30.04.2022

Heuschnupfen: Echter Dauerbrenner

von Petra Schicketanz

Mit dem Beginn des ersten Pollenflugs bis weit in das Jahr hinein suchen Betroffene Rat und Hilfe in der Apotheke. Der Artikel gibt einen Überblick über Behandlungsmöglichkeiten in der Selbstmedikation.

© Getty Images/iStockphoto

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  • Heuschnupfen gehört zu den Allergien vom Soforttyp, bei denen Histamin ausgeschüttet wird, vermittelt durch IgE.
  • Allergieauslösend wirken Pollen von Gräsern (Getreide), Blumen, Sträuchern und Bäumen.
  • Allergenkarenz, Rauchverzicht und das Stillen haben präventive Effekte.
  • Gegen die Symptome werden Mastzellstabilisatoren, H1-Antihistaminika, Vasokonstriktoren und Glukokortikoide eingesetzt.

Bei der saisonalen oder pollenbedingten allergischen Rhinitis lösen Pollen eine über das Immunsystem vermittelte Entzündung aus, die besonders die Nasenschleimhaut betrifft, aber auch am Auge Beschwerden hervorruft. Infrage kommen Pollen von Gräsern (Getreide), Blumen, Sträuchern und Bäumen. Bei ganzjähriger Symptomatik muss auch an eine Allergie auf Tierhaare, Schimmelpilze oder Hausstaubmilben gedacht werden.

Hintergrund

Heuschnupfen liegt eine allergische Reaktion vom Soforttyp (Typ 1) zugrunde. Bei dieser reagiert der Körper innerhalb von wenigen Sekunden bis Minuten auf ein Allergen. Wenige Stunden später kann eine zweite Reaktion folgen.

Allergische Reaktion

Am Anfang steht die Sensibilisierung beim Erstkontakt mit dem Allergen. Während der Betroffene noch keine Reaktion spürt, ist das Immunsystem bereits im Einsatz. Die zu den weißen Blutzellen gehörenden Lymphozyten sorgen dafür, dass Antikörper der Klasse E (Immunglobulin E, IgE) produziert werden. Kommt es zu einem erneuten Allergenkontakt, ist das Immunsystem gewappnet.

Histamin-- Der Botenstoff vermittelt die typischen allergischen Symptome wie Niesen, laufende oder verstopfte Nase sowie juckende, gerötete und tränende Augen. Er wird in Speicherpaketen (Granula) in den Mastzellen gelagert. Die insbesondere auf Schleimhaut vorkommenden Mastzellen tragen auf der Oberfläche die IgE-Antikörper. Sobald ein Antigen an je zwei benachbarte IgE-Antikörper bindet, veranlassen sie die Ausschleusung der Granula aus der Zelle (Degranulation). Das führt innerhalb von Sekunden zur Immunantwort, die sich als allergische Reaktion bemerkbar macht.

Aus dem OTC-Sortiment*

Wirkstoffgruppe

Präparate

Hauptwirkstoff

Besonderheit

Mastzellstabilisatoren

Cromo-ratiopharm® Kombipackung

Vividrin® antiallergische Augentropfen

Cromoglicinsäure

prophylaktisch wirksam

H1-Antihistaminika, topisch

Allergodil® akut Nasenspray

Pollival® 0,5 mg/ml Augentropfen

Azelastin

gelegentlich bitterer Geschmack Kontaktlinsen erst 15 Min. nach Eintropfen einsetzen

Livocab® direkt Kombi Augentropfen Nasenspray

Levocabastin

ab 1 J., Tropfen und Spray vor jeder Anwendung schütteln

Ketotifen Stulln UD Augentropfen Einzeldosispip. Allergo-Vision sine 0,25 mg/ml AT

Ketotifen

auch prophylaktisch wirksam, ab 3 J., Abstand von mind. 5 Min. zu anderen Augentropfen.

H1-Antihistaminika, oral

Cetirizin Hexal®

Cetirizin

Erw., Jgdl. ab 12 J.: 1 x tgl. 10 mg

Kinder von 6 – 12 J.: 2 x tgl. 5 mg

Xusal® 5 mg Filmtabletten

Levocetirizin

ab 6 J.: 1 x tgl. 5 mg

Lorano® akut Tabletten

Loratadin

Erw., Jgdl. ab 12 J.: 1 x tgl. 10 mg

Kinder von 2 – 12 J.: 1 x tgl. 5 mg (≤ 30 kg KG) bzw. 1 x tgl. 10 mg (≥ 30 kg KG)

Desloratadin Stada 5 mg Filmtabletten

Desloratadin

ab 12 J.: 1 x tgl. 5 mg

Glukokortikoide, topisch

Rhinivict® nasal 0,05 Nasendosierspray

Beclometason

vor Gebrauch schütteln, 2 x tägl. 2 Sprühstöße pro Nasenloch

Otri-Allergie® Nasenspray Fluticason

Fluticason

vor Gebrauch schütteln, vorzugsweise morgens 1 x tgl. 2 Sprühstöße pro Nasenloch

Mometahexal® Heuschnupfenspray

Mometason

vor Gebrauch schütteln, 1 x tägl. 2 Sprühstöße pro Nasenloch

*beispielhafte Nennung ohne Anspruch auf Vollständigkeit (Stand Lauer-Taxe: 14.04.2022)

Selbstmedikation

Allergenk arenz gilt als das beste Mittel, um Symptomen vorzubeugen. Im Alltag hilft dabei, abends zu duschen und die allergenbelastete Kleidung nicht im Schlafzimmer auszuziehen, Innenräume häufig feucht zu wischen und nur stoßweise zu lüften. Auf Rauchen und Passivrauchen sollte verzichtet werden. Bei Neugeborenen wirken zudem Stillen und eine schadstoff- und schimmelfreie Umgebung präventiv. Kommt es trotzdem zu Symptomen, stehen für die Selbstmedikation Mastzellstabilisatoren, H1-Antihistaminika, Vasokonstriktoren und Glukokortikoide zur Verfügung.

Mastzellstabilisatoren

Der Wirkstoff Cromoglicinsäure hemmt die Freisetzung des Botenstoffs Histamin aus den Mastzellen und eignet sich zur Prophylaxe, nicht zur Akuttherapie. Um eine gute Wirksamkeit zu erreichen, sollten Zubereitungen wie Augentropfen und Nasensprays bereits zwei Wochen vor dem Auftreten der Pollen täglich angewendet werden.

H1-Antihistaminika

Durch den direkten Angriff am H1-Rezeptor blockieren die wenig sedierenden H1-Antihistaminika der zweiten Generation bei akuten Symptomen schnell und effektiv den allergischen Entzündungsvorgang und dessen weitere Begleiterscheinungen. Je nach Bedarf können Augentropfen und Nasensprays oder Oralia empfohlen werden.

Nasensprays-- Azelastin und Levocabastin dringen leicht in die Schleimhaut in der Nase und am Auge ein. Sie helfen bei kribbelnder Nase und Juckreiz. Allerdings können sie selbst zu leichten Reizungen führen. Hinzu kommt bei Azelastin ein bitterer Nachgeschmack, den manche Kunden bei der Anwendung als unangenehm empfinden.

Augentropfen-- Neben Azelastin und Levocabastin ist auch Ketotifen in Form von Augentropfen im Einsatz. Zusätzlich zu dem Effekt auf den H1-Rezeptor hemmt Ketotifen die Degranulation der Mastzellen und damit die Ausschüttung von Histamin und Leukotrienen. Somit entfaltet er zur akuten auch eine prophylaktische Wirkung.

Oralia-- Leiden Betroffene unter stärkeren Symptomen, können sie auf Cetirizin und Loratadin beziehungsweise deren wirksame Enantiomere Levocetirizin und Desloratatin zurückgreifen.

Vasokonstriktoren

Bei allergischen Beschwerden können Alpha-Sympathomimetika kurzfristig eingesetzt werden. Die Anwendungsdauer ist wegen einer möglichen Gewöhnung (Reboundeffekt) auf maximal eine Woche beschränkt. Für die Nase kommen Sprays mit Naphazolin, Oxymetazolin oder Xylometazolin in Frage. Für die Augen werden Augentropfen mit Naphazolin oder Tetryzolin angeboten.

Glukokortikoide

Sie kommen zum Einsatz, wenn Mastzellstabilisatoren und Antihistaminika nicht zufriedenstellend wirken. Voraussetzung bei der Abgabe ist die Erstdiagnose saisonale allergische Rhinitis durch den Arzt, was beim Verkauf stets abgefragt werden muss, und ein Alter ab 18 Jahren.

Beclometason-- Die Dosierung sieht zweimal täglich jeweils zwei Sprühstöße vor. Sobald sich die Symptome bessern, sollte die Therapie insbesondere bei allergischem Dauerschnupfen mit der geringstmöglichen Dosis fortgesetzt werden.

Mometason, Fluticason-- Die Anwendung erfolgt einmal täglich, da die Wirkung 24 Stunden lang anhält. Dazu werden am besten morgens zwei Sprühstöße in jedes Nasenloch gegeben. Diese Tagesmaximaldosis sollte nicht überschritten werden. Hat der Kunde die Symptome gut im Griff, lässt sich die Dosis auf die Hälfte (1 Sprühstoß) reduzieren. Für beide Wirkstoffe ist die Behandlung in der Selbstmedikation auf drei Monate beschränkt.


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