25.09.2018

Impfungen: Training fürs Immunsystem

von Dr. Gudrun Heyn

Impfungen können Leben retten, eine Herdenschutzwirkung aufbauen, indirekt die Wirksamkeit von Antibiotika erhöhen und Krankheiten ausrotten. Trotzdem sind in Deutschland Impflücken keine Seltenheit.

Gezeichnete Spritze mit Gesicht

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Fortbildung

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  • In Deutschland sind in den letzten zehn Jahren durch einen unzureichenden Impfschutz etwa 190 000 Menschen verstorben.
  • Impfdefizite bestehen zum Beispiel bei Krankheiten wie Krebs durch Infektion mit HPV oder Influenzavirus-, Pneumokokken- und Rotavirusinfektionen.
  • Für eine Herdenimmunität und für die Ausrottung von Krankheiten sind hohe Impfraten eine entscheidende Voraussetzung.
  • Die in Deutschland empfohlenen Standard- und Auffrischungsimpfungen für Kinder und Erwachsene sind auch auf Reisen ein wertvoller Schutz.

Nach letzten Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in der Bundesrepublik von 2007 bis 2017 etwa 190 000 Menschen an Krankheiten gestorben, die durch eine Impfung vermeidbar gewesen wären. Die Gründe sind vielfältig. Mangelndes Wissen trägt dazu bei. Trotz der Impfdefizite besteht in Deutschland seit Jahren keine Impfpflicht mehr. Umso wichtiger ist eine gute Aufklärung der Bevölkerung. Mit einer umfassenden Beratung Ihrer Kunden können Sie als PTA einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

Hintergrund

Schutzimpfungen gelten als die effektivsten und wirksamsten Maßnahmen zur Prävention von Infektionskrankheiten in der Medizin. Was mit Hilfe von Impfungen erreicht werden kann, zeigt beispielsweise die Pockenschutzimpfung: 1874 wurde im Deutschen Kaiserreich die Impfpflicht eingeführt, 1972 gab es den letzten Pockenkranken in Deutschland, und 1980 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell die weltweite Ausrottung der Pocken erklärt. Wie gefährlich eine Infektion mit Pocken-Viren (Variola-Viren) ist, wissen daher immer weniger Menschen aus eigener Beobachtung oder Erfahrung. Bis zuletzt waren Pocken nicht behandelbar. Die Sterblichkeit der Kranken lag bei etwa 30 Prozent, traten blutende Pusteln auf (schwarze Blattern), betrug sie meist 100 Prozent.

Herdenimmunität

Impfungen schützen nicht nur den Einzelnen. Ist ein großer Teil der Bevölkerung gegen eine Infektionskrankheit geimpft, kann sich der Erreger nicht mehr ausbreiten. Dies schützt auch Personen, die selbst nicht geimpft werden können. Dazu gehören beispielsweise Neugeborene und Menschen mit akuten behandlungsbedürftigen Krankheiten. Bei Schwangeren und bei immungeschwächten Menschen ist eine genaue Abwägung des Impfrisikos erforderlich. Wie hoch die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung für eine Herdenimmunität sein muss, hängt von der jeweiligen Krankheit ab. Für die Ausrottung eines Erregers ist eine weltweite Herdenimmunität eine wichtige Voraussetzung.

Fragebogen

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Mangelndes Wissen

Durch eine gute Hygiene und nicht zuletzt durch Impfungen kennen Menschen viele Infektionskrankheiten meist nur noch aus Erzählungen. Dies hat Folgen: Manche zweifeln den Nutzen von Impfungen an. „Impfungen sind gewissermaßen die Opfer ihres eigenen Erfolges“, sagte Dr. Ole Wichmann vom RKI auf einer Fortbildungsveranstaltung der Landesapothekerkammer Berlin im Juni dieses Jahres.

Zudem sind Wissenslücken über die Effektivität von Impfungen und Ängste vor Nebenwirkungen weit verbreitet. Dies zeigt beispielsweise eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Nielsen im Auftrag des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH) im 4. Quartal 2017. Demnach glaubt fast jeder zweite Bundesbürger, dass ein Kind „eine Krankheit einfach mal durchmachen muss“, weil es danach besser geschützt sei als mit einer Impfung. Und vier von zehn halten die Nebenwirkungen und Risiken für nicht kalkulierbar.

Impfdefizite

Bei „klassischen“ impfpräventablen Krankheiten wie Masern oder Tetanus kommt es nur noch sehr selten zu Todesfällen. Deren Anzahl ist bei anderen impfpräventablen Krankheiten dagegen beträchtlich, heißt es in der Drucksache 19/320 des Deutschen Bundestages vom 22. Dezember 2017. Betroffen sind Krankheiten, gegen die erst seit einigen Jahren geimpft werden kann (Krebs durch humane Papillomaviren, Rotavirus- infektionen), und Krankheiten, die besonders im höheren Lebensalter schwere Krankheitsverläufe verursachen (Influenza, Pneumokokkeninfektionen). Aber auch bei Krankheiten wie Masern weist der Impfschutz in der Bevölkerung immer noch Lücken auf, wie die 299 Kranken bereits in den ersten fünf Monaten 2018 zeigen.

Wissen im Einsatz

Das Fachwissen, das Sie in unserem Titelthema erwerben, können Sie nun auch bei Ihren englischsprachigen Kunden einsetzen. Lesen Sie dazu den praxisgerechten Beitrag unserer Serie English for PTA.

Mechanismen und Sicherheit

Der Schutz vor einer Infektion mit pathogenen Mikroorganismen oder deren Toxinen kann angeboren sein (z. B. Immunität gegenüber manchen Erregern von Haustierkrankheiten wie der Maul- und Klauenseuche). Immunität kann aber auch durch eine natürliche Infektion oder eine Impfung erworben werden.

Aktive Immunisierung

Für eine aktive Immunisierung enthalten Impfstoffe (Vakzinen) Antigene. Sie regen die körpereigene Immunabwehr zur Bildung von Antikörpern und von Gedächtniszellen an. Zur Grundimmunisierung sind oft mehrere Impfungen notwendig. Bei manchen Impfungen sinkt nach Jahren der Antikörpertiter. Auffrischungsimpfungen (Boosterimpfungen) können das Immunsystem an das Antigen „erinnern“. Ein zweivalenter Impfstoff enthält Antigene von zwei verschiedenen Krankheitserregern oder Typen eines Erregers, ein trivalenter Impfstoff drei, ein tetravalenter Impfstoff vier, und so weiter.

Lebendimpfstoffe-- Bei Antigenen in Lebend- impfstoffen handelt es sich um attenuierte (abgeschwächte), aber vermehrungsfähige Krankheitserreger. Sie können in aller Regel ohne den Zusatz eines Wirkverstärkers (Adjuvans) eine ausreichende Immunantwort auslösen. Nach einer Grundimmunisierung mit Lebendimpfstoffen ist oft keine weitere Auffrischungsimpfung erforderlich (z. B. Masern-, Mumps-, Rötelnimpfstoff).

Totimpfstoffe-- Sie lösen zumeist nur einen Immunschutz über mehrere Jahre aus. Zu unterscheiden sind Vollimpfstoffe mit abgetöteten Krankheitserregern (z. B. gegen Cholera, Frühsommer-Meningoenzephalitis [FSME], Tollwut), Spaltimpfstoffe mit fragmentierten Anteilen (Bruchstücken) von Erregern (z. B. einige Influenzaimpfstoffe) und Subunit (Untereinheiten)impfstoffe mit ausgewählten Molekülen von Erregern. Manche Subunitimpfstoffe enthalten gentechnisch hergestellte Antigene (rekombinante Impfstoffe, z. B. gegen Hepatitis B, humane Papillomaviren). Bei Polysaccharidimpfstoffen sind die Antigene keine Proteine, sondern Polysaccharide, die beispielsweise aus Bakterienkapseln stammen (Konjugatimpfstoffe). Bei Toxoiden in Totimpfstoffen handelt es sich um inaktivierte Bakterientoxine (z. B. Tetanus-, Diphtherie- und azellulärer Pertussisimpfstoff).

Adjuvanzien-- Zur Steigerung der immunogenen Wirkung können Impfstoffe Adjuvanzien enthalten. Ihr Zusatz verstärkt die Immunantwort, reduziert die erforderliche Antigendosis und sorgt dafür, dass die Impfwirkung seltener ausbleibt. Aluminiumhydroxid ist das meist verwendete Adjuvans. Neuer sind Öl-in Wasser-Emulsionen mit Bestandteilen wie Squalen und Polysorbat 80 (z. B. MF 59, AS03, in manchen Influenzaimpfstoffen). Die Bindung der Adjuvanzien (Adsorptionsmittel) an das Antigen (Adsorbatimpfstoff) führt zu einer verzögerten Freisetzung und verlängert dadurch die Antigenpräsentation. Das erhöht die Effektivität der Immunisierung.

Konjugatimpfstoffe-- Wird das Antigen, etwa ein Kapselpolysaccharid eines Bakteriums (Polysaccharidimpfstoff), an ein Trägerprotein gebunden, spricht man von einem Konjugatimpfstoff. Diese Bindung verbessert ebenfalls die Immunogenität (z. B. Impfstoffe gegen Haemophilus influenzae Typ b, Meningokokken, Pneumokokken).

DETAIL

Neu geregelt: Änderungen des Infektionsschutzgesetzes sollen seit 2015 für einen besseren Impfschutz sorgen. Beispielsweise müssen Eltern nun vor dem Kita-Eintritt ihres Kindes eine verpflichtende ärztliche Impfberatung nachweisen. Wenn Kinder, Betreuer oder Lehrer nicht gegen Masern geimpft sind und keine Immunität nachweisen können, können Behörden sie bei einem Masernausbruch vorübergehend vom Besuch von Kita, Schule und Hort ausschließen. Neu geregelt ist auch, dass es in Impfausweisen und Impfbescheinigungen ein neues Textfeld gibt. Dort kann der impfende Mediziner einen Terminvorschlag für die nächste Auffrischungsimpfung eintragen.

Passive Immunisierung

Statt Antigenen, die den Körper zur Produktion von Antikörpern und Gedächtniszellen anregen, erhalten Menschen bei einer Passivimmunisierung bereits vorgebildete Antikörper. Diese Immunglobuline stammen aus den Seren geimpfter Menschen, von immunisierten Tieren oder werden gentechnisch hergestellt. Immunglobulin-Präparate führen zu einem sofortigen Schutz. Wegen der fehlenden Bildung von Gedächtniszellen hält er nur wenige Wochen an.

Sinnvoll ist eine passive Immunisierung beispielsweise dann, wenn ein Mensch vermutlich mit einem Erreger infiziert wurde, die Inkubationszeit für die Produktion eigener Antikörper zu kurz ist und Antiinfektiva zur Verhütung der Infektionskrankheit nicht zur Verfügung stehen. Zur passiven Immunisierung sind zum Beispiel Arzneimittel mit Antikörpern gegen Tetanustoxin (z. B. Tetagam® P) und Tollwutviren (z. B. Berirab®) auf dem Markt. Zudem können Immunglobulin-Präparate mit Antikörpergemischen (z. B. Beriglobin®, Intratect® 100 g/l) Menschen mit schwerer Immunschwäche vor Infekten schützen.

Nebenwirkungen

Moderne Impfstoffe sind gut verträgliche Arzneimittel. Bleibende unerwünschte Arzneimittelwirkungen werden nur sehr selten beobachtet, heißt es im Epidemiologischen Bulletin 34/2017 des RKI.

Unter Kontrolle-- In Deutschland überprüft das Paul-Ehrlich- Institut (PEI) die Qualität jeder hergestellten Impfstoffcharge (Chargenprüfung), bevor sie auf den Markt kommt. Zudem sammelt, untersucht und bewertet das PEI alle gemeldeten Verdachtsfälle von Impfkomplikationen. Nicht meldepflichtig sind übliche Impfreaktionen.

Impfreaktionen-- Nach einer Impfung können an der Impfstelle vorübergehend Symptome wie Rötung, Schwellungen und Schmerzen auftreten. Aber auch Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sind möglich. Diese Reaktionen zeigen, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert.

Nach einer Impfung mit Lebend- impfstoffen kann es gelegentlich auch zu leichten Symptomen der Infektionskrankheit kommen (Impfkrankheit). Bekannt sind beispielsweise die „Impfmasern“ mit masernähnlichem Hautausschlag und mäßigem Fieber. Vor allem nach der ersten Masernimpfung sind fünf bis 15 Prozent der Geimpften davon betroffen. Besorgte Kunden sollten wissen, dass Impfkrankheiten in aller Regel harmlos verlaufen, selbstlimitierend und nicht ansteckend sind.

TIPP!

Nutzen Sie für Informationen rund ums Impfen die kostenlose App STIKO@rki auf Ihrem Handy oder PC (Windows 10). Sie zeigt die aktuellen Impfempfehlungen. Zudem ermöglicht sie interaktiv einen individuellen Impfcheck und stellt Fachinformationen zu Impfstoffen bereit.

Verlässliche Informationen

Welche Impfungen in Deutschland zum Schutz einzelner Personen, aber auch zum Schutz der Bevölkerung notwendig sind, prüft und bewertet die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI jedes Jahr neu. Die Impfempfehlungen des unabhängigen Expertengremiums sind Grundlage der öffentlichen Impfempfehlungen der obersten Gesundheitsbehörden der Länder und haben den Status einer öffentlichen Impfempfehlung. Auf empfohlene Schutzimpfungen haben gesetzlich Versicherte einen kostenfreien Anspruch. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen oder andere Träger wie beispielsweise Arbeitgeber. Davon ausgenommen sind Schutzimpfungen für private Auslandsreisen.

S-, I-, B- und R-Impfungen-- Bei ihren Empfehlungen unterscheidet die STIKO zwischen Standard- und Auffrischungsimpfungen für alle, Indikationsimpfungen für spezielle Risikogruppen, B-Impfungen aufgrund eines erhöhten beruflichen Risikos und R-Impfungen aufgrund von Reisen. Für eine Beratung zu Reiseimpfungen reichen die Hinweise der STIKO nicht aus. Weitere Informationen bieten beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) und private Anbieter wie das Centrum für Reisemedizin (CRM).

Schutzimpfungen

Wenn Kunden eine Beratung zur Reiseapotheke wünschen, ist dies eine gute Gelegenheit, über den Impfstatus zu sprechen. Der Grund ist, dass die in Deutschland empfohlenen Standard- und Auffrischungsimpfungen für Kinder und Erwachsene auch auf Reisen ein wertvoller Schutz sind. Aber auch die herannahende Grippesaison kann ein Anlass für ein Beratungsgespräch sein. Ein Impfcheck anhand der Empfehlungen der STIKO zeigt, welche Impfungen nachzuholen oder aufzufrischen sind. Einen schnellen Überblick bietet der Impfkalender. Welche Reiseimpfungen sinnvoll sind, erfahren Interessierte beispielsweise auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes (www. auswaertiges-amt.de) unter der Rubrik „Reisemedizinische Hinweise nach Ländern“. Im Folgenden sind einige oft vernachlässigte Impfungen aufgeführt.

HPV-Impfung

Humane Papillomviren (HPV) sind Tumorviren. Länger bestehende Infektionen mit Risiko-HPV-Typen (z. B. 16, 18, 31) können Gebärmutterhalskrebs auslösen. Aber auch an der Entstehung anderer bösartiger Tumoren (z. B. Anal-, Penis-, Mundhöhlen- und Rachenkrebs) sind HP-Viren beteiligt.

Neue Empfehlung-- Die Standardimpfung zur Reduzierung des Krebsrisikos bei Frauen ist bereits seit Jahren etabliert. Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen HPV für alle neun- bis 14-jährigen Mädchen. Im Juni 2018 hat sie nun auch die Standardimpfung für alle Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren eingeführt. Versäumte Impfungen sollten Mädchen bis zum Alter von 18 und Jungen bis zum Alter von 17 Jahren nachholen. Zur Grundimmunisierung sind zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten notwendig. Da HP-Viren sexuell übertragen werden, sollte die Impfserie bereits vor dem ersten sexuellen Kontakt abgeschlossen sein. Zur Verfügung stehen ein zweivalenter Impfstoff mit Antigenen der Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 (Cervarix®) und ein neunvalenter Impfstoff (Gardasil® 9). Er enthält zusätzlich Antigene von fünf weiteren Hochrisiko- und zwei Niedrigrisiko-HPV-Typen.

TIPP!

Tipps und Hinweise zur Schmerz- und Stressreduktion beim Impfen erhalten Sie beispielsweise im Epidemiologischen Bulletin Nr. 34/2017 des Robert Koch-Instituts. Auf den Internetseiten des RKI (www.rki.de) ist es kostenlos abrufbar.

Influenzaimpfung

Laut RKI lösen Influenzaviren (Grippeviren) in manchen Jahren eine schwere Grippewelle mit bis zu 30 000 Krankenhauseinweisungen und geschätzten 20 000 Todesfällen (Saison 2012/2013) aus. In anderen Jahren ist eine höhere Sterblich-keit durch Influenza nicht nachzuweisen. Das höchste Erkrankungsrisiko besteht in den beiden Wintermonaten Januar und Februar.

Jährlich-- Grippeviren sind sehr mutationsfreudig. Insbesondere Influenzaviren vom Typ A verändern ihre Proteinantigene auf der Virushülle (Neuraminidase, Hämagglutinin) häufig. Jährlich ist daher eine Anpassung des Impfstoffs an die aktuell kursierenden Erreger und eine erneute Impfung erforderlich. Für alle Personen ab 60 Jahre ist die Influenzaimpfung eine Standardimpfung. Für medizinisches Personal und Mitarbeiter der Apotheke, die in der Offizin Arzneimittel und apothekenübliche Ware abgeben, ist sie eine wichtige B-Impfung.

Beispiele für Influenzaimpfstoffe der aktuellen Saison 2018/2019 sind Fluad® 2018/2019 (trivalent, mit Adjuvans, ab 65 J.), Influsplit® Tetra 2018/2019 (tetravalent, ab 6 Mo.) und Influvac® Tetra 2018/2019 (tetravalent, ab 18 J.).

Masernimpfung

Masernviren sind hoch ansteckend und keineswegs harmlos. Bei etwa einem Viertel der Kranken ist eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus erforderlich. Besonders gefürchtet sind mögliche Komplikationen wie Enzephalitis (Gehirnentzündung) und bakterielle Sekundärinfektionen. Bis zu 20 Prozent der Enzephalitis-kranken versterben an den Folgen.

Standardimpfungen-- Nach den Empfehlungen der STIKO sollen Kinder im Alter von elf bis 14 Monaten ihre erste Masernimpfung erhalten. Mit der Gabe einer zweiten Dosis im Alter von 15 bis 23 Monaten ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Wenn ein Kleinkind in eine Gemeinschaftseinrichtung aufgenommen werden soll, kann es bereits mit neun Monaten die erste Impfung erhalten (Indikationsimpfung). Zudem empfiehlt die STIKO allen Erwachsenen mit einem unklaren Impfstatus eine einmalige Masernimpfung, wenn sie nach 1970 geboren sind. Eine Ausnahme bildet Sachsen: Hier soll die zweite Dosis um den vierten Geburtstag, frühestens zur U8 (46. bis 48. Lebensmonat) bis spätestens zur Schulaufnahmeuntersuchung gegeben werden. Bei Masernerkrankungen im Umfeld ist die zweite Impfung vorzuziehen.

Eine Masernimpfung ist heute überwiegend eine Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR, z. B. MMR Vaxpro ®, Priorix ® Masern, Mumps, Röteln) und teilweise zusätzlich gegen Varizellen (MMR-V, z. B. Priorix® Tetra, Proquad®). Die Gabe eines Mehrfachimpfstoffs reduziert die Zahl der benötigten Injektionen. Kombinationsimpfstoffe weisen eine sichere Wirksamkeit auf. Das Immunsystem überlasten sie nicht.

Pneumokokkenimpfung

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind Auslöser von banalen Nasennebenhöhlenentzündungen, aber auch von Mittelohrentzündungen, Pneumonien, Hirnhautentzündungen (Meningitiden) und Sepsis. In Deutschland sind die Bakterien jährlich für den Tod von etwa 5000 Menschen verantwortlich.

Indirekter Einfluss-- Pneumokokkeninfektionen sind mit Antibiotika wie Penicillinen und Makroliden behandelbar. Rasante Verläufe und Antibiotikaresistenzen können die Therapie jedoch stark erschweren. Daten des Nationalen Referenzzentrums für Streptokokken an der RWTH Aachen zeigen, dass Impfungen die Rate an Antibiotikaresistenzen beeinflussen können. Seit der Einführung der Standardimpfung von Kindern unter zwei Jahren in 2006 ist die Makrolidresistenz kontinuierlich zurückgegangen.

S für Kinder und Senioren-- Zur Grundimmunisierung erhalten reifgeborene Säuglinge nach dem 2+1 Impfschema insgesamt drei Impfstoffdosen im Alter von zwei, vier und elf bis 14 Monaten. Frühgeborene benötigen ein anderes Impfschema. Sie bekommen eine zusätzliche Impfstoffdosis im Alter von drei Monaten.

Da Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoffe bei Kindern vor dem zweiten Lebensjahr keinen ausreichenden Impfschutz hervorrufen, werden Kleinkinder ausschließlich mit einem Konjugatimpfstoff geimpft. Ein verfügbarer Konjugatimpfstoff (Synflorix®) schützt vor zehn Serotypen, ein weiterer vor 13 Serotypen (Prevenar 13®). Zur Standardimpfung von Personen über 60 Jahren (Ausnahmen siehe aktuelle Empfehlungen) empfiehlt die STIKO eine Impfung mit einem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff (Pneumovax® 23).

Rotavirusimpfung

Rotaviren sind die häufigste Ursache viraler Darminfektionen im Kindesalter. Vor allem Kinder von sechs Monaten bis zu zwei Jahren sind davon betroffen. Brechdurchfälle wegen einer Rotavirus- infektion führen jährlich bei etwa 20 000 Säuglingen und Kleinkindern zu einer stationären Behandlung.

Schluckimpfung-- Die Rotavirusimpfung ist eine Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff. Die STIKO empfiehlt einen frühen Beginn der Standardimpfung im Alter von sechs Wochen. Je nach Impfstoff erhalten Kinder zwei (Rotarix®) oder drei Dosen (Rotateq®) im Abstand von mindestens vier Wochen. Die Impfserie sollte laut STIKO vorzugsweise bis zu einem Alter von 16 beziehungsweise 20 bis 22 Wochen abgeschlossen sein. Der Grund für den frühen Beginn und Abschluss der Grundimmunisierung ist ein geringfügig erhöhtes Risiko für eine Darminvagination (Einstülpung eines Darmabschnitts), das mit steigendem Alter der Kinder zunimmt. Bei bis zu sechs von 100 000 geimpften Kindern kommt es zu dieser Impfkomplikation. Besorgte Eltern sollten wissen, dass unabhängig von der Impfung etwa 60 bis 100 von 100 000 Kindern in Deutschland innerhalb des ersten Lebensjahres an einer Darminvagination erkranken.

Faktum

  1. Nord-/Südamerika, Skandinavien, viele Länder in Osteuropa und einige südafrikanische Staaten sind masernfrei.
  2. Die WHO hat das Ziel, Masern und Röteln in Europa bis 2020 zu eliminieren.
  3. Zur Ausrottung der Masern müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung die empfohlene Zweifach-Impfung erhalten haben.
  4. Bei der Eliminierung von Masern gehört Deutschland in Europa zu den Schlusslichtern.

Tollwutimpfung

Tollwut wird in unseren Breiten nur noch von der Fledermaus übertragen. Die Impfung ist daher eine B-Impfung beispielsweise für Personen, die beruflich Umgang mit Fledermäusen haben, und eine R-Impfung für Reisende. Weltweit sterben jährlich etwa 59 000 Menschen an der Virusinfektion. Wer in Regionen reist, in denen Tollwut übertragen wird, sollte sich vorab impfen lassen – auch, weil in vielen Reiseländern hochwertige Impfstoffe nicht regelhaft zur Verfügung stehen, warnt das CRM. Zu den Tollwutverbreitungsgebieten gehören Afrika, Asien und Lateinamerika. Bisse oder Kratzer von infizierten Hunden sind laut WHO für 99 Prozent aller Übertragungen auf den Menschen verantwortlich.

Präexpositionsprophylaxe-- Zum Schutz vor einer Infektion werden zur Grundimmunisierung drei Impfstoffdosen an den Tagen 0, 7 und 21 oder 28 (Rabipur®) oder an den Tagen 0, 7 und 28 oder 21 (Tollwut-Impfstoff HDC inaktiviert) verabreicht. Laut dem CRM ist auch eine Schnellimmunisierung (Off-label-use) innerhalb einer Woche möglich.

Postexpositionsprophylaxe-- Kommt es zu einem Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier, soll mit einer Postexpositionsprophylaxe eine manifeste Infektion verhindert werden. Kontaminierte Körperstellen oder Wunden sind unverzüglich zu reinigen und zu desinfizieren. Ob und welche Maßnahmen zur Immunprophylaxe zu treffen sind (z. B. sofortige Gabe von Tollwutimpfstoff und Tollwutimmunglobulin), ist abhängig von der Art der Exposition (z. B. Knabbern an der Haut, kleinere nicht blutende Kratzer, Bissverletzung). Auch bei einer bestehenden Grundimmunisierung kann eine postexpositionelle Prophylaxe angezeigt sein. Nach einer Schnellimmunisierung ist laut dem CRM bei jedem Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier sicherheitshalber eine weitere Impfung erforderlich. Unbehandelt ist Tollwut immer tödlich.


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