31.07.2018

Infektionen: Entzündete Blase

von Kirsten Bechtold

Es brennt beim Wasserlassen, möglich sind Schmerzen und Krämpfe im Unterleib: Beschreiben Ihnen Kunden diese Symptome, spricht das für eine Blasenentzündung. Was können Sie (vorbeugend) empfehlen?

© SCIENCE PHOTO LIBRARY / mauritius images (Symbolbild mit Fotomodell)

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Gelangen bestimmte Bakterien, meist Escherichia coli, aber auch Staphylococcus saprophyticus, Klebsiella pneumoniae und Proteus mirabilis, von außen über die Harnröhre in die Blase, lösen sie an der Blasenschleimhaut eine Entzündung aus. Fachleute sprechen von Zystitis. Als erste Reaktion gegen die Eindringlinge produziert der Organismus mehr Harn, um die Keime wieder loszuwerden. Das erklärt den ständigen Drang, auf die Toilette gehen zu müssen. Die Entzündung sorgt jedoch auch dafür, dass sich die Blasen- und Harnröhrenmuskulatur verkrampft. Das erschwert das Wasserlassen und kann krampfartige Schmerzen im Unterbauch auslösen. Trifft Urin auf die gereizte Schleimhaut, ruft das oftmals ein Brennen hervor.

Die meisten unkomplizierten Harnwegsinfektionen beschränken sich auf die unteren Harnwege (Harnblase, Harnröhre). Es beststeht jedoch auch die Gefahr, dass die Keime weiterwandern und in die oberen Harnwege (Harnleiter, Nieren oder Nierenbecken) eindringen. Treten mindestens zwei Blasenentzündungen pro Halbjahr oder drei pro Jahr auf, handelt es sich per definitionem nicht mehr um eine akute, sondern um eine rezidivierende (wiederkehrende) Zystitis.

Akute Zystitis

Bei der Therapie der akuten unkomplizierten Blasenentzündung geht es im Wesentlichen darum, die klinischen Symptome rascher als ohne Medikation zum Abklingen zu bringen. Grundsätzlich sollte, wer die typischen Anzeichen bemerkt, sofort damit beginnen, mindestens zweieinhalb bis drei Liter Wasser oder Tee zu trinken. Empfehlenswert sind hier Nieren- und Blasentees aus der Apotheke, die harntreibende Bestandteile enthalten. Männer, Schwangere und Kinder mit entsprechenden Symptomen sollten immer an den Arzt verwiesen werden. Das gilt auch, wenn der Kunde über Fieber, Blut im Urin oder Schmerzen in der Nierengegend berichtet.

Antibiotika

Die 2017 aktualisierte AWMF-Leitlinie zu Harnwegsinfektionen empfiehlt auch bei der akuten unkomplizierten Blasenentzündung eine antibiotische Therapie. Vorzugsweise sollten folgende Wirkstoffe eingesetzt werden: Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam und Trimethoprim (dieses nur, sofern die Resistenzrate < 20 % ist).

Allerdings wird bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden auch eine alleinige symptomatische Therapie als Alternative erwogen, vorausgesetzt, die Patienten werden an der Entscheidungsfindung beteiligt und über die Grenzen der Alternativbehandlung informiert.

Ibuprofen

Sofern sich die Harnwegsinfektion auf die Harnblase beschränkt und nur leichte Beschwerden vorliegen, kann in Absprache mit dem Arzt eine reine Schmerztherapie mit Ibuprofen erwogen werden. Wer dies versucht, muss jedoch ganz genau beobachten, wie sich die Symptome entwickeln. Werden die Schmerzen stärker oder wandern weiter in Richtung Nierengegend (Gefahr Nierenbeckenentzündung!), kann auf Antibiotika nicht verzichtet werden.

Wiederkehrende Zystitis

Vor einer antibiotischen Langzeitprävention sollte der Betroffene ausführlich beraten werden. Denn einer Blasenentzündung kann häufig durch bewusstes Verhalten vorgebeugt werden. So erhöht zum Beispiel häufiger Geschlechtsverkehr das Erkrankungsrisiko, ebenso die Verwendung von Intrauterin-Spiralen, Intravaginal-Ovula sowie von Diaphragmen und Kondomen, die mit Spermiziden beschichtet sind.

Das Risiko verringern können Kunden, indem sie sich vor kalten Füßen schützen, nasse Badekleidung sofort nach dem Schwimmen wechseln und auf eine übertriebene Intimhygiene verzichten. Bei der Reinigung nach dem Stuhlgang sollte darauf geachtet werden, dass von vorne nach hinten gesäubert wird, um die Keime gar nicht erst in die Nähe der Harnröhre zu bringen. Die Blase sollte regelmäßig und vollständig entleert werden und nicht erst, wenn sie prall gefüllt ist. Auch kann es helfen, Baumwollunterwäsche zu tragen und diese bei 60 Grad Celsius zu waschen. Das tötet die Keime zuverlässig ab. Unterhosen sollten nicht zu eng sitzen, um eine Reizung zu vermeiden.

Antibiotikaalternativen

Laut der AWMF-Leitlinie gibt es auch nicht antibiotische Alternativen bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen.

D-Mannose-- Hierzu zählt der Zucker D-Mannose. Der natürliche Baustein soll Untersuchungen zufolge an die Bakterien binden und so verhindern, dass sie sich an der Blaseninnenwand anheften können. Stattdessen werden sie mit dem Urin ausgeschieden.

Phytoprophylaxe-- Alternativ nennt die Leitlinie zudem verschiedene Phytotherapeutika, die bei häufig wiederkehrender Blasenentzündung erwogen werden können. Hierzu zählen Präparate aus Bärentraubenblättern, die antibakterielle Substanzen enthalten und antientzündlich wirken. Sie sollten laut Leitlinie nicht länger als einen Monat lang eingenommen werden.

Genannt wird zudem Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel. Die enthaltenen Senföle sollen den Haupterreger E. coli am Eindringen in die Zellen der Blaseninnenwand hindern und so die Keimzahl verringern.

Eine weitere, nicht in den Leitlinien aufgeführte, Option ist eine pflanzliche Dreierkombination aus Tausendgüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern. Die Inhaltsstoffe weisen antientzündliche, schmerzlindernde und krampflösenden Effekte auf und sollen ebenfalls das Anheften krankheitsauslösender Bakterien an die Blasenschleimhaut verhindern.

Ein Medizinprodukt enthält Xyloglucan-Gelatine, ergänzt durch Hibiskus und Propolis. Xyloglucan-Gelatine soll durch das Ausbilden eines Biofilms im Darm die Ausbreitung von E. coli-Bakterien erschweren. Die pflanzlichen Bestandteile tragen dazu bei, die Bakterienvermehrung einzudämmen. Manche Betroffene haben zudem gute Erfahrungen mit dem regelmäßigen Trinken von Cranberrysaft gemacht.


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