31.12.2019

Hämorrhoidalleiden: Kaputtes Polster

von Dr. Claudia Bruhn

Sie sind weit verbreitet, doch keiner spricht gern darüber. Die Anfangsstadien können in der Selbstmedikation mit Lokaltherapeutika wie Salben und Zäpfchen gut behandelt werden.

© TP / Alamy / mauritius images

Fortbildung

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  • Hämorrhoiden sind ringförmiges Gewebepolster im Enddarm, die wichtige Funktionen beim Stuhlgang und bei der Gewährleistung der Kontinenz erfüllen.
  • Sie können krankhaft verändert sein und deshalb Beschwerden (Hämorrhoidalleiden) verursachen.
  • Leichte bis mittelschwere Symptome können im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden.
  • Die am häufigsten eingesetzten Präparate enthalten Lokalanästhetika und Pflanzenextrakte als Salben und Zäpfchen.

Der Satz „Ich habe Hämorrhoiden“ bedeutet eigentlich nichts Krankhaftes, denn Hämorrhoiden hat jeder. Es handelt sich um ein ringförmiges Gewebepolster am Übergang vom Mastdarm zum After. Gemeinsam mit dem inneren und dem äußeren Schließmuskel sorgt es für die Abdichtung des Enddarms. Verschiedene Faktoren können dazu beitragen, dass sich dieses Gewebe krankhaft vergrößert. Dazu zählen etwa Bindegewebsschwäche oder Erweiterungen der darin liegenden Blutgefäße. Dann spricht man von einem Hämorrhoidaleiden oder der Einfachheit halber von (vergrößerten) Hämorrhoiden.

Lernziele Hämorrhoidalleiden

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • was man unter Hämorrhoiden und unter Hämorrhoidalleiden versteht.
  • welche weiteren analen Erkrankungen es gibt.
  • welche Arzneiformen bevorzugt zum Einsatz kommen.
  • wie eine mögliche Therapie aussieht.
  • in welchen Stadien Hämorrhoidalleiden der Selbstmedikation zugänglich sind.
  • welche Wirkstoffe in der Selbstmedikation eingesetzt werden.

Medizinisch werden Hämorrhoidalleiden abhängig von der Größe und ihrer Position innerhalb bzw. außerhalb des Enddarms in vier Schweregrade eingeteilt. Typisch für Grad I und II sind vergrößerte Gewebepolster, die im Analbereich zu Schmerzen, Blutungen und Juckreiz führen. Sie können sich bei Grad II beim Pressen und bei der Stuhlentleerung auch über den Analrand hinaus wölben, ziehen sich aber dann spontan wieder zurück. Dagegen können sie sich bei Grad III wegen ihrer Größe nicht mehr von selbst zurückbilden. Man kann sie jedoch mit dem Finger in den Enddarm zurückschieben, was bei Grad IV nicht mehr möglich ist. Bei Grad III und IV kann es zu stärkeren Schmerzen und Entzündungen, aber auch zum unkontrollierten Stuhlabgang kommen, da der After nicht mehr ausreichend abgedichtet wird.

Behandlung

Eine Selbstmedikation ist nur bei Grad I und II vertretbar. Im Idealfall hat der Arzt bereits ein Hämorrhoidalleiden diagnostiziert und dabei schwerwiegende Ursachen für die Beschwerden (z. B. Darmkrebs, perianale Thrombose, Analfissur) ausgeschlossen. Dies ist beispielsweise durch eine Untersuchung des Analkanals und des unteren Rektums (Proktoskopie), eine Spiegelung des Mastdarms (Rektoskopie) oder des Dickdarms (Koloskopie) möglich. Die Grade III und IV sind ein Fall für den Chirurgen. Es stehen eine Reihe von Eingriffen zur Verfügung, beispielsweise eine Verödung, eine Lasertherapie, das Abbinden mit einem Gummiband oder operative Verfahren. Einige dieser Maßnahmen (z. B. Verödung) können auch bereits bei den Graden I und II eingesetzt werden.

Symptome

Um abschätzen zu können, ob eine Selbstmedikation möglich ist, muss die PTA in der Beratung gezielt nach Symptomen fragen. Viele Kunden sind verunsichert, wenn auf dem Toilettenpapier Blut sichtbar ist. Solange es von hellroter Farbe ist, stammt es höchstwahrscheinlich aus den feinen Arterien, die die Hämorrhoiden durchziehen. Zusätzlich kann es bei Grad I und II zu Juckreiz, einem dumpfen Druck im Enddarm und Schmerzen beim Stuhlgang kommen. Bei starken Schmerzen und wenn sich die Hämorrhoiden nicht mehr in den After zurückschieben lassen, sollte dringend zum Arztbesuch geraten werden.

Tabuthema-- Hämorrhoiden gehören zu den Tabuthemen. Einigen Kunden ist es sehr unangenehm, darüber zu sprechen. Deshalb erfordert die Beratung viel Fingerspitzengefühl. Um die Hemmschwelle für die Kunden zu senken, sollte das Beratungsgespräch in der Beratungskabine stattfinden.

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Schwangerschaft

In der Schwangerschaft kann das Risiko für Hämorrhoidalleiden, aber auch für andere Probleme wie zum Beispiel Analvenenthrombosen, erhöht sein. Zu den Ursachen zählen die schwangerschafts-bedingte Auflockerung des Bindegewebes und der erhöhte Druck durch die Gewichtszunahme. Durch starkes Pressen während des Geburtsvorgangs bestehen die Probleme auch nach der Entbindung in der Regel weiter. In den folgenden Wochen bilden sich die vergrößerten Hämorrhoiden jedoch häufig zurück. Allgemein gilt die Empfehlung, dass in der Schwangerschaft nur so kurz wie möglich behandelt werden sollte.

Denn es gibt nur wenige klinischen Studien zu Risiken und Nebenwirkungen von Hämorrhoidenmitteln bei Schwangeren. Deshalb findet sich bei vielen Präparaten in der Packungsbeilage der Hinweis, dass vor der Anwendung vorsichtshalber der Arzt konsultiert werden sollte. Eine ärztliche Leitlinie empfiehlt Schwangeren bei Hämorrhoiden eine ballaststoffreiche Ernährung, erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Sitzbäder und die lokale Anwendung von Salben mit Lidocain. Dieses Lokanästhetikum kann auch in der Stillzeit kurzfristig lokal eingesetzt werden, falls die Beschwerden weiterhin bestehen.

Verwechslungsgefahr

Sehr viele andere Veränderungen im Analbereich wie Marisken, Fissuren, Ekzeme oder Infektionen können ganz ähnliche Symptome wie Hämorrhoiden verursachen. Deshalb ist es sehr sinnvoll, dem Kunden für eine genaue Abklärung zum Arztbesuch zu raten.

Marisken-- Die größte Verwechslungsgefahr besteht zwischen Hämorrhoiden und Marisken. Es handelt sich dabei um unterschiedlich große Hautzipfel am Analrand. Betroffene könnten sie für Hämorrhoiden vom Grad IV halten, da sie sich nicht in den Analkanal zurückschieben lassen. Tatsächlich haben sie keinen Krankheitswert, können aber die Reinigung des Afters nach dem Stuhlgang erschweren. Wenn Kotreste in den kleinsten Hautfalten verbleiben, kann es zu Entzündungen kommen, die ähnliche Beschwerden wie bei Hämorrhoidalleiden verursachen. Bei hohem Leidensdruck lassen sich Marisken chirurgisch entfernen.

Analfissur-- Fissuren sind feine Einrisse in der Afterhaut oder -schleimhaut, die starke Schmerzen sowie ein stechendes und brennendes Gefühl verursachen können. Typisch sind auch – wie bei Hämorrhoidalleiden – hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier.

Ekzem-- Wie andere Hautregionen auch kann die Analhaut allergisch reagieren oder durch Feuchtigkeit derart beeinträchtigt sein, dass sich ein Ekzem entwickelt. Allergische Reaktionen können beispielsweise auf Duftstoffe in feuchtem Toilettenpapier erfolgen. Doch auch manche Arzneistoffe besitzen ein allergenes Potenzial. So hat beispielsweise die europäische Arzneimittelagentur EMA im Jahr 2010 angeordnet, dass Bufexamac wegen seines allergenen Potenzials nicht mehr in Arzneimitteln enthalten sein darf. Diese Anordnung betraf auch Hämorrhoidensalben. Eine weitere Ursache von Ekzemen kann langandauernde Feuchtigkeit sein, die die Haut aufweicht, zum Beispiel wegen (Stuhl)Inkontinenz.

Infektion-- Bei Infektionen im Analbereich dominiert der Juckreiz. Dieses Symptom ist auch für Hämorrhoidalleiden typisch. Infektionen können durch Pilze wie Candida albicans oder durch Viren hervorgerufen werden. Das humane Papillomavirus (HPV) kann Feigwarzen auslösen, die nicht nur im Genital-, sondern auch im Analbereich auftreten.

Thrombose-- Berichten Kunden über sehr starke, plötzlich aufgetretene Schmerzen, kann eine Analvenenthrombose die Ursache sein. Auslöser sind Blutgerinnsel im Venengeflecht des Anus, die am Analrand als rötlich-bläuliche Knoten zu sehen und zu ertasten sind. Der Proktologe kann diese mechanisch entfernen, dann lassen die Schmerzen nach.

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Lesen Sie ergänzend und thematisch passend zu unserer zertifizierten Fortbildung unseren englischen Beitrag "Damage Padding".

Arzneiformen

Die traditionellen Arzneiformen bei Hämorrhoidalbeschwerden sind Salben und Zäpfchen. Sie lindern die Beschwerden, können vergrößerte Hämorrhoiden jedoch nicht verkleinern. Auch mit Sitzbädern machen Kunden häufig gute Erfahrungen. Bei Schmerzen können Analgetika oral eingenommen werden. Manche Ärzte empfehlen bei Hämorrhoidalleiden Kapseln oder Tabletten mit Wirkstoffen pflanzlichen Ursprungs, die aber in Deutschland fast ausschließlich zur Behandlung von Venenbeschwerden eingesetzt werden.

Medizinprodukt-- Außerdem ist ein Medizinprodukt aus einem speziellen Kunststoff auf dem Markt, das aus einem Analdehner und einem Rückholband besteht. Es wird mehrmals am Tag für eine gewisse Zeit (max. 60 Min.) in den Analkanal eingeführt. Dadurch soll sich der Schließmuskel entspannen, was zu einer Rückbildung der Hämorrhoiden führen kann. Bei vorhandenen kleinen Wunden sollen durch die Kompression Blutungen gestillt werden können.

Anwendungsart

Salben und Cremes werden nach dem Stuhlgang mit dem Finger (ggf. unter Verwendung eines Fingerlings) auf die betroffene, gut gereinigte Region aufgetragen. Einigen Präparaten liegt ein Applikator mit seitlichen Austrittsöffnungen bei. Damit gelangt die Zubereitung gezielt zu den betroffenen Bereichen im Analkanal. Falls der Schließmuskel zu Verkrampfungen neigt, kann vor der Behandlung ein Analdehner angewendet werden. Zäpfchen sollte man so weit einführen, dass deren Ende noch mit der Fingerkuppe tastbar ist. Suppositorien mit Mullstreifen halten die Arzneiform in der richtigen Position. So kann der Wirkstoff gezielt am Wirkort abgegeben werden.

Mithilfe des Mullstreifens ist es möglich, den korrekten Sitz zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Außerdem saugt er Sekret auf und ist daher bei Beschwerden mit Nässen und Schleimabsonderung besonders empfehlenswert. Dennoch kann es bei allen topischen Zubereitungen zur Verschmutzung der Wäsche kommen. Kunden sollte deshalb zur Verwendung eines Wäscheschutzes (Slipeinlage, Analvorlage) geraten werden. Die Dauer der Anwendung von topischen Zubereitungen gegen Hämorrhoidalleiden ist nicht unbegrenzt. Je nach Wirkstoff liegt sie bei maximal sechs Wochen. Meistens sind die Beschwerden dann auch abgeklungen, und bei erneutem Auftreten kann mit der Anwendung wieder begonnen werden.

Bei Sitzbädern wird die empfohlene Menge der Zubereitung in 20 bis 25 Liter Wasser (Temperatur 32 °C – 35 °C) gegeben. Die Badedauer sollte etwa zehn bis 15 Minuten betragen. Sitzbäder können zwei- bis dreimal wöchentlich bis einmal täglich durchgeführt werden. Danach ist der Analbereich gut abzutrocknen. Die PTA kann Kunden anbieten, einen Bidet-Einsatz für die Toilette zu bestellen.

Interaktionen

Bei der Anwendung von rezeptfreien topischen Zubereitungen sind keine Wechselwirkungen mit Medikamenten, die Betroffene dauerhaft einnehmen, zu befürchten. Vorsicht ist jedoch geboten bei der Anwendung von Kondomen auf Latexbasis, insbesondere in Zusammenhang mit Analverkehr. Denn Fette oder Öle in der Salben- oder Zäpfchengrundlage können die Reißfestigkeit von Latex vermindern und damit die Sicherheit des Kondoms beeinträchtigen. Vermieden werden kann diese Wechselwirkung, indem das topische Hämorrhoidenmittel erst nach dem Kondomgebrauch aufgetragen wird. Bei latexfreien Kondomen besteht dieses Risiko nicht.

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Prophylaxe

Es werden verschiedene Maßnahmen diskutiert, die der Entstehung von Hämorrhoidalbeschwerden vorbeugen können. Dazu zählen Gewichtsabnahme bei Übergewicht, regelmäßige Bewegung sowie Bewegungspausen bei überwiegend sitzender beruflicher Tätigkeit, ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und eine ballaststoffreiche Ernährung. Letztgenannte Maßnahme zielt vor allem darauf ab, Obstipationen zu vermeiden. Denn ein starker Pressdruck bei der Stuhlentleerung fördert die Entstehung eines Hämorrhoidalleidens. Auch längere Toilettensitzungen, zum Beispiel um währenddessen Zeitung zu lesen oder Textnachrichten mit dem Handy zu verschicken, belasten das empfindliche Gewebepolster unnötig.

Reinigung-- Die gründliche und zugleich sanfte Reinigung des Analbereiches ist bei Hämorrhoiden besonders wichtig, da verbleibende Kotreste Entzündungen hervorrufen oder verschlimmern können. Am besten ist lauwarmes Wasser geeignet, das auch mithilfe einer Analdusche angewendet werden kann. Als Toilettenpapier sollte eine besonders weiche Qualität gewählt werden. Eine Alternative sind Feuchtpflegetücher. Sie sollten jedoch frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein, da ansonsten das Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen besteht. Um die sensible Analhaut nach der Reinigung vor Hautschäden zu bewahren, kann eine Schutzsalbe aufgetragen werden.

Wirkstoffe

Die Auswahl des Wirkstoffs sollte sich bei Hämorrhoidalbeschwerden an der Art der Symptome orientieren. Extrakte aus Hamamelis und Lokalanästhetika kommen am häufigsten zum Einsatz.

Lokalanästhetika

Dominieren die Symptome akuter Schmerz und Juckreiz, sind Lokalanästhetika (als Salbe, Creme oder Zäpfchen) eine sinnvolle Empfehlung. Diese Wirkstoffe blockieren die Bildung und Weiterleitung von Nervenimpulsen und reduzieren dadurch die Wahrnehmung von Schmerzen und weiterer Reize (z. B. Kälte, Wärme, Druck). Derzeit sind Präparate mit den Wirkstoffen Lidocain, Quinisocain und Cinchocain (Rp) verfügbar. Zubereitungen mit Quinisocain und Cinchocain sollten maximal zweimal täglich und längstens eine Woche angewendet werden. Lidocain kann als Zäpfchen bis zu sechs Wochen ohne Unterbrechung eingesetzt werden.

Dabei sind Reizungen oder Überempfindlichkeitsreaktionen möglich. Nach Angaben der Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin können Zubereitungen mit Lidocain in der Schwangerschaft (www.embryotox.de) und auch in der Stillzeit lokal angewendet werden. Lidocain ist auch als Rektalsalbe verfügbar, die nach oder auch eine halbe Stunde vor dem Stuhlgang benutzt wird und die damit verbundenen starken Schmerzen lindern kann. Sie eignet sich auch für die Anwendung vor einer Untersuchung beim Proktologen.

Gerbstoffe

Lokal verwendete Gerbstoffdrogen (z. B. Auszüge aus Hamamelis, Eichenrinde) oder synthetische Gerbstoffe können die oberflächlichen Hautschichten im Analbereich verfestigen und Kapillaren abdichten. Salben, Zäpfchen sowie Produkte zur Herstellung von Sitzbädern sind deshalb vor allem bei Beschwerden empfehlenswert, die mit Nässen und Schwellungen verbunden sind. In Schwangerschaft und Stillzeit können gerbstoffhaltige Zubereitungen angewendet werden.

Hamamelis-- Extrakte aus der Rinde, den Blättern oder Zweigen von Hamamelis virginiana sind in Salben, Zäpfchen und Feuchtpflegetüchern zur Anwendung bei Hämorrhoidalleiden enthalten. Sie beinhalten neben Gerbstoffen weitere Substanzen (z. B. ätherische Öle) und wirken entzündungshemmend, adstringierend und blutstillend. Daher sind sie bei komplexen Beschwerden mit Juckreiz, Brennen, Schmerzen und Blutungen besonders empfehlenswert. Bei der Anwendung kann es zu allergischen Reaktionen auf den Pflanzenextrakt, aber auch auf weitere Bestandteile der jeweiligen Zubereitung (z. B. Wollwachs), kommen. In der Schwangerschaft ist eine Anwendung möglich.

Kamillenextrakt

Die Flavonoide und ätherischen Öle in Auszügen aus Kamillenblüten wirken entzündungshemmend und wundheilungsfördernd. Sie können bei Hämorrhoidalleiden als Salben (mehrmals tägliche Anwendung) und Sitzbäder empfohlen werden. Nicht angewendet werden dürfen sie bei Überempfindlichkeit gegen Kamille, aber auch gegen andere Korbblütler, etwa Beifuß, Schafgarbe, Arnika oder Chrysantheme, da Kreuzreaktionen auftreten können. Für Schwangere und Stillende wird Kamillenextrakt empfohlen.

Bismut

Ein synthetischer Wirkstoff, der bei Hämorrhoidalleiden angewendet werden kann, ist basisches Bismutgallat. Der Komplex aus Bismut und Gallussäure besitzt adstringierende, desinfizierende sowie leicht austrocknende Wirkungen. Letztere sind vor allem bei nässenden Hämorrhoiden von Vorteil. In Schwangerschaft und Stillzeit ist der Wirkstoff kontraindiziert.

Zinkoxid

Zinkoxid besitzt unter anderem eine wundheilungsfördernde Wirkung. Neben Monopräparaten sind auch Kombinationen, zum Beispiel mit Lebertran, Harnstoff oder Glycerol verfügbar, die mehrmals täglich aufgetragen werden können. Wegen seiner adstringierenden Eigenschaften eignet sich Zinkoxid besonders gut bei nässenden Beschwerden.

Heparin

In seltenen Fällen kann ein Patient nach einer Hämorrhoidenoperation mit der ärztlichen Empfehlung für eine Heparinsalbe in die Apotheke kommen. Manche Ärzte erachten diesen Wirkstoff mit seinen gerinnungshemmenden Eigenschaften als sinnvoll für die Narbenbehandlung.

Ätherische Öle

Eine Wund- und Heilsalbe (Medizinprodukt) mit einer Mischung aus Fichtennadel- und Latschenkieferöl, Thymol und Arnikatinktur kann Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, Überempfindlichkeit und Schmerzen lindern. Die Zubereitung sollte nach dem Stuhlgang in kleiner Menge in den After eingebracht und auf der Analschleimhaut verteilt werden. Eine Anwendung bei Schwangeren und Stillenden ist möglich.

Analgetika

Bei starken Schmerzen in Verbindung mit Hämorrhoidalleiden können Ibuprofen oder Paracetamol als Tabletten oder Kapseln empfohlen werden. Dabei ist jeweils der Einnahmeabstand von sechs Stunden und die entsprechenden Tagesmaximaldosen (Paracetamol: 4 g; Ibuprofen: 1,2 g) zu beachten. Acetylsalicylsäure ist als Schmerzmittel in diesem Fall nicht geeignet, da durch die Hemmung der Thrombozytenaggregation Blutungen verlängert auftreten können.

Orale Phytopharmaka

Wirkstoffe pflanzlichen Ursprungs wie Aescin, Flavonoide wie Rutosid oder Pulver aus roten Weinrebenblättern besitzen gefäßabdichtende und venenstärkende Wirkungen. In Deutschland werden Präparate mit diesen Wirkstoffen hauptsächlich bei Venenbeschwerden wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen eingesetzt. Einige Ärzte empfehlen sie auch bei Hämorrhoidalleiden, um Schwellungen oder Nässen zu vermindern. Zur symptomatischen Linderung von Jucken und Brennen bei Hämorrhoiden ist außerdem ein traditionell pflanzliches Arzneimittel in Kapselform mit einem Trockenextrakt aus Mäusedornwurzelstock verfügbar.

Laxanzien

Kunden, die regelmäßig unter Hämorrhoidalbeschwerden leiden, sollten sich möglichst ballaststoffreich ernähren. Ziel ist ein weicher, geformter Stuhl, der ohne übermäßiges Pressen entleert werden kann. Gelingt das nicht, können Flohsamenschalen oder Lactulose zur Stuhlregulation empfohlen werden (auch in Schwangerschaft und Stillzeit). Stärker wirksame Laxanzien wie beispielsweise Anthrachinone, Rizinusöl oder Glaubersalz sind nicht empfehlenswert, da sich dann ein zu dünnflüssiger Stuhl bilden kann. Dieser würde die bei Hämorrhoidalleiden häufig entzündete Analschleimhaut zusätzlich reizen. Außerdem führt dünnflüssiger Stuhlgang dazu, dass physiologische Vorgänge wie das abwechselnde Dehnen und Erschlaffen von Schließmuskeln und Hämorrhoiden nicht mehr ausreichend stattfinden. Dies würde Hämorrhoidalbeschwerden fördern. In der Beratung sollte die PTA Kunden darauf hinweisen, dass eine tägliche Stuhlentleerung nicht durch übermäßiges Pressen erzwungen werden sollte. Ein Stuhlgang drei- bis fünfmal pro Woche ist ausreichend.

Wussten Sie, dass ...

  • Hämorrhoidalleiden in den Industrienationen zu den häufigsten Erkrankungen zählen?
  • rund 70 Prozent aller Erwachsenen mindestens einmal im Leben davon betroffen sind?
  • in manchen Studien Frauen und Männer gleich häufig, in einigen die Männer häufiger betroffen sind?
  • Hämorrhoidalleiden in der Altersgruppe zwischen 45 und 65 Jahren am häufigsten auftreten?
  • der Anteil der Patienten, die deswegen zu Arzt gehen, mit etwa vier Prozent sehr gering ist?

Alternativmedizin

Homöopathische und anthroposophische Mittel bei Hämorrhoidalleiden sind als Einzelmittel und Kombinationspräparate verfügbar. Als Einzelmittel eignen sich für die Selbstmedikation Aesculus, Aloe, Nux vomica, Hamamelis oder Sulfur, jeweils als Globuli in der Potenz D6. Als anthroposophisches Mittel sind beispielsweise Zäpfchen mit Rosskastanie, Borretsch, Hamamelis, Eichenrinde und Mariendistel verfügbar. Sie können bis zu zweimal täglich über maximal zwei Wochen angewendet werden. Ein weiteres Kombinationspräparat in Zäpfchenform enthält Rosskastanie, Hamamelis und Antimon.

Hautschutz

Es sind Medizinprodukte in Salbenform verfügbar, die durch ihre Zusammensetzung einen Schutz vor mechanischer Beanspruchung der empfindlichen Analschleimhaut bieten. Ein Präparat mit einer Kombination aus Jojobawachs und gelbem Bienenwachs kann sowohl vor als auch nach dem Stuhlgang angewendet werden. Durch die „Fettung“ des Analkanals kann der Stuhlgang leichter vonstatten gehen. Ebenfalls vor und nach dem Stuhlgang kann eine wasserfreie Schutzsalbe mit Paraffinen und Tocopherolacetat aufgetragen werden. Bei Hautschutzprodukten ist zu bedenken, dass andere lokale Hämorrhoidenmittel in ihrer Wirkung vermindert werden können. Deshalb wird eine gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen. Auch Salben mit Zinkoxid schützen die betroffenen Bereiche gegen reizende Einflüsse.

Verschreibungspflichtig

Salben und Zäpfchen mit dem Wirkstoff Cinchocain sind verschreibungspflichtig, da dieses Lokalanästhetikum stärker und länger wirksam ist als Lidocain und Quinisocain. Ebenfalls verschreibungspflichtig sind Salben und Zäpfchen mit topischen Glukokortikoiden wie Flucortolon (in Kombination mit Lidocain), Hydrocortison und Prednisolon. Auch diese Wirkstoffe sind nur zur vorübergehenden Anwendung bestimmt und werden daher ärztlicherseits nur zur kurzfristigen Anwendung verordnet, beispielsweise für die Zeit bis zu einem chirurgischen Eingriff.


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