und nicht halogenierte (z. B. Prednisolon) Wirkstoffe.

Applikationsort

Glukokortikoide können systemisch oder lokal appliziert werden. Sie werden als Tablette oder Kapsel oral eingenommen, als Infusion verabreicht, in ein Gelenk (intraartikulär), in einem Muskel (intramuskulär) oder unter eine Läsion (subläsional) gespritzt. Darüber hinaus finden sie in Augen- und Ohrentropfen, Nasensprays, Dosieraerosolen, Zäpfchen, Rektalschäumen und auf der Haut in Form von Salben, Cremes, Hautsprays und Lösungen Anwendung.

Einteilung

Bei systemisch verabreichten Glukokortikoiden unterscheidet man außerdem kurz (z. B. Hydrocortison), mittellang (z. B. Prednisolon, Triamcinolonacetonid) und lang wirksame (z. B. Dexamethason) Substanzen. Je länger die biologische Wirkung anhält, umso stärker wirksam ist das Glukokortikoid.

In der Dermatologie teilt man die topisch eingesetzten Substanzen in schwache (z. B. Hydrocortisonacetat, Prednisolonacetat), mittelstarke (z. B. Triamcinolonacetonid), starke (z. B. Mometasonfuorat, Betamethasonvalerat) und sehr starke (z. B. Clobetasolpropionat) Glukokortikoide ein.

Was ist ein Prednisolonäquivalent?

Dieser Begriff wird in der klinischen Praxis verwendet, um die Wirkung der Substanzen miteinander vergleichen zu können. Prednisolon ist vierfach stärker als das körpereigene Cortisol. Eine Prednisolon-Dosis von 7,5 Milligramm pro Tag entspricht also der Menge von 30 Milligramm Cortisol. Wird über längere Zeit eine Dosis oberhalb dieser Grenze eingenommen, muss mit Nebenwirkungen wie bei einem Cushing-Syndrom gerechnet werden. Deshalb wird die Grenze von 7,5 Milligramm Prednisolonäquivalent auch als Cushing-Schwellendosis bezeichnet.

Einsatzmöglichkeiten

Glukokortikoide kommen bei vielen verschiedenen Indikationen zum Einsatz. Hauptanwendungsgebiete sind allergische, entzündliche und immunologisch bedingte Krankheiten. Einige Wirkstoffe sind für die Selbstmedikation rezeptfrei erhältlich. Die Wirkung ist in den meisten Fällen symptomatisch, das heißt die akuten (z. B. Ekzem bei Neurodermitis) oder chronischen (z. B. bei Asthma bronchiale) Beschwerden werden gelindert, ohne dass die Erkrankung geheilt werden kann.

Immunsuppressiv-- Bei Organtransplantationen werden Glukokortikoide wie Prednisolon und Methylprednisolon eingesetzt, um das Abstoßen des Transplantats zu verhindern.

Entzündungshemmend-- Glukokortikoide kommen bei entzündlichen Erkrankungen der Haut (z. B. Ekzeme, Schuppenflechte, Neurodermitis), im Magen-Darm-Trakt (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), in Gelenken (z. B. rheumatoide Arthritis), in den Augen (z. B. nicht infektiöse Bindehautentzündung), in der Lunge (z. B. Asthma bronchiale) und im Zentralnervensystems (z. B. Multiple Sklerose) zum Einsatz.

Antiallergisch-- Bei allergischen Reaktionen und Erkrankungen wie Urtikaria oder allergische Rhinitis werden Glukokortikoide häufig eingesetzt.

Antiemetisch-- In Kombination mit anderen Substanzen wird Dexamethason zur Prophylaxe und Therapie von starkem Erbrechen in Zusammenhang mit einer Operation oder einer Zytostatikatherapie verabreicht.

Infektionskrankheiten-- Seltener werden Glukokortikoide bei Infektionskrankheiten wie beispielsweise Tuberkulose oder Typhus eingesetzt, um toxische Reaktionen zu verhindern. Da sie das Immunsystem unterdrücken, müssen sie in diesem Fall unbedingt mit Antiinfektiva kombiniert werden.

Beratung

Ganz gleich, ob ein Glukokortikoid auf Rezept oder in der Selbstmedikation abgegeben wird – eine ausführliche Beratung ist für den Behandlungserfolg sehr wichtig.

Asthmasprays

Bei Asthma bronchiale verringern inhalative (z. B. Budesonid, Mometasonfuroat) und gegebenenfalls zusätzlich orale Glukokortikoide (z. B. Prednisolon) die Entzündungsaktivität in den Bronchien. In Folge reduzieren sich Schleimproduktion und Ödeme. In hohen Dosen wirken sie außerdem krampflösend auf die Bronchien. Intravenös werden Glukokortikoide bei schweren Asthmaanfällen oder beim Status asthmaticus verabreicht.

Leitliniengerecht-- Nach der aktuellen Leitlinie zur Therapie des Asthma bronchiale sollen inhalative Glukokortikoide bei allen Patienten als Basismedikation (Controller) eingesetzt werden, ganz gleich, wie schwer das Asthma ausgeprägt ist. Lediglich die Dosis wird der Schwere der Erkrankung angepasst. Ziel ist es, die Entzündung in den Bronchien zu verringern und damit Anfällen vorzubeugen.

Anwendungstechnik-- Damit inhalative Glukokortikoide gut wirken können, müssen Patienten mit der richtigen Anwendung der Inhalatoren vertraut sein.

Mundsoor-- Glukokortikoide wirken immunsuppressiv. Daher können Wirkstoffpartikel, die sich auf der Mundschleimhaut niederschlagen, beispielsweise zu Pilzerkrankungen (Mundsoor) führen. Das kann vermieden werden, wenn der Patient direkt nach der Inhalation seinen Mund ausspült, etwas trinkt oder die Zähne putzt.

Heuschnupfensprays

Bei ganzjähriger und saisonaler allergischer Rhinitis sind nasal verabreichte Glukokortikoide gut wirksam, da sie die Entzündungen und Schwellungen in der Nase abklingen lassen. Manchmal spüren die Patienten bereits nach zwölf Stunden einen Effekt. Die volle Wirkung tritt meist erst nach zwei bis drei Tagen ein. Dann lassen Symptome wie Niesreiz, verstopfte Nase und Fließschnupfen deutlich nach. Zur Überbrückung kann das Glukokortikoid kurzfristig, das heißt nicht länger als fünf bis sieben Tage, mit einem abschwellenden Nasenspray mit einem alpha-Sympathomimetikum (z. B. Xylometazolin, Oxymetazolin) kombiniert werden.

Wirkstoffe-- Für die Selbstmedikation zugelassen sind derzeit die Wirkstoffe Beclometasondipropionat, Fluticasonpropionat und Mometasonfuroat in niedrigen Dosen, verschreibungspflichtig ist zum Beispiel Flunisolid.

Erstdiagnose-- Bei Mometasonfuroat und Fluticasonpropionat muss der Patient vor der Abgabe gefragt werden, ob die Diagnose allergische Rhinitis durch einen Arzt gestellt wurde.

Reinigen-- Vor dem Einsprühen des Sprays sollte die Nase geputzt worden sein.

Dosisreduktion-- Nasale Glukokortikoide können während der gesamten Pollensaison beziehungsweise auch ganzjährig eingesetzt werden (mit dem Arzt absprechen). Wenn die Symptome abgeklungen sind, sollte die Behandlung mit der niedrigsten möglichen Dosis fortgeführt werden.

Kinder-- Fluticasonpropionat und Mometasonfuroat sind derzeit nur für Erwachsene zugelassen.

Dermatika

Wegen ihrer entzündungshemmenden, schmerz- und juckreizlindernden Wirkung werden Glukokortikoide sehr häufig auf der Haut angewendet: bei Neurodermitis, nach Insektenstichen, bei Aphthen auf der Mundschleimhaut, bei Reaktionen auf UV-Strahlung (Sonnenallergie, Sonnenbrand), bei weiteren allergischen Hautreaktionen sowie Ekzemen verschiedenster Art.

Hydrocortison-- Als lokale Zubereitung ist die Substanz bis zu einer Konzentration von 0,5 Prozent rezeptfrei erhältlich. Angewendet werden darf die Creme bei Hautentzündungen und allergischen Erkrankungen. Zu beachten ist die maximale Anwendungsdauer von zwei Wochen. Seit Dezember 2017 steht Hydrocortison zudem in Kombination mit Aciclovir zur Behandlung von Herpes labialis bei Erwachsenen und Kindern ab zwölf Jahren rezeptfrei zur Verfügung. In dieser Kombination soll es ulcerativen Hautveränderungen vorbeugen.

Stufentherapie-- Ähnlich wie beim Asthma bronchiale empfehlen ärztliche Leitlinien auch bei der Neurodermitis eine Stufentherapie. Ab Stufe 2, das heißt, wenn auf der Haut leichte Ekzeme auftreten, können niedrig potente topische Glukokortikoide zum Einsatz kommen. Sie sollten ein- bis zweimal täglich bis zum Verschwinden der Ekzeme angewendet werden.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungsrate hängt vor allem von der Therapiedauer sowie auch von der Dosierung und der Applikationsart ab. Bei kurzfristiger Behandlung (< 4 Wo.) unterhalb der Cushing-Schwelle ist kaum mit Nebenwirkungen zu rechnen. Werden Glukokortikoide topisch gegeben, treten eher lokale als systemische Nebenwirkungen auf.

Steroiddiabetes

Unter längerfristiger Behandlung mit Glukokortikoiden kann sich ein Steroiddiabetes entwickeln oder ein latenter Diabetes mellitus manifestieren. Ursachen dafür sind beispielsweise die Steigerung der Glukoneogenese und der Insulinresistenz sowie Veränderung von Betazellen, was die Insulinproduktion verringert.

Skelettsystem

Da Glukokortikoide den Eiweißabbau fördern, kann es bei Langzeitbehandlung zum Skelettmuskelabbau kommen. Außerdem stören Glukokortikoide den Knochenstoffwechsel unter anderem dadurch, dass die Osteoklasten stimuliert und die Osteoblasten gehemmt werden. Gefürchtete Folge ist eine Osteoporose. Diesem Risiko kann durch die Einnahme von Vitamin D3, Calcium und Bewegung entgegengewirkt werden.

Auge

Glukokortikoide können den Augeninnendruck erhöhen und deshalb zu einem Glaukom führen. Ursache sind verschiedene Prozesse, die den Abfluss des Kammerwassers behindern. Auch eine Trübung der Augenlinse (Grauer Star) ist möglich; diese kann sich aber nach Ende der Behandlung wieder zurückbilden.

Hautverdünnung

Diese Nebenwirkung wird durch die hemmende Wirkung der Glukokortikoide auf die Zellteilung und auf die Bildung von Kollagen und Hyaluronsäure verursacht. Auch Wundheilungsstörungen können bei lokaler Therapie auftreten.

Psyche

Glukokortikoide wirken auch auf die Psyche. Beispielsweise sind Schlafstörungen und Hyperaktivität, Depressionen und Müdigkeit sowie kognitive Störungen möglich. Gegebenenfalls ist eine Begleitmedikation notwendig.

Infektionen

Durch die immunsuppressive Wirkung der Glukokortikoide kann es zu einer erhöhten Infektanfälligkeit oder opportunistischen Infektionen (Mundsoor) kommen.

Magengeschwür

Glukokortikoide hemmen die Synthese von Prostaglandinen – auch von solchen, die die Magenschleimhaut schützen. Dadurch wird die Magenschleimhaut empfindlicher.

Wachstumshemmung

Bei Kindern kann es beispielsweise unter inhalativen Glukokortikoiden zu einer Wachstumshemmung kommen. Neueren Studien zufolge ist dieser Effekt jedoch nur moderat ausgeprägt und reversibel. Das heißt, die Kinder holen den Rückstand auf, wenn das Medikament nicht mehr benötigt wird. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie sich noch im Wachstumsalter befinden.

Management von Nebenwirkungen

Das Risiko für Nebenwirkungen lässt sich durch verschiedene Maßnahmen reduzieren. So sollte die Behandlung immer nur so kurz wie nötig erfolgen. Wenn nach Behandlungsbeginn die Symptome gelindert wurden, soll die weitere Therapie mit der geringsten noch wirksamen Dosis erfolgen.

Begleitmedikation-- Häufig können Nebenwirkungen durch eine Begleitmedikation abgemildert werden, beispielsweise eine Osteoporose durch Gabe von Calcium, Vitamin D und gegebenenfalls Bisphosphonaten.

Kontrollen-- Ein weitere Maßnahme, die auch die Apotheke empfehlen kann, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, sofern nicht vom Arzt vorgesehen. Dazu zählen die Überprüfung des Blutdrucks und des Blutzuckers, die Kontrolle des Augeninnendrucks und die Wachstumskontrolle bei Kindern.

Ausschleichen-- Nach einer Langzeittherapie mit Glukokortikoiden muss die Behandlung ausschleichend beendet, das heißt die Dosis schrittweise reduziert werden. Damit soll eine Nebennierenrindeninsuffizienz verhindert werden. Sie entsteht, wenn die Nebennierenrinde bei längerer Glukokortikoidtherapie die Eigenproduktion von Cortisol verringert.

Wechselwirkungen

Bei der Abgabe von Glukokortikoiden auf Rezept oder für die Selbstmedikation sollten Patienten nach Dauermedikamenten gefragt werden, da zahlreiche Wechselwirkungen bekannt sind.

Antidiabetika

Unter einer Dauertherapie mit Glukokortikoiden kann sich der Blutzuckerspiegel um etwa zehn bis 20 Prozent erhöhen. Daher müssen Diabetiker während einer solchen Behandlung die Blutglukosekonzentrationen besonders sorgfältig überwachen. Gegebenenfalls muss der Arzt die Dosis des Antidiabetikums wie Glibenclamid oder Metformin erhöhen.

Analgetika

Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika wie Diclofenac wirken über eine Hemmung der Prostaglandinsynthese, wobei auch die Konzentration von Prostaglandinen mit einer Schutzfunktion für die Magen- schleimhaut verringert wird. Da Glukokortikoide ebenfalls die Prostaglandinsynthese hemmen, steigt das Risiko für Magen-Darm-Blutungen.

Weitere Arzneistoffe

Die gleichzeitige Einnahme von Glukokortikoiden und Diuretika wie Hydrochlorothiazid kann zu einem Kaliummangel (Hypokaliämie) führen. Die Ursache liegt darin, dass beide Wirkstoffe die Kaliumausscheidung fördern und sich diese Effekte addieren. Durch die Steigerung der Kaliumausscheidung unter Glukokortikoiden kann die Wirkung von Herzglykosiden (z. B. Digitoxin und verwandten Wirkstoffen) verstärkt werden.

Nehmen Patienten Wirkstoffe wie Rifampicin oder Phenytoin ein, kann die Wirkung des Glukokortikoids verringert sein. Denn diese Wirkstoffe erhöhen in der Leber die Bildungsrate eines Enzyms, welches den Abbau der Glukokortikoide fördert.

Faktum

  1. Ein neuer Therapieansatz bei der Neurodermitis ist die proaktive Therapie.
  2. In einer etwa dreimonatigen Intervalltherapie werden in symptomfreien Zeiten topische Glukokortikoide eingesetzt.
  3. Hautareale, in denen häufig Ekzeme auftreten, werden dabei zweimal wöchentlich behandelt. Die Hautpflege mit dem Basisprodukt wird weitergeführt.
  4. Ekzeme lassen sich so dauerhaft unterdrücken; Patienten können psychisch profitieren.

Artikel teilen

Kommentare (1)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Apotheke und Marketing

APOTHEKE + MARKETING wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei das Magazin und die Webseite insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis des Apothekers eingeht.

www.apotheke-und-marketing.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.