30.05.2022

Inhalationssysteme: Tief einatmen

von Kirsten Bechtold

Wer wegen einer Atemwegserkrankung auf einen Inhalator angewiesen ist, muss wissen, wie er diesen korrekt anwendet. Einige grundsätzliche Tipps können PTA Patienten mit auf den Weg geben.

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Bei Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale, Bronchitis, COPD, Allergien und Mukoviszidose werden Inhalatoren zum Verabreichen von Medikamenten eingesetzt. Die einzelnen Systeme wie Pulver- und Druckgasinhalatoren sowie elektrische Vernebler unterscheiden sich deutlich in ihrer Handhabung. Eine fehlerfreie Anwendung ist jedoch für den Erfolg der Therapie wichtig. Hierbei können PTA unterstützen.

So zeigen zum Beispiel die Ergebnisse der VITA-Studie (Verbesserung der Inhalationstechnik von Menschen mit Asthma und COPD in Apotheken), dass bereits eine einmalige Beratung in der Apotheke die Fehlerquote von 71 auf 21 Prozent senken kann, berichtet die Apothekerkammer Niedersachsen. Und es gibt auch einige Dinge, auf die bei der Anwendung von Inhalationssystemen immer zu achten ist.

Aufrechte Haltung

Jedes Gerät muss gemäß Beipackzettel vorbereitet werden. Raten Sie dem Kunden dazu, immer mit aufrechtem Oberkörper zu inhalieren, also am besten im Sitzen oder Stehen. So ist ein tiefes Einatmen möglich, und der Wirkstoff kann bis in die kleinsten Verästelungen oder Bronchien in der Lunge vordringen.

Vor dem Start der Inhalation rät die Apothekerkammer Niedersachsen zum vorbereitenden Ausatmen, um dann während der Inhalation je nach Anleitung schnell oder langsam, jedoch immer tief, einatmen zu können. Atem einige Sekunden anhalten, damit sich der Wirkstoff in der Lunge entfalten kann.

Pulverinhalatoren

Für Patienten, die noch Kraft beim Ein- und Ausatmen haben, sind Pulverinhalatoren geeignet. Der Wirkstoff liegt treibgasfrei vor und wird beim Einatmen inhaliert. Verschiedene Modelle wie Diskus®, Novolizer®  oder Turbohaler® enthalten die Dosen zum Beispiel einzeln in Kapseln oder Blistern oder in einem Behälter, der durch Betätigung des Mechanismus jeweils eine Dosis freigibt.

Bei allen Modellen müssen die Anwender einen minimalen Inspirationsdruck aufbringen. Oder anders ausgedrückt, sie müssen mit einer bestimmten Stärke und Tiefe einatmen können. Nur so kann der Wirkstoff optimal freigesetzt werden. Die Auswahl des Pulverinhalators hängt daher von den Lungenfunktionswerten ab. Es gibt Inhalatoren mit mittlerem und mit hohem Widerstand.

Inhalationstipp-- Langsam und entspannt ausatmen, Mundstück mit den Lippen fest umschließen und schnell, kräftig sowie möglichst tief durch den Mund einatmen. Atem fünf bis zehn Sekunden anhalten, dann langsam ausatmen. Nach der Inhalation Mund ausspülen und eine Kleinigkeit essen oder ein paar Schlucke trinken.

Druckgasinhalatoren

Bei Druckgasinhalatoren (syn. Dosieraerosole) ist eine gute Koordination notwendig. Der Wirkstoff befindet sich zusammen mit einem Treibgasmittel in einem Druckbehälter. Vor dem ersten Gebrauch oder nach längerer Anwendungspause muss der Inhalator geschüttelt werden. Dann zwei Sprühstöße in die Luft auslösen, um sicherzugehen, dass er funktioniert. Ein Dosieraerosol kann mit einer Inhalationshilfe (Spacer) verwendet werden. Das erleichtert die Koordination von Auslösen und Einatmen.

Inhalationstipp-- Langsam und entspannt ausatmen und den Kopf leicht nach hinten neigen, Mundstück fest mit den Lippen umschließen und einen Sprühstoß auslösen, indem der Wirkstoffbehälter nach unten gedrückt wird. Substanznebel sofort langsam und möglichst tief einatmen, Atem fünf bis zehn Sekunden anhalten, dann langsam ausatmen.

Elektrische Vernebler

Können Patienten nicht mehr stark ein- und ausatmen, bieten sich elektrische Vernebler an. Der Wirkstoff wird in ein Reservoir eingefüllt und ohne Treibmittel in einer lang anhaltenden Sprühwolke freigesetzt. Wichtig: Die Einheit aus Mundstück und Reservoir muss nach Gebrauch mit warmem Wasser abgespült und zum Trockenen abgelegt werden. Idealerweise wird der Schlauch des Verneblers mit Hilfe des Kompressors trocken gepustet. So wird vermieden, dass die Restfeuchtigkeit zu Schimmelbildung führt und die Düse verstopft.

Inhalationstipp-- Die Inhalation erfolgt sehr langsam und kontinuierlich. Es wird das normale Atemzugsvolumen ein- und ausgeatmet. Das ist ein wichtiger Hinweis bei der Abgabe. Denn eine gesteigerte Atemfrequenz oder tiefes Einatmen sind häufige Anwendungsfehler.

Gemeinsam üben

Hilfreich ist das Angebot, die Inhalation gemeinsam mit dem Anwender einzuüben und anschließend die fachgerechte Reinigung des Geräts zu zeigen. Die Deutsche Atemwegsliga bietet unter www.atemwegsliga.de/vernebler.html unter anderem verschiedene Videos zu den unterschiedlichen Systemen an.

Quelle: Apothekerkammer Niedersachsen


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