30.09.2017 - Zum Beratungsthema: Naturheilkunde

Homöopathie: Sanft heilen

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von Petra Schicketanz

Das Angebot von Homöopathika und Schüßler-Salzen hat in der Apotheke hohen Beratungsbedarf. Während sich die einen noch um den Placebo-Effekt streiten, therapieren die anderen erfolgreich mit Globuli.

  • Das Ähnlichkeitsprinzip – similia similibus currentur – stellt die Grundlage der homöopathischen Arzneimittellehre nach Samuel Hahnemann dar.
  • Bei einer Erstverschlimmerung kommt es zur vorübergehenden Verstärkung der behandelten Symptome.
  • Homöopathisch aufbereitet werden pflanzliche, tierische und mineralische Materialien sowie sterilisierte Krankheitsprodukte.
  • Über eine schrittweise, rhythmisch durchgeführte Verdünnung werden die Urtinkturen zur gewünschten Potenz (D-, C-, LM- oder Q-Potenz) verarbeitet.

Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte im Jahr 2014 1503 Personen ab 16 Jahren aus ganz Deutschland zu ihrem Anwendungsverhalten bezüglich homöopathischer Arzneimittel. Das Ergebnis zeigte eine Zunahme der Homöopathieverwender auf 60 Prozent der Bevölkerung (Stand 2009: 53 %). Diese bescheinigten homöopathischen Arzneimitteln eine gute Verträglichkeit und waren in der breiten Mehrheit davon überzeugt, dass es sich um nebenwirkungsarme Arzneimittel handelt. Die folgenden Beschwerden hatten die befragten Verwender erfolgreich mit Homöopathika behandelt: Erkältung und grippale Infekte (56 %), Stärkung des Immunsystems (30 %), Insektenstiche/Sonnenbrand (24 %), Kopfschmerzen (22 %), Verdauungsbeschwerden (21 %), Schlaflosigkeit (19 %) und Magenbeschwerden (19 %).

Homöopathie

Urvater der Therapie ist der sächsische Arzt, Apotheker und Chemiker Samuel Hahnemann (1755 – 1843). Als die Geburtsstunde der Homöopathie gilt der Chinarindenversuch. Hahnemann prüfte im Selbstversuch, weshalb Chinarinde bei Malaria wirksam ist. Er erzeugte bei sich selbst mit Hilfe einer Chinarindenzubereitung Begleitsymptome des Wechselfiebers, ohne eigentlichen Fieberschauder. Daraufhin formulierte er das Ähnlichkeitsprinzip, das die Grundlage der homöopathischen Arzneimittellehre darstellt: Ähnliches möge durch Ähnliches kuriert werden (similia similibus curentur). Spätere Homöopathen konnten diesen Selbstversuch zwar nicht reproduzieren, werteten ihn aber als „fruchtbaren Irrtum“, aus dem durch Intuition die Homöopathie entstand. Heute ist die tatsächliche Wirkweise der Chinarinde bekannt, die auf dem enthaltenen Chinin basiert, das die Vermehrung des Malariaerregers unterbindet.

Das Wort Homöopathie bezieht sich auf die Ähnlichkeitsregel und ist vom griechischen „homoios“ (gleichartig) und „pathos“ (Leid) hergeleitet, was in etwa „ähnliches Leiden“ bedeutet. In Abgrenzung dazu entstand der Begriff Allopathie (gr.: allos = anders) für die Schulmedizin, da deren Mittel der Krankheit entgegengesetzt wirken.

Krankheitsverständnis

Die Homöopathie orientiert sich nicht an einzelnen Symptomen. Vielmehr versteht sie die Entstehung einer Krankheit als eine Folge der aus der Balance geratenen Lebenskraft (Dynamis). Diese steuert alle Funktionen des Organismus und ist im Idealfall dazu in der Lage, die Selbstheilung des Körpers zu veranlassen.

Konstitution-- Viele Menschen erleiden immer wieder dieselben oder ähnlich geartete Krankheiten. Die Homöopathie sieht dies als individuelle Veranlagung, die häufig auch mit chronischen Zuständen einhergeht. Zusammen mit körperlichen und seelischen Gegebenheiten ergibt sich daraus die Konstitution. Sie lässt sich mit hoch potenzierten Mitteln beeinflussen, die nicht zwingend den Arzneimittelbildern einer gerade aktuellen Erkrankung entsprechen müssen. Vielmehr zielt das individuelle Konstitutionsmittel darauf ab, den Patienten so zu beeinflussen, dass seine Lebenskraft quasi von selbst mit dem Krankheitsgeschehen fertig wird.

Das passende Mittel

Hahnemann untersuchte die Wirkung vieler Substanzen mit pflanzlichem, tierischem oder mineralischem Ursprung am gesunden Menschen. Er beschrieb die gefundenen Effekte als Arzneimittelbilder und postulierte, dass die Mittel in potenzierter Zubereitung genau die Symptome bekämpfen, die sie in unverdünnter Form auslösen. Dabei werden nicht nur körperliche Symptome registriert, sondern auch die geistige und seelische Verfassung.

Die Arzneimittelbilder dienen bis zum heutigen Tag als Grundlage für die Auswahl eines passenden Homöopathikums. Für jedes Mittel gibt es typische Leitsymptome. Unter dem Stichwort Modalitäten finden sich Hinweise, unter welchen Einflüssen sich die Symptome verschlechtern oder verbessern.

Erstverschlimmerung-- Weil Ähnliches mit Ähnlichem behandelt wird, kann es beim Einsatz am Patienten zu einer kurzfristigen Erstverschlimmerung kommen. Das bedeutet, dass die zu behandelnden Symptome zunächst verstärkt werden. Auch wenn dies unangenehm ist, wird die Erstverschlimmerung als Heilreaktion und Bestätigung für die richtige Mittelwahl gewertet, da der Körper die Heilimpulse aktiv annimmt. Gleichzeitig ist die Erstverschlimmerung jedoch auch ein Zeichen, dass die gewählte Potenz oder die Häufigkeit der Verabreichung die ideale Wirkstärke überschreiten. Entsprechend sollte der Therapieverlauf (Häufigkeit der Gabe, Mittelwahl und verabreichte Potenz) beim Auftreten einer Erstverschlimmerung angepasst werden.

Bachblütentherapie

In den 1930er-Jahren begründete Dr. Edward Bach (1886 – 1936) die nach ihm benannte Therapie. Sie basiert auf der Vorstellung, dass Krankheit auf einer Störung des seelischen Gleichgewichts basiert, die zu negativen Verhaltensmustern führt. Er definierte „38 disharmonische Seelenzustände der menschlichen Natur“ und ordnete diesen 38 Blütenessenzen zu, um sie zu behandeln. Das Ausgangsmaterial für die homöopathieähnlich aufbereiteten Essenzen stammt bewusst nicht aus Medizinal- oder Nahrungspflanzen. Stattdessen sind die eingesetzten Pflanzen eher für ihre symbolischen Eigenschaften bekannt.

Urtinktur

Die Herstellungsvorschriften für Urtinkturen, Verreibungen, Streukügelchen, homöopathische Salben, Zäpfchen und dergleichen sind im Homöopathischen oder Europäischen Arzneibuch zu finden. Hier lassen sich auch Besonderheiten nachlesen wie Rh-Urtinkturen, die einem tageszeitlichen Warm-Kalt-Rhythmus ausgesetzt werden, sowie spagyrische Zubereitungsweisen.

Spagyrik-- In spagyrischen Arzneimitteln kommen alchemistische Verfahren zur Anwendung. Das zerkleinerte Pflanzenmaterial wird mit Saccharose und Reinzuchthefe von Saccharomyces cerevisiae versetzt und damit einem Gärvorgang unterworfen. Dem können sich verschiedene Methoden der Weiterverarbeitung anschließen, wie Destillation oder Feinstfiltration, Veraschung, Perkolation und Wiedervereinigung von Destillat und veraschtem Pressrückstand. Spagyriker der letzten beiden Jahrhunderte haben eigene Herstellungswege entwickelt, die sich zum Teil unter dem Stichwort Spezielle Herstellungsvorschriften im Homöopathischen Arzneibuch wiederfinden.

Nosoden-- Neben pflanzlichen, tierischen und mineralischen Materialien können auch sterilisierte Krankheitsprodukte wie Blut, Eiter, Krebszellen oder abgetötete Bakterienkulturen homöopathisch aufbereitet und eingesetzt werden. Diese nennt man Nosoden. Sie werden ab der Potenz C30 verwendet, einer Stärke, in der davon auszugehen ist, dass kein Molekül der Ausgangssubstanz in einer Gabe vorhanden ist. Die Präparate werden oral verabreicht oder injiziert.

Wirkstärke

Das Besondere in der Homöopathie ist die Potenzierung der Urtinktur. Sie erfolgt über eine schrittweise, rhythmisch durchgeführte Verdünnung, wobei sich die Wirkstärke entsprechend der homöopathischen Lehre mit jeder Stufe erhöht. Ausgangsbasis für die Herstellung eines Arzneimittels ist die jeweilige Urtinktur. Wird diese pro Stufe im Verhältnis 1 : 10 verdünnt, spricht man von D- oder Dezimalpotenzen. Calendula D6-Tropfen erhält man dementsprechend durch sechsmalige Potenzierung der Urtinktur, wobei der tatsächliche Wirkstoffgehalt nur noch ein Millionstel der Urtinktur beträgt. C- oder Centesimal-Potenzen werden in Schritten 1 : 100 potenziert, LM- oder Q-Potenzen jeweils um 1 : 50 000. Interessanterweise gelten C-Potenzen in ihrer Wirkung den D-Potenzen derselben Potenzstufe als gleichwertig, was damit begründet wird, dass letztendlich die Potenzierungsschritte für die Wirkstärke verantwortlich sind, nicht der tatsächliche Wirkstoffgehalt, der ohnehin nach wenigen Potenzen nicht mehr nachweisbar ist.

Schüßler-Salze

Schüßler-Salze tragen Nummern – das vereinfacht die Zuordnung der einzelnen Salze zu den verschiedenen Anwendungsbereichen. Der folgende Überblick listet auf, welche Funktion die Schüßler-Salze 1 bis 12 haben und nennt Beispiele für die Mangelerscheinungen, bei denen sie zum Einsatz kommen. Sie können den Handzettel hier kostenlos herunterladen.

Darreichung

Homöopathische Mittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen. Am gebräuchlichsten sind Tabletten, Globuli (Streukügelchen) und Dilutionen (Tropfen). Darüber hinaus gibt es homöopathische Injektionslösungen, Augentropfen, Salben, Zäpfchen und Pulver.

Die Homöopathie versteht sich als Reiztherapie, die allerdings nur dann funktionieren kann, wenn der Körper überhaupt noch dazu fähig ist, angemessen einen Reiz zu beantworten. Dementsprechend sind die folgenden Dosierempfehlungen nur grobe Richtwerte. In der Praxis sollte man sich stets daran orientieren, ob und wie der Körper auf das Mittel reagiert und dementsprechend die Dosierung anpassen beziehungsweise bei fehlender Reaktion die Mittelwahl hinterfragen. Generell gilt die Empfehlung, akute Zustände mit niedrigen Potenzen und chronische mit höheren Potenzen zu behandeln. Am besten gelangen Homöopathika zur internen Anwendung zur Wirkung, wenn man sie eine halbe Stunde vor der Mahlzeit unverdünnt auf die Zunge bringt oder langsam im Mund zergehen lässt. Für die Selbstmedikation sind vor allem tiefere Potenzen geeignet, deren Wirkung innerhalb von ein bis zwei Tagen abklingt. Darüber hinaus sollte stets verantwortlich mit dem Thema Selbstmedikation umgegangen werden und im Zweifelsfall ein Arzt oder Heilpraktiker die Eigendiagnose und Mittelauswahl überprüfen.

Tiefpotenzen-- Die Stärken bis C oder D 12 sind für akute Fälle gedacht, wobei in den letzten Jahren der Trend zu beobachten ist, dass die Patienten eher auf D12 als auf D3 oder D6 ansprechen. Erwachsene nehmen davon ein- bis dreimal täglich eine Gabe. Diese besteht entweder aus einer Tablette oder fünf bis zehn Tropfen oder Globuli. In hoch akuten Zuständen können die Gaben auch alle halbe Stunde erfolgen, jedoch nicht häufiger als sechsmal am Tag.

Mittlere Potenzen-- Die Stärken oberhalb C/D 12 bis 30 erzeugen einen länger anhaltenden Effekt und werden daher maximal zweimal pro Tag gegeben.

Hochpotenzen-- Alles, was oberhalb der C/D 30-Marge liegt, wirkt erwartungsgemäß über mehrere Wochen lang. Besonders die Potenzen aus der QM-Reihe sollten nur von Homöopathen verabreicht werden, da sie Einfluss auf die Konstitution des Patienten nehmen.

TIPP!

Führen unter der homöopathischen Therapie Symptome zur Verunsicherung, erklären Sie Ihren Kunden die Hering‘sche Regel, wonach sich im Behandlungsverlauf die Symptome einer chronischen Krankheit „von oben nach unten“ und „von innen nach außen“ bessern.

Schüßler-Therapie

„Eine abgekürzte homöopathische Therapie“ kündigte Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler 1873 in seinem Artikel in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung an. Der deutsche Arzt und Homöopath beschrieb darin zwölf Funktionsmittel, jeweils in den Potenzen D3, D6 und D12. Im Gegensatz zu Samuel Hahnemanns Arzneimittelbildern legte Schüßler zur Auswahl der passenden Mittel nicht das Ähnlichkeitsprinzip zugrunde, sondern bezog sich auf physiologisch-chemische Vorgänge im Körper. Ein Mangel an bestimmten Nährsalzen führe demnach zur Krankheit. Obwohl er seine Mittel in homöopathischen Potenzen einsetzte, distanzierte er sich bereits im Jahr nach der Erstveröffentlichung seiner Methode von der Homöopathie und nannte sein Verfahren „eine abgekürzte Therapie, gegründet auf Histologie und Cellular-Pathologie“. Später entwickelte sich daraus der eingängigere Begriff „Biochemie“.

Der Grundgedanke

Sobald einer Zelle die notwendigen Mengen an Mineralstoffen fehlen, ist ihre Funktionsweise eingeschränkt, erkannte Schüßler. Diese Mangelsituation erlebt der Mensch als Krankheit. Schüßler zog daraus den Schluss, eine Krankheit durch den Ausgleich dieses Defizits kurieren zu können.

Noch heute streiten sich die Therapeuten darüber, ob die Biochemie nach Dr. Schüßler im Sinne einer homöopathischen Reiztherapie zu verstehen ist oder eine quantitative Deckung der Versorgungslücke anstrebt. Dementsprechend gehen die Dosierungsempfehlungen mancher Therapeuten drastisch auseinander.

Reiztherapie-- Wird ein Mineralstoff homöopathisch potenziert, so soll seine Gabe in der gestörten Zelle einen Informationsreiz setzen. Dieser veranlasst die Zelle, die fehlende anorganische Substanz vermehrt aus der Nahrung aufzunehmen.

Substitutionstherapie-- Durch die Potenzierung erlangt der Mineralstoff einen Verdünnungsgrad, der ihn überhaupt erst in die Lage versetzt, in die kranke Zelle einzudringen. Dies soll sogar möglich sein, wenn der Mangel innerhalb der Zelle bei gleichzeitigem Überschuss der Substanz im Extrazellularraum vorliegt.

Bewegungsstörung-- Schüßler selbst sah die Ursache der Mineralstoffmissverhältnisse in einer gestörten Molekülbewegung, die es den anorganischen Stoffen unmöglich macht, in ausreichender Menge die Zielzelle zu erreichen. Erst durch eine entsprechend potenzierte Gabe des jeweiligen Minerals sei der Organismus überhaupt in der Lage, die Bewegungsstörung auszugleichen und den Substanzfluss wieder in die richtige Bahn zu leiten.

Antlitzanalyse-- Farben, Falten und Formen des Gesichts, sowie die Hautbeschaffenheit lassen Schüßler zufolge auf Mineralstoffmängel schließen, die sich dort oftmals bereits vor einer tatsächlichen Erkrankung zeigen.

Apotheker Jan Reuther erklärt die verschiedenen Schüßler-Salze

Funktionsmittel

In seiner Forschung entdeckte Schüßler zwölf anorganische Substanzen als funktionelle Bestandteile im menschlichen Organismus. Er nannte sie Funktionsmittel Nr. 1 bis Nr. 12. Nach seinem Tod fügten seine Nachfolger bis heute weitere 15 Ergänzungsmittel (Nr. 13 bis Nr. 27) hinzu. Sie werden häufig zusätzlich zu den Hauptmitteln gegeben oder erst, wenn diese nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Nr. 1 Calcium fluoratum-- Der gewöhnliche Flussspat sorgt für schützende Härte und Elastizität von Haut, Nägeln, Knochen, Adern, Zahnschmelz, Bindegewebe, Sehnen und Bändern. Innerlich wirkt das Salz sehr langsam und erfordert eine langfristige Einnahme, äußerlich kann es bei Schrunden oder rauer Haut schnell zum Erfolg führen.

Nr. 2 Calcium phosphoricum-- Phosphorsaurer Kalk regelt den Eiweißhaushalt und damit den Gewebeaufbau, insbesondere von Knochen und Blutbestandteilen. Als Betriebsstoff der Muskulatur hilft er bei Muskelkrämpfen, ist aber auch bei Schwäche oder in der Rekonvaleszenz angezeigt.

Nr. 3 Ferrum phosphoricum-- Das Entzündungsmittel stimuliert das Immunsystem und dient zur Ersten Hilfe bei akuten Verletzungen, Schmerzen, Entzündungen und niedrigem Fieber. Bei leichter Ermüdbarkeit, Konzentrationsmangel und nachlassender Widerstandskraft wird es eingesetzt, um den Stoffwechsel anzukurbeln.

Nr. 4 Kalium chloratum-- Chlorkali gilt als Mittel für Haut, Schleimhäute, Magen und Gelenke. Es wird meist ab dem dritten Tag einer Entzündung eingesetzt und soll die Chronifizierung einer Akuterkrankung verhindern.

Nr. 5 Kalium phosphoricum-- Phosphorsaures Kalium dient als Energieträger der Nervenzellen und stärkt die seelische Belastbarkeit. Einsatzgebiete sind Erschöpfungszustände, Burnout, Gedächtnis-, Muskel- oder Nervenschwäche.

Nr. 6 Kalium sulfuricum-- Schwefelsaures Kalium fördert bei chronischen Erkrankungen die Zellentgiftung. Damit die Schadstoffe auch aus dem Körper geschwemmt werden, muss es mit Salz Nr. 10 kombiniert werden.

Nr. 7 Magnesium phosphoricum-- Das Antistressmittel stärkt die Nerven sowie die Muskulatur von Herz, Darm und Bronchien und fördert die Drüsentätigkeit. Es ist bei Krämpfen aller Art angezeigt, ebenso bei Migräne oder Menstruationsschmerzen. Ein Mangel kann sich durch Heißhunger auf Schokolade äußern.

Nr. 8 Natrium chloratum-- Kochsalz reguliert den Flüssigkeitshaushalt und steuert die Körpertemperatur. Es ist sowohl bei Wasseransammlungen als auch bei Problemen mit Flüssigkeitsmangel indiziert.

Nr. 9 Natrium phosphoricum-- Phosphorsaures Natrium wirkt bei Heißhungerattacken und Sodbrennen einer Säureflut entgegen. Langfristig kann eine Übersäuerung des Organismus Krankheitsabwehr und Heilungsprozesse verlangsamen und zu Gallen-, Nieren- oder Blasensteinen sowie Gicht oder rheumatischen Erkrankungen führen.

Nr. 10 Natrium sulfuricum-- Glaubersalz ist ein wichtiges Ausleitungsmittel, das die Leber bei der Umwandlung von Abfallstoffen unterstützt. Es regt Ausscheidungsvorgänge und Darmtätigkeit an und wirkt Ödemen entgegen, in denen nicht eliminierte Stoffe in Lösung gehalten werden.

Indikationen sind Giftbelastung bei Fehlernährung oder Alkoholkonsum, Verdauungsstörungen, Blähungen, erhöhte Leber- oder Blutfettwerte sowie Bluthochdruck und Kopfschmerzen.

Nr. 11 Silicea-- Die Kieselsäure stärkt das Bindegewebe und ist damit für schöne Haut, Haare und Nägel verantwortlich.

Nr. 12 Calcium sulfuricum-- Schwefelsaures Calcium sorgt für die Durchlässigkeit des Bindegewebes und ist ein wichtiges Mittel, um Eiter abzusondern. Einsatzgebiete sind dementsprechend offene Eiterungen, Abszesse und Eiterfisteln.

Faktum

  1. Das Beispiel beginnende Erkältung zeigt, nach welchen Kriterien homöopathische Mittel ausgesucht werden.
  2. Bei plötzlicher Erkältung mit raschem Fieberanstieg, heißer, trockener Haut und blassem Gesicht wird Aconitum D6 gegeben.
  3. Ist das Gesicht hochrot und die Haut feucht, ist Belladonna D6 angezeigt.
  4. Langsamer Beginn mit Reizhusten, Niesen und Fließschnupfen lassen sich mit Ferrum phosphoricum D6 behandeln.

Rechtliches

Nach Paragraf 38 des Arzneimittelgesetzes benötigen homöopathische Arzneimittel keine Zulassung, um in den Verkehr gebracht zu werden. Stattdessen ist eine Registrierung notwendig. Hier gilt jedoch die 1000er-Regel, wonach die Registrierung nur dann nötig ist, wenn ein Hersteller pro Jahr mehr als 1000 Packungen des Arzneimittels in den Verkehr bringt. Ausgenommen davon sind jedoch unter anderem Zubereitungen, die Bestandteile und Stoffwechselprodukte von Mensch oder Tier, Mikroorganismen einschließlich Viren sowie deren Bestandteile oder Stoffwechselprodukte enthalten. Diese Zubereitungen entsprechen homöopathischen Nosoden. Sie sind ebenso registrierungspflichtig wie alle homöopathischen Fertigarzneimittel in einer Stückzahl unter 1000 Packungen pro Jahr, wenn sie von einem Wirkstoff mehr als ein Prozent der kleinsten verschreibungspflichtigen Dosis enthalten.

Registrierungsantrag-- Unterlagen und Gutachten, die für die Registrierung notwendig sind, regeln die Paragrafen 22 bis 24 AMG. Angaben über Wirkungen und Anwendungsgebiete sowie die Unterlagen und Gutachten über die klinische Prüfung müssen jedoch nicht gemacht werden. Auf Unterlagen über die pharmakologisch-toxikologische Prüfung kann ebenfalls verzichtet werden, wenn sich die Unbedenklichkeit des Arzneimittels durch einen angemessen hohen Verdünnungsgrad ergibt.

Zugelassene Homöopathika-- Generell kann ein Hersteller auch die Zulassung für sein homöopathisches Fertigarzneimittel beantragen, muss dann aber die notwendigen Nachweise und Unterlagen vorlegen, insbesondere hinsichtlich der behaupteten Wirksamkeit und Anwendungsgebiete.

HAB 2016-- Das Homöopathische Arzneibuch (derzeit gilt das HAB 2016) regelt alle Prüf- und Herstellungsverfahren, die im Umgang mit Homöopathika relevant sind, sofern sie nicht bereits im Europäischen Arzneibuch monografiert sind, wie beispielsweise die allgemeine Monografie „Urtinkturen für homöopathische Zubereitungen“.

Alle Regularien des HAB werden von der Deutschen Homöopathischen Arzneibuch-Kommission beschlossen. Diese wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nach denselben Regeln (§ 55 Abs. 6 AMG) wie die Deutsche Arzneibuch-Kommission berufen. Die Beschlüsse werden vom Bundesministerium für Gesundheit im Bundesanzeiger bekanntgemacht.

TIPP!

In der Diskussion über die Placebo-Wirkung von Homöopathika können Sie Dr. Eckart von Hirschhausen zitieren. Er sagte in einem Spiegel-Interview: „Der Placebo-Effekt ist ... mehr als bloße Einbildung und führt zu biochemisch messbaren Veränderungen im Körper.“

Kritisches

Sowohl die Homöopathie als auch die davon abgeleiteten Therapien mit Schüßler-Salzen, Nosoden oder Bachblütenessenzen gelten als umstritten. Kritik gibt es nicht erst seit dem „Netzwerk für Homöopathie“ rund um Initiator Norbert Aust und die ehemalige Homöopathin Nathalie Grams.

Den Aktivisten ist es vor allem ein Dorn im Auge, dass Homöopathika als Arzneimittel einer „besonderen Therapierichtung“ eingestuft werden und deshalb keinen Wirksamkeitsnachweis erbringen müssen.

Ein Kritikpunkt scheint klar: Das postulierte Wirkprinzip scheint den Naturgesetzen zu widersprechen. Homöopathie-positive Studien, sofern sie von Kritikern überhaupt ernst genommen werden, zeigen oft nur die Defizite in der schulmedizinischen Praxis auf, in der es an Zeit für vertrauensvolle Gespräche zwischen Arzt und Patienten mangelt. Ein Knackpunkt, der allerdings in der Lage ist, psychosomatisch bedeutsame Weichen zu stellen.

Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e. V. stellt sich der Kritik und hat den aktuellen Stand der Forschung (Stand Mai 2016) in einem Forschungsreader zusammengefasst, der auf www.homoeopathie-online.info zum Download bereitsteht. Zusammenfassend hat sie anhand der vorgelegten klinischen Forschungsdaten den Nutzen der homöopathischen Behandlung bestätigt.

Placebo-Effekt

Häufig wird behauptet, dass es sich bei der Wirkung von Homöopathika um einen reinen Placebo-Effekt handelt. Allerdings ist längst bekannt, dass solche Scheinmedikamente in bis zu 50 Prozent der Fälle eine Besserung oder Heilung hervorrufen können. Unter anderem ist eine positive Wirkung von der Suggestivwirkung des Behandlers abhängig, aber auch von der Art der Erkrankung und der Persönlichkeit des Patienten. Die Wirkung eines Placebos ist an das Bewusstsein gebunden und kann nicht bei Ohnmächtigen oder narkotisierten Patienten eintreten.

Wissen im Einsatz

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